III
Inhaltsangabe:
1. Problemstellung 01
2. Erläuterungen zum Begriff der sozialen Ungleichheit 03
3. Bildung als Dimension sozialer Ungleichheit 05
3.1 Stellung und Aspekte von Bildung in der heutigen Zeit 05
3.2 Die Bildungsexpansion und ihre Folgen 07
3.2.1 Der Begriff der Bildungsexpansion 07
3.2.2 Empirische Belege zu den Folgen der Bildungsexpansion 08
4. Fazit 11
5. Abbildungsverzeichnis 13
6. Literaturverzeichnis S 18
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1. Problemstellung
Bildung ist nicht nur ein schillernder Begriff in modernen Gesellschaften, sondern gleichsam auch ein interessantes Forschungsgebiet für viele verschiedene Wissenschaftsbereiche. Auch die Soziologie hat sich diesem Themengebiet angenommen und einen analytischen eigenständigen Zugriff auf Fragen der Erziehung und Bildung entwickelt (vgl. Krais 2003, S. 81 - S. 83). Dabei ist auffallend, dass sich einige unterschiedliche Teilgebiete der Soziologie mit Fragen und Problemen bezüglich der Bildung befassen.
Diese Tatsache ist aber sicherlich nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Bildung in unserer heutigen Zeit nicht nur für die Qualifizierung der Individuen und die Wertevermittlung innerhalb der Gesellschaft sorgt. Darüber hinaus ist Bildung aufgrund der erworbenen Qualifikationen „eine wichtige Grundlage für den materiellen Wohlstand der ökonomisch fortgeschrittenen Gesellscha ften“ (Müller/Steinmann/Schneider 1997, S. 177). Der Grad der Bildung ist eine entscheidende Weiche, welche Position bzw. welchen Status eine Person innerhalb der Gesellschaft einnimmt. Bildung öffnet bspw. Türen in der beruflichen Welt, die meist mit hohen Privilegien und Einkommen ausgestattet sind. Sie sorgt infolgedessen für eine Besser- bzw. Schlechterstellung von Personen inne rhalb von Gesellscha ften.
Dabei war Bildung jedoch nicht immer ein Gut für die breite Masse der Bevölkerung, sondern sie war früher ausschließlich ein Privileg der ‚besseren’ Bevölkerungsschichten. Benachteiligungen von bestimmten Kreisen der Gesellschaft waren keine Ausnahme. „Die Kunstfigur des katholischen Arbeitermädchens vom Lande galt bis in die 60er Jahre als Sinnbild aller denkbaren sozialen Benachteiligungen“ (Lange 1986, S. 207). Aufgrund von Reformen hat sich dieses Bild drastisch ge-wandelt.
In diesem Zusammenhang ist auf die Bildungsexpansion hinzuweisen, die „eine der auffälligsten Entwicklungstendenzen der letzten Jahrzehnte“ (Haller 1980, S. 21) darstellt. Der Fokus dieser Hausarbeit richtet sich darauf, ob die Bildungsexpansion zum Abbau von sozialer Ungleichheit beigetragen hat und sie somit einer der an sie gerichteten Erwartungen gerecht wird. Gerade weil der Bildung die statusbezogene Zuteilungsfunktion innerhalb der Gesellschaft zugeschrieben wird, ist es interessant zu überprüfen, ob die Bildungsexpansion zum Abbau von Benachteiligungen bestimmter Personen beigetragen hat oder nicht. Sind alle Bevölkerungsgruppen heutzutage mit den gleichen Chancen ausgestattet, um die begehrten Positionen innerhalb der Gesellschaftsstruktur zu erreichen oder existieren immer noch benachteiligte Gruppen? Der Leser soll im Folgenden einen Überblick erhalten, welche Veränderungen sich vollzogen haben. Dabei muss vorweggenommen werden, dass Vollständigkeit im Rahmen dieser Arbeit nicht erreicht werden kann. Es werden vorwiegend richtungweisende Ergebnisse präsentiert, die zur Klä- rung des oben beschriebenen Sachverhalts beitragen sollen.
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Beginnen wird diese Arbeit mit der Darstellung des Phänomens der sozialen Ungleichheit (Kapitel 2). Hier sollen Merkmale und Kennzeichen der sozialen Ungleichheit dargestellt werden, um ein grundlegendes Wortverständnis aufzubauen und um die zugrunde liegende Arbeitsdefinition vorzustellen.
Anschließend richtet sich das Interesse auf eine - nicht nur in dieser Arbeit - bedeutende Dimension der sozialen Ungleichheit - der Bildung (Kapitel 3). Es wird in Kapitel 3.1 ein Versuch unterno mmen, das Ausmaß und die Signifikanz von Bildung in der heutigen Zeit herauszuarbeiten. Dabei gilt es zu bedenken, dass sich der Bildungsbegriff weitaus vielfältiger ge staltet als er hier dargestellt wird. Eine Unterscheidung in formale und informale Bildung findet innerhalb dieses Kapitels nicht statt. Vielmehr sollen grundlegende Aspekte und Funktionen von Bildung beleuchtet werden. Im Anschluss daran folgt in Kapitel 3.2 die Darstellung der Bildungsexpansion. Es soll Aufschluss über die Motive und den Verlauf dieser einschne idenden bildungsorientierten Veränderung gegeben werden. Im angliedernden Kapitel 3.3 wird dann die Umsetzung der Bildungsexpansion thematisiert. Es werden einige relevante Darstellungen geliefert, die über die Auswirkungen der Bildungsexpansion informieren.
Den Abschluss der Arbeit bildet letztlich Kapitel 4. Innerhalb dieses Kapitels sollen die zentralen Ergebnisse vor dem Hintergrund der zugrunde liegenden Fragestellung erläutert werden.
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2. Erläuterungen zum Begriff der sozialen Ungleichheit
Die soziale Ungleichheit ist generell eines der Kerngebiete, aus denen sich die Soziologie als Wissenschaftsbereich entwickelt hat und die sie gleichzeitig auch heute noch in einem erhebliche m Maß prägt (vgl. Brock 2001, S. 628 - S. 629). Die Beschäftigung und die Konfrontation mit Erscheinungen sozialer Ungleichheit lassen sich weit in die Vergangenheit zurückve rfolgen. Schon seit Beginn der Menschheit richtet sich das Interesse auf sozial ungleiche Erscheinungsformen (vgl. Büschges/Abraham/Funk 1998, S. 43). Seine Aktualität hat dieser Bereich aber auch bis in unsere Zeit hinein nicht verloren, denn „in den letzten Jahren interessieren sich nicht nur Sozialwissenschaftler, Sozialarbeiterinnen und Sozialpädagogen für Fragen der sozialen Ungleichheit, sondern zunehmend auch die Öffentlichkeit“ (Bock-Rosenthal 2000, S. 201).
Der Mensch als Mitglied einer Gesellschaft bildet den Forschungsgegenstand der sozialen Ungleichheit. Innerhalb eines solchen gesellschaftlichen Rahmens stehen die Menschen in vielfältigen Beziehungen zueinander und nehmen sozial unterschiedliche Positionen ein. Die Zugehörigkeit zu den Positionen prägt die Lebensumstände der Individuen. Ungleichheit herrscht bei den Menschen vor (vgl. Hradil 2000, S. 194). Dabei betrifft dies „nicht nur natürliche Verschiedenartigkeiten [beispielsweise des Charakters, des Aussehens, der Intelligenz, der Talente und Kräfte], sondern auch soziale Unterschiede in Bezug auf ökonomische Re ssourcen [Einkommen, Besitz, Vermögen] und soziale Positionen“ (Armingeon 2002, S. 458 - S. 459). Es liegt auf der Hand, dass sich 30-jährige alleinstehende Manager in ihren Lebensumständen stark von 55-jährigen angestellten Familienvätern mit 4 Kindern unterscheiden (vgl. Hradil 1999, S. 23).
Vor dem Hintergrund der sozialen Ungleichheit soll jedoch „von den vielfältigen [denkbaren und in konkreten Gesellschaften vorkommenden] sozial relevanten Differenzierungen (..) die Aufmerksamkeit jenen gelten, die Menschen nicht einfach als in bestimmter Hinsicht übereinstimmend oder verschieden im Vergleich miteinander charakterisieren, sondern bei denen gleichzeitig ‚Bewertungen’ im Sinne von gleich-, besser- oder schlechter-, höher- oder tiefergestellt mit im Spiel sind“ (Bolte/Hradil 1988, S. 22 - S. 23). Das Forschungsinteresse richtet sich in diesem Zusammenhang darauf, wie sich die Lebenslagen voneinander unterscheiden, wie sie generell aussehen, was ihre Wirkungen sind und wie sie sich im Laufe der Zeit verändern (vgl. ebenda, S. 23). Es wird von sozialer Ungleichheit gesprochen, „wenn Menschen aufgrund ihrer Stellung in sozialen Beziehungsgefügen von den „wertvollen Gütern“ einer Gesellschaft regelmäßig mehr als andere erhalten“ (Hradil 1999, S. 26).
Aus dieser Definition lässt sich erkennen, dass sich soziale Ungleichheit auf knappe Güter bezieht, die innerhalb einer bestimmten Gesellschaft als wertvoll erachtet werden (vgl. Hradil 1987, S. 15). In Abhängigkeit des mengenmäßigen Besitztums solcher Güter, gestalten sich die Lebensbedingun- gen der Individuen günstiger, je mehr sie davon ‚ihr Eigentum’ nennen. Besitzt ein Mensch viele
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wertvolle Güter, so ist er besser gestellt als andere, die weniger von diesen besonderen Gütern besitzen. Der Status einer Person drückt aus, welchen Stellenwert, „jemand in irgendeiner dieser Abstufungen im Vergleich zu anderen Mitgliedern des jeweils betrachteten Gesellschaftszusammenhangs einnimmt“ (Bo lte/Hradil 1988, S. 29). Die Frage, was als wertvoll charakterisiert werden kann, muss vor dem Hintergrund der entsprechenden Gesellschaft und ihrer entsprechenden Wert-vorstellungen beantwortet werden (vgl. Hradil 2000, S. 195).
Als weitere Besonderheit muss an dieser Stelle angeführt werden, dass „nicht alle Vor- und Nachteile, nicht alle Besser- bzw. Schlechterstellungen ( …) Erscheinungsformen sozialer U ngleichheit [sind], sondern nur jene, die in gesellschaftlich strukturierter, vergleichsweise beständiger und verallgeme inerbarer Form zur Verteilung kommen“ (Hradil 1999, S. 25). Ausgenommen sind folglich u.a. „Zufälligkeiten des Schicksals wie etwa besonderes Talent des einzelnen oder Behind erung infolge eines Unfalls“ (Bock-Rosenthal 2000, S. 203). Physische Verschiedenartigkeiten werden im Alltag zur ideologischen Rechtfertigung von sozialer Ungleichheit oft herangezogen, jedoch reichen sie für eine sozialwissenschaftliche Erklärung nicht aus (vgl. Kreckel 1997, S. 15). Es muss an dieser Stelle auch deutlich gemacht werden, dass die Erscheinungsformen der sozialen Ungleichheit - entgegen dem landläufigen Verständnis - nicht in jedem Fall Illegitimität und Ungerechtigkeit nach sich ziehen. Bei diesem Begriff bleibt es offen, inwiefern die Erscheinungen als gerechtfertigt oder illegitim erscheinen (vgl. Hradil 1997, S. 590). Aufgrund der Wertbehaftung des Begriffs hat man sogar schon einmal vorgeschlagen, diesen fallenzulassen und durch den neutraleren Be griff der ‚sozialen Differenzierung’ zu ersetzen (vgl. Schäfers 1998, S. 230). Aufgrund der Tatsache, dass es eine Vielzahl an Erscheinungsformen von sozialer Ungleichheit gibt, „werden der Beschreibung der Struktur sozialer Ungleichheit in der Regel Dimensionen zug-rundegelegt, die die Aufgabe haben, in bestimmter Hinsicht zusammengehörige Erscheinungen zusammenzufassen“ (Hradil 1987, S. 16). Als Beispiele können an dieser Stelle materieller Wohlstand, Bildung, Prestige und Macht angeführt werden. Um eine empirische Erfassung der Dimensionen zu gewährleisten, bedarf es geeigneter Indikatoren, die nicht selten in Kombination auftreten, um eine detaillierte Darstellung des Phänomens zu ermöglichen (vgl. Hradil 1999, S. 27 - S. 28).
Als Arbeitsdefinition wird letztendlich folgende Formulierung im weiteren Verlauf der Arbeit zugrunde gelegt: „Als soziale Ungleichheit bezeichnet man wertvolle, nicht absolut gleich und systematisch aufgrund von Positionen in gesellschaftlichen Beziehungsgefügen verteilte, vorteilhafte bzw. nachteilige Lebensbedingungen von Menschen“ (Hradil 2000, S. 195).
Arbeit zitieren:
Jens Grauenhorst, 2004, Hat die Bildungsexpansion zum Abbau der sozialen Ungleichheit beigetragen?, München, GRIN Verlag GmbH
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