1. Einleitung 2. Religionsgemeinschaften 3. Vergleich verschiedener, religiöser Praktiken 3.1. Gottesdienstbesuche 3.2. Beten
3.3. Die Bibel und der Koran- Lesen von religiösen Schriften
3.4. Religiöse Feste, ihre Wichtigkeit und Teilnahme 3.5. Kirchlich-konfessionelle Jugendgruppen 3.6. Die eigenen Kinder religiös erziehen 3.7. Selbstdefinition als nicht religiös 3.8. Spirituell-okkulte Praktiken 4 Der persönliche Glaube
4.1. Privater Schicksalsglaube und Glaube an höhere Mächte 4.2. Private Glaubensüberzeugung und Kirchlichkeit 4.3. Religion - kein Gesprächsthema für Jugendliche? 4.4. Religion und Zukunftsorientierung
5. Resümee
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Ich möchte meine Arbeit gerne mit einem Zitat beginnen. SANDT zitiert in seinem Buch „Religiosität von Jugendlichen in der multikulturellen Gesellschaft“ Luckmann: „Was gewöhnlich bloss für ein Symptom für den Rückgang des traditionellen Christentums gehalten wird, könnte Anzeichen für eine sehr viel revolutionäreren Wandel sein: Ersetzung der institutionell spezialisierten Religion durch eine neue Sozialform der Religion“ (Luckmann 1991, S. 132).
Diese Prognose wurde bereits in den 60ern aufgestellt, allerdings scheint sie heute nicht minder aktuell zu sein.
Was glauben Jugendliche heute? Eine Frage, die mich persönlich sehr interessiert, habe ich hier zum Thema meiner Hausarbeit gewählt. Ich selber bin nicht in den Genuss einer religiösen Erziehung gekommen, die Kinder und Jugendlichen in meinem Umfeld auch eher weniger. Konfirmieren ließen wir uns des Geldes wegen und gebetet wurde höchstens, wenn wir uns etwas sehr gewünscht haben. Ist das überall so? Glauben die Jugendlichen heute nicht mehr an Gott? Oder glauben sie einfach nur anders? Dieser Frage möchte ich im Folgenden nachgehen und darstellen, inwieweit religiöse Praktiken den Alltag kennzeichnen.
Bisher wurden vor allem quantitative Studien erhoben, die die religiösen Verhältnisse untersuchen sollten. In den 50ern waren dies Erhebungen im Stile der Meinungsforschung wie die von Reigrotzki (1956) und die Jugendstudie vom Emnid-Institut (1954). Eine differenzierteren Überblick über die Beziehung von Kirche und Jugendlichen bot Wölber mit seiner Studie, die erstmals auch offene Fragen mit einbrachte (1959). In den 60ern ist laut SANDT lediglich die Meinungsbefragung durch den „Spiegel“ nennenswert. Aufgrund der steigenden Zahl der Kirchenaustritte und der kritischen Haltung der Bevölkerung gegenüber der Kirche, gab selbige Untersuchungen zum Thema Kirchlichkeit in Auftrag. Ausgeführt wurden diese dann unter anderem von Schmidtchen (1972, 1973). In den 80er Jahren wurden die Befragungen spezifischer, das Set an Items grösser angelegt Neben vielen anderen Studien erschien 1985 die Studie des Jugendwerk der deutschen Shell. Sie nimmt Fragen der Emnid-Befragung aus den 50ern auf und bietet somit einen interessanten Vergleich.
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In den 90ern folgte die Shell’92, die erstmals den Ost-West-Vergleich mit aufnahm. Weitere Veröffentlichungen folgten, z.B. durch den „Spiegel“ (1992). Jedoch möchte ich mich in dieser Arbeit schwerpunktmässig mit der aktuellen Shell-Studie Jugend 2000 beschäftigen.
Der Bereich Religion hat in der 13. Jugendstudie einen umfangreichen Teil eingenommen. Der Katalog wurde erweitert um Fragen zur Bedeutung christlicher wie islamischer Feste, Fragen nach der Lektüre der heiligen Schriften und religiösen Büchern, Fragen nach spirituell-okkulten Praktiken und Fragen nach Überzeugungen, die dem Schicksalsglauben entspringen.
Alle im Folgenden genannten Zahlen entstammen dem Band 1 der Jugend 2000, es sei denn, es ist anders vermerkt.
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Laut „Jugend 2000“ sind je ein Drittel der befragten Jugendlichen katholisch, bzw. evangelisch. 6% gehören der islamistischen Glaubensgemeinschaft an und 25% sind keiner Gemeinschaft zugehörig (S.157). Auffallend ist hier der hohe Anteil an Jugendlichen, die keiner Glaubensgemeinschaft angehören. In früheren Studien waren es 5% (9.Shell Jugendstudie), bzw. 7% (10. Shell Jugendstudie). Dies lässt sich anhand des hohen Anteils an Jugendlichen ohne Religionszugehörigkeit in den neuen Bundesländern erklären. Dort sind es 80%, im Vergleich zu gerade mal 13% in den alten Bundesländern (S. 157).
aus: Jugend 2000, 13. Jugendstudie, Band 1; 2000 Leske und Budrich, Opladen
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Die obige Tabelle gibt eine kleine Vorschau auf das, was ich im Folgenden darstellen werde. Bei der Zusammensetzung der einzelnen Gruppen müssen allerdings einige Punkte bedacht werden:
In der Gruppe „keine Zugehörigkeit“ sind überproportional viele Jugendliche aus der ehemaligen DDR, in der islamischen Gruppe sehr viele türkische Jugendliche, in der Gruppe der Katholiken sind einige Prozent Italiener, Spanier, usw. Ausserdem wurde bereits vor 30 Jahren festgestellt, dass in kleineren Gemeinden mehr Katholiken leben als Protestanten (vgl. Schmidtchen 1973, S.13). Für die hier vorliegenden Vergleichsgruppen gelten folgende Werte: 44% der Katholiken wohnen in Gemeinden bis 20.000 Einwohnern, 41% der Protestanten, 37% derer ohne Zugehörigkeit und 23% Muslime.
Bezüglich der familiären Situation lässt sich festmachen, dass 21% der jungen muslimischen Frauen bereits verheiratet sind, allerdings nur 5% der 20-24jährigen Frauen der anderen Gruppen. Andersherum leben 23% der Jugendlichen ohne Zugehörigkeit in einer festen Partnerschaft, die islamischen Jugendlichen jedoch nur zu 5%. Im Rahmen der Shell-Studie wurden die Profile der Gruppen untereinander verglichen (S.158f). Allgemein ist zu sehen, dass der Anteil weiblicher Jugendlicher fast überall überwiegt und dass ebenso fast überall eine Zunahme von „keine Religionsgemeinschaft“ über evangelisch, katholisch bis hin zu islamisch deutlich wird. Im speziellen wurden verschiedene Lebensbereiche miteinander verglichen: D 0RELOLWlWVEHUHLWVFKDIW
Das höchste Mass an Mobilitätsbereitschaft zeigen die Jugendlichen ohne Religionszugehörigkeit, das geringste die Mädchen islamischen Glaubens E %HUXIVRULHQWLHUXQJ
In diesem Punkt haben fast alle Untergruppen einen Wert, der dem Stichprobenwert von 24.3 sehr nahe kommt. Nur die Mädchen ohne Religionszugehörigkeit sind relativ stark berufsorientiert, nicht aber die muslimischen Jugendlichen. Die männlichen erreichten einen Wert von 23.2 und die weiblichen einen von 22.6. F 3DUWQHUVFKDIWVPRGHOOH
Das Modell „heiraten und von da an mit dem Partner zusammen wohnen“ findet bei 75% der muslimischen Jugendlichen Zustimmung, bei den katholischen zu 50% und bei den beiden anderen zu 40%. Das Living-Apart-Together und das
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Alleinleben wird am stärksten ebenfalls von den muslimischen Jugendlichen abgelehnt. Auch bezüglich der Familienplanung liegen die Jugendlichen islamischer Religionszugehörigkeit vorn. Nur 6% von ihnen wünschen sich keine Kinder. 10% der katholischen, 12% der evangelischen und 17% der Jugendlichen ohne Bekenntnis haben keine Kinder geplant. G 7HFKQLNXQG0XOWLPHGLD Fast alle Jugendlichen besitzen ein Handy, Unterschiede nach
Religionszugehörigkeit werden nicht deutlich. Was die Verfügbarkeit eines Computers angeht sowie die Nutzung des Internets, so liegen die evangelischen und katholischen Jugendlichen vorn, vor allem die männlichen. Die wenigsten Möglichkeiten haben die weiblichen Jugendlichen islamischen Glaubens. Am stärksten interessiert an Technik sind die männlichen Jugendlichen ohne Religionszugehörigkeit, am geringsten ausgeprägt ist es bei den Mädchen islamischen Glaubens. Diese jedoch führen die Liste an was das Vielfernsehen angeht. 48% von ihnen sehen mehr als drei Stunden am Tag fern. Dies wird darauf zurückgeführt, dass die meisten islamischen Mädchen eine eher häusliche Lebensweise führen und häufig gemeinsames Fernsehen zu einem gelungenen Familienleben gehört in türkischen Familien (vgl.: S.159/60). H 0LWJOLHGVFKDIWLQHLQHP9HUHLQ
Fast die Hälfte der katholischen und evangelischen Jugendlichen sind Mitglieder in einem Verein (47% und 46%). Bei den islamischen Jugendlichen sind es nur 27%, bei denen ohne Religionszugehörigkeit sind es 31%. Den geringsten Anteil haben die muslimischen Mädchen mit gerade mal 20%. I 3DUWQHU
Ein Grossteil der Mädchen ohne Religionszugehörigkeit hat im Alter von 15-19 einen Partner, ähnlich auch die evangelischen und katholischen Mädchen. Bei den muslimischen Jugendlichen gibt es in der Altersgruppe kaum Befragte, die einen Partner haben. Dies ändert sich dann aber stark in der Altersgruppe von 20-24 Jahren, wo 21% der muslimischen Mädchen bereits verheiratet sind.
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Mandy Hibbeler, 2002, Jugend und Religion - Wie halten es die Jugendlichen mit dem Glauben heute?, München, GRIN Verlag GmbH
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