(,1/(,781*
%HJULIIVGHILQLWLRQHQ
1.1.1 Probleme bei der Abgrenzung von Tempus, Aspekt und Aktionsart
1.1.2 Tempus
1.1.3 Aspekt
1.1.4 Aktionsarten und Situationstyp
1.1.4.1 Aktionsarten: 12
$.7,216$57(1,0'(876&+(181',0(1*/,6&+(1 'XUDWLYLWlWXQG3XQNWXDOLWlW 3KDVHQ
$NWLRQDOH3UlILJLHUXQJLP(QJOLVFKHQ
)$=,7
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Ziel dieser Hausarbeit ist die Kontrastierung der $NWLRQVDUWHQ im Deutschen und Englischen. Zunächst müssen grundlegende Begrifflichkeiten wie die Unterscheidung von 7HPSXV$VSHNWXQG$NWLRQVDUWbeschrieben werden. Dies ist ganz besonders wichtig, weil die letzten beiden Kategorien in der bearbeiteten Literatur sehr unklar abgegrenzt bis überlappend verwendet werden (u.a. KLEIN: 17, BACHE: 229).
BINNICK (139ff) hat die terminologische Genese eingehend untersucht. Als
Hauptproblem kann hier genannt werden, daß die Kategorien aus unterschiedlichen linguistischen Traditionen und Sprachen stammen.
Die im empirischen Teil untersuchten Beispielsätze werden vom Deutschen ins Englische übersetzt. Hierbei beschränke ich mich auf präfigierte deutsche Verben und ihrer englischen Übersetzung. Zu den Aktionsarten werden im Deutschen auch Verben wie lachen OlFKHOQKXVWHQ KVWHOQXQGlKQOLFKHJH]lKOWGLHVH%HLVSLHOH verdeutlichen, daß es sich eher um eine semantische Kategorie als um eine rein grammatische handelt (siehe hierzu FLÄMIG: 377f und EISENBERG: 117). Präfigierte Verben reichen m.E. aber völlig aus, um grundlegende systematische Besonderheiten beider Sprachen zu verdeutlichen.
Die theoretische Grundlage und Abgrenzung basiert hauptsächlich auf Literatur aus der Anglistik (besonders BACHE, KLEIN und BINNICK), in der systematische Unterschiede zwischen Aspekt und Aktionsart (häufig auch als Aktionalität bezeichnet) herausgearbeitet werden. Da die Ausgangssprache Deutsch ist, wird die Einteilung aber nach Kriterien aus der Germanistik erfolgen. Die Präfigierung im Deutschen zeigt zwar ein gewisses Maß an Systematik, es wird aber bestritten, daß man von einer grammatischen Kategorie der Aktionsarten sprechen kann (FLÄMIG: 378). So wird hier auch nicht der Versuch unternommen, eine solche zu erstellen.
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3UREOHPHEHLGHU$EJUHQ]XQJYRQ7HPSXV$VSHNWXQG $NWLRQVDUW
Zur Beschreibung der temporalen Qualitäten eines Verbs gehören nach KLEIN (15ff) und BACHE (199ff) Tempus, Aspekt und Aktionsart. Diese drei Kategorien werden unten beschrieben. Wie in der Einleitung angedeutet, ist eine klare Abgrenzung der drei Kategorien nicht gegeben. Zunächst einmal wird die Entstehungsgeschichte skizziert.
BINNICK (135ff) führt die Beschreibung temporaler Eigenschaften eines
Verbs zurück zu den antiken Griechen. Dort wurde zwischen perfektiven und imperfektiven (Aorist) Aspekten und Tempus unterschieden. Er macht darauf aufmerksam, daß sich Tempus leichter konzeptualisieren läßt als die Idee der Aspektualität, weil Konzepte wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dem Sprecher intuitiv verständlich sind. In diesem Sinne ist Aspekt kein traditionelles Konzept, und außerdem hält er es für fraglich, daß die Griechen in ähnlichen linguistischen Kategorien wie heute dachten. Das Konzept Aspekt ist ein relativ neues, es wurde im frühen neunzehnten Jahrhundert aus der slawischen Grammatik in die westliche eingeführt.
In slawischen Sprachen ist Aspekt (‚vid’) eine klar erkennbare grammatische Kategorie. Mit wenigen Ausnahmen besteht jedes Verb aus einem perfektiven und einem imperfektiven Aspekt, man spricht hier von einem Aspektpaar; ob es sich hierbei um zwei verschiedene Verben handelt, kann an dieser Stelle nicht geklärt werden. Der perfektive Aspekt beschreibt eine als abgeschlossen wahrgenommene Handlung, der imperfektive eine als nicht abgeschlossene Handlung. Je nach Kontext kann der eine oder andere Aspekt bevorzugt werden.
Terminologische Verwirrung rührt aus frühen Versuchen, Verbklassen semantisch zu unterscheiden: so wurden schon früh Begriffe wie LQFKRDWLYGXUDWLY
IUHTXHQWDWLYVHPHOIDNWLY etc. verwendet, um den Verlauf einer Handlung unter Aspekt
zu beschreiben. Es gibt eine enge Verwebung von Aspekt und Aktionsart, und der
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Verlauf einer Handlung wurde zunächst als Spielart der Aspekte angesehen wurde, was heutzutage auch noch häufig geschieht. Viele zeitgenössische Autoren halten Aktionsart offensichtlich für keine eigenständige grammatische Kategorie und behandeln aktionale Charakteristika unter Aspekt, so beispielsweise die weiter unten zitierten COMRIE, GIVÓN und QUIRK/GREENBAUM. Die unklare Abgrenzung und unterschiedliche Terminologie hat sehr viele Schwierigkeiten beim Erstellen dieser Hausarbeit bereitet.
Das Konzept der Aspekte wurde von Jacob Grimm für das Deutsche übernommen, weil er Parallelen zum Russischen sah. So sind präfigierte Verben (z.B.
YHUEHKLQGXUFK etc.) eines imperfektiven Verbstammes sehr häufig perfektiven
Charakters. Wie aus Kapitel 2.2 ersichtlich wird, kann man diese Präfixe aber auch zur Markierung von Aktionsarten verwenden.
7HPSXV
KLEIN (1f) beobachtet, daß Zeit und Raum Basiskategorien menschlicher
Erfahrung und Kognition sind. Es ist zwar möglich, in natürlichen Sprachen auf Aussagen über Räumlichkeit zu verzichten, aber es ist unmöglich, keine Aussage über Zeit zu machen. Jedes Verb enthält daher Information über Zeit und Aspekt. Der grammatische Ausdruck von Zeit ist die Kategorie 7HPSXV.
Die Zeit eines Zustandes, einer Handlung, eines Prozesses etc. wird mit einer anderen Bezugszeit korreliert. Dies ist am häufigsten die Zeit der Äußerung (WLPHRI VSHHFK6). So kann beispielsweise eine Handlung zeitlich vor der Äußerungszeit liegen, also in der Vergangenheit. Sie kann zeitlich in die Zukunft projiziert werden, oder sie überlappt mit der Äußerungszeit (Gegenwart). Nach KLEIN (15) läßt sich Zeitreferenz grundsätzlich auf zwei Arten ausdrücken:
1. Durch 7HPSXV, eine systematische grammatische Markierung des Verbs, die
z.B. durch Affigierung, Vokalalternation, Hilfsverben, manchmal auch durch Partikel zum Ausdruck gebracht wird. Tempus ist typischerweise eine deiktische Kategorie, d.h. sprachliche Ausdrücke beziehen sich auf die Äußerungssituation. Bedeutung wird nur in Verbindung mit der zeitlichen und räumlichen Lokation des Sprechers zur Zeit
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der Äußerung hergestellt; das ‚Hier und Jetzt’ ist der deiktische Nullpunkt (siehe BACHE: 250ff, BUSSMANN: 163, COMRIE: 5, QUIRK/GREENBAUM: 374f).
2. Häufig werden Adverbien verwendet: \HVWHUGD\QH[WZHHNWKUHHGD\VDJR
als Beispiele anaphorischer Adverbien und WKUHHGD\VEHIRUH als Beispiel eines deiktischen Adverbs.
Eine Sprache hat gewöhnlich nicht nur genau drei Tempusformen, um die semantischen Konzepte (siehe QUIRK/GREENBAUM: 175f) Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auszudrücken. KLEIN (18) führt als Beispiel das Griechische an, das sechs Tempora hat. Dies hat zu der Ansicht geführt, daß es auch mehr als nur drei Zeiten gibt. Dieser Konflikt zwischen TempusIRUP und TempusEHGHXWXQJ ist zentraler Bestandteil traditioneller Tempusforschung. Tempus kann sich auf eine bestimmte )RUP beziehen (z.B. die sechs griechischen Tempora), auf die %HGHXWXQJ (was drückt beispielsweise das SDVWWHQVH aus), und auf die 9HUENDWHJRULH selbst (so sind Tempus, Aspekt und Modus beispielsweise grammatische Kategorien indoeuropäischer Verben). Es gibt keine eins-zu-eins Beziehung zwischen Form und Bedeutung. Eine GegenwartsIRUP wie das SUHVHQWWHQVH kann sich auf eine gegenwärtige, eine zukünftige, eine vergangene Situation beziehen, kann ebenso Habitualität ausdrücken wie beispielsweise ewige Wahrheiten. Desgleichen kann die Bedeutung einer zukünftigen Situation durch verschiedene Formen wie VLPSOHSUHVHQW
SUHVHQWSURJUHVVLYHZLOOLQILQLWLYHEHJRLQJWRLQILQLWYH ausgedrückt werden.
BACHE (244) stellt fest, daß verschiedene Grammatiker eine unterschiedliche
Anzahl von Tempora zugrundelegen. Er spricht von 2, 8, 16 und 32 Tempora.
HALLIDAY (180f) unterscheidet sogar 36 Tempora. QUIRK/GREENBAUM (176)
hingegen legen nur zwei Tempora zugrunde: SDVW und QRQSDVW. Diese Unterscheidung erfolgt, weil das )XWXU im Englischen keine eigene Form hat. QUIRK/GREENBAUM betrachten nur Kategorien mit eigener morphologischer Flektion als Tempora. Sie lassen aber nicht außer acht, daß das )XWXU durch andere grammatische Konstruktionen der semantischen Kategorie =XNXQIW Ausdruck verleihen kann (wie beispielsweise ZLOO,QILQLWY, JRLQJWRIXWXUH, etc.). QUIRK/GREENBAUM sehen das Präsens als unmarkierten Tempus an, weil es morphologisch die unflektierte Form des Verbs ist (simple present: „QHHGa rest³ vs. simple past: „QHHGHGa rest³); außerdem
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Quote paper:
M.A. Thorsten Witting, 2001, Aktionsarten im Deutschen und Englischen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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