Inhaltsverzeichnis .........................................................................................................Seite
1. Relevanz wahrnehmungspsychologischer Grundlagen für die Schaufensterwerbung. 3
2. Erklärungsansätze der menschlichen Reizwahrnehmung und -verarbeitung. 4
2.1. Grundlagen der Wahrnehmungsforschung 4
2.2. Theorien der Wahrnehmung - ein Überblick 4
2.3. Selektive Wahrnehmung 7
3. Einflussmöglichkeiten von Schaufenstern als Werbemitteln auf die Wahrnehmungs -
und Werbewirkungsprozesse. 8
3.1. Grundlagen der Schaufensterwerbung 8
3.2. Einordnung der Schaufensterwerbung in ausgewählte Modelle der Werbewirkung 9
3.3. Wahrnehmungspsychologische Konsequenzen für die Gestaltung von Schaufenstern 11
4. Zusammenfassung und Ausblick 12
Literaturverze ichnis XIV
II
1. Relevanz wahrnehmungspsychologischer Grundlagen für die Schaufensterwerbung
Da die durch Einsatz von Schaufenstern als Werbemitteln des stationären Einzelhandels angestrebten Ziele - wie das Wecken von Aufmerksamkeit, die Aktivierung von Kundenwünschen und das Einladen zum Kauf 1 -, leicht zu identifizieren sind, stellt sich eine genaue Kenntnis der zur Erreichung dieser Absichten führenden Prozesse als unentbehrlich dar. Sowohl für die Gestaltung von Schaufenstern als auch für die im Rahmen der Marktforschung durchzuführenden Werbeerfolgskontrollen ist es notwendig, nicht beobachtbare Vorgänge, die sich im Inneren des menschlichen Organismus und hier insbesondere unter psychologischen Gesichtpunkten abspielen, zu kennen, zu verstehen und als feste Größe in die Zielplanung zu übernehmen.
Die vorliegende Arbeit stellt die menschliche Wahrnehmung und die Wirkung von Reizen in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung, um nach der Vermittlung wahrnehmungspsychologischer Aspekte Ansatzpunkte darzustellen, wie ein Anbieter eben diese Wahrnehmungs- und Wirkungsprozesse beim Einsatz und bei der Gestaltung eines Schaufensters berücksichtigen, beeinflussen und in der Folge gewinnbringend nutzen kann. Eine solche Zielsetzung erfordert zwar keine historische Analyse sämtlic her Wahrnehmungstheorien en détail, eröffnet aber den Raum zu einem groben Abriss der sich wandelnden Schwerpunktsetzung in den einzelnen wahrnehmungspsychologischen Theorien. Die Wahrnehmungspsychologie beschäftigt sich immer mit dem Verhältnis zwischen äußeren - physikalischen, d. h. hier visuellen, auditiven oder haptischen - Reizen und der durch Wahrnehmung und Gedächtnis erzeugten inneren Welt. Diese ihre Problemstellung kann aus zahlreichen Perspektiven untersucht werden. Aus der Vie lzahl von Studien zu dieser Thematik wurden die Forschungsrichtungen sowohl der psychophysischen als auch der kognitiven Psychologie ausgewählt, die es sich zum einen zum Ziel gesetzt haben, zu erklären, wie das Wahrnehmungserleben von den zugrunde liegenden Reizverhältnissen abhängt, und zum anderen, wie der Wahrnehmungsinhalt von den zur Verfügung stehenden Gedächtnisinhalten und der aktiven Informationsverarbeitung beeinflusst wird. 2
Zum Verständnis der Wahrnehmung und insbesondere der Wirkung von Schaufenstern reicht die alleinige Kenntnis der Aufmerksamkeit erregenden Gestaltungselemente und der auf ihnen beruhenden Wahrnehmungsprozesse nicht aus. Vielmehr ist ein genaues Verständnis der Werbewirkungsprozesse notwendig. Es soll daher auch gezeigt werden, welche Rolle das Werbemittel Schaufenster im Rahmen von ausgewählten Werbewirkungsmodellen hat. Nur mit diesem Verständnis der Wirkungsweise wahrgenommener Schaufensterwerbung können gehaltvolle Aussagen über die Konsequenzen für die wahrnehmungsrelevanten Gestaltungsmöglic hkeiten getroffen werden.
1 Vgl. Schmalen, Helmut (2001), S. 1510.
2 Vgl. Kebeck, Günther (1994), S. 238.
3
2. Erklärungsansätze der menschlichen Reizwahrnehmung und -verarbeitung
2.1. Grundlagen der Wahrnehmungsforschung
Wahrnehmung als zentraler Begriff dieser Arbeit wird als die Grundvoraussetzung aller psychischen Aktivitäten eines Indiv iduums gesehen und schließt neben dem Prozess des Wahrnehmens auch die Resultate desselben mit ein. Der Prozess erstreckt sich von der Aufnahme über die Selektion, die Weiterleitung bis zur Verarbeitung von Reizen aus der Umwelt über einen der fünf Sinne - Sehen, Hören, Tasten, Schmecken und Riechen -, wobei im Folgenden lediglich die visuelle Komponente, als die für die Untersuchung der Wahrnehmung von Schaufenstern bedeutsamste, einer näheren Betrachtung unterzogen werden soll. 3
Die grundlegende Voraussetzung für das Zustandekommen einer visuellen Reizwahrnehmung sind die Adäquatheit des Reizes, eine bestimmte zeitliche Dauer sowie seine räumliche Größe und seine physikalische Intensität. 4 Die Netzhaut des menschlichen Auges nimmt elektromagnetische Welle n - also die Voraussetzung der visuellen Wahrnehmung - nur wahr in einem Bereich zwischen 400-760 nm (Nanometer) Wellenlänge. 5 Die Intensität eines Reizes muss umso stärker sein, je kürzer der Reiz wirkt. Dies gilt allerdings nur, solange der Reiz nicht lä nger als 100 Millisekunden dargeboten wird. Allerdings gilt nach dem Weber-Fechnerschen Gesetz, dass die subjektive Empfindungsstärke dergestalt von der objektiven Reizintensität abhängt, dass bei einem schwachen Reiz schon ein geringer Zuwachs der Reizintensität ausreicht, um eine stärkere Empfindung hervorzurufen, während der Grenzzuwachs bei einem starken Reiz größer sein muss, um auch hier eine größere Empfindungsstärke zu erzeugen. Bezüglich der räumlichen Größe ist zu sagen, dass Stimuli umso besser wahrgenommen werden, je dichter sie am Netzhautzentrum des Auges abgebildet werden. 6
Die genannten Merkmale reichen zur Erklärung von Endergebnissen des Wahrnehmungsprozesses jedoch nicht aus. Erst die im Folgenden beschriebenen Theorien der Wahrnehmung versuchen dies zu le isten.
2.2. Theorien der Wahrnehmung - ein Überblick
Es existiert eine Vielzahl von Ansätzen zur Erklärung der Wahrnehmung, deren Kernaussagen hier dargestellt werden sollen. Es sind dies die Theorie der Elementen-, Gestalt- und Ganzheitspsychologie , sowie der Informationsverarbeitungsansatz und die Hypothesentheorie der Wahrnehmung.
3 Vgl. Mayer, Hans; Illmann, Tanja (2000), S. 426 f.
4 Vgl. ebenda., S. 426 ff.
5 Vgl. Goldstein, E. Bruce (1997), S. 9.
6 Vgl. Mayer, Hans; Illmann, Tanja (2000), S. 427 ff.
4
Gegenstand der Ele mentenpsychologie ist die Beziehung zwischen einzelnen physikalischen Außenreizen und speziellen psychischen Empfindungen. Dieser Theorie nach setzt sich das Wahrnehmungsbild aus der Summe der Empfindungen zusammen, die sich aus den kleinsten Elementen des Werbemittels ergeben. 7 Das Ganze entspricht hier also der Summe seiner Teile. Zudem wird die Gesetzmäßigkeit unterstellt, dass zwischen Reiz und Empfindungsstärke ein berechenbarer, proportionaler Zusammenhang besteht. 8 Nicht zuletzt wegen widersprüchlicher Forschungsergebnisse gilt dieser Ansatz heute als überholt, denn in einer Reihe werbepsychologischer Untersuchungen konnte beobachtet werden, dass nicht nur die Reizintensität oder andere isolierbare Teile einen Effekt haben, sondern dass gerade auch das Zusammenwirken der einzelnen Teile eine entscheidende Bedeutung für die Wahrnehmung hat. Eine Abschätzung der Wirksamkeit isolierter Bestandteile ist demnach allenfalls dann sinnvoll, wenn die übrigen Bedingungen konstant bleiben. 9
Eben hier setzt die Theorie der Gestaltpsychologen an. Die Grundhypothese ihres Erklärungsansatzes besagt, dass das Ganze mehr als die Summe seiner Teile ist. 10 Die Gestaltpsychologen konnten nachweisen, dass die Wahrnehmungsleistungen nicht von Einzelempfindungen geprägt sind, sondern dass das Phänomen der Wahrnehmung erst unter Berücksichtigung des Kontextes, sowie von Faktoren der Wahrnehmungsgliederung und von Erfahrungen und Einstellungen erklärt werden kann. Das Wahrgenommene als Ganzes und somit der Begriff der Ganzheit steht dem durch die Elementpsychologie geprägten Begriff der Summation entgegen. 11
Das grundlegende Organisationsprinzip der Wahrnehmung stellt die Unterteilung des Wahrnehmungsfeldes in Figur und Grund dar. Die Figur wird dann am besten wahrgenommen, wenn sie prägnante Konturen hat und sich hierdurch von ihrem Hintergrund abhebt. Dabei sind die wichtigsten Determinanten ihre Helligkeit sowie die relative Seltenheit bestimmter Farben und Nähe im Wahrnehmungsfeld. 12
Des Weiteren haben die Gestaltpsychologen so genannte Gesetze der Wahrnehmung formuliert, deren Kernaussagen im Folgenden dargestellt werden. Als das wichtigste Gesetz wird das Gesetz der Prägnanz oder Gesetz der guten Gestalt angesehen. 13 Es besagt, dass Individuen Wahrnehmungsgegenstände mit größerer Wahrscheinlichkeit als einheitliche Figur erkennen und sie höhere Aufmerksamkeits- und Erinnerungswerte erreichen, wenn bestimmte Prägnanzfaktoren wie Regelmäßigkeit, Symmetrie, Einfachheit, oder Geschlossenheit gegeben sind. 14 Das zweite
7 Vgl. Mayer, Hans; Illmann, Tanja (2000), S. 433.
8 Vgl. Bruhn, Manfred (1997), S. 321.
9 Vgl. Mayer, Hans; Illmann, Tanja (2000), S. 434.
10 Vgl. Bruhn, Manfred (1997), S. 322.
11 Vgl. Mayer, Hans; Illmann, Tanja (2000), S. 435.
12 Vgl. Guski, Ra iner (1989), S. 53f.
13 Vgl. ebenda, S. 53 f.
14 Vgl. Bruhn, Manfred (1997), S. 323.
5
Arbeit zitieren:
Sascha Maynert, 2003, Zur Wahrnehmung und Wirkung von Schaufenstern – psychologische Grundlagen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das Ladendesign als Erfolgskomponente der Ladengestaltung
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit, 20 Seiten
Design und Präsentation im Verkaufsraum - Grundlagen und Umsetzungsans...
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Studienarbeit, 43 Seiten
Leistungsmessung und -bewertung in der Schule
Referat (Ausarbeitung), 9 Seiten
Prüfen, Bewerten und Vorbehandeln einer Dachrinne (Unterweisung Maler ...
AdA Handwerk / Produktion / Gewerbe - Maler, Lackierer, Fliesenleger
Unterweisung / Unterweisungsentwurf, 10 Seiten
Testimonials in der Werbung - Zielsetzung und Funktionsweise dargestel...
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 13 Seiten
Die Türkeidebatte: Die Türkei in die EU?
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Hausarbeit, 19 Seiten
Instore Medien - TV und Musik Einsatz am POS
Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing
Hausarbeit (Hauptseminar), 16 Seiten
Normen und Dimensionen eines pädagogischen Leistungsbegriffs
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Die Semiotik als Grundlage zur Analyse von Werbeanzeigen
Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Seminararbeit, 20 Seiten
Erlebnisorientierung als Strategie des Einzelhandels
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Erfolgsstrategien der Beschaffung über elektronische Marktplätze aus d...
Ingenieurwissenschaften - Wirtschaftsingenieurwesen
Diplomarbeit, 198 Seiten
Argumentationsstrategien von Wahlwerbung
Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Hausarbeit, 25 Seiten
Welche Antworten hat die Emoti...
Studienarbeit, 36 Seiten
EU-Beitritt der Türkei: Die Dimensionen der Diskussion
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Analyse und Auswertung von Unterricht im Lernfeldkonzept - Leistungsbe...
Seminararbeit, 32 Seiten
Impulsives Kaufverhalten in Zusammenhang mit der Gestaltung des Point-...
Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing
Zwischenprüfungsarbeit, 30 Seiten
Sascha Maynert's Text Zur Wahrnehmung und Wirkung von Schaufenstern – psychologische Grundlagen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Sascha Maynert hat den Text Zur Wahrnehmung und Wirkung von Schaufenstern – psychologische Grundlagen veröffentlicht
Sascha Maynert hat einen neuen Text hochgeladen
Wahrnehmung und Wirkung von TV-Spots
Eine Blickregistrierungsstudie
Natalie Hofer, Viktoria Radler, Katharina Bermoser, Günter Schweiger
Visuelle Wahrnehmung im zweidimensionalen Bereich
Elementare Phänomene der zweid...
Moritz Zwimpfer, Schule für Gestaltung Basel
Politische Kommunikation: Wahrnehmung, Verarbeitung, Wirkung
Christian Schemer, Werner Wirth, Carsten Wünsch
Wahrnehmung und Aufmerksamkeit
Texte aus dem Nachlass (1893-1...
Edmund Husserl, Thomas Vongehr, Regula Giuliani
Neue Gewalt oder neue Wahrnehmung? / Nouvelle violence ou nouvelle per...
Kriminologie - Criminologie - ...
Cornelia Bessler, Benjamin Brägger, Volker Dittmann, Daniel Fink, Silvia Steiner, Fabienne Vogler
0 Kommentare