Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung. 3
II. Terminologische Vorbemerkungen. 3
2.1 Klafkis Didaktikbegriff. 3
2.1.1 Klafkis geisteswissenschaftlicher Didaktikbegriff. 3
2.1.2 Klafkis kritisch-konstruktiver Didaktikbegriff. 4
2.2 Klafkis Bildungsbegriff. 5
2.2.1 Klafkis geisteswissenschaftlicher Bildungsbegriff. 5
2.2.2 Klafkis kritisch-konstruktiver Bildungsbegriff. 7
III. Die Struktur des didaktischen Fe ldes. 8
3.1 Die Struktur des didaktischen Feldes in Klafkis älteren Studien zur Bildungstheorie
und Didaktik. 8
3.2 Die Struktur des didaktischen (Problem-)Feldes in Klafkis neuen Studien zur
Bildungstheorie und Didaktik. 12
IV. Schlußbetrachtung. 16
V. Literaturverzeichnis 18
I. Einleitung
Wolfgang Klafki gilt als einer der großen Didaktiker des 20. Jahrhunderts. Seine Studien zur Bildungstheorie und Didaktik sind als wertvolle Beiträge zur Didaktik bzw. als große didaktische Modelle zu bewerten, weshalb sich folgende Arbeit mit der Fragestellung auseinandersetzt, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten Klafkis Studien zur Bildungstheorie und Didaktik und seine neuen Studien zur Bildungstheorie und Didaktik besitzen. 1 Die Zentralkategorie beider Studien ist der Begriff der Bildung, der in einer unauflösbaren Beziehung zu jeder Didaktik steht, ja als deren Ziel betrachtet werden muß. Ziel dieser Arbeit ist daher, anhand einer vergle ichenden Analyse der Frage nachzugehen, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten die jeweiligen Didaktik- und Bildungsbegriffe bzw. die didaktischen Felder besitzen. Um solch eine ve rgleichende Untersuchung systematisch durchführen zu können, bedarf es unter Punkt zwei zunächst einiger terminologischer Vorerörterungen, die in einer vergleichenden Analyse bereits die bildungstheoretischen Grundlagen liefern, die für die Gegenüberstellung der didaktischen Felder in Kapitel drei unerläßlich sind.
Als Grundlage für die Erarbeitung der Fragestellung dienen zum einen Klafkis Studien zur Bil-dungstheorie und Didaktik, erschienen in 10. Auflage 1975 sowie seine neuen Studien zur Bil-dungstheorie und Didaktik, erschienen in 3. Auflage 1993. Die Verwendung weiterer Literatur ist für die Beantwortung der Fragestellung wenig hilfreich, da lediglich die Perspektiven der beiden Klafkischen Studien Gegenstand dieser Arbeit sind.
II. Terminologische Vorbemerkungen
2.1 Klafkis Didaktikbegriff
2.1.1 Klafkis geisteswissenschaftlicher Didaktikbegriff
Was versteht man unter Didaktik? Geht es nach Dolch, Hausmann und Hamelsbeck, dann ist unter Didaktik die „Wissenschaft vom Lehren und Lernen“ 2 zu verstehen, während Sperber dagegen Didaktik als die „Theorie der bildenden Begegnung von Person und Sache bzw. von Sache und Person“ 3 bezeichnet. Didaktik im Sinne der Bildungslehre wird durch Siewerth als „Wissenschaft vom Wesen bildender Lehre“ 4 ausgelegt, während Schulz, Schwerdt, Fiege, u.a. Didaktik als „Theorie der Bildungsinhalte und des Lehrplans 5 “ definieren. All diese Sinngebungen des
1 Vgl. Gudjons 2001, S. 235.
2 Dolch, Hausmann, Hamelsbeck zitiert nach Klafki 1975, S. 85.
3 Sperber zitiert nach ebd.
4 Siewerth zitiert nach ebd.
5 Fiege, Schulz, Schwerdt zitiert nach ebd.
3
didaktischen Begriffs sind legitim und begrifflich korrekt. Betrachtet man das Wort Didaktik vom seinen griechischen Ursprung didaskein her, so läßt sich jene Vielzahl von Bedeutungsmöglichkeiten durch die Vielzahl von Übersetzungsmöglichkeiten erklären. Betrachtet man die Schnittmenge der skizzierten Definitionsmöglichkeiten, so läßt sich fo lgende terminologische Eingrenzung herausarbeiten: „Didaktik meint die Theorie der Bildungsaufgaben und Bildungsinhalte bzw. der Bildungskategorien.“ 6 Klafki stellt mit dieser Definition die Forderung auf, inhaltlichen Fragen der Bildung und Erziehung in den Mittelpunkt zu stellen. Was bedeutete solch ein Didaktikverständnis für die Methodik des Unterrichts? Methoden beschreiben zunächst einen bestimmten Weg zu einem konkreten Ziel. Ob ein Weg bzw. eine Methode richtig oder falsch, angemessen oder una ngemessen ist, kann nur daran gemessen werden, ob er zum Ziel führt oder nicht. Dies bedeutet wiederum, daß man erst einmal das Ziel kennen muß, um dann eine Entscheidung über den Weg treffen zu können. Für das didaktische Verständnis bedeutet dies, daß die Bewältigung und Aneignung von Bildungsaufgaben und -inhalten durch Kinder und Jugendliche als Ziel betrachtet und in angemessenen Methoden umgesetzt werden müssen, weshalb die Methodik als eine Dimens ion der Didaktik gelten muß. 7
Nach dieser Begriffsklärung auf der Seite des „Wie“ - der Methodik - betrachten wir nun die Fragen des „Was“, - also des Bildungsinhalts - die die Auswahl der Methoden bedingen. Aus dieser Perspektive betrachtet hat die Didaktik ihren Mittelpunkt in der Auswahl und der Ordnung jener Aufgaben und Inhalte, die dem jungen Menschen das ihm individuell erreichbare Welt-und Selbstverständnis erschließen lassen. Didaktik konzentriert sich demnach auf jene „Gesamtverfassung des Menschen“, 8 die durch die Aneignung eines Welt- und Selbstverständnisses ermöglicht werden soll, die wir Bildung nennen. Dies bedeutet letztendlich, daß jede didaktische Erwägung einen Definitionsbeitrag zum Bildungsbegriff liefert, bzw. umgekehrt jede bildungs-theoretische Aussage didaktische Erwägungen in sich birgt und somit Didaktik und Bildung in einer wechselseitigen Korrelation zueinander stehen. Diese unauflösbare Beziehung der Didaktik zur Bildungstheorie verlangt eine eindringliche Klärung der bildungstheoretischen Voraussetzungen didaktischer Entscheidungen, die nach der folgenden Analyse des kritisch-konstruktiven Didaktikverständnisses erfolgen wird. 9
2.1.2 Klafkis kritisch-konstruktiver Didaktikbegriff
Klafki bezeichnet seinen neuen Didaktikbegriff als kritisch-konstruktiv. Was bedeutet dies im Vergleich mit seinem alten Didaktikverständnis? Kritisch meint hier zunächst, daß sich eine kritische Didaktik am Ziel der Befähigung aller Kinder und Jugendlichen, aber auch aller Erwach-
6 Ebd.,S. 84.
7 Vgl. ebd., S. 83-86.
8 Ebd., S. 89.
9 Vgl. ebd.
4
senen zu einer wachsenden „Selbstbestimmungs-, Mitbestimmungs- und Solidaritätsfähigkeit“ 10 orientiert, während konstruktiv als Forderung nach einem strikten Praxisbezug ve rstanden wird. Was bedeutet nun eine Fähigkeit zur Selbstbestimmung, Mitbestimmung und Solidarität vor dem Hintergrund jenes Didaktikverständnisses? Die Fähigkeit zur Selbstbestimmung bezieht sich auf die eigenen und persönlichen Beziehungen des Menschen, egal ob sie zwischenmenschlicher, religiöser oder beruflicher Art sind. Mitbestimmungsfähigkeit meint jeden Anspruch, jede Möglichkeit und auch jede Verantwortung, die der Einzelne für die Gestaltung der gesamtgesellschaftlichen und politischen Verhältnisse trägt. Unter Solid aritätsfähigkeit ist neben dem eigenen Anspruch auf Selbst- und Mitbestimmung eine Unterstützung derjenigen zu verstehen, deren Selbst- und Mitbestimmungsmöglichkeiten aufgrund der gesellschaftlichen Verhältnisse, auf-grund von Unterprivilegierung, politischer Einschränkung oder Unterdrückung eingeschränkt oder gänzlich versagt werden. Der faktische Bezug des Begriffs Didaktik wurde Mitte des 20. Jahrhunderts vorwiegend im Hinblick auf Schule, Hochschule und Unterricht, also auf Lehren und Lernen in schulähnlichen Institutionen gesehen, was Klafki zwar nicht ablehnt, jedoch einen übergreifenderen Begriff verwendet: Didaktik sieht er als übergreifende Bezeichnung für erziehungswissenschaftliche Forschung, Theorie- und Konzeptbildung in Bezug auf alle erdenklichen Lehr- und Lernformen. Jede didaktische Praxis bezieht sich dabei zum einen auf Entscheidungen - bzw. auf die ihnen zugrundeliegenden Begründungen und Prozesse - über allgemeine und besondere Ziele des Lehrens und Lernens, über die Auswahl der Inhalte und Themen, über die Methoden und Verfahren, über die Medien und über die Kontroll-, Beurteilungs- und Sanktionsmaßnahmen. Zum and eren bezieht sich jegliche didaktische Praxis auf die in den jeweiligen Lehr- und Lerninstitutionen (Schule, Hochschule, etc.) tatsächlich ablaufenden Prozesse hinsichtlich der vereinbarten Ziele, Themen, Methoden und Medien. Da Klafkis kritischkonstruktive Didaktik ebenfalls auf einem bildungstheoretischem Fundament fußt und sich daher als bildungstheoretische Didaktik versteht, bedarf es nun einer eindringlichen Klärung der Kla fkischen Bildungstheorie, an der sie sich orie ntiert. 11
2.2 Klafkis Bildungsbegriff
2.2.1 Klafkis geisteswissenschaftlicher Bildungsbegriff
In Anlehnung an die Aufklärung legt Klafki seinem Bildungsbegriff einen Anspruch zugrunde, der jedem Menschen die prinzipielle Möglichkeit eröffnet, zur Selbstbestimmung zu gelangen, um somit nach Kant „den Ausgang […] aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“ 12 zu erlangen. Bildung betrachtet in der Perspektive der Didaktik meint folglich nichts anderes als den
10 Klafki 1993, S. 90.
11 Vgl. ebd., S. 91-94, S. 97-98.
12 Kant zitiert nach Klafki 1975, S. 93.
5
Arbeit zitieren:
Marc Philipp, 2003, Wolfgang Klafki - Von der geisteswissenschaftlichen zur kritisch-konstruktiven Didaktik, München, GRIN Verlag GmbH
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