1. Einleitung 3
2. Ausstellungsort Kindermuseum 5
2.1. Historische Entwicklung des Modells „Kindermuseum“ 5
2.2. Aktuelle museumspädagogische Tendenzen 6 Interaktivität 6 Selbsttätigkeit 7
Lernen durch sinnliche Erfahrung 8
„Einübung in die Welt der Erwachsenen“ 8
Zielgruppengerechte Themenwahl 9 Aktive Einbeziehung 9
3. Ausstellungskonzeption 10 Projektbezeichnung 10
Veranstaltungsort: Labyrinth Kindermuseum in Berlin 10 Projektthema 11 Projektziele 11 Zielgruppe 12
Umsetzung: Stationen der Mitmachausstellung 12 Rahmenprogramm 17
Ausstellungsbegleitende Öffentlichkeitsarbeit 18
4. Mediennutzung in der Mitmachausstellung 20
Medien zur Dokumentation und vertiefenden Information 20
Medien zur Interpretation der Ausstellungsobjekte 21
Medien als Ausstellungsobjekte 22
Medien als Ausstellungsthema 23
Medien als interaktive Lernmittel 24
5. Schlussbemerkung 25
2
1. Einleitung
„Kindermuseen sind grundsätzlich anders: Sie [...] sind eine Mischung aus Aben-
teuerspielplatz, Labor und Werkstatt, Bühne für Alltags- und Lebensgeschichten
[...]“ 1
Aus diesem Zitat der Journalistin Lore Dietzen wird deutlich, dass man es bei Kindermuseen jedenfalls mit einem Sonderfall der Institution Museum zu tun hat. Vielleicht sind Kindermuseen im engeren Sinne gar keine Museen, in jedem Fall funktionieren sie nach anderen Prinzipien und unter anderen Zielstellungen als klassische Museen für erwachsene Besucher. Erwachsene, besonders Eltern, Lehrer oder Kindergartenbetreuer, sind zwar auch willkommen, aber auf den ersten Blick ist das Kindermuseum in seiner Gestaltung, Methodik und Wirkungsweise ganz auf die Welt der Kinder ausgerichtet: In der Ausstellung wird gespielt, getobt, gebastelt und dabei fast nebenbei ein wenig die Welt erklärt. Die Welt, die erklärt wird, die Ausstellungsthemen und -inhalte also, sind alle rdings keineswegs Teil einer Kinderwelt, sondern spiegeln den zunehmend komplexen Lebensbereich der Erwachsenen wieder, in dem Kinder sich zu orientieren lernen müssen.
Ein essentieller Teil der Erwachsenenwelt ist zweifellos die Omnipräsenz der Medien. In Folge dessen öffnen sich klassische Museen, wenn auch zögerlich, der so genannten Medienkunst 2 , integrieren Multimedia -Angebote und präsentieren sich und ihre Sammlungen im Internet oder auf CD-Rom. Es stellt sich also die Frage, wie in Kindermuseen mit diesem Aspekt der Erwachsenenwelt sinnvoll umgegangen werden sollte. Auf die Frage „Sind die neuen Medien ein Muss?“ antwortete die Direktorin des Zoom Kindermuseums, Claudia Haas, in einem Interview: „Kindermuseen haben bislang vor allem auf haptische Erlebnisse gesetzt. Das wird
sich sicherlich ändern, weil neue Medien längst die Kinderzimmer erobert haben.“ 3
Dass Medien in Ausstellungen integriert werden müssen, steht demnach außer Frage. Kontrovers diskutiert wird jedoch, wie Kindern, die der medialen Wirklichkeit ja tagtäglich in Form von Fernsehen, Computerspielen, Zeitschriften und Radioprogrammen begegnen und durch sie geprägt werden, ein kritischer, vernünftiger und möglichst kreativer Umgang mit der Medie nwelt nahe gebracht werden kann. Welche Rollen können die Medien folglich speziell in Kindermuseen spielen?
Ziel dieser Arbeit ist es, ein Ausstellungskonzept zu entwerfen, das Medien in unterschiedlichsten Funktionen sinnvoll integriert und ihr pädagogisches Potential am „kulturellen Lernort“ 4 Kindermuseum nutzt. In einem ersten, theoretischen Abschnitt wird zunächst kurz auf die Entstehungsgeschichte der Kindermuseen eingegangen, um die Besonderheiten dieser Museums- 1 LoreDietzen in: Ursula Schreiber: Kindermuseen in Deutschland. Grundlagen, Konzepte, Praxisformen. Unna,
1998.
2 Boris Groys: Das Museum im Zeitalter der Medien. In: Boris Groys: Topologie der Kunst. München, 2003.
3 Petra Rathmanne : „Vom Greifen zum Begreifen“. In: MQ 6, Dezember / Januar 2002 / 2003.
http://www.mqw.at/1753.htm am 13.8.2004.
4 Bundesverband der deutschen Kinder- und Jugendmuseen: www.bv-kindermuseum.de, am 13.8.2004.
3
gattung genauer zu definieren. Im Folgenden werden die museumspädagogischen Prinzipien, die den aktuellen Ausstellungskonzepten von Kindermuseen zu Grunde liegen, ausführlicher erläutert. Ausgehend von diesen Überlegungen entstand schließlich das Konzept 5 für die Mitmachausstellung „Wie Michel auf die Leinwand kam“ - ein Projekt, in dem speziell das Medium Film Thema der Ausstellung ist, in dem aber gleichzeitig auch eine Reihe anderer Medien in verschiedenen Funktionen integriert sind. Eine abschließende Analyse der Mediennutzung in der Mitmachausstellung findet sich im Schlussteil der Arbeit.
5 Im Rahmen einer Hausarbeit kann natürlich kein fertig ausgearbeitetes Konzept entstehen. Dazu müsste sich ein
Team von Experten, d.h. Pädagogen, Ausstellungsgestalter, evtl. Filmwissenschaftler und Filmschaffende, zusam-
menfinden und das hier beschriebene Konzept im Detail ausarbeiten. Auch auf einen realistischen Finanzplan und
eine angemessene Personalplanung für den Betreuungsaufwand kann nicht eingegangen werden.
4
2. Ausstellungsort Kindermuseum
2.1. Historische Entwicklung des Modells „Kindermuseum“
Gemäß einer klassischen Definition besteht die Aufgabe eines Museums im „Sammeln, Bewahren, Forschen, Präsentieren und Vermitteln des natur- und kulturgeschichtlichen Erbes unserer Welt“ 6 . Hierin unterscheiden sich die Kindermuseen nicht wesentlich von „normalen“, klassischen Museen für Erwachsene. Allein durch die Wertung dieser fünf Aufgaben erklärt sich, warum ein Kindermuseum so „grundsätzlich anders“ ist: Der eindeutige Schwerpunkt der Museumsarbeit liegt hier auf der Vermittlung und Bildung, nicht etwa auf der Vollständigkeit einer Sammlung 7 .
Erste Museumskonzeptionen unter vorrangig pädagogischen Zielsetzungen entstanden in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts, beispiel sweise das Deutsche Museum München. Unter Bezugnahme auf reformpädagogische Ansätze war nicht mehr nur das Betrachten, sondern das Erkennen von Wirkungszusammenhängen Ziel der Ausstellung. Dazu wurden auch Versuchseinrichtungen als Objekte integriert - erstmals war der Museumsbesucher nicht nur ein passiver Rezipient, sondern lernte aktiv und aus eigener Erfahrung. Zu dieser Zeit wurde auch der Zusammenarbeit mit Schulen und anderen pädagogischen Institutionen mehr Bedeutung beigemessen. So entstand der Begriff des Museums als „Lernort“: ein Ort der Veranschaulichung schulischer Lerninhalte. 8
Bereits 1899 wurde in den USA das erste Museum speziell für Kinder gegründet: das „Brooklyn Children’s Museum“. Triebfeder war die Unzufriedenheit einiger Pädagogen mit gängigen Museumskonzepten, die in ihrer Themenwahl keinerlei Bezug zur kindlichen Lebenswelt hatten, stille Betrachtung und ein fundiertes Vorwissen voraussetzten und generell für Kinder unattraktiv waren. In den Folgejahren starteten ähnliche Projekte in vielen größeren Städten - so genannte „junior museums“ oder „youth museums“ - deren vornehmliche Zielgruppe Kinder und Jugendliche sind (ohne dabei erwachsene Besucher auszuschließen), und die sich entsprechend den Interessen dieser Zielgruppe zumeist mit naturwissenschaftlichen oder geschichtlichen Themen befassen. Texte und Objekte sind auf Kinder-Sichthöhe angebracht; die Beschriftungen sind einfach verständlich und ohne Fachsprache formuliert. Ziel der Kindermuseen war und ist es, den Lernort Museum kindgerechter zu gestalten, so früh an Museumsbesuche zu gewöhnen und damit sicher zu stellen, dass Kinder auch später als Erwachsene an kulturellen Ausstellungen interessiert sind. 9
6 Ursula Schreiber: Kindermuseen in Deutschland. Grundlagen, Konzepte, Praxisformen. Unna, 1998. S.22
7 vgl. Ursula Schreiber: Kindermuseen in Deutschland. Grundlagen, Konzepte, Praxisformen. Unna, 1998. S.22
8 vgl. Ursula Schreiber: Kindermuseen in Deutschland. Grundlagen, Konzepte, Praxisformen. Unna, 1998. S.12f
9 vgl. Gabriele König: Zur Idee und zum Konzept von Kindermuseen. Tagung der Franckeschen Stiftungen in Koope-
ration mit dem BundesverbandDeutscher Kinder- und Jugendmuseen e. V. (www.bv-kindermuseum.de/ downlo-
ad/Doku%20Tagung%20Halle% 202000.pdf , am 13.8.2004). Halle, 2002. S.7
5
2.2. Aktuelle museumspädagogische Tendenzen
In den letzten 20 Jahren entwickelte sich das Kindermuseum vielerorts weiter, weg vom Schulbezug, hin zu einem eigenständigen, außerschulischen Lernort 10 . Ausschlag gebend dafür war die Integration museumsspezifischer Prinzipien der Pädagogik, hauptsächlich des „hands on“-oder „learning by doing“-Konzepts des amerikanischen Philosophen John Dewey, Montessoris Lerntheorie und des Begriffs des Ästhetischen Lernens 11 . Folgende Prinzipien bilden die Grundlage des museumspädagogischen Konzepts der heutigen Kindermuseen:
Interaktivität
Grundsätzlich verändert hat sich die Bedeutung der Ausstellungsobjekte: Im Gegensatz zum klassischen Museum, wo sie primär präsentiert bzw. betrachtet werden, nehmen sie hier in der Interaktion mit den Besuchern eine weitaus handlungsorientiertere Funktion ein. Im Kindermuseum steht der aktive, kreative und kritische Umgang mit Objekten und Inhalten im Vorder-grund 12 . Die Ausstellungsstücke sollen angefasst, verstellt, verändert und bespielt werden. Der direkte Kontakt der Besucher mit den Objekten, so Ursula Schreiber in Kindermuseen in Deutschland, kann „selbstkontrolliertes und spielerisches Lernen auslösen, und die Möglic hkeit freisetzen, eine eigene Entdeckung zu machen.“ 13
Neben der Interaktion zwischen Besucher und Objekt ist auch die Interaktion zwischen den Besuchern selbst charakteristisch für Kindermuseen. Die Einrichtungen verstehen sich auch als ein Kommunikationsraum, der es Kindern und Erwachsenen ermöglicht, gemeinsam die Ausstellung zu entdecken, sich kreativ zu betätigen, über das Gesehene zu sprechen sowie mitei n-ander und voneinander zu lernen 14 .
Selbsttätigkeit
„In einer Hands-On-Ausstellung erwarten den Besucher Objekte, die so aufgearbe i-
tet, präsentiert und inszeniert sind, dass sich das Kind oder der Jugendliche eigen-
ständig darin bewegen kann. Er bestimmt selbst, womit, wie lange und in welcher
Reihenfolge er sich damit beschäftigt.“ 15
Auf die Selbsttätigkeit und Selbständigkeit der Besucher wird in Kindermuseen großer Wert gelegt. Es bestehen keine festen Regeln, wie eine Ausstellung zu durchlaufen ist oder was mit den Ausstellungsobjekten zu tun ist. Die Kinder sollen so uneingeschränkt wie möglich interagieren. Pädagogisch ausgebildete Betreuer, so genannte Animatoren, können bei Bedarf anregen, helfen, „auf Objekte aufmerksam machen, Fragen beantworten und zusätzliche Informatio-
10 vgl.Ursula Schreiber: Kindermuseen in Deutschland. Grundlagen, Konzepte, Praxisformen. Unna, 1998. S.30
11 vgl. Gabriele König: Zur Idee und zum Konzept von Kindermuseen. Tagung der Franckeschen Stiftungen in Ko-
operation mit dem Bundesverband Deutscher Kinder- und Jugendmuseen e. V. (www.bv-kindermuseum.de/ downlo-
ad/Doku%20Tagung%20Halle% 202000.pdf , am 13.8.2004). Halle, 2002. S.8
12 vgl. Udo Löffler: "Kindermuseen sind keine überdachten Abenteuerspielplätze“. Museumspädagogin König über
den Bildungsort Kindermuseum. In: Bildung Plus: www.forumbildung.de/templates/imfokus_inhalt. php?artid=54
am 13.8.2004.
13 Ursula Schreiber: Kindermuseen in Deutschland. Grundlagen, Konzepte, Praxisformen. Unna, 1998. S.24
14 vgl. Jörn Borchert: Das familienfreundliche Museum. In: Ulrich Schwarz / Phillip Teufel: Handbuch Museografie
und Ausstellungsgestaltung. Ludwigsburg, 2001. S.125
6
Arbeit zitieren:
Teresa Hochmuth, 2004, Konzeption einer Mitmachausstellung für das Labyrinth Kindermuseum, München, GRIN Verlag GmbH
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