Inhaltsverzeichnis
1.) Zur Niemandsrose
2.) Celans Arbeitsweise
3.) Die Tübinger Celan-Ausgabe
4.) Die Bonner Celan-Ausgabe
5.) Vergleich
6.) Zürich, Zum Storchen
7.) Zusammenfassung
8.) Anhang
9.) Literaturliste
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1.) Zur Niemandsrose:
Die Niemandsrose ist der Titel des Bandes, der das Gedicht „Zürich, Zum Storchen“ enthält. Er wurde 1963 Im S. Fischer Verlag erstmals herausgegeben. Die Gedichte aus diesem Band entstanden in den Jahren 1959 bis 1963. Der Band ist vierteilig. Die Teile 1, 2 und 3 waren großteils schon 1961 fertig gestelltallerdings noch mit an der Meridian-Rede 1 angelehnten Überschriften und Mottos z.B. von Shakespeare. (siehe Markierung in Abbildung 1)
Die Gedichte sind weitgehend in der Reihenfolge ihrer Entstehung angeordnet, wie man aus einer Aufstellung auf der S. 168 der Tübinger Ausgabe erkennen kann. (siehe Abbildung 2) Der Band war ursprünglich umfangreicher konzipiert. Außerdem waren zwischenzeitlich 5 Teile vorgesehen. Für jene Gedichte, die ausgeschieden sind, aber bisher noch nicht publiziert wurden wird in der Tübinger Ausgabe auf eine eigene Leseausgabe verwiesen. 2 In der 5-teiligen Konzeption sollte der 4. Teil aus der so genannten „Pariser/ Walliser Elegie“ bestehen. In den Jahren 1961 bis 1963 gab es Entwürfe unter diesen Titeln. Allerdings verfolgte Celan die Fertigstellung des Gedichts nicht, sondern „verwertete“ einzelne Entwürfe in anderen Gedichten, die ihrerseits teilweise Eingang in den Band „Die Niemandsrose“ fanden: „In eins “, „Hinausgekrönt“, „Hüttenfenster“, „Es ist alles anders“ und „In der Luft“ 3 .
1 „Der Meridian“ ist die Rede, die Celan bei der Verleihung des Büchner-Preises an ihn im Jahr 1960 hielt.
2 Jürgen Wertheimer (Hrsg.) bearbeitet von Heino Schmull unter Mitarbeit von Michael Schwarzkopf: Paul
Celan. Die Niemandsrose. Vorstufen - Textgenese - Endfassung. Tübinger Ausgabe. -Frankfurt am Main:
Suhrkamp Verlag 1996. (= Bd. 1). S VIII.
3 Jürgen Wertheimer (Hrsg.): Tübinger Ausgabe (= Bd. 1). S. IX.
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2.) Celans Arbeitsweise:
Celans Gedichte und Entwürfe sind von ihm selbst sehr gut dokumentiert; meist sind sie datiert und auch oft selbst zugeordnet, was die Arbeit der Editoren erleichtert hat. Allerdings hat der Autor auch des Öfteren spätere Änderungen auf früher zu datierende Texträger übertragen oder er hat Durchschläge von Typoskripten mit unterschiedlichen Korrekturen versehen. Daraus kann man folgern, dass oft mehrere Fassungen gleichzeitig existierten, was die chronologische Aufzählung der Textstufen erschwert. Der Autor hat viel mit der Schreibmaschine gearbeitet, mit unter auch Erstentwürfe. 4
Charakteristische Stilmittel sind das starke Arbeiten mit Zeilenumbruch, graphischer Anordnung der Worte am Blatt und Lehrstellen. Besonders auf diesen 3 Aspekten liegt das Schwergewicht vieler von seinen Korrekturen - oft mehr noch als auf der Änderung einzelner Worte.
Für die Editoren der Bonner Ausgabe ergab sich aus der Arbeitsweise Celans die Entscheid ung zu „Die Niemandsrose“ auch einen Materialienband zu konzipieren. Denn der Autor hat für diesen Band besonders viele Textzeugen hinterlassen, deren Text zwar gleiche oder ähnliche Motive, allerdings eine andere Struktur und Gestalt aufweist. 5
4 Jürgen Wertheimer (Hrsg.): Tübinger Ausgabe (= Bd. 1). S. IX.
5 Axel Gellhaus, (Hrsg.) unter Mitarbeit von Holger Gehle und Andreas Lohr in Verbindung mit Rolf Bücher:
PAUL CELAN. DIE NIEMANDSROSE. HISTORISCH-KRITISCHE AUSGABE (6. Bd., 2. Teil). S. 11.
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3.) Die Tübinger Celan Ausgabe:
Die Tübinger Ausgabe wurde vo n Heino Schmull unter der Mitarbeit vo n Michael Schwarzkopf an der Universität Tübingen ediert.
Als Textgrundlage der Endfassung wurde Beda Allemanns und Stefan Reicherts Edition von „Die Niemandsrose“ von 1983 herangezogen. 6
Die Tübinger Ausgabe erschien 1996 zuerst in einer Lizenzausgabe im S. Fischer Verlag und im selben Jahr auch im Suhrkamp Verlag. Grundlage dieser Arbeit ist die Suhrkamp-Ausgabe. 3.1.) Die Bände
Die Tübinger Ausgabe besteht aus 8 Bänden, die chronologisch erschienen sind. Damit ist gemeint, dass sie der Bandnummer nach erschienen sind und nicht nach der Erscheinungschronologie von Celans Gedichtbänden: Band 1: Die Niemandsrose (Vorstufen - Textgenese - Endfassung), 1996 Band 2: Sprachgitter (Vorstufen - Textgenese - Endfassung), 1996 Band 3: Der Meridian (Endfassung - Vorstufen - Materialien), 1999 Band 4: Atemwende (Vorstufen - Textgenese - Endfassung), 2000 Band 5: Fadensonnen (Vorstufen - Textgenese - Endfassung), 2000 Band 6: Lichtzwang (Vorstufen - Textgenese - Endfassung), 2001 Band 7: Schneepart (Vorstufen - Textgenese - Reinschrift), 2002 Band 8: Von Schwelle zu Schwelle (Vorstufen - Textgenese - Endfassung), 2002 Im Fall von „Der Meridian“ wurde ein anderes Vorgehen im editorischen Prozess gewählt, weil dieser Text eine Sonderstellung in Celans Werk einnimmt: 7 Da die Rede keine Genese im eigentlichen Sinn aufweist, sondern heterogene, breitgefächerte Versuche Gedanken zur eigenen Dichtung zu Papier zu bringen vorliegen, entschieden sich die Editoren dafür, von der vollendeten Rede (und nicht von einem ersten Entwurf wie in den übrigen Bänden) auszugehen. Die Entwicklung wird also rückläufig dargestellt.
6 Paul Celan, Gesammelte Werke. Erster Band. Gedichte I. - Frankfurt a. Main: o.V. 1983.
(zitiert nach: Wertheimer, Jürgen (Hrsg.): Tübinger Ausgabe . S. VII.)
7 Jürgen Wertheimer (Hrsg.): Tübinger Ausgabe. (Bd. 3). S. VIIf.
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Außerdem wird bei den Textträgern zwischen „Entwürfen“, in denen der Wortlaut bereits präfiguriert wird, und „Materialien“, wozu z.B. Notizen gehören, unterschieden. Bei „Schneepart“ ist die letzte Stufe der historisch-kritischen Ausgabe die Reinschrift, da die Gedichtsammlung postum erschienen ist. Da die Festlegung der zu beinhaltenden Gedichte und Zykluseinteilung nicht abgeschlossen wurde erschien es den Editoren als unangemessen die letzte Fassung als „Endfassung“ zu bezeichnen. 8 3.2.) Das Ziel und die Quellen
Das Ziel der Ausgabe ist das Verdeutlichen des Schreibprozesses und „Schichten als poetische und geschichtliche Dokumente und Botschaften lesbar [zu] machen“. 9 Die Materialgrundlage der Vo rstufen wurde den Editoren vom deutschen Literaturarchiv Marbach am Neckar zur Verfügung gestellt und falls notwendig durch (nicht namentlich genannte) Zeugen ergänzt. Das Verzeichnis der verwendeten Blätter besteht lediglich aus einer Aufzählung der Signaturen ohne Beschreibung oder Standortnennung. So kann angenommen werden, dass bewusste andere Textzeugen in diesem Verze ichnis integriert sind, nachprüfen lässt es sich allerdings nicht so einfach.
Doubleten, unveränderte Reinschriften und geringfügig variierende Blätter wurden von vornherein vernachlässigt. 10 Was man sich genau unter geringfügig variiert vorzustellen hat wird allerdings nicht erläutert.
Für eine vollständige Übersicht wird auf eine parallel erscheinende historisch-kritische Ausgabe verwiesen, deren bibliographische Angaben allerdings nicht gegeben werden. 11 Man kann annehmen, dass es sich dabei um die Bonner Ausgabe handelt. 3.3) Der Aufbau
Die Editoren der Tübinger Ausgabe erachten den diplomatischen Abdruck von drei Vorstufen und der Endfassung bei den meisten Gedichten Celans als ausreichend, um die Genese der Texte zu veranschaulichen. Nur in einzelnen Fällen wurden diese 4 Stufen erweitert. Die 4 Stufen sind auf einer Doppelseite abgedruckt und von links nach rechts zu lesen. Sollte der Platz nicht ausreichen wird mit ANFANG, FORTSETZUNG bzw. SCHLUSS am oberen und unteren Rand der betreffenden Seiten angezeigt, dass der Seitenumbruch keine Vorgabe Celans, sondern ein „Platzproblem“ ist. (siehe Markierung in Abbildung 1)
8 Jürgen Wertheimer (Hrsg.): Tübinger Ausgabe (= Bd. 7). S. VII.
9 Jürgen Wertheimer (Hrsg.): Tübinger Ausgabe (= Bd. 1). S. VII.
10 Jürgen Wertheimer (Hrsg.): Tübinger Ausgabe (= Bd. 1). S. IX.
11 Jürgen Wertheimer (Hrsg.): Tübinger Ausgabe (= Bd. 1). S. IX.
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Arbeit zitieren:
Sonja Loidl, 2005, Historisch-kritische Celan-Ausgaben am Beispiel von „Zürich, Zum Storchen“, München, GRIN Verlag GmbH
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