Inhalt
Kapitel Seite
I 0 Einführung 4
I 1 Physische Betrachtung 5
I 1 1 Geographische Lage 5
I 1 2 Topographische Lage 5
I 1 3 Gestein und Relief 6
I 1 4 Boden und Vegetation 6
I 1 5 Hydrographie 6
I 1 6 Klima 8
I 1 7 Bodenschätze 8
I 2 Anthropogeographische Betrachtung 10
I 2 1 Siedlung und Bevölkerung 10
I 2 2 Verkehr 13
I 2 3 Wasserversorgung 14
I 2 4 Wirtschaft und Inwertsetzung 15
I 2 4 1 Agrarwirtschaft 18
I 2 4 2 Schwerindustrie 20
I 2 4 3 Leichtindustrie und Dienstleistung 23
I 3 Donezk Stadtgeographische Betrachtung 24
I 3 1 Lage 24
I 3 2 Aufbau 24
I 3 3 Bedeutung 25
I 3 4 Geschichte 25
I 4 Geschichte 26
I 4 1 Zaristische Zeit 27
I 4 2 Umbruch und Revolution 28
I 4 3 Kommunismus und Stalin 29
I 4 4 Stalins Terror und Der 2 Weltkrieg 31
I 4 5 Nachkriegszeit und Destalinisierung 33
I.5. Zusammenfassung 34
I.6. Anhang 36
II. Literaturverzeichnis 51
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I.0. Einführung: Der Donbass bis 1991
Der Donbass kann wohl ohne Probleme als das bedeutendste Industriegebiet der Ukraine bezeichnet werden, und mit seiner nun rund 150 jährigen Geschichte als Montan- und Hüttenindustriezentrum in der Donez-Senke wohl auch als eines der ältesten. Bedenkt man, dass im allgemeinen die Industrialisierung im russich-zaristischen Reich später begann als im restlichen Europa, so ist der Donbass immer noch eines der industriellen Pionierregionen des riesigen transkontinentalen Reiches im Osten. In dieser Hausarbeit soll sowohl die Geschichte des Donbass wie auch seine landeskundlichen Eigenschaften und regionalen Einbindungen betrachtet werden. Dabei liegt die Gewichtung natürlich auf der Industrie, besonders auf besagter Hütten- und Montanindustrie.
Der Begriff Donbass (ukrainisch Donbas) steht für „Donezkij Ugol’nij Bassejn“. Er bezieht sich auf die Kohlefördergebiete im Osten der Ukraine. Topographisch umfasst er heute die Oblaste Donezk und Lugansk, sowie Teile der Oblaste Dnepropetrowsk und Zaporož’e. Der auf russischem Territorium gelegen Oblast Rostow wird auch zum Donbass gerechnet (Zimmer 2001, S. 236). Allerdings ist der Donbass weniger eine R egion in räumlichen Kategorien als eher ein gedachter homogener Raum, der sich durch eine e inheitliche sozioökonomisch Lage im Bezug auf Urbanisierung und Industrialisierung auszeichnet. Subjektiv wird das von vielen Bewohnern des Donbass so wahrgenommen, dass sie sich als transethnische Einheit m it übernationaler Bedeutung sehen. Auch die Entwicklung des Donbass wird sehr restriktiv w ahrgenommen: Brüche werden kaum oder gar nicht wahrgenommen (selbst der Bruch mit der Sowjetunion wurde bei Interviews kaum erwähnt) und Wirtschaftsflauten werden nur als kurzzeitige Anlaufstrecke zum nächsten Wachs tum gesehen (Zimmer 2001, S. 244). Diese starke regionale Identität ist typisch für die Donbass- Region, wie später noch gezeigt werden wird.
Versucht man detailgetreue Informationen über das Gebiet zu finden merkt man schnell, dass die Materiallage z um Teil recht schwierig ist. Was unter Anderem daran liegt, dass die Ukraine lange das Stiefkind der UdSSR war (Köhler & Wein 1985, S. IV). Außerdem war der Donbass immer aufgeteilt in mehrere administrative Bezirke, was eine statistische Erfassung der Zahlen entsprechend erschwert (Kuromiya 1998, S. 14). Dieses äußert sich unter anderem in den zum Teil parallel verwendeten Gebietsbezeichnungen: beziehen sich Informationen aus dem 19. Jahrhundert oft auf die tatsächliche geographische Einheit des „Donbass“, umfasst der selbe Begriff in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch die westlich gelegene Industrieagglomeration am Dneprbogen. Nach 1960 verschwindet dieser Begriff dann ganz und wird durch das „Donez-Dnepr-Wirtschafts-Rayon“ ersetzt, welches das gesamte östliche
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Drittel der Ukraine umfasst. Ähnlich verworren sind die Stadt- und Regionsnamen: kommt es einerseits zu einer Russifizierung, Ukrainisierung, Eindeutschung oder Anglifizierung der Namen je nach Quelle und Herkunft des Autors, ändern sich diese auch zusätzlich im Verlauf der Geschichte. In dieser Arbeit wird versucht sich auf die russischen Namen zu beschränken, da die bearbeitete Zeitspanne unter russischer Herrschaft steht. Was die zeitliche Namensentwicklung angeht, so wird der jeweils entsprechende für den beschriebenen Zeitraum verwendet.
I.1. Physische Betrachtung
Als erster Schritt soll hier die physische Landeskunde des Gebietes erläutert werden. Betrachtet wird hier die geographische Einheit der Donez-Senke bzw. das Gebiet, dass bergbaulich erschlossen ist und seit dem 19. Jahrhundert als Donbass bezeichnet wird 1 .
I.1.1 Geographische Lage
Der Donbass liegt zwischen 35° & 40° östlicher Länge und 47° & 49° nördlicher Breite. Großräumlich liegt es im Osteuropäischen Tiefland und erstreckt sich im unteren Donezbogen in Nordwest-Südöstlicher Richtung (Köhler & Wein 1985, S. 242 vgl. ebd. S. 27). Geotektonisch gehört es zur Eurasischen Platte, genauer gesagt zur südöstlichen Synklinale der Osteuropäischen Tafel (Stadelbauer 1996, S.331). Die Hö he über dem Meeresspiegel liegt zwischen 0m an der Küste und rund 550m auf den Höhenzügen um den Donez. Das Gebiet, das durch den Kohlebergbau erschlossen war und als Donbass bezeichnet wird umfasste vor dem 2.WK noch 23.000km² weitete sich danach aber auf 60.000km² aus (Köhler & Wein 1985, S. 254).
I.1.2 Topographische Lage
Im Südöstlichen Teil der Ukraine gelegen u mfasst der Donbass die Oblaste (Regierungsbezirke) Donezk und Lugansk, sowie Teile der Oblaste Dnepropetrowsk und Zaporož’e sowie den russischem Oblast Rostow (Zimmer 2001, S. 236). Das Einzugs- bzw. Anbindungsgebiet reicht vom Asowschen Meer im Süden bis an den Donez-Oberlauf bei Nowo Dimitrowsk und von Dnepropetrowsk im Westen bis an den östlichsten Donez-Bogen in Russland.
1 Die Abgrenzung des Gebietes anhand geographischer und geschichtlicher Literatur stellt sich als enorm
widersprüchlich und unpräzise heraus. Vergleichbar wäre es heute den Begriff „Ruhrgebiet“ präzise abgrenzen
zu wollen: die sprachliche Gewohnheit entspricht nicht der geographischen Abgrenzung etc.
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Das Herzstück des Wirtschaftsraumes ist die Region um Donezk, der Verwaltungshauptstadt des Gebietes. Diese Region umfasst 26.500km² und beherbergt e 1985 5.300.000 Einwohner, der Verstädterungsgrad liegt bei 90% (Köhler & Wein 1985, S. 68), doch dazu später mehr.
Der Begriff Donbass bezieht sich heute, ähnlich wie der Begriff „Ruhrgebiet“ auf die gesamte Wirtschaftregion weit über die Grenzen der geomorphologischen Einheit des Donezbecken hinaus. Lediglich in früher Erschließungsphase im 19. Jahrhundert war der geomorphologische Begriff deckungsgleich mit dem anthropogenen. Im Zuge der sowjetischen Wirtschaftsrayonisierung 1960-63 wurde die Ukraine, welche Ursprünglich als eine Einheit von Moskau gelenkt
wurde, aufgeteilt: der Donezk-Dnepr- Rayon, „der Süden“, und der „Südwesten“ (Köhler & Wein 1985, S. 194). Ersteres ersetzte den Begriff des Donbass, allerdings war der bezeichnete Raum weit größer und umfasste eine weitaus Großregion als der Begriff
„Donbass“. Dies wird klar auf
nebenstehender Donez-Dnepr-Wirtschafts-Rayon bildet gleichzeitig das bedeutendste der 3 ukrainischen Rayons (Gerloff 1982, S. 370) was sich auch in unten stehender Tabelle widerspiegelt.
I.1.3 Gestein und Relief Der Untergrund des Donbass wird gebildet von dem im Präkambrium entstanden kristallinen Sockel, der Bestandteil der Osteuropäischen Tafel ist und dem darauf liegenden paläozoischen Deckgebirge (Stadelbauer 1996, S. 331). Somit sind sowohl Granite und Gneise, wie auch verschiedene Sedimentgesteine zu finden.
Die Geomorphologie der Region wird im Großen durch die geosynklinale Faltung besagter Osteuropäischer Tafel gebildet. Im Einzelnen spielt jedoch die fluviale Erosion die Hauptrolle bei der geomorphologischen Überprägung. Die für die Steppengebie te und der Donbass so typische Morphologie sind die Erosionsschluchten und die daraus entstehenden Senken. Diese nennt man nach der ukrainischen und russischen Bezeichnung Balka und Owrag (Köhler & Wein 1985, S. 68).
I.1.4 Boden und Vegetation
Der Donbass gehört zur ukrainischen Steppenlandschaft (Köhler & Wein 1985 , S. 29), typische für die mittlere Steppenzone ist das fehlen von Waldbewuchs, das übliche Pflanzenkleid wird von Gräsern und einjährigen Pflanzen gebildet. Typische Pflanzenarten sind zum Be ispiel Stipa stenophylla, Festuca sulcata, Koeleria gracialis, Bromus erectus. Die Steppe weist an und für sich ein deckendes Pflanzenkleid auf, vereinzelte, im Winter kahle, Stellen werden dann von einjährigen Pflanzen und Dicatylen Arten bedeckt. Nach Süden hin werden die freien Stellen allerdings immer seltener von den genannten Arten bedeckt (Köhler & Wein 1985, S. 45f). Um diese natureigene Vegetation zu schützen wurden in den letzten Jahrzehnten im Raum Donezk zahlreiche Reservate und Naturparks ange legt. Hauptsächlich ist die Fläche des Donbass agrarisch erschlossen was mit dem allgemeinen Vorhandensein von fruchtbaren Schwarzerdeböden zusammenhängt (Köhler & Wein 1985, S. 67).
I.1.5 Hydrographie
Der Südosten ist der arideste Teil der Ukraine, dies spiegelt sich auch in der Hydrographie auf der Oberfläche wider. Der bedeutendste Fluss der Region ist der Donez. Die Donezquelle liegt etwa 50km nördlich von Belgorod in Russland. Er entwässert westlich von Rostow in den Don und dieser schließlich ins Asowsche Meer, das im Süden an der Donbass angrenzt. Die Wasserscheide zwischen Donez und Dnepr bzw. der direkten Entwässerung ins Asowsche Meer verläuft in einem Bogen von Rostow über Donezk sehr nah entlang des westlichen Donezufers. Ansonsten ist über die Hydrographie der Region nur wenig in Erfahrung zu bringen.
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I.1.6 Klima Zwar ist der Donbass ist klimatisch zum aridesten Teil der Ukraine gehörig (Köhler & Wein 1985 , S. 29), dennoch ist gerade genug Niederschlag vorhanden, dass unter normalen Bedingungen k eine Trockenzeit besteht. Beherrscht wird der Donbass von einem ausgeprägten Kontinentalklima. Im Detail ist die Einordnung je nach System ähnlich bei unterschiedlicher Nomenklatur: nach Troll & Pfaffen liegt der Donbass im Bereich der winterkalten Steppenklimate „III 8“. Nach Flohn & Neef zwischen „Übergangsklima“ und „Sommerheißem Kontinentalklima mit Frühjahrsregen“. Am anschaulichsten macht die klimatische Situation wohl Köppen, er ordnet der Donbass in die Zone „Dfa “, also eine Schneeklimate mit ausreichend Niederschlag und dem wärmsten Monat mit einer Durchschnittstemperatur von über 22°C, ein (Diercke 1996, S. 222).
I.1.7 Bodenschätze Der Donbass ist sehr reich an den verschiedensten Bodenschätzen, allem voran natürlich Eisenerze und Kohle. Z ur Bilanzierung der Rohstoffreserven ist zu sagen, dass ausgehend von volkswirtschaftlichen Bedürfnissen Möglichkeiten eines Erfassungszeitraums verschiedene Kategorien von Rohstofflagerstätten ermittelt werden: A – besagt, dass die Vorräte in ihren Lagereigenschaften, Zusammensetzung und technologischen Eigenschaften vollkommen bekannt sind. B – dass sie in ihren Hauptsächlichen Besonderheiten bekannt sind, und C1 – dass ihre allgemeinen Grundzüge bekannt sind. C2 – bezeichnet wahrscheinliche, prognostizierte Vorräte. Von geographischer und ökonomischer Aussagekraft sind lediglich die Kategorien A, B und C1(Gerloff 1982, S.372).
1960 wurden das Gesamtkohlevorkommen des Donbass auf 190 Milliarden 2 t (Köhler & Wein 1985, S. 254) geschätzt, dies entsprach 2,4% der sowjetischen Gesamtreserven. Allerdings ist die Qualität der Kohlen eher schlecht: der durchschnittliche Aschegehalt beträgt
2 die Quelle gab „190 bio t“ [billionen?] an, was kaum glaubwürdig erscheint, vermutlich stammt die Aussage
aus einer englischsprachigen Quelle (e: billion = d: Milliarde).
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Quote paper:
Urs Noetzelmann, 2003, Der Donbass eine landeskundliche und geschichtliche Betrachtung des Altindustriegebiets am Donez, Munich, GRIN Publishing GmbH
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