1. Einleitung Viele Menschen in der heutigen Zeit haben ihre Schwierigkeiten mit der heutigen Kirche. So ist der Begriff „Kirche“ häufig nicht recht zu verstehen. Die Kirche wird vielfach als Institution mit Vorschriften und patriarchalischen Strukturen gesehen, die mit dem heutigen Leben nichts mehr zu tun haben. Die Folge davon sind Kirchenmüdigkeit und Kirchenaustritte, die in vielen Gemeinden zu erkennen sind. „Jesus ja – Kirche nein“ so ist das Motto vieler Christen. Denn was hat Kirche heute noch mit Jesus zu tun?
Dennoch erfahren Menschen die Kirche auch als Ort, wo Gemeinschaft spürbar ist, wo Menschen einander begegnen, wo Christen miteinander ihren Glauben leben und erleben und wo jeder Mensch Trost und Hilfe finden kann.
Das gesamte Christusereignis vom Wirken des irdischen Jesus, seine Auferstehung und das Wirken in der nachösterlichen Zeit sind in Schriften des Neuen Testaments erfahrbar.
Jesus als die Mitte des christlichen Glaubens sehen, den Heiligen Geist fühlen und Gott als das Fundament von allem erkennen – so können wir viel über Wesen und Struktur der Kirche im Neuen Testament erfahren.
2. Die Frage der Kirchengründung Für uns Christen stellt sich in erster Linie die Frage, ob und wie Kirche mit Jesus von Nazareth begonnen hat. Wo ist die Verbindung von Jesus zur Kirche?
Jesus selbst hat in seinen Predigten den Begriff „Reich Gottes“ verwendet. Allen Menschen das Heil verkünden, sie jetzt zur Umkehr aufrufen (Mk 1, 15), war die zentrale Botschaft seines Wirkens. Um von der Heilsaussage des „Reiches Gottes“ zu dem Begriff „Kirche“ zu gelangen, muss man das gesamte Christusereignis einbeziehen. Das irdische Wirken des vorösterlichen Jesu, den Auftrag, den er an seine Jünger weitergab und die Gemeinde in der nachösterlichen Zeit bilden zusammen eine Einheit, mit der man Wesen und Struktur der Kirche verstehen kann.
3. Das vorösterliche Wirken Jesu in Hinblick auf Kirche Jesu Botschaft Zunächst kann man sagen, dass der predigende Jesus eine Zeitspanne bis heute sicher nicht erwartet hat. Wie bei Mk 1,15 zu sehen ist, glaubte Jesus, dass die „Zeit erfüllt, das
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Reich Gottes nahe ist“. Diese echatologische Naherwartung und „die Vergegenwärtigung der grenzenlosen Liebe und Barmherzigkeit Gottes in konkreten Unheilsituationen“ 1 bestimmte n Jesu Leben und Handeln bis kurz vor seinen Tod.
3.1 Die Jünger Jesu So hat er Menschen aktiv um sich versammelt, die sich ihm bedingungslos anschlossen. (siehe Mk 1, 16 – 18 und Mk 2, 14).Jesus wandte sich betont an ganz Israel. Dies wird deutlich an der Zahl der 12 Jünger, die für die 12 Stämme Israel stehen. „Nur Juda, Benjamin und eine Hälfte von Levi existierte noch, die anderen galten seit der Eroberung des Nordreiches als verstreut, vermischt, verschollen.“ 2 So konnte die anbrechende Endzeit Israel wieder vollständig herstellen.
Auch die Auswahl der Jünger zeigt den Aspekt der „Allgemeinheit“. So befinden sich Menschen aus den verschiedensten Bevölkerungsschichten, aus Randgruppen wie Zöllner und Zeloten darunter. Dies lässt die Vielschichtigkeit der Menschen, die zum Heil berufen sind, sehen; keiner wird ausgeschlossen.
Jesus bildete seine Jünger aus, indem er sie in seine Botschaft (Verkündigung der Gottesbotschaft, Austreibung der Dämonen usw.) unterwies und beauftragte sie gleichzeitig, diese Botschaft an die „verlorenen Schafe des Hauses Israel“ (Mt 10, 6) weiterzugeben. Auch andere haben diesen Auftrag von Jesus bekommen (siehe Lk 10, 1 – 11). Simon spielt hier als Petrus, der „Fels“, eine eigene besondere Rolle. „Der Jüngerkreis Jesu bildete also vor Ostern bereits – wenn auch gewiss nicht im Sinne einer „Kirche“ – so etwas wie eine „soziale Institution.“ 3
3.2 Zeichenhaftes Handeln Jesu Eine entscheidende Grundlage für die spätere Kirche wurde von Jesus durch sein zeichenhaftes Handeln gelegt. Die Tischgemeinschaften mit Zöllnern und Sündern sind Ausdruck des Heils- und Liebeswillen Gottes. Ihren Höhepunkt findet diese Mahlgemeinschaft beim letzten Abendmahl mit seinen Jüngern. Diese gemeinschaftliche Struktur und hier im Besonderen das Brechen des Brotes gilt als zeichenhaftes Handeln 1 Vgl. „Handbuch der Dogmatik“ hgg. von Theodor Schneider, Patmos Verlag 1992, S. 54 2 Vgl. „Was wir glauben“ hgg. von Theodor Schneider, Patmos-Verlag 1998, S. 371 3 Vgl. Theodor Schneider „Was wir glauben“ S. 373
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Jesu und wird bis heute als wesentliches zeichenhaftes Handeln während der Eucharistiefeier praktiziert.
So kann man hier schlussfolgernd sagen, dass Jesus zwar nicht als der „Kirchengründer“ zu sehen, aber Kirche gründet sich im Tun, im Werk und in der Botschaft des irdischen Jesus.
4. Die Urgemeinde Durch die Kreuzigung Jesu wurde der Kreis der Jünger erst einmal zerschlagen. Erst nachdem die Jünger den Schock des Todes Jesu überwunden und die Auferstehung ihres Herrn in „Erscheinungen“ erfahren hatten, konnten sie sein Tun fortsetzen. Die Auferweckung Jesu am 3. Tag – Ostern, als Verwandlung des Leibes Jesu zum auferstandenen Christus, war für die Jünger eine überwältigende Offenbahrung Gottes. „Sie sehen in seinem Tod und seiner Auferweckung die Endzeit angebrochen und die endzeitlichen Hoffnungen Israels anfanghaft erfüllt.“ 4 Mit der Wahl des Matthias als den 12. Jünger wurde die symbolische Funktion Gesamtisraels wieder hergestellt und verkörpert den Anspruch Jesu an das ganze Volk. Auch das Verkündigen, Predigen der „Frohbotschaft“ und das Heilen von Kranken setzten sie fort, so dass sich ihnen viele Menschen anschlossen.
4.1 Strukturen und Ämter der Urgemeinde Die ersten Christen sahen sich selbst zunächst als „Heilige“ (z. B. Apg 9, 13; 9, 32; 9, 41), und als „Auserwählte“ (z. B. Kol 3,12).
Aufgrund ihrer jüdische Erziehung hatten sie grundlegende Vorbildung von religiösen und sozialen Strukturen durch die alttestamentliche n Glaubensgeschichte n (z. B. Ex 19: Führ ung des Moses beim Auszug aus Ägypten). Die Urgemeinde selbst na nnte sich „Ekklesia“, als Erfüllung der alttestamentlichen Verheißung, als Sammlung des Gottesvolkes für die Endzeit.
Die Zwölf, wie bereits schon oben erwähnt, waren sicherlich die wichtigsten Personen, die ein Amt in der Urgemeinde innehatten. Schon alleine deshalb, weil Jesus sie zu seiner Nachfolge berief. Darauf folgten die Apostel, Menschen, die von Gott berufen wurden und innerhalb der Gemeinde eine besondere Stellung einnahmen (vgl. 1 Kor 9,1f). Petrus spielte bei diesem Jüngerkreis wohl eine besondere Rolle. Zum einen wurde Petrus meist 4 vgl. „Handbuch der Dogmatik“, hgg. von Theodor Schneider, S. 62 / 63
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Birgit Dutine, 2003, Den neutestamentlichen Kirchenbegriff erläutern und überlegen, welche Strukturen und Verständnisweisen sich daraus für die Gegenwart ergeben, Munich, GRIN Publishing GmbH
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