Ressortkunde: ,Auslandsberichterstattung - „Auslandsfernsehen zwischen Gewalt
und Exotik, am Beispiel des ARD-Korrespondenten in Tel Aviv von 1988 bis
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1. Was ist Objektivität?
2. Konstruktivismus als Zuflucht
3. Konsequenzen für die Analyse
4. Operationalisierung
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1. Nachrichtenfaktoren
2. Hintergrund
3. Sichtbarmachung der eigenen Medialität
4. Ausgewogenheit
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Das wohl am häufigsten - gerade bei der Analyse und Bewertung von Fernsehbeiträgen - gebrauchte Kriterium ist die Objektivität. In Artikel 4 (1) des bayerischen Rundfunkgesetzes heißt es auch: „Der Bayerische Rundfunk hat den Rundfunkteilnehmern einen objektiven und umfassenden Überblick über das internationale, das nationale und das bayerische Geschehen in allen Lebensbereichen zu geben.“ Im zweiten Absatz steht aber auch: „Redakteure sind bei der Auswahl und Sendung der Nachrichten zu Objektivität und Überparteilichkeit verpflichtet.“ Wenn aber Medienrealität durch Auswahl entsteht und Auswahl zwangsläufig eine Wertung bedeutet - wie kann dann die Medienrealität überhaupt der „objektiven“ Realität entsprechen? Ohne diese Frage zu beantworten, ist eine Analyse der Fernsehreportage im Hinblick auf deren Objektivität müßig - denn der Erkenntniswert einer Untersuchung, deren wesentliches Kriterium beliebig definiert werden kann, beziehungsweise undefiniert bleibt, wäre eher gering.
2. Konstruktivismus als Zuflucht
Um diese Frage zu beantworten, um den „Beitrag des Subjekts im Prozess des Erkennens von Wirklichkeit“ (Burkart, 1998, S. 296) zu konkretisieren, greifen Kommunikationswissenschaftler wie Klaus Merten, Siegfried J. Schmidt oder Siegfried Weischenberg (Merten/Schmidt/Weischenberg, 1994) auf den Konstruktivismus zurück. Den gemeinsamen Ausgangspunkt dieser keineswegs einheitlichen Theorie formuliert Burkart so: Es sei die Annahme, „dass wir Menschen durch bestimmte Leistungen unseres Bewusstseins Wirklichkeitsvorstellungen konstruieren.“ (Burkart, 1998, S. 297). Die Konsequenz dieses Grundgedankens führt Schmidt aus: „Dabei wird sinnvollerweise unterstellt, dass es außerhalb unserer kognitiven Wirklichkeit eine Realität gibt, die den Anlass für unsere Wirklichkeitskonstruktionen bietet. Wie diese Realität ‚an sich’ ist, entzieht sich unserer Erkenntnismöglichkeit, da wir nur die Wirklichkeit kennen, die wir wahrnehmen und in der wir handelnd und kommunizierend leben.“ (Schmidt, 1990, S. 54; zit. nach Burkart, 1998, S. 297)
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3. Konsequenzen für die Analyse
Wenn also die „objektive“ Realität außerhalb der konstruierten Medienrealität nicht zu erfassen ist, scheidet ein Vergleich als Vorgehen für die Analyse der Fernsehreportage aus. Tatsächlich ist eine vor allem von Winfried Schulz formulierte und propagierte Konsequenz aus dem konstruktivistischen Diskurs die Aufgabe der Fiktion einer objektiven und eindeutig erkennbaren Realität als Vergleichsmaßstab.
Die bedeutet aber nicht, dass jedwede Norm zur Bewertung journalistischen Handelns aufgegeben wird: „Objektivität, Wahrheit, Neutralität als Prinzipien journalistischen Handelns gelten als idealtypische Zielvorstellungen, als handlungsleitende Normen, die das faktische Verhalten bestimmen sollen.“ (Burkart, 1998, S. 270). Eine auf konstruktivistischen Vorüberlegungen basierende Analyse ist also durchaus sinnvoll, denn sie bedeutet keineswegs den Verzicht auf Kriterien zur Bewertung von Medienangeboten und schon gar nicht die Absolution gegenüber einem „anything goes“-Journalismus. Konstruktivismus bedeutet nicht Subjektivismus, „denn die subjektabhängigen Wirklichkeitskonstruktionen geschehen ja nicht willkürlich, sondern werden in einem permanenten sozialen Prozess mit anderen abgestimmt. Die Vertreter des Konstruktivismus rufen auch ‚keineswegs dazu auf, bewährte professionelle Methoden wie die Trennung von Nachricht und Kommentar einfach aufzugeben und journalistische Objektivität aus dem Repertoire zu streichen’“ (Burkart, 1998, S. 308).
Vielmehr ist dieser konstruktivistischen Prämisse folgend zwischen Objektivität und der objektiven Realität zu unterscheiden. Die zentrale Frage in der Massenkommunikationsforschung - und somit auch in dieser Analyse - darf nicht mehr lauten, wie Medien die eine Wirklichkeit abbilden, sondern: „‚Wie konstruieren Medien die Wirklichkeit?’ oder genauer: ‚Worin bestehen die Selektions- und Interpretationsregeln, nach denen Realität für uns in den Nachrichtenmedien definiert wird’ ‚Gibt es möglicherweise einen allgemeinverbindlichen Konsensus unter den Nachrichtenproduzenten?’“ (Burkart, 1998, S. 270f.)
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Arbeit zitieren:
Konrad Lischka, 2002, Analyse der Reportage 'Terror über dem Grab des Patriarchen' vor dem theoretischen Hintergrund des Konstruktivismus, München, GRIN Verlag GmbH
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