Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Die Darstellung des Wahnsinns in E. T. A. Hoffmanns 'Der Sandmann' als rezeptionsästhetisches Mittel zur Erschütterung der Wirklichkeitswahrnehmung

Titel: Die Darstellung des Wahnsinns in E. T. A. Hoffmanns 'Der Sandmann' als rezeptionsästhetisches Mittel zur Erschütterung der Wirklichkeitswahrnehmung

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2004 , 26 Seiten , Note: 1

Autor:in: Christine Beier (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

In der Literatur der Romantik spielt die Beschäftigung mit der Wahnsinnsthematik eine besondere Rolle. Die literarische Verarbeitung dieses Themas steht in engem Zusammenhang mit dem wissenschaftlichen psychologischen und psychiatrischen Diskurs dieser Zeit. An diesem Diskurs war offensichtlich auch E. T. A. Hoffmann äußerst interessiert, was sich in vielen seiner Werke zeigt. In seiner 1815 entstandenen Erzählung Der Sandmann steht der Student Nathanael im Mittelpunkt, der fortschreitend an Wahnsinn leidet und schließlich auch daran zugrunde geht, dass er Realität und Vision nicht mehr trennen kann. Diese Arbeit soll zeigen, dass mit der Darstellung eines Wahnsinnigen nicht der Wahnsinn als Krankheit im Vordergrund steht und etwa Therapiemöglichkeiten vorgestellt würden. Hoffmann nutzt das Thema Wahnsinn vielmehr dazu, um mit den festgelegten Vorstellungen von Normalität und Wahnsinn zu ‚spielen’ und die Wirklichkeitswahrnehmung seiner Rezipienten zu erschüttern. Im ersten Teil der Arbeit geht es darum, die zwei Deutungsmöglichkeiten, die dem Leser in Bezug auf das ‚wahre’ Geschehen angeboten werden, zu analysieren und auf ihre Plausibilität hin zu untersuchen. Dabei geht es besonders um die Frage, ob man das Auftauchen übernatürlicher Mächte eher auf die übermäßige Phantasietätigkeit und den Wahnsinn Nathanaels zurückführen oder aber ob man den Wahrnehmungen Nathanaels glauben solle. Grundsätzlich öffnet der Text dem Leser also zwei Möglichkeiten, wie die Geschehnisse und damit auch ihre Wahrnehmung durch Nathanael, gedeutet werden können. [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil

1. Dämonische Mächte im Sandmann – zwei Perspektiven

1.1. Nathanaels Wahnsinn - Folge einer äußeren Macht oder eines inneren Dämons?

1.2. Die naturphilosophische Sichtweise Schuberts: Nathanael als Empfänger übernatürlicher Kräfte

2. Die Multperspektivität als Mittel zur Verwischung der Grenze zwischen Vernunft und Wahnsinn

2.1. Mehrdeutige Erzählhaltung

2.2. Der Dialog zwischen Autor und Leser

III. Schluss

IV. Literatur

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht E. T. A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“ im Hinblick darauf, wie die Thematisierung des Wahnsinns als rezeptionsästhetisches Mittel genutzt wird, um die Wahrnehmung der Wirklichkeit bei den Lesern zu erschüttern und traditionelle Vorstellungen von Normalität infrage zu stellen.

  • Analyse der widersprüchlichen Deutungsmöglichkeiten bezüglich Nathanaels Wahnsinn.
  • Untersuchung des Einflusses naturphilosophischer Diskurse, insbesondere Gotthilf Heinrich Schuberts.
  • Betrachtung der Erzähltechnik als Instrument zur Verunsicherung des Lesers.
  • Exploration des komplexen Verhältnisses zwischen Erzählinstanz, fiktivem Leser und Realem Leser.
  • Hinterfragung eines objektivierbaren Wirklichkeitsbegriffs durch die Polyperspektivität des Textes.

Auszug aus dem Buch

Die naturphilosophische Sichtweise Schuberts: Nathanael als Empfänger übernatürlicher Kräfte

Hoffmann war offensichtlich am psychologischen bzw. psychopathologischen Diskurs seiner Zeit äußerst interessiert, was sich nicht zuletzt darin zeigt, dass er das Wahnsinnsmotiv in auffallender Häufigkeit in seine Werke integriert. Neben dem Interesse am Wahnsinn als Krankheit, verfolgt er auch den zeitgenössischen Diskurs um mystische Lehren und übernatürliche Phänomene. Abgesehen von der Verarbeitung der psychopathologischen Schriften von Reil und Pinel, die wesentliche Grundlage für die Schilderung des Krankheitsbildes Nathanaels bildeten, wird im Sandmann besonders die Auseinandersetzung mit den naturphilosophischen Positionen Gotthilf Heinrich Schuberts deutlich. Schuberts Werk basiert auf der Annahme des triadischen geschichtsphilosophischen Modells, das davon ausgeht, dass es eine Urzeit gegeben habe, in der sich der Mensch im Einklang mit sich selbst und mit der Natur befand. Diesem Zustand sei eine Zeit der Entzweiung gefolgt, in der die ursprüngliche Harmonie zwischen Mensch und Natur verloren gegangen sei.

Das älteste Verhältniß des Menschen zu der Natur, die lebendige Harmonie des Einzelnen mit dem Ganzen, der Zusammenhang eines jetzigen Daseyns mit einem zukünftigen höheren, und wie sich der Keim des neuen zukünftigen Lebens in der Mitte des jetzigen allmälig entfalte, werden demnach die Hauptgegenstände dieser meiner Arbeit seyn.

Diesem Zitat zufolge ist Schubert also der Überzeugung, dass der Mensch in einem bestimmten Zustand diese Einheit von Mensch und Natur wieder herstellen könne. Er beschreibt in seinem Buch Ansichten von der Nachtseite der Naturwissenschaft, dass man eine Ahnung dieses höheren Lebens „im Traume oder in einem dem Traume ähnlichen Zustand“ erfahren könne und sich dem Menschen dort Wahrheiten erschlössen, die ihm sonst nicht zugänglich seien. Er ist sich weiterhin sicher, dass der Mensch im somnambulen Zustand Zukünftiges vorausahnen könne.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung verortet das Wahnsinnsthema in Hoffmanns Werk und stellt die Forschungsfrage nach der Wirkung der Darstellung von Wahnsinn auf die Wirklichkeitswahrnehmung des Rezipienten.

II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die zwei Perspektiven auf Nathanaels Wahnsinn unter Einbeziehung naturphilosophischer Aspekte und untersucht die Erzählstrategien sowie die Interaktion zwischen Autor und Leser.

III. Schluss: Der Schluss fasst zusammen, dass Hoffmann ein ambivalentes Wirklichkeitsbild entwirft, das keine Eindeutigkeiten zulässt und den Leser aktiv in den Sinnstiftungsprozess einbindet.

IV. Literatur: Dieses Kapitel listet die verwendeten Primär-, Quellen- und Sekundärtexte für die vorliegende Untersuchung auf.

Schlüsselwörter

E. T. A. Hoffmann, Der Sandmann, Wahnsinn, Wirklichkeitswahrnehmung, Naturphilosophie, Gotthilf Heinrich Schubert, Erzähltechnik, Polyperspektivität, Rezeptionsästhetik, Romantik, Somnambulismus, Unheimliches, Leserführung, Literaturpsychologie, Schicksalsglaube

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit E. T. A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“ und untersucht, wie der Autor das Motiv des Wahnsinns nutzt, um die Grenzen zwischen vernünftiger und phantastischer Wahrnehmung zu verwischen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind die Darstellung von Wahnsinn im Kontext der zeitgenössischen Psychologie und Naturphilosophie sowie die rezeptionsästhetische Gestaltung der Erzählung, die den Leser verunsichert.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es aufzuzeigen, dass Hoffmann den Wahnsinn nicht als klinisches Krankheitsbild thematisiert, sondern als erzähltechnisches Mittel einsetzt, um die Wirklichkeitswahrnehmung des Lesers zu erschüttern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext mit zeitgenössischen philosophischen und psychologischen Quellen sowie einschlägiger Sekundärliteratur in Beziehung setzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Nathanaels Wahnsinn (zwischen dämonischer Macht und naturphilosophischer Sicht) sowie die Analyse der Erzählweise, insbesondere der Perspektivenwechsel und des Dialogs zwischen Autor und Leser.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind E. T. A. Hoffmann, „Der Sandmann“, Wahnsinn, Naturphilosophie (Schubert), Polyperspektivität, Rezeptionsästhetik und das Spannungsfeld zwischen Wirklichkeit und Wahn.

Welche Rolle spielt Gotthilf Heinrich Schubert für die Analyse?

Schuberts „Ansichten von der Nachtseite der Naturwissenschaft“ dient als theoretische Folie, um Nathanaels Fähigkeit zu somnambulen Zuständen und seine Vorahnungen als privilegierte, wenn auch zerstörerische Form der Wahrnehmung zu deuten.

Warum bleibt laut Autorin eine eindeutige Interpretation für den Leser verwehrt?

Hoffmann setzt bewusst auf einen virtuosen Perspektivismus. Durch den ständigen Wechsel zwischen auktorialer und personaler Erzählhaltung wird verhindert, dass der Leser einen festen, rationalen Standpunkt einnehmen kann, was den Kern von Hoffmanns literarischer Absicht darstellt.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Darstellung des Wahnsinns in E. T. A. Hoffmanns 'Der Sandmann' als rezeptionsästhetisches Mittel zur Erschütterung der Wirklichkeitswahrnehmung
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Veranstaltung
Hauptseminar: Literatur und Psychiatrie in Romantik und Vormärz
Note
1
Autor
Christine Beier (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
26
Katalognummer
V35787
ISBN (eBook)
9783638356022
ISBN (Buch)
9783656734680
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Darstellung Wahnsinns Hoffmanns Sandmann Mittel Erschütterung Wirklichkeitswahrnehmung Hauptseminar Literatur Psychiatrie Romantik Vormärz
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christine Beier (Autor:in), 2004, Die Darstellung des Wahnsinns in E. T. A. Hoffmanns 'Der Sandmann' als rezeptionsästhetisches Mittel zur Erschütterung der Wirklichkeitswahrnehmung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35787
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  26  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum