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Unterrichtsanalyse: Gerechte Einkommensverteilung
1 Analyse der Rahmenbedingungen
1.1 Soziokulturelle und anthropogene Voraussetzungen
Die Klasse WG 12 des Wirtschaftsgymnasiums in xxx besteht aus insgesamt 24 Schülern; davon sind
14 Schüler weiblich. Die Alterstruktur der Klasse setzt sich folgendermaßen zusammen:
Die Schüler weisen hinsichtlich des Begabungsniveaus Unterschiede auf. Vier Schüler besuchten vor der 11. Klasse die Wirtschaftsschule, die restlichen zwanzig eine Realschule. Ein Schüler wiederholt die 12. Klasse und der 26-jährige Schüler möchte das Abitur nachholen, da er aufgrund seiner Berufs- unfähigkeit nicht mehr in der Pharmaindustrie arbeiten kann.
Die Klasse macht einen recht selbstständigen Eindruck; Disziplinprobleme konnten nicht festgestellt werden. Das Interesse der Schüler am Fach Volkswirtschaftslehre kann als gut bis befriedigend be- zeichnet werden, wobei das Interesse auch vom jeweils behandelten Thema abhängt.
1.2 Curriculare Voraussetzungen
Im bisherigen Unterrichtszeitraum (30 Unterrichtseinheiten) wurden gemäß den Lehrplanvorgaben die Grundlagen der Volkswirtschaftslehre (LPE 1 16), die Nachfrage und das Angebot am Gütermarkt (LPE 17) sowie eine Einführungsstunde in die Preisbildung (LPE 18) unterrichtet.
Vereinbarungsgemäß wird innerhalb des Prüfungszeitraumes neben der Lehrplaneinheit Preisbildung parallel eine weitere Lehrplaneinheit begonnen: die Ziele der Wirtschaftspolitik (LPE 20). Dort wurde in der vergangenen Unterrichtsstunde das Thema „Konfliktpotenzial im Stabilitätsgesetz“ behandelt.
1 Lehrplaneinheit
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1.3 Institutionelle Voraussetzungen
Der Unterricht der Klasse WG 12 findet montags in der ersten und dritten Stunde im Raum xxx, einem
großen, für 32 Schüler geeignetem Raum statt. Dies ermöglichte eine gute Verteilung der 24 Schüler
im Klassenzimmer und ein unabhängiges und (fast) ungestörtes Arbeiten. Der Raum ist mit einer aus-
klappbaren magnetischen Tafel und einem Overheadprojektor ausgestattet.
2 Didaktische Analyse
2.1 Analyse der Stoffstruktur
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2.2 Analyse der Stoffschichten
Makro- und mikroökonomische Schicht
Das mikroökonomische Verhalten der Wirtschaftssektoren Haushalte und Unternehmen bzw. der Nachfrager und Anbieter (z.B. durch Preiserhöhungen oder Kaufzurückhaltung) kann makroöko- nomische Auswirkungen beispielsweise auf die Preisniveaustabilität oder implizit auf die Vollbe- schäftigung haben. Die gerechte Verteilung des Volkseinkommens hat dabei (als weiteres stabili- tätspolitisches Ziel) sowohl mikroökonomisch für die einzelnen Haushalte (z.B. durch steuerpoliti- sche Maßnahmen) als auch makroökonomisch (z.B. Ankurbelung der Wirtschaft versus Haus- haltsausgaben durch Steuersenkungen) eine zentrale Bedeutung innerhalb dieser stabilitätspoliti- schen Entscheidungen.
Wirtschafts- und sozialpolitische Schicht
Wirtschaftspolitische, ordnungs- bzw. strukturpolitische Maßnahmen beeinflussen direkt oder indi- rekt das Marktgeschehen in seiner Gesamtheit, in einzelnen Sektoren, Branchen oder Märkten. Staatliche Umverteilungspolitik kann dabei sowohl als gerecht als auch als ungerecht empfunden werden, je nachdem zu welchen Gunsten bzw. Lasten die politischen Entscheidungen getroffen wurden (z.B. Steuerpolitik).
Betriebswirtschaftliche Schicht
Umverteilungspolitische Entscheidungen des Staates können Auswirkungen für den Gewinn seines Unternehmens und damit implizit auch für das Einkommen des Unternehmers haben. Diese Ände- rungen können sich beispielsweise auf die Kalkulation seiner Preise auswirken. Weiterhin wird durch die Stunde eine Verknüpfung zur LPE 5.2 und 2.3 (jeweils Lohn- und Gehaltsabrechnung) durch die Darstellung der Netto- bzw. Bruttoeinkommen geschaffen.
Analytische Schicht
Die in der Vorstruktur aufgezeigte Darstellung der vier wirtschaftspolitischen Ziele und die Ergän- zung des fünften Ziels soll helfen, Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge weiter zu verdeutlichen.
Individuelle Schicht
Die Schüler, Freunde, Verwandte und die Eltern sind alle durch staatliche Umverteilungsmaßnah- men betroffen. Die Eltern der Schüler erhalten Kindergeld, evtl. Baukindergeld oder die Eigen- heimzulage, Kinderzuschlag, Erziehungsgeld, etc. und die Schüler selbst profitieren von abgaben- arme 410-Euro-Jobs. Durch das Aufzeigen der Zusammenhänge der Einkommensverteilung lernen die Schüler sich den eigenen Vorteilen oder auch Nachteilen durch die Umverteilung bewusst zu werden.
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2.3 Auswahl und Begrenzung der Stoffinhalte
2.3.1 Qualitative Stoffauswahl und Stoffbegrenzung
Realitätsbezogenheit
Beinahe täglich erscheinen in den Medien Informationen über Steuersenkungen bzw. –belastungen, Forderungen nach einer Streichung der Eigenheimzulage oder Erhöhung des Kindergeldes. Die Schüler sollen durch die Problematisierung des Gerechtigkeitsbegriffes derartige Informationen besser analy- sieren können. Des weiteren profitieren die Schüler zum Teil als Minijobber selbst von der staatlichen Umverteilungspolitik, da sie als Minijobber nur sehr geringe Abgaben abzuführen haben. Die Diskus- sion über eine gerechte Einkommensverteilung ist insbesondere angesichts der momentan straffen Haushaltslage sehr interessant.
Zukunftsbezogenheit
Durch die Problematisierung des Begriffes Gerechtigkeit bzw. gerecht sollen die Schüler sich die Fä- higkeit aneignen (insb.) politische Entscheidungen von mehreren Seiten betrachten zu können. Sie haben selbst in der Zukunft zu entscheiden, welche staatlichen Maßnahmen sie als gerecht oder un- gerecht empfinden. Denn eine gerechtere staatliche Einkommensverteilung wird auch in der nahen Zukunft unter dem Problem der hohen Staatsverschuldung leiden müssen.
Exemplarische Bedeutung
Durch die Vorstellung mehrer Personen (Politiker, Manager, Fußballspieler, Reinigungskraft, Kran- kenschwester) soll jeweils exemplarisch die Auswirkung der Einkommensverteilung dargestellt wer- den. Auch sollen sich die Schüler in der Gruppenarbeit die unterschiedlichen Möglichkeiten der Ein- kommensverteilung verdeutlichen.
2.3.2 Quantitative Stoffauswahl und Stoffbegrenzung
Bei dieser Stunde handelt es sich um eine nahezu eigenständige Stunde innerhalb der LPE 20. Der Fokus soll auf der Thematisierung des Gerechtigkeitsbegriffs gelegt werden und der damit zusammen- hängenden Frage, wann eine Einkommensverteilung als gerecht anzusehen ist. Um diese Frage beant- worten zu können ist jedoch zuvor abzuklären, aus welchen Gründen (Gruppenauftrag 1), mit welchen Mitteln (Gruppenauftrag 2) und anhand welcher Kriterien (Gruppenauftrag 3) eine Einkommensumver- teilung erfolgen kann. Die Frage nach einer „gerechten“ Einkommensverteilung soll dabei stets präsent sein.
- 5 - Die Zielbeziehungen zwischen dem wirtschaftspolitischen Ziel gerechte Einkommensverteilung und den bereits kennen gelernten klassischen vier Zielen und dem noch kennen zu lernenden Ziel Umwelt- politik sowie eine damit zusammenhängende Lernzielkontrolle soll in der Folgestunde nach der Unter- richtseinheit Umweltpolitik behandelt werden; in dieser Stunde soll ebenfalls auf die gerechte Vermö- gensverteilung eingegangen werden. Didaktisch reduziert wurde die funktionelle Einkommensvertei- lung, da die Begriffe Lohn- und Gewinnquote bereits innerhalb der Volkswirtschaftlichen Gesamtrech- nung behandelt worden sind.
2.4 Lernzielbestimmung
2.4.1 Allgemeine Lernziele bzw. Schlüsselqualifikationen
Fachkompetenz
Die Schüler erarbeiten sich die Möglichkeiten und Kriterien einer gerechten Einkommensverteilung. Sie lernen, volkswirtschaftlichen Zusammenhänge auch mittels soziale Beurteilungskriterien zu analy- sieren. Dadurch werden sie in ihrer makroökonomischen und sozialen Fachkompetenz gestärkt
Sozialkompetenz
Die Sozialkompetenz der Schüler wird durch die Gruppenarbeitsphasen gefördert. Die Schüler lernen gemeinsam, Material zu strukturieren, analysieren und anschließend gekürzt zu präsentieren. Durch die gemeinsame Bearbeitung der Aufgabenstellung lernen die Schüler, dass ein zielorientiertes Vorgehen insb. möglich ist, wenn sie kommunikativ und kooperativ zusammenarbeiten. Die soziale Kompetenz wird darüber hinaus durch die Thematisierung des Gerechtigkeitsbegriffes gestärkt.
Methodenkompetenz
Da sich die Schüler die jeweiligen Informationen selbstständig erarbeiten, lernen sie diese zu struktu- rieren. Durch die anschließende Besprechung der Gruppenergebnisse im Klassenverband lernen die Schüler darüber hinaus, erarbeitete Sachverhalte mit eigenen Worten wiederzugeben.
Selbstkompetenz
Die Schüler sollen nach den Erarbeitungsphasen die Ergebnisse am Overheadprojektor präsentieren. Die Schüler erfahren dabei durch die Einbeziehung ihrer Arbeit und der Präsentation vor der Klasse eine Stärkung ihrer Selbstkompetenz.
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2.4.2 Fachliche Lernziele
Die Schüler sollen
1. erklären können, was unter der primären und sekundären Einkommensverteilung zu verstehen
ist (Reproduktion)
2. die Ursachen, Möglichkeiten und Kriterien der Einkommensverteilung aufzeigen können (Re-
produktion/Reorganisation)
3. erklären können, wovon eine gerechte Einkommensverteilung abhängt und abwägen können,
wann eine Einkommensverteilung als gerecht bzw. ungerecht zu beurteilen ist (Reproduktion und Reorganisation/Transfer)
4. erkennen können, dass das Gerechtigkeitsempfinden individuell verschieden ist (Reprodukti-
on/Reorganisation)
2.5 Methodisch-mediale Analyse
Zur Einstimmung und Motivation soll eine Powerpoint-Präsentation dienen. Fragend-entwickelnd soll dann anhand der letzten Präsentationsgrafik auf das Thema „Gerechte Einkommensverteilung“ überge- leitet und die primäre und sekundäre Einkommensverteilung an der Tafel erarbeitet werden.
Danach sollen die Schüler in arbeitsteiliger und arbeitsgleicher Gruppenarbeit die Fragen beantworten, aus welchen Gründen, mit welchen Mitteln und anhand welcher Kriterien eine Einkommensumvertei- lung erfolgen kann. Insgesamt sind 3 Arbeitsaufträge von 6 Gruppen zu bearbeiten. Aufgrund des un- terschiedlichen Begabungsniveaus der Schüler werden die Gruppen nach Schwierigkeitsgrad der Grup- penarbeitsaufgaben eingeteilt. Die bisher im Unterricht mit besonders positiven Beiträgen auffallenden Schüler werden in alle 6 Gruppen verteilt. Der Arbeitsauftrag 1 ist bewusst ohne Diskussion verfasst worden, da die Beantwortung der Teilaufgabe a) mehr Zeit in Anspruch nehmen wird.
Nach der Arbeitsphase sollen aufgrund des zeitlichen Rahmens drei Gruppen ihre Ergebnisse vor der Klasse am Overheadprojektor präsentieren. Im Anschluss daran erfolgt ein Unterrichtsgespräch über
das Thema Gerechtigkeit angesichts der Einkommensverteilung; die Ergebnisse sind dabei an der Tafel festzuhalten.
Zum Schluss der Stunde soll nochmals eine kurze Powerpoint-Präsentation gezeigt werden, die sich auf die anfangs der Stunde gezeigten Inhalte bezieht und den roten Faden der Stunde abschließen soll.
Arbeit zitieren:
Joachim Barth, 2005, Gerechte Einkommensverteilung, München, GRIN Verlag GmbH
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