1. Einleitung
Das Ausmaß der, vor allem innerfamiliären sexuellen Ausbeutung von Jungen und Mädchen, wurde erst Anfang der 80er Jahre bekannt, als besonders Fraue n, die in ihrer Kindheit Missbrauch erleben mussten, damit an die Öffentlichkeit gingen.
Deshalb müssen es sich unter anderem Eltern, Erzieher und Lehrer 1 zur Aufgabe machen, sich zu informieren, um anhand von schon vorliegenden Ratgebern und präventiven Arbeitsmaterialien, Kindern zu helfen sich vor sexuellen Übergriffen schützen zu können und zu versuchen bei Verdacht oder Gewissheit, Missbrauch aufzudecken und zur Anzeige zu bringen.
Die große Popularität des Internets, besonders auch für Kinder und Jugendliche, ermöglicht es Männern und Frauen, durch einen neuen einfachen Weg mit ihren (potentiellen) Opfern in Kontakt zu treten, perverseste Pornographie zu publizieren oder anzuschauen und dabei völlig unerkannt zu bleiben. Es ist daher wichtig, die vorherrschenden Formen zur Prävention und Erkenntnisse auf der Täterebene aufzuarbeiten und der neuen Gefahrenquelle anzupassen. In dem Jugendbuch „Kathie.com. Katherine Tarbox – meine Geschichte“ werden die Leser durch eine wahre Begebenheit, mit der schockierenden Wahrheit, wer sich hinter einem „Internet-Freund“ verstecken kann, konfrontiert.
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2. Inhalt des Buches „katie.com“
Die Autorin Katherine Tarbox erzählt in dem Buch „katie.com“, wie sie als 13jährige in einem Chatroom im Internet einen Mann kennen lernt, der sich mit Hilfe von Lügen ihr Vertrauen erschleicht, um sich schließlich sexuell an ihr zu vergehen.
Katie ist ein 13 jähriges Mädchen, dass mit allen Problemen eines Teenagers belastet ist: Aussehen, Klamotten, Jungs, Freundinnen, Familie, etc. Damit ist sie in der amerikanischen Kleinstadt New Canaan, Connecticut, und sicherlich auch weltweit, nicht die Einzige.
Katie fühlt sich in ihrer Familie und auch in der Schule missverstanden und allein, denn ihre Mutter und ihr Stiefvater David sind Workaholics, zu der jüngeren Schwester Carrie hat sie kein gutes Verhältnis, ihre ältere Schwester, Abby, ist auf dem College in New Hampshire und ihren leiblichen Vater hat sie nur einmal gesehen.
Das Schwimmen nimmt in Katies Leben großen Raum ein, sie trainiert viele Stunden in der Woche und beteiligt sich an Wettkämpfen und Turnieren. Als ihre Schwester Abby in den Sommerferien nach Hause kommt und einen Computer mitbringt, findet Katie nicht nur einen neuen Zeitvertreib, für sie öffnet sich eine neue grenzenlose Welt, das World Wide Web. In einem Online-Chatroom lernt Katie „Valleguy“, alias Mark, 23 Jahre alt, blond und blauäugig aus LA, kennen. Über das Telefon und Internet entwickelt sich, über Monate hinweg, eine enge Freundschaft, aus der schließlich Liebe wird. Ihrer Familie erzählt sie nichts von ihrem Freund, da sie befürchtet, sie würden sie nicht verstehen und den Kontakt womöglich verbieten. Auch Mark mahnt Katie immer wieder keinem etwas von ihm zu erzählen. Als sie sich nur einmal Ashley, einer Freundin aus dem Schwimmverein anvertraut, reagiert diese entsetzt und warnt vor „solchen Männern“. Katie verteidigt ihren Freund und fühlt sich missverstanden.
Die Landesjuniorenwettkämpfe in Dallas, Texas, bieten den beiden die Gelege nheit für ein erstes Treffen. Sie verabreden, dass Mark im gleichen Hotel übernachten soll, wie Katie.
Trotz erneuter Warnungen von Ashley, die in Dallas das Hotelzimmer mit Katie teilt, geht sie zu ihm.
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Die Begegnung verläuft anders, als Katie es sich vorgestellt hat. Mark ist auf einmal nicht mehr so lieb und fürsorglich, wie am Telefon, sondern fordert sexuell mehr von ihr, als sie bereit ist zu geben und missachtet ihren Widerstand. Durch das Auftauchen ihrer Mutter, die sie nach Dallas begleitet hat, und der Polizei vor Marks Zimmertür kann eine Vergewaltigung verhindert werden. Wie Mark es von ihr fordert, beteuert Katie zunächst immer wieder, dass in dem Zimmer nichts Schlimmes geschehen sei. Von den Beamten erfährt sie, dass Mark eigentlich Frank John Kufrovich heißt, 41 Jahre alt und nicht in LA wohnhaft ist. Katie leidet unter dem Verhalten der Teammitglieder und Eltern, die ihr Handeln und den Verstoß gegen die Regeln missbilligen und vor allem unter dem Geheimnis, über das, was wirklich in der Nacht geschah. Schließlich vertraut sie sich ihrer Mutter an und muss daraufhin ihre Aussage bei der Polizei ändern. Gegen Mark bzw. Frank Kufrovich wird Anzeige erstattet. Auf Katie kommen in den nächsten zwei Jahren Anhörungen vom FBI und sogar ein Test am Lügendetektor zu, doch schlimmer sind für sie die unerklärlichen Gefühle für Mark, die Schuld, die sie sich einredet und die Scham vor ihrer Familie, den Mitschülern, den Teamkollegen und den Nachbarn. Ihr seelisches Le iden hat sogar Auswirkungen auf den physischen Zustand. Die Therapien, zu denen ihre Eltern sie überreden, schaffen ihr keine Erleichterung. Erst ein Schulwechsel, Freunde und die Schultherapeutin helfen Katie langsam wieder Selbstbewusstsein aufzubauen. In ihrer Familie findet Katie neuen Halt, begreift, dass das was passiert ist nicht ihre Schuld ist, sondern nur die des Erwachsenen, und schafft es zwischen Frank Kufrovich und dem fiktiven Freund Mark zu unterscheiden.
Frank Kufrovich wird zu einer Gefängnisstrafe von achtzehn Monaten verurteilt.
3. Sexueller Missbrauch von Kindern
3.1 Was ist sexueller Missbrauch?
Unter Wissenschaftlern gibt es bis heute noch keine Einigkeit über die Definition von sexuellem Missbrauch. Zur Bestimmung sexuellen Missbrauchs gibt es verschiedene Kriterien, die von A utoren als Schwerpunkte gesetzt werden. Hierunter fallen zum Beispiel der Altersunterschied zwischen Täter und Opfer,
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die Folgen hierfür, die Art und Dauer der Handlung, das Machtungleichgewicht, der Gewaltaspekt und der kulturelle Hintergrund (Enders 2003:21). Sexueller Missbrauch ist nicht auf eine spezielle Altersgruppe von Kindern festgelegt, sondern wird an Kindern jedes Alters verübt, auch Kleinkinder und Säuglinge sind davon betroffen. Da der sexuelle Missbrauch einen so großen Bereich umfasst und so viele ve rschiedene Faktoren eine Rolle spielen, ist es jedoch fast unmöglich eine allgemeingültige Definition aufzustellen. Es fängt bei kleinen zufälligen Berührungen an und kann bis hin zur Vergewaltigung führen. Der sexuelle Missbrauch läuft meistens versteckt ab, wie zum Beispiel durch waschen oder aufklären, doch es kann auch dazu kommen, dass er direkt und brutal erzwungen wird (Hane 1996:32).
Um eine Definition aufzustellen, sollte man das Gebiet einzugrenzen versuchen und beispielsweise zwischen Missbrauch mit und ohne Berührung unterscheiden. Missbrauch ohne Berührung bezieht sich vornehmlich auf verbale Kontakte, wie zum Beispiel obszöne Anrufe oder Voyeurismus, während der andere Bereich hingegen den allgemein bekannten Teil von Missbrauch umfasst, der von Exhib itionismus, streicheln, genitalen Berührungen, Masturbation - durch den Täter oder durch das Opfer beim Täter - über vaginalen, oralen oder analen Verkehr bis hin zur Vergewaltigung gehen kann.
Doch egal auf welchen Fall von Missbrauch man stößt, eins haben sie alle gemeinsam: Sexueller Missbrauch wird immer von Personen ausgeübt, die dem Opfer körperlich, psychisch oder sozial überlegen sind, und er ist nie zufällig, sondern immer geplant (Hane 1996:23). „Sexueller Missbrauch ist Machtmissbrauc h, der durch die Ausnutzung eines Abhängigkeitsverhältnisses gekennzeichnet ist“ (Koch/Kruck 2000:4). Meistens nutzen die Täter die Abhängigkeit oder das Vertrauen der Opfer aus und verpflichten sie zur Geheimhaltung.
Zusammenfassend wird unter sexuellem Missbrauch von Kindern jede Handlung verstanden, die an oder von einem Kind entweder gegen den Willen des Kindes vorgenommen wird oder der das Kind aufgrund seiner körperlichen, seelischen, geistigen oder sprachlichen Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen kann (Enders 2003:22).
Die Täter nützen ihre Macht- und Autoritätspositionen aus, um ihre eigenen Bedürfnisse auf Kosten der Kinder zu befriedigen und betrachten die Kinder nur
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als Sexualobjekte. Sexueller Missbrauch wird also als eine erzwungene Handlung verstanden, gegen die sich das Kind nicht wehren kann und die gegen alle seine Rechte verstößt (Hane 1996:22).
Natürlich ist nicht jeder Blick oder jede körperliche Berührung eines Kindes gleich sexueller Missbrauch. Die wesentliche Komponente zur Definition des sexuellen Missbrauchs liegt dabei in der sexuellen Absicht des Täters. Manche Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen beschränken den sexuellen Missbrauch im engeren Sinne auf Handlungen mit Körperkontakt. Das würde also bedeuten, dass z.B. Exhibitionismus und Voyeurismus in diesem Sinne harmlos seien, weil sie meistens keine oder nur geringere Schäden bei Kindern bewirken würden. Dennoch wird immer wieder berichtet, dass Kinder auch auf solche Handlungen ohne Körperkontakt negativ (z.B. mit Angst) reagieren. Es kann manchmal sogar sehr schwer sein, Missbrauch und körperliche Zuwendung vo neinander zu unterscheiden. Natürlich brauchen Kinder auch körperliche Nähe und Geborgenheit und natürlich ist auch das gemeinsame Baden von Vater und Tochter le gitim. Das Problem ist es, dass es Einzelfälle gibt, in denen die Beweggründe des Vaters bei einem Verdacht auf sexuellen Missbrauch nicht eindeutig sind (Deegener 1998:23).
Die Unterschiede in den Definitionen können dazu führen, dass Studien über das Aus maß sexueller Gewalt an Mädchen und Jungen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.
Es ist also nicht so einfach, die Frage was sexueller Missbrauch ist, zu beantwo rten, da sowohl historische, als auch kulturelle Entwicklungen in der Gesellschaft berücksichtigt werden müssen, ebenso wie die unterschiedlichen Erklärungs- und Forschungsansätze mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten in den Definitionsvorschlägen (Koch/Kruck 2000;3).
3.2 Motive und Formen sexueller Gewalt an Kindern
Gewalt in Familien ist Bestandteil in allen sozialen Schichten unserer Gesellschaft, bleibt aber meistens im Verborgenen oder wird still schweigend toleriert. Sie wird oft nur anhand von Schreckensberichten körperlicher Verletzungen als Problem bewusst und wird erst m öglich, weil unsere Gesellschaft und ihre Institutionen sie tabuisieren oder sogar fördern (Enders 2003:19). „Kinder sind absolut rechtlos, sich gegen das zu wehren, was andere
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„für ihr Wohl" tun. Frauen fehlt jeder rechtliche oder polizeiliche Schutz gegen Gewaltdelikte aller Art, einschließlich der äußersten Erniedrigung der Vergewaltigung, sofern sie zuvor mit dem Täter in familienähnlicher Beziehung gelebt haben (Hagemann-White 1988:250)".
Ein mögliches Motiv für das Vergehen an einem Kind kann darin liegen, dass der Täter eigene Probleme und Spannungen nur auf diese Art ausagieren kann und sich nicht mit den Problemen und Verletzungen aus seiner Kindheit oder späteren Jahren auseinandersetzt, sondern die Sexualität als Ventil benutzt, anstatt nach angemessenen Lösungen zu suchen. Ein anderes Motiv für solch eine Tat kann sein, dass der Täter seine Sexualität nicht auf eine erwachsene Partnerin richten kann. In der sexuellen Entwicklung des Täters liegt eine Störung vor, durch die er unfähig ist, seine Sexualität mit einer erwachsenen Person zum Ausdruck zu bringen (Hane 1996:22). Um sich sexuell trotzdem befriedigen zu können, vergreift sich der Täter an einem Kind, das er als schwächer und damit auch als nicht bedrohlich empfindet. Es führt sogar dazu, dass der Täter beliebt beim Opfer ist, da er sich um das Kind kümmert und sich mit ihm beschäftigt (Hane 1996:32).
Die jeweiligen Situationen nutzt der Täter aus um das Kind missbrauchen zu können und seine eigene Lust zu befriedigen. Dabei wird die Überlegenheit als Erwachsener dazu genutzt um die Situationen nach dem eigenen Interesse zu gestalten.
Ein gewaltsamer Täter kann verschiedene Formen von Gewalt ausüben, körperliche, psychische und sexuelle Gewalt oder auch eine Kombination aus den drei Formen (Hane 1996:30). Psychische Gewalt zeigt sich unter anderem in verbalen Äußerungen, Drohungen, Zwängen und dem, mit dem sexuellen Missbrauch meistens verbundenen, Schweigegebot. E s wird dem Kind eingeredet, dass i rgendetwas Schreckliches passieren wird, wenn es das Geheimnis verrät, diese Drohungen genügen meistens um das Kind ruhig zu stellen. In den meisten Fällen muss das Kind jedoch nicht einmal zum Schweigen gezwungen werden, da es sich sowieso schämt über die schrecklichen Geschehnisse zu reden, bzw. unter Umständen, wenn es noch sehr klein ist, nicht einmal in Worte fassen kann, was mit ihm geschieht (Hane 1996:33f). Körperliche Gewalt beschreibt jede Form von körperlicher Verletzung. Bei sexuellem Missbrauch kommen solche Verletzungen vor allem im Genitalbereic h
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Sonja Thele, 2004, Exemplarische Jugendbuchanalyse des Buches: 'Katie.com. Katherine Tarbox - meine Geschichte'. Zum Thema sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, Munich, GRIN Publishing GmbH
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