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Sexualität und geistige Behinderung

Title: Sexualität und geistige Behinderung

Term Paper , 2004 , 18 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Jochen Hermann (Author)

Social Work
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Im letzten Jahr meiner Tätigkeit in einer Wohneinrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung waren durch räumliche Veränderungen im gesamten Heimbereich gravierende Umstrukturierungen notwendig. Unter anderem wurde die schon seit Jahren einziehende Auflösung der geschlechtlichen Homogenität erneut thematisiert. Unweigerlich waren bei der „Neumischung“ der Bewohner auch Aspekte des Zusammenlebens und die möglicherweise vorauszusehenden Folgen ein großes Thema, wobei natürlich auch auf bestehende und entstehende Partnerschaften und enge Freundschaften Rücksicht genommen werden musste.
Gleichzeitig stellte sich die Frage, wie man gerade mit der sexuellen Selbstbestimmtheit umgehen wird und wie diese begleitet werden sollte. Schnell wurde klar, dass es zwar grundsätzlich schon lange kein Tabu mehr ist, diese Selbstverwirklichung von Menschen mit geistiger Behinderung zu fördern und zu unterstützen, jedoch gibt es immer noch Berührungsängste oder gar grundsätzlich infragestellende Einwendungen, schließlich möchte man ja nicht an „Dingen herumrühren, die besser weiter schlummern sollten“.
Diese doch sehr differenzierten Meinungen veranlassten mich, im Zuge der Ethik beruflichen Handelns, grundsätzlich noch einmal über das Thema nachzudenken um herauszustellen, dass Sexualität auch ein grundlegendes Bedürfnis und Recht von Menschen mit geistiger Behinderung ist und wir als Dienstleister für diese Menschen darauf eine sinnvolle Antwort und pädagogische Konzepte bereithalten müssen.
Nachfolgend möchte ich im Wege des Dreischritts Grundlegendes über geistige Behinderung und Sexualität erläutern und versuchen, dies im Kontext mit dem christlichen Menschenbild in der Heilpädagogik zu verbinden und einen Ausblick geben, welche Möglichkeiten sich in Wohneinrichtungen bieten können, den sexuellen Bedürfnissen von Menschen mit geistiger Behinderung gerecht zu werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geistige Behinderung und Menschenbild

2.1. Behinderung

2.2. Geistige Behinderung- eine Frage des Menschenbildes

3. Sexualität

3.1. Allgemein

3.2. Rechtliche Vorgaben zur Sexualität, auch und gerade im Bereich der Behindertenhilfe

4. Sexualität und geistige Behinderung

4.1. Rückblick

4.2. Sexualerziehung kontra sexueller Selbstbestimmung?

4.3. Handlungsansätze bei Menschen mit geistiger Behinderung

5. Sexuelle Assistenz in Wohneinrichtungen

5.1. Offenheit als Grundvoraussetzung

5.2. Passive und aktive sexuelle Assistenz

5.3. Vorrang der passiven Assistenz und der Hilfe zur Selbsthilfe

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht aus ethischer Perspektive den Umgang mit Sexualität bei Menschen mit geistiger Behinderung in stationären Wohneinrichtungen. Ziel ist es, Sexualität als grundlegendes Bedürfnis und Recht dieser Menschen zu legitimieren und praxisnahe pädagogische Ansätze zur Unterstützung unter Wahrung der individuellen Selbstbestimmung zu entwickeln.

  • Reflexion des Menschenbildes im Kontext geistiger Behinderung
  • Ethische und rechtliche Rahmenbedingungen sexueller Selbstbestimmung
  • Die Rolle der Sexualpädagogik und Assistenz in Betreuungseinrichtungen
  • Abgrenzung von passiver und aktiver sexueller Assistenz
  • Bewältigung professioneller Anforderungen durch Transparenz und Teamarbeit

Auszug aus dem Buch

5.2. Passive und aktive sexuelle Assistenz

Passive Assistenz meint das schaffen von konkreten Voraussetzungen für Sexualität und das Aufklären über sexuelle Praktiken, aktive Assistenz meint weitergehend die Formen der Hilfe, bei denen man in konkrete sexuelle Situationen einbezogen ist. Aus berufsethischer Sicht ist sicher die passive Hilfestellung unproblematisch, sei es beim Organisieren von entsprechenden Bildern für den Bewohner oder das ausleihen eines Videos. Freilich kann dies schon sehr schnell bei MitarbeiterInnen persönliche Grenzen überschreiten, was ich für absolut zulässig und respektabel halte. Sollte es für angesprochene Helfer eine Zumutung sein, so ist es nur nicht mit ethischen Grundansichten zu vereinbaren, wenn der Wunsch nicht an eine Stelle weitergetragen wird, die diesen erfüllen kann.

Immens wichtig ist diese Nichtüberschreitung persönlicher Grenzen im Bereich der aktiven Assistenz, zumal die Grenzen zur passiven Unterstützung nicht immer klar sind. Der Umgang mit einem Vibrator bspw. kann erklärt werden, wenn aber die Bewohnerin bei der Erstbenutzung weitergehende Hilfen, wie Handführung, benötigt, sind MitarbeiterInnen schon aktiv beteiligt.

Hier ist ein hohes Maß an individueller Entscheidungsfindung von Nöten, es kann nur nochmals betont werden, dass dabei auch die persönlichen Grenzen auf beiden Seiten höchste Priorität genießen müssen! Auch darf man nicht resignieren, wenn der Assistenzwunsch nicht mehr persönlich leistbar oder vertretbar ist. Es ist doch gerade Ausdruck des Persönlichkeitsrechtes, diese dann kollidierenden Grenzen schlichtweg zu akzeptieren, jedoch muss in diesem Fall versucht werden, Abhilfe durch andere Unterstützungen oder Unterstützer zu schaffen. Es besteht niemals eine Pflicht des Betreuers zur aktiven sexuellen Assistenz!

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit motiviert das Thema durch die notwendige Umstrukturierung einer Wohneinrichtung und die damit verbundene Frage, wie die sexuelle Selbstbestimmung von Menschen mit geistiger Behinderung professionell begleitet werden kann.

2. Geistige Behinderung und Menschenbild: Es wird erörtert, wie sich der Begriff der Behinderung von einer defizitorientierten Sichtweise hin zu einem Verständnis als Ereignis in sozialen Beziehungen gewandelt hat.

3. Sexualität: Dieses Kapitel definiert Sexualität als Ausdruck menschlicher Würde und Identität und beleuchtet die rechtlichen Grundlagen sowie das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung.

4. Sexualität und geistige Behinderung: Der Rückblick auf die Geschichte der Tabuisierung führt zu einer Diskussion über Sexualerziehung und die Abgrenzung zur individuellen Selbstbestimmung der Betroffenen.

5. Sexuelle Assistenz in Wohneinrichtungen: Es werden Konzepte zur sexuellen Assistenz vorgestellt, wobei Transparenz, die Wahrung persönlicher Grenzen und der Vorrang passiver Assistenz betont werden.

6. Fazit: Die Arbeit resümiert die positiven Veränderungen im gesellschaftlichen und professionellen Umgang mit der Sexualität von Menschen mit geistiger Behinderung und plädiert für eine weitere Öffnung der Helfersysteme.

Schlüsselwörter

Sexualität, geistige Behinderung, sexuelle Assistenz, sexuelle Selbstbestimmung, Menschenbild, Wohneinrichtung, Sexualpädagogik, Ethik, Inklusion, Normalisierung, professionelles Handeln, Persönlichkeitsrechte, Transparenz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der ethischen und pädagogischen Begleitung von Sexualität bei Menschen mit geistiger Behinderung in stationären Wohneinrichtungen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf dem Menschenbild, dem Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, rechtlichen Rahmenbedingungen und der praktischen Umsetzung sexueller Assistenz durch Betreuungspersonal.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Sexualität als legitimes Bedürfnis behinderter Menschen darzustellen und pädagogische Konzepte aufzuzeigen, die sexuelle Entfaltung im Rahmen der Einrichtung ermöglichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und reflektiert die Thematik im Kontext der Heilpädagogik und der Ethik beruflichen Handelns.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung von Behinderung und Sexualität, die Analyse der rechtlichen Lage, die kritische Diskussion von Sexualerziehung sowie die Differenzierung zwischen aktiver und passiver sexueller Assistenz.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen sexuelle Selbstbestimmung, geistige Behinderung, sexuelle Assistenz, Menschenbild und ethische Reflexion.

Warum wird der Begriff "passive Assistenz" bevorzugt?

Die passive Assistenz, wie etwa die Unterstützung bei der Informationsbeschaffung, stellt einen geringeren Eingriff in die Persönlichkeitsrechte dar und ist daher ethisch unproblematischer als aktive, in den sexuellen Akt eingreifende Assistenz.

Wie sollten Mitarbeiter mit dem Thema sexueller Missbrauch umgehen?

Transparenz ist das oberste Gebot. Hilfsangebote sollten idealerweise nicht von direkten Bezugsbetreuern kommen, und das Thema muss im Team offen diskutiert werden, um Sicherheit für Bewohner und Mitarbeiter zu schaffen.

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Details

Title
Sexualität und geistige Behinderung
College
Catholic University for Applied Sciences Berlin
Grade
2,0
Author
Jochen Hermann (Author)
Publication Year
2004
Pages
18
Catalog Number
V36208
ISBN (eBook)
9783638358941
Language
German
Tags
Sexualität Behinderung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jochen Hermann (Author), 2004, Sexualität und geistige Behinderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36208
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