1. Begründung des Themas Gestaltung des Schullebens
Den Schülern der PZS stehen nur wenige Angebote zur Verfügung, die sie in den Pausen nutzen können. Um neben dem Kicker und der Tischtennisplatte eine musikalische Alternative zu bieten, die auch für körperbehinderte Schüler geeignet ist, kam die Idee einer Klangwand. Die Instrumente sollten dazu folgende Kriterien erfüllen:
• ansprechende Gestalt,
• einfach in der Spielweise,
• günstig in der Herstellung,
• unterschiedlich im Klang,
• sowohl in Pausen als auch im Unterricht einsetzbar. Ort
Die Klangwand soll im Vorübergehen zum Rasseln, Schrappen, Trommeln, Zupfen oder Anschlagen von Instrumenten einladen. Dazu ist es erforderlich, eine ungenutzte Wand zu finden, die von den Klassenräumen entfernt liegt, um niemanden zu belästigen, großräumig genug, um auch f ür Rollstuhlfahrer den Flur nicht zu versperren und zugleich nah am Pausengeschehen ist. Die Rückseite des Großgruppenraumes ist für diesen Zweck ideal, zumal in diesem Raum die traditionellen Instrumente lagern. Die Klangwand soll offiziell zum Schulfest im September eingeweiht werden. Beteiligte Personen
Aufgrund verschiedener organisatorischer Rahmenbedingungen eignet sich meine Stammklasse (Grundstufe 4) nicht, die erforderlichen Instrumente selbst herzustellen. Daher habe ich dieses als Zusatzangebot ausgeschrieben. Die Mittelstufenklasse von Frau X hat sich dafür interessiert, so dass ich das Vorhaben nun mit diesen sieben Schülern, der Klassenlehrerin und einem Zivildienstleistenden als Unterstützung durchführe.
2. Richtlinienbezug
Im hessischen Rahmenplan für Musik wird angeregt, einen handelnden Zugang zur Musik mithilfe von Instrumenten anzustreben. Dies kann realisiert werden durch das Kennen lernen der klanglichen Möglichkeiten verschiedenster Materialien (hier: Metall und Holz) und das Ausprobieren unterschiedlicher Arten der Klangerzeugung (hier: Klöppel in Bewegung setzen). Außerdem wird vorgeschlagen, elementare Instrumente selbst herzustellen und dabei die akustischen Gesetzmäßigkeiten (hier: Verhältnis Größe - Tonhöhe) zu entdecken (S. 12).
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Die bayrischen Richtlinien schlagen unter dem Lernbereich „4.1 Musik mit Instrumenten -Elementare Instrumente“ explizit den Bau einer Klangwand vor. Außerdem sollen die Schüler „verschiedene Spielmöglichkeiten mit selbst gebauten Instrumenten erproben“ (S. 306).
3. Sachanalyse
Projektorientiertes Vorhaben „Klangwand“
„Die Schülerinnen und Schüler gestalten grundsätzlich aktiv mit. Sie experimentieren mit
Tönen, Klängen, Geräuschen, Bewegung, Instrumenten und Sprache. Sie erfahren sich als
Urheber und erwerben Fä higkeiten und Kenntnisse durch eigenes Tun“ (Lehrplan Bayern,
296).
Diese Anforderung kann im Projektunterricht gut umgesetzt werden. Die Verbindung von praktischem Tun und theoretischer Erkenntnis wird beim Bau jedes einzelnen Instrumentes bedacht und gip felt in der abschließenden Präsentation des fertig gestellten Gesamtproduktes. Die Interessen und Vorschläge der Schüler können bezüglich des Oberthemas „Klangwand“ flexibel integriert werden. (vgl. Mattes, S. 70f)
Bau von Klangerzeugern
Auswahl
Die gebauten Instrumente haben die gleichen Prinzipien zur Tonerzeugung und werden ähnlich traditioneller Musikinstrumente gespielt (z.B. Dosentrommeln, Réco, Gong). Ursprünglich war die Intention, aus jeder Gruppe mindestens ein exemplarisches Instrument herzustellen. Aufgrund hygienischer Bedenken (Ansteckungsgefahr, z.B. Hepatitis) scheiden Aerophone komplett aus. Da die Klangwand eine feste Einrichtung im Schulleben bleiben soll, sind Membranophone aufgrund der geringen Strapazierfähigkeit der dünnen Membran ungeeignet. Stattdessen werden Dosentrommeln ihren Platz einnehmen. Der Bau von Chordophonen ist geplant; allerdings muss noch eine stabilere Bauweise gefunden werden. Vorwiegend werden Geräuscherzeuger/ Idiophone angefertigt. Um vielfältige Klänge hervorzubringen, werden Holz, Metall und Plastik verarbeitet, die auch bei der Herstellung traditioneller Instrumente Verwendung finden. Aus Sicherheitsgründen dürfen keine spitzen Gegenstände (z.B. Nägel) hervorstehen oder Kleinteile (z.B. Murmeln) verschluckt werden können. Zusammenfassend lässt sich daher sagen, dass die gebauten Instrumente nicht nur nach pädagogischen, sondern ebenso nach zweckmäßigen, hygienischen und materiellen Gesichtspunkten gewählt werden müssen. Spielbarkeit
Die ausgesuchten Instrumente w erden so befestigt, dass sie sowohl im Stehen als auch im Rollstuhl gespielt werden können. Außerdem sind sie großflächig, so dass sie auch von motorisch ungeschickten Schülern getroffen werden. Schlägel und Griffe werden den
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anatomischen Voraussetzungen der Spieler angepasst. Die Dosenglocken spielt man, indem mithilfe eines Ringes der Klöppel in Bewegung gebracht wird, der die Metallwand anschlägt. Es wird Wert darauf gelegt, dass keine speziellen Fertigkeiten erlernt werden müssen, um die Selbstbauinstrumente auf herkömmliche oder alternative Weise zum Klingen zu bringen.
4. Allgemeine Lernvoraussetzungen
Der Gang zum Werkraum sowie das Anziehen des Arbeitskittels sind mittlerweile automatisiert. Die Schüler können sich im Werkraum orientieren und die erforderlichen Werkzeuge anhand von Bildkarten selbstständig an den Arbeitsplatz bringen. Dosen sind einigen Schülern bereits aus dem Bau einer Trommel bekannt (Carla, Oskar, Regina, Sergej). Eine Verknüpfung der einzelnen Teile mit Seilen wurde beim Windspiel bereits angewandt, allerdings beherrschen die Schüler keine ausreichenden Fähigkeiten, um die Knoten an entsprechender Stelle selbst anzubringen. Insbesondere hier wird die Unterstützung durch Erwachsene erforderlich sein. Bisher haben die Schüler den Umgang mit Feilen, Sägen, Schmirgelpapier und dem Standbohrer geübt. Die Handbohrmaschine ist aus meinem Unterricht bislang nicht bekannt. Einige Schüler verhalten sich in Gesprächs- und Musizierkreisen schüchtern, was durch die ungewohnte Situation des Unterrichtsbesuches noch verstärkt werden könnte. In diesem Fall soll eine ermunternde Ansprache zur Beteiligung auffordern und kein Zwang ausgeübt werden, der diese auf Freude am Ausprobieren angelegte Situation negativ belegen würde.
5. Individuelle Lernvoraussetzungen
Carla
arbeitet weitestgehend selbstständig und fragt nur dann nach Hilfestellungen der Lehrkräfte, wenn sie selbst nicht mehr weiter kommt. Sie ist ausdauernd und auf ihren Arbeitsauftrag konzentriert (z.B. beim Sägen der Klangplatten). Da sie auf Sorgfalt bedacht ist, kann sie mit dem Einfädeln des Seiles betraut werden.
Jan
kann die Leistungsfähigkeit seiner Mitschüler einschätzen und sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten in Aktivitäten einbeziehen. Ihm selbst fällt es schwer, eine Aufgabe strukturiert und zielgerichtet zu erledigen. Daher ist es wichtig, ihm das Ziel oder Endprodukt seiner Arbeit (hier die fertige Dosenglocke) vor Augen zu führen. Jan ist motiviert bei der Herstellung eines Instrumentes, arbeitet jedoch übereilt und oberflächlich. Er soll zu Genauigkeit und Ausdauer angehalten werden.
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Arbeit zitieren:
Jessica Freis, 2004, Wir bauen Instrumente für eine Klangwand, München, GRIN Verlag GmbH
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