1. Begründung des Themas und Richtlinienbezug
Im Vordergrund des Musikunterrichts steht momentan die Entwicklung der rhythmischen Fähigkeiten der Schüler. Über Bewegung, körpereigene Instrumente, Sprache und Instrumentalspiel wurden bislang verschiedene Zugangsweisen gegeben. Da das Gefühl für regelmäßig wiederkehrende Impulse noch nicht ausreichend ausgebildet ist, habe ich das Thema „Stomp“ als Anreiz zur Fortsetzung und Vertiefung des rhythmischen Spiels gewählt. Im Sinne des Hessischen Kultusministeriums meint Musikmachen, „mit [...] Instrumenten und allerlei Gegenständen und Geräten Klänge hervorbringen und sie nach verschiedenen Gesichtspunkten und Regeln gestalten“ (7). Da der Bereich Rhythmik hier nicht explizit beschrieben wird, habe ich den Grundplan der Schule für Lernbehinderte in Nordrhein-Westfalen (Lernstufe 3) hinzugezogen. Demnach sollen die Schüler „einfache Eintaktrhythmen und auch stärker strukturierte rhythmische Gestalten von zwei Takten Länge ausführen können. Im Zusammenhang mit dem rhythmischen Musizieren soll der Schüler ein- und zweitaktige rhythmische Schemata - auf einer Linie notiert - lesen und abschreiben können“ (28).
2. Sachanalyse
Rhythmus
„Rhythmus“ ist sowohl ein zusammenfassender abstrakter Begriff, der alle Phänomene abdeckt, die sich auf zeitliche Strukturen in der Musik beziehen. Rhythmus bezeichnet aber auch die ganz konkrete Ausformung musikalischer Zeit: in Grundschlag (Puls, Beat), Elementarpulsation (Achtel, Viertel), Takte, rhythmische Pattern und mehrtaktige Formen. Als Pattern bezeichnet man konkrete, sich nach festgelegter Dauer wiederholende (rhythmische) Muster. Charakteristisch ist der Wechsel von Schlägen und Pausen, Betonungen, Tondauer und Gesamtlänge. (vgl. Moritz, 1)
Notation
„Die Notenschrift versucht, Musik lesbar zu fixieren. Sie beschreibt die verschiedenen Parameter der Musik mit unterschiedlichen Mitteln: Tonhöhe durch Höhe; Tondauer durch Form der Noten; Tempo, Lautstärke, Ausdruck, Artikulation usw. durch zusätzliche Zeichen und Wörter“ (dtv-Atlas, 67). Als Ausgangspunkt für die Einteilung der Notenwerte dient die Ganze Note. Durch
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Unterteilung wird sie zu zwei Halben, vier Viertel - oder acht Achtelnoten, die das Grundgerüst der traditionellen Notation bilden. Laut Moritz (4) sollten sich in der Praxis die Schwerpunkte Bodypercussion, Instrumentalspiel, Vokalpercussion, Rhythmisierung von Texten, Rhythmusanalyse und Notation gegenseitig ergänzen und durchdringen.
Form
Das Erarbeiten eintaktiger Pattern g eht dem Zusammenfügen zu einer Form voraus. Als einfachste Form der Zusammensetzung gilt die Rhythmuskette. „Bei der Entwicklung von Rhythmusketten [...] werden Elemente der Sprache oder Notation zur verbindlichen Grundlage der Erfindung gemacht“ (Schmitt, 212). Zur Gliederung der Komposition werden Solo- und Tutti-Abschnitte im Wechsel gespielt.
Instrumentalspiel
Aufgrund ihres verfremdeten Einsatzes, der klanglichen Vielfalt und dynamischen Möglichkeiten bieten die Alltagsmaterialien einen besonderen Anreiz, der am großen Vorbild „Stomp“ orientiert ist. Die Bewegungen werden einerseits (mit Sticks) größer als bei den vorangegangenen Bodypercussions, andererseits behutsamer und differenzierter (mit Händen). Gundlach (120f) betont neben dem Umgang mit Instrumenten, bei dem verschiedenste Klangmöglichkeiten und Spielarten erkundet werden, auch das gemeinsame Spiel auf Instrumenten. Das Aufeinander-Hören, das Einordnen in das Metrum sowie das gemeinsame Instrumentalspiel anhand einer Form sind Aspekte, die auch beim rhythmischen Spiel auf Alltagsgegenständen zum Tragen kommen.
3. Lernvoraussetzungen
Allgemeine Lernvoraussetzungen
Einmal wöchentlich erteile ich in der Klasse 4b Musikunterricht für eine kurze Unterrichtsstunde von 40 Min. Der Umgang mit Notation (F ixierung von Musik und das spielen nach Vorlage) ist den Schülern geläufig. Spieltechnische Fähigkeiten wurden über Bodypercussions, Schlägelspiel auf Xylophonen, mit Stiften und Kochlöffeln geübt. Da sich Kochlöffel als leicht zerbrechlich herausgestellt haben, wurden in der vergangenen Woche gemeinsam mit den Schülern Sticks aus Hartholz hergestellt. Auch alternative Spielweisen auf den Küchenutensilien wurden erprobt.
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Individuelle Lernvoraussetzungen
Bernhard
kann metrisch gebundene Abläufe umsetzen. Im spieltechnischen Bereich sind keine motorischen Schwierigkeiten zu erkennen.
Dieter
hat aufgrund von Schallleitungsstörungen eine Hörminderung insbesondere auf dem linken Ohr. Die Anpassung an den metrischen Puls der Gruppe gelingt Dieter nur bedingt, da er sehr auf sein eigenes Spiel fixiert ist. Im Umgang mit Schlägeln wird er zunehmend sicherer.
Else
orientiert sich immer mehr am rhythmischen Spiel ihrer Mitschüler - insbesondere Vivienne s -und wird dadurch sicherer. Ihr stilles, aber aufmerksames Arbeitsverhalten bildet Else in dieser Lerngruppe einen Ruhepol.
Jerry
lenkt sich und andere häufig ab, wenn er mit Marc und Benni zusammen sitzt. Daher wird diese Dreiergruppe in der Kleingruppenarbeit getrennt. Metrisch gebundene Abläufe fallen Jerry sehr schwer. Der Ablauf der Bewegungen ist ihm klar, die Umsetzung lässt jedoch nur abschnittsweise gleichmäßige Ausführung erkennen. Seine geringe Frustrationstoleranz lässt Hilfestellungen wie z.B. Handführung nur in seltenen Fällen zu.
Jurek
Seine geringe Arbeitsgeschwindigkeit spiegelt sich im langsamen Instrumentalspiel wider. Das Gehen im Takt und Spielen im Gleichmaß gelingen Jurek gut, wenn er nicht abgelenkt wird.
Marc
lässt sich leicht ablenken, wenn er mit Jerry zusammen arbeitet. Seine fehlende Motivation wird versucht, durch ansprechenden Instrumente aufzufangen. Unterschiedliche Notenwerte kann Marc identifizieren; beim Umsetzen fehlt ihm das Gleichmaß.
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Arbeit zitieren:
Jessica Freis, 2004, Rhythmen in Bewegung, Sprache und Instrumentalspiel erfahren, München, GRIN Verlag GmbH
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