Universität Koblenz – Landau, Campus Koblenz
Seminar u. Semester: Jugendkultur und Medien WS 04/05
3. Fachsemester
Theorieansätze zum Rezipientenverhalten Jugendlicher
und medienpädagogische Zielsetzungen
von: Melanie Aschert
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 1-6
1.1 Eigenschaften der Medien
1.2 Determinanten der Mediennutzung
1.3 Zur Begrifflichkeit der Rezeption
2. Theoretische Ansätze zum Rezipientenverhalten Seite 6-16
2.1 Historischer Ansatz
2.2 Wirkungsansatz
2.3 Uses-and-Gratifications-Approach – Nutzenansatz
2.4 Ethnomethodologischer Ansatz
2.5 Medienbiographischer Ansatz
2.6 Medienökologischer Ansatz
2.7 Cultural Studies
3. Jugend und Medien Seite 16-21
3.1 Rezeptionsgewohnheiten Jugendlicher
3.2 Funktionen der Medien im Alltag Jugendlicher
3.3 Der Jugendmedienschutz
4. Medienpädagogische Zielsetzungen Seite 21-24
4.1 Rezeptive Medienarbeit
4.2 Medienkompetenz
5. Literaturverzeichnis Seite 25
6. Anhang
1 Einleitung
In dieser Hausarbeit habe ich mich mit den theoretischen Ansätzen zum Rezeptionsverhalten, speziell in der Altersgruppe der Jugendlichen, aus der aktuellen Medienforschung befasst. Aus der Medienvielfalt habe ich den Fernseher in den Vordergrund gerückt, auf den ich besonders Bezug nehmen werde. Der Umfang der Hausarbeit hat es leider nicht zugelassen, auch auf Medien wie Bücher, Radio, Zeitschriften, Computer oder das Internet näher einzugehen, welche in der Mediendiskussion eigentlich nicht vernachlässigt werden sollten. Zunächst möchte ich auf die allgemeinen Eigenschaften der Medien eingehen, um auch die Medien neben dem Fernseher nicht zu vernachlässigen. Ich werde ebenfalls auf die Determinanten der Mediennutzung eingehen und die Begrifflichkeit der Rezeption erläutern, um einen möglichst leichten Einstieg in das Themengebiet zu ermöglichen. Im zweiten Teil der Hausarbeit werde ich mich genauer mit den vielzähligen theoretischen Ansätzen zum Rezipientenverhalten auseinandersetzen. Die Rezeptionsgewohnheiten Jugendlicher und welche Funktionen die Medien im Alltag Jugendlicher haben, werde ich im dritten Teil ausführen. Zum Schluss werde ich noch auf die Bedeutung und die Zielsetzungen für die Medienpädagogik eingehen, die sich aus den theoretischen Hintergründen ergeben.
1.1 Eigenschaften der Medien
„Medien, allgemein Mittel zur Übertragung und Verbreitung von Information (Nachrichten, Bildung und Unterhaltung) durch Sprache, Schrift, Bild, Musik oder nonverbale (gestische, mimische) Verständigungsweisen; im engeren Sinn technisch bestimmte Kommunikationskanäle wie Druck (Buch, Zeitungen, Zeitschriften), Photographie, Film, Hörfunk und Fernsehen, Schallplatte, Tonband und elektronische Medien. Dabei richten sich Massenmedien im Rahmen einer asymmetrischen Kommunikationssituation an ein anonymes Publikum, während Individualmedien wie das Telefon eine bidirektionale Kommunikation zwischen einzelnen Personen ermöglichen.“1
Medien sind vor Allem Träger von Informationen. Die fundamentalen Medien sind Sprache und Schrift. Über sie tauschen wir Informationen, Ansichten und Gefühle aus. Denkt man an „Medien“ so fallen einem spontan die „Massenmedien“ ein, man denkt an technische Geräte (Fernseher, Computer, Videorekorder…), aber auch an didaktisch organisierte Materialien, wie z.B. die Overhead-Projektoren, die heutzutage in jedem Klassenzimmer stehen. Die öffentlichen Medien lassen sich grob einteilen in „auditive Medien“, (Radio, CD, Hörkassette), „visuelle Medien“ (Stummfilm, Dias, Fotos) und „Printmedien“ (Buch, Zeitschrift, Zeitung). Wir wollen uns darüber im Klaren sein, dass es sich bei jedem Medium meist um ein sehr komplexes System handelt. Besonders deutlich ist dies am Fernseher zu sehen. Es ist zu unterscheiden zwischen den Apparaten als technisch-physikalischeTräger (Fernsehapparat), den Übertragungswegen (Leitungen, Kabel, Satellit), den Produktionsstätten (Rundfunkanstalten) und den durch die Medien verbreiteten Programmen. Die Medien sind so vielfältig, dass es kaum möglich ist alle Medien in ihren Eigenschaften und in ihrer Funktion zu beschreiben. Dennoch werde ich im Folgenden versuchen, zumindest die meiner Meinung nach bedeutsamsten Medien herauszustellen (Presse, Hörfunk, Fernsehen und Kino).
Entscheidend für die Funktion eines Mediums sind seine Eigenschaften, die Kommunikationsbedürfnisse seitens des Rezipienten und die Konkurrenz – die Alternativmöglichkeiten die es gibt um seine zu erfüllen. Der Glaube an das „Supermedium“, hört sich abwegig an, wenn man bedenkt wie unterschiedlich die Nutzungs- und Produktionsbedingungen der verschiedenen Medien sind. Die folgenden Zwei Übersichten (entnommen aus Meyen, M. 2001) sollen die Eigenschaften und die Funktionen des Hörfunks, der Presse, des Fernsehens und des Kinos aufzeigen. Es wird deutlich, dass jedes Medium ihre individuellen jeweiligen Nutzungseigenschaften in Bezug auf die Wahrnehmung, die Verhaltensfreiheit, zeitliche Freiheit, Raum, soziale Situation und zeitliche Distanz hat. Ebenso unterscheiden sich die Medien auch hinsichtlich ihrer Funktionen. Dies ist wahrscheinlich mit ein Grund, wieso so viele Medien nebeneinander existieren können.
1.1 Determinanten der Mediennutzung
Die Mediennutzung Jugendlicher hat einen bestimmten Zweck, der unabhängig davon ist, ob diese Nutzung bewusst oder unbewusst wahrgenommen wird. Ob der Fernseher nur als Geräuschkulisse im Hintergrund läuft oder ob das Fernsehangebot den Tagesablauf strukturiert, entscheidend für den Gebrauch des Mediums „Fernseher“ sind die Erfordernisse, die sich aus unserer individuellen sozialen und psychologischen Situation ergeben.
Im Folgenden gehe ich auf die Ausführungen über die Mediennutzung von Michael Meyen (2001) ein. Er geht davon aus, dass die Mediennutzung sich nicht losgelöst vom Medienangebot und ebenso wenig vom Alltag der Menschen betrachtet werden kann. Er zeigt eine Reihe von Faktoren auf, die entscheidend für den Zugang zu den Medien und für deren Nutzen herausgestellt wurden. Michael Meyen versucht diese Faktoren zu systematisieren. Er teilt die Faktoren in drei Rubriken, die strukturellen (1), die positionellen (2) und die individuellen / sozialen Merkmale (3) ein. Unter die Rubrik „Strukturelle Merkmale“ zählt er die Industrialisierung, Urbanisierung, Religion, Arbeits- und Lebensbedingungen, Traditionen, Medienangebot, Freizeitalternativen, Klima, Politisches System und Rechtsnormen als Einflussfaktoren der Mediennutzung auf. Einkommen, Zeitbudget, Tagesablauf, Stellung im Beruf, Bildung, Alter, Lebensphase und Geschlecht zählt Meyen zu der Rubrik „Positionelle Merkmale“. Der dritten Rubrik „Individuelle und soziale Merkmale“ teilt er die menschlichen Grundbedürfnisse, psychologische Struktur, persönliche Lebensgeschichte, Medienerfahrungen, Familie, Freunde, Netzwerke, Rezeptionssituationen, Einstellungen, Werte und Überzeugungen zu (vgl. Meyen, M. 2001). Diese systematische Einteilung der Einflussfaktoren auf die Mediennutzung erscheint plausibel, dennoch ist sie problematisch. Die Einteilung verschleiert die Zusammenhänge zwischen den oben aufgeführten Merkmalsrubriken. So sind beispielsweise die Arbeits- und Lebensbedingungen eng mit dem Einkommen und dem politischen System verknüpft. Der Tagesablauf und das Zeitbudget sind stark vom Verkehrsnetz abhängig. Betrachtet man die Einflussfaktoren einzeln, so sind diese meiner Meinung nach plausibel. Dass das Klima einen Einfluss auf die Mediennutzung hat ist besonders an verregneten und kalten Wintertagen deutlich - wenn die Zuschauerquoten erheblich steigen. Je nach der Vielfalt anderer zur Verfügung stehender Freizeitaktivitäten wird das Fernsehen erheblich öfters bevorzugt.
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Melanie Aschert, 2005, Theorieansätze zum Rezipientenverhalten Jugendlicher und medienpädagogische Zielsetzungen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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