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Inhalt
Einleitung. S. 3
1. Soziale Wahrnehmung und Attribution
a) Gemeinsamkeiten und Unterschiede: Halo-Effekt versus Stereotypisierung 3
b) Urteilsstabilisierende Interaktion und Kognition. 5
c) Beispiel. 5
2. Alltagspsychologie versus wissenschaftliche Psychologie
a) Definition und Klassifikation von Alkoholabhängigkeit. 8
b) Multifaktorielles Erklärungsmodell. 8
c) Erklärung der Einflussfaktoren. 8
d) Zirkuläre Kausalität. 10
e) Prognose. 11
f) Ansatzpunkte für sozialpädagogisches Handeln. 11
3. Soziale Interaktion in Gruppen
a) Förderung differenzierter Meinungsbildung. 14
b) Theorien: Konformitätseffekt und Minderheiteneinfluss. 16
4. Intergruppenbeziehungen
a) Unter welchen Bedingungen kommt es zu Konflikten in Gruppen ? 19
b) Abbau von Konflikten und prosoziales Verhalten. 21
Literaturverzeichnis S 24
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Einleitung
In diesem Teil des Ringseminars über psychologische Grundlagen sozialpädagogischen Handelns und der sozialen Arbeit geht es um Sozialpsychologie. Dieses Teilgebiet der Psychologie betrachtet die Vielfalt menschlichen Erlebens und Handelns in seinen sozialen Bezügen. So wird der Mensch nicht allein, sondern in seiner sozialen Umwelt betrachtet und es wird versucht die wechselseitige Einflussnahme zwischen beiden zu erkunden. Wir können also etwas in Erfahrung bringen, warum Menschen so handeln, wie sie es tun, welche Ursachen und persönlichen Gründe es dafür gibt, ob Menschen gleiche Situationen unter verschiedenen Voraussetzungen unterschiedlich betrachten, wie sich ihre Meinung bildet und ob sie bei ihren Ansichten bleiben, auch wenn die Mehrheit eine andere vertritt. Aufgabe 1
a) Vergleich: Wahrnehmungsverzerrung des Halo-Effekts mit der Stereotypisierung. Was ist ihnen gemeinsam, wodurch unterscheiden sie sich ?
Wahrnehmungsverzerrung - erleben wir z.B. bei der Beurteilung von Personen. Wenn wir uns ein „Bild“ von einem Menschen machen, ihn versuchen „einzuordnen“, kann es dazu kommen, dass wir uns vorschnell eine Meinung bilden und diese nicht auf der Gesamtheit der Personenmerkmale basiert, sondern nur auf Grund von Einzelinformationen, der Überbewertung der Situation oder aufgrund nur eines herausragenden Merkmals getroffen wird.
So gibt es verschiedene Formen von Wahrnehmungsverzerrung, die allerdings eins gemeinsam haben. Und zwar werden die zur Verfügung stehenden Einzelinformationen eher nicht gleichgewichtig zu einem Gesamteindruck verarbeitet, sondern einzelne bekommen unbewusst eine besondere Bedeutung und dominieren damit den Gesamteindruck. Aufgrund dieser dominierenden Einzelinformationen erwarten wir eine Reihe von anderen Merkmalen und Eigenschaften an dieser Person, die wir so eigentlich gar nicht an ihr beobachtet haben. Denn wir alle verfügen über subjektive, implizite Persönlichkeitstheorien. Das heißt wir nehmen z.B. aufgrund unserer Lebenserfahrung generell an, dass das Vorhandensein einer Eigenschaft auf das Vorhandensein einer anderen schließen lässt. Wir glauben also, dass es typische Kombinationen von Persönlichkeitsmerkmalen gibt. Diese subjektiven, unbegründeten und zusätzlichen Informationen geben uns tatsächlich den Anschein, über die Fähigkeit- en einer Person und ihr zukünftiges Verhalten urteilen zu können.
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Solche unbewussten Mechanismen laufen erschreckender Weise in jedem von uns ab, was nur zur Folge haben kann, dass man sein eigenes Verhalten sowie seine Urteilsbildung ständig kritisch überprüfen muss.
Wie schon erwähnt gibt es unterschiedliche Formen der Wahrnehmungsverzerrung. Sie sind nicht klar voneinander abzugrenzen und treten oft in Kombination auf, wodurch sich ihre Auswirkungen potenzieren können. Hier erklärt werden sollen aber nur der Halo-Effekt und die Stereotypisierung.
Der Halo-Effekt lässt sich auch als Ausstrahlungseffekt bezeichnen. Diese Verzerrung der Wahrnehmung wird durch die Beurteilung eines positiven oder negativen Merkmals ausgelöst. Denn man geht bei der Beurteilung einer Person davon aus, dass wenn diese Person z.B. eine positive Eigenschaft zeigt, sie auch noch andere positive Eigenschaften besitzt. Im anderen Fall läuft es genau so - der Beurteiler schließt dann von einer negativen auf das Vorhandensein anderer negativer Eigenschaften bei der Person. Ausgangspunkt für die Beurteilung können sichtbare Merkmale wie Frisur oder Kleidung sein. Leider werden aufgrund dieser Informationen oft weitreichende Schlussfolgerungen über die gesamte Person gezogen und es werden ihr Merkmale zugeschrieben, die mit dem Ausgangsmerkmal gar nichts mehr zu tun haben.
Es ist also gerade für unsere zukünftige Arbeit als SozialpädagogInnen nötig, die eigenen subjektiven Persönlichkeitstheorien von Zeit zu Zeit zu hinterfragen und kritisch zu beurteilen.
Die Stereotypisierung hingegen ist keine individuelle Konstruktion, sondern kann in weiten Teilen der Gesellschaft verbreitet sein. Der Beurteilende erlebt sich dabei mit seinem Urteil in Übereinstimmung mit der sozialen Bezugsgruppe, so dass er wenig Anlass hat, sein Urteil zu überprüfen.
Stereotypisierung ist ein Prozess der Urteilsbildung, durch den es zu Wahrnehmungsverzerrung kommt. Dieser läuft wie folgt ab:
1. Kategoriesierung: von nur einem Merkmal einer Person wird auf deren Zugehörigkeit zu einer Gruppe geschlossen
2. Stereotyp: der gesamten Gruppe wird ein Komplex von Eigenschaften zugeschrieben 3. Stereotypisierung: ungeprüft werden diese Merkmale auf die einzelne zu beurteilende Person übertragen
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b) Urteile über Personen, auch wenn sie aufgrund von Wahrnehmungsverzerrungen zustande gekommen sind, werden selten revidiert, was u.a. durch urteilsstabilisierende Kognitionen und urteilsstabilisierende Interaktion (auch sich selbst erfüllende Prophezeiung) erklärt werden kann. Was versteht man darunter ?
Haben wir einmal ein Urteil über eine Person gefasst, dann lässt es sich schwer wieder revidieren. Diese Stabilität unseres Urteils lässt sich zum einen durch kognitive Prozesse und zum anderen durch die wechselseitige Beeinflussung in der Interaktion erklären. Es gibt also urteilsstabilisierende Kognition, das heißt, man versucht, seine eigene Meinung in sich stimmig zu machen und Dissonanzen abzubauen. Man erinnert sich also eher an die Informationen über eine Person, die das eigene Urteil bestätigen, als an die, die es wiederlegen. Letztere werden verdrängt, vergessen oder sogar verfälscht, so dass sie in die eigene Meinungsbildung passen. „Unpassende“ neue Informationen über die Person werden erst gar nicht aufgenommen. Somit wird die Informationsaufnahme, -verarbeitung und Eindrucksbildung also stark beeinflusst. Und zwar so, dass die eigene Hypothese bestätigt und Zweifel ausgeräumt werden. Selbst wenn sich der Beurteilende um ein objektives Urteil bemüht werden unbewusst mehr hypothesenkonforme als -widersprechende Informationen gesammelt. Es wird also schon bei der Aufnahme von Informationen selektiert. Interaktion bedeutet die wechselseitige Beeinflussung von Personen oder Gruppen, das heißt, meine Aktion ruft immer auch eine Reaktion darauf hervor. Mein Urteil über eine Person lässt mich entsprechend positiv oder negativ auf diese zugehen, hat also Einfluss auf mein Verhalten. Mein Gegenüber nimmt dies wahr und reagiert ihrerseits entweder ablehnend oder freundlich. Gehe ich also mit der Erwartung in ein Gespräch, dass mein Gegenüber z.B. verschlossen und kühl ist, werden sich meine negativen Gedanken ganz deutlich in meinem Verhalten zeigen. Ich bin vielleicht selber eher distanziert zu dieser Person, gehe nicht offen und herzlich auf sie zu. Die Person wiederum reagiert auf mein Verhalten mit ebenfalls distanziertem Verhalten. Wodurch ich meine Theorie oder mein Urteil bestätigt sehe. Mein anfänglicher falscher Eindruck hat somit also dazu geführt, dass sich die Person dementsprechend, also konform verhält.
Diesen Mechanismus nennt man „Sich selbst erfüllende Prophezeiung“. (Hartung, Kap. 2)
c) Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten als SozialpädagogIn in einer offenen Kinder- und Jugendeinrichtung und beabsichtigen mit der benachbarten Grundschule zu kooperieren.
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Erläutern Sie anhand eines Beispiels, wie die unter a) und b) genannten Wahrnehmungsverzerrungen und Mechanismen Ihre Zusammenarbeit mit den LehrerInnen erschweren könnten. Verwenden Sie bei der Falldarstellung die unter a) und b) genannten Fachbegriffe. Wir nehmen an, dass wir mit einer ca. 39 Jahre alten Grundschullehrerin kooperieren sollen. Sie soll in unserem Beispiel blond sein, eine Brille tragen und mit recht hoher, fast schon piepsiger Stimme sprechen. Ihre Kleidungsstil ist eher konservativ bis altmodisch. Sie ist ledig - und es sieht ganz so aus, als würde sie es auch noch lange Zeit sein. Dieser Zustand ist nicht auf eine freiwillige Entscheidung ihrerseits zurückzuführen. Wenn wir nun mit einer solchen Lehrerin zusammenarbeiten wollen, sollten wir uns nicht von ihrem Erscheinungsbild oder ihrer leisen, sanftmütigen Art zu sprechen leiten lassen. So muss ihre Sprechweise nicht unbedingt auf weitere für uns als negativ empfundenen Eigenschaften, wie z.B. Naivität, kein Durchsetzungsvermögen oder Schüchternheit deuten. Ebenso wenig können wir von ihrer Bekleidung sofort vorhersagen, dass sich dahinter eine rückständige, rückschrittliche, alten Traditionen anhaftende Persönlichkeit verbirgt. Solche Wahrnehmungsverzerrungen, die von einer negativen Eigenschaft auf das Vorhandensein noch anderer negativer schließt, würde uns die Zusammenarbeit von vornherein ziemlich erschweren. Unsere Vorurteile lassen uns nicht befreit in ein Gespräch gehen, sondern würden Signale der Ablehnung aussenden, die von der Grundschullehrerin natürlich empfangen und empfunden werden und sie gleichermaßen ablehnend auf uns reagieren lassen würde. Natürlich würde das genau in unser „Bild der verklemmten, unlockeren Lehrerin“ passen. Dass es sich hierbei aber um eine sich selbst erfüllende Prophezeiung handelt und wir dieses Verhalten durch unser Gegenübertreten erst hervorgerufen haben, wäre uns früher mit ziemlicher Sicherheit entgangen.
Subjektive Persönlichkeitstheorien und Stereotypisierung haben bei unserer Kooperation ebenso wenig Platz, denn wir sollten uns weder vom Erscheinungsbild oder Verhalten der Lehrerin negativ beeinflussen lassen, noch versuchen, sie allein aufgrund ihrer Berufsgruppenzugehörigkeit einzuschätzen. Dies gelingt selten, denn es gibt nicht „die“ typische Grundschullehrerin, und auch eine Gruppe besteht immer aus einzelnen Individuen, die alle ihre eigenen Persönlichkeitsmerkmale haben.
Außerdem sollten wir beachten, dass man auch schon bei der Informationsaufnahme selektiert und wir vielleicht bei Beginn der Zusammenarbeit mit ihr nur die Sachen beachten und speichern, die unsere Vorurteile bestätigen. Verhält sich die Lehrerin so, dass es unseren
Arbeit zitieren:
Kerry Herrmann, 2004, Psychologische Grundlagen sozialpädagogischen Handelns und der sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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