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Wieso kommt es gerade jetzt zu solch einer Inflation des Begriffes „ Mobbing“`? Belästigungen, Schikanen, Psychoterror oder andere zwischenmenschliche Konflikte gibt es doch, seit Menschen interaktiv zusammenarbeiten. Innerhalb weniger Jahre ist der Begriff Mobbing in unsere Alltagssprache eingegangen und ist als Synonym für Intrigen, Psychoterror, Schikane oder Krieg im Büro geläufig. Fraglich ist allerdings, inwiefern bereits ein wissenschaftlich scharf umrissener Begriff für das Phänomen Mobbing am Arbeitsplatz existiert.
In folgender Ausarbeitung wird erklärt, was unter Mobbing zu verstehen ist und warum ihm gerade heute eine so starke Beachtung geschenkt wird. Zunächst wird der Ursprung des Begriffes und des Forschungsansatzes dargestellt, Mobbing wird definiert und zu anderen ähnlichen Begriffen abgegrenzt. Zudem werden Mobbingformen, -handlungen, -verlauf und die -ursachen an einem Fallbeispiel erklärt.
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Der Begriff Mobbing lässt sich auf das englische Verb to mob (über jemanden herfallen, anpöbeln, angreifen, attackieren) zurückführen. 1 Mobbing als Bezeichnung für ein bestimmtes Verhaltensmuster entspringt der massenpsychologischen Forschung. In der Wissenschaft wurde der Begriff erstmals von Konrad Lorenz 1958 im Rahmen der vergleichenden Verhaltensforschung unter Tieren verwendet. Lorenz bezeichnete dabei das zum eigenen Schutz dienende Angriffsverhalten einer Gruppe gegen ein einzelnes Wesen als Mobbing. 2 In den Bereich der Humanbeziehungen wurde die Bezeichnung erstmals von dem Schweden Heinemann transferiert. Er beschrieb damit eine bestimmte Art von Gruppengewalt unter Kindern. Seine Arbeiten bildeten den Ursprung der starken Verbreitung des Begriffes. 3
1 Vgl. Ross zitiert nach Schlaugat, K. S. 4
2 Vgl. Lorenz, K. Hier bin ich wo bist du? Ethologie der Graugans S. 10 ff 3 Vgl. Schlaugat, K. S .4 ff
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Im alltäglichen Sprachgebrauch wird Mobbing mittlerweile nahezu inflationär für jegliche Art von Konfliktsituation oder Kommunikationsproblem am Arbeitsplatz verwendet. Mobbing wird in der Literatur oft auch als „( Klein-) Krieg am Arbeitsplatz“ oder „Zeitbombe am Arbeitsplatz“ bezeichnet.
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In den letzten Jahren rückte das Thema Mobbing verstärkt ins Blickfeld der Wissenschaft. Dabei wurde bisher fast jeder Arbeit eine andere Definition des Begriffes Mobbing zugrunde gelegt. Es existiert daher eine Vielfalt verschiedener Mobbingdefinitionen.
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Durch die starke Präsenz des Begriffes Mobbing in den Medien besteht die Gefahr des “Missbrauchs“ des Begriffes. Kleine Sticheleien, Streitereien, Unverschämtheiten oder alltägliche soziale Konflikte werden schnell als Mobbing tituliert.
Eine der ersten Definitionen lieferte Brodsky: ,,Harassment behavior involves repeated and persistent attempts by one person to torment, wear down, frustrate, or get a reaction from another. It is treatment that persistently provokes, pressures, frightens, intimidates, or otherwise discomforts another person." 4 In der Literatur finden sich einige Definitionen, deren Schwerpunkt, je nach Perspektive des Verfassers bei dem beteiligten Personenkreis oder den Mobbinghandlungen liegt. 5 Die zwei weitreichendsten Definitionen sind die von Niedl oder der Gesellschaft gegen Psychosozialenstress und Mobbing e.V..
Definition von Niedl: 6
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Definition der Gesellschaft gegen Psychosozialenstress und Mobbing e.V.: 7
Die Zusammenfassung dieser beiden Definitionen soll dieser Arbeit zugrunde liegen. Demnach werden unter Mobbing am Arbeitsplatz systematische Handlungen einer Gruppe oder eines Individuums verstanden, denen von einer Person, die diese Handlungen als gegen sich gerichtet wahrnimmt, ein feindseliger, demütigender oder einschüchternder Charakter zugeschrieben wird und das Ziel und/oder den Effekt des Ausstoßes dieser Person haben. Die Handlungen müssen häufiger auftreten und über einen längeren Zeitraum hinweg andauern. Die betroffene Person muss sich zudem aufgrund wahrgenommener sozialer, ökonomischer, physischer oder psychischer Charakteristika außerstande sehen, sich zu wehren oder dieser Situation zu entkommen.
Konflikte oder böse Worte, die sich aus der Zusammenarbeit ergeben, sind nicht unbedingt mit dem Mobbing gleichzusetzen. Negative Handlungen werden erst dann zu Mobbing, wenn eine gewisse Regelmäßigkeit und Häufigkeit vorliegt. 8
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Nach Esser,A./Wolmerath,M. steht am Anfang eines typischen Mobbing-Verlaufs ein Konflikt "Wir sind überzeugt, dass Mobbing eine besondere Art und Weise ist, Konflikte auszutragen. In Mobbingkonflikten ist nichts vergessen und es gibt für die Mobber >lebenswichtigen< Konfliktstoff." 9 Die Konflikte eskalieren, so dass aus einer
7 Vgl. Leymann, H. Einführung: Mobbing das Konzept und seine Resonanz in Deutschland S. 18
8 Vgl. Leymann, H. Einführung: Mobbing das Konzept und seine Resonanz in Deutschland S. 22 9 Vgl. Esser, A./Wolmerath,M; Mobbing – Ratgeber für Betroffene und ihre Interessenvertretung S.75
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Meinungsverschiedenheit in Sachfragen ein Beziehungskonflikt wird. Plötzlich geht es nicht mehr darum, inhaltliche Differenzen zu beheben, sondern in der Person des anderen die Ursache für die festgefahrene Situation zu sehen. Im folgenden werden von Esser,A./Wolmerath,M. 3 Mobbingkonflikte vorgestellt. 10
"Jeder Beteiligte und viele Außenstehende wissen im Prinzip. worum es geht ." Kompetenzstreitigkeiten oder der Kampf um Arbeitsplätze wären als Beispiel denkbar. Diese Art von Konflikt kann zu keiner Lösung führen, da niemand aufgeben will.
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Der Konflikt wird nicht offen ausgetragen, "d.h. ein Kampf oder die Suche nach einem Kompromiss, wird vermieden. "Der Gegner wird mittels Intrigen und Zurückweisung in die Enge getrieben. Ein offenes Gespräch kommt nicht zustande. "Jede Seite weiß, worum es im Prinzip geht, und wundert sich über das Vorgehen der anderen Seite nicht."
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"Viele Konflikte scheinen jedoch zunächst ausschließlich im Kopf eines der beteiligten Personen, nämlich des spätern Mobbers, zu schwelen." Meist ahnt der Mobbingbetroffene nichts von dem bevorstehenden Konflikt und kann die gegen ihn einsetzenden Attacken nicht verstehen.
10 Vgl. Esser, A./Wolmerath; Mobbing – Ratgeber für Betroffene und ihre Interessenvertretung S.76 ff
Arbeit zitieren:
Ines Lühmann, D. Gjardy, S. König, 2001, Mobbing - Theorie und Praxis, München, GRIN Verlag GmbH
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