Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung Seite 3
2. Die Quellen Seite 4
2.1 Die Briefe der Rosenbergschwestern Seite 4
2.1.1 Perchtas engere Umgebung Seite 5
2.1.2 Weitere Bedienstete Seite 6
2.2 Das Böhmen des Johannes Butzbach Seite 7
2.2.1 Dienst der Adligen Seite 8
2.2.2 Bediente der Adligen Seite 8
2.3 Vomm Hoffleben Seite 9
2.4 Beim Hochmeister Seite 10
2.5 Am ungarischen Königshofe Seite 11
2.5.1 Das höhere Personal Seite 11
2.5.2 Das niedere Personal Seite 12
2.6 In Burgund Seite 13
3. Die Hofämter Seite 14
3.1 Der Kämmerer Seite 14
3.2 Der Marschall Seite 15
3.3 Der Mundschenk Seite 16
3.4 Der Truchseß Seite 16
3.5 Der Herold Seite 16
4. Adelsstruktur in Böhmen Seite 17
5. Schlußwort Seite 18
Literaturverzeichnis Seite 19
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1. Einleitung
Welche Arten von Dienst gibt es? Wie ist das Verhältnis zwischen Dienenden und Herrschenden? Mit diesen Fragen soll sich die vorliege nde Arbeit beschäftigen. Dazu wird zunächst auf einige Quellen eingega ngen, die kurz vorgestellt und teilweise in ihren historischen Zusammenhang eingebettet werden. Neben einem Briefwechsel einer böhmischen Hochadligen und eine Autobiographie eines Knappen im Dienst böhmischer Kleinadliger sehen wir einen kleinen Knigge des Betragens bei Hofe, wir kommen zum Hochmeister des Deutschen Ordens nach Preußen, nach Burgund und an den ungarischen Königshof. Es wird versucht, in den Quellen jeweils Antwort auf die genannten Fragen zu finden, was sich insofern als problematisch darstellt, als nahezu alle Quellen nur andere Themen zum Inhalt haben und auf die Bediensteten und ihre Aufgaben bei Hofe nur am Rande eingegangen wird, so daß nicht jede Quelle geeignet ist, Antwort auf beide Fragen zu geben. Auch gibt keine Quelle umfassend Auskunft, einzig die Hofordnungen 1 der Gattin des Herzogs von Burgund, Isabella von Portugals und deren Sohn, Grafen von Charolais, des späteren Karls des Kühnen, zählen explizit das Personal auf, deshalb wurde meine Zusammenfassung der Quellenedition Kruses in diese Arbeit aufgenommen. Wo dies möglich war, wird jeweils schon während der Vorstellung der Quellen versucht, Parallelen und Unterschiede zu anderen Höfen aufzuzeigen. Sodann werden die vier wichtigsten Hofämter kurz vorgestellt, dies sind Kämmerer, Marschall, Mundschenk und Truchseß; wegen seiner wichtigen Rolle sowohl im politischen wie gesellschaftlichen Leben bei Hofe wird auch auf den Herold eingegangen. Abschließend wird die Adelsstruktur in Böhmen dargestellt, die nochmals einen der Unterschiede zwischen den ersten beiden Quellen besonders erhellen kann, stammen sie doch aus ganz unterschiedlichen Adelssphären: Die Rosenberger stammen aus dem (man könnte fast sagen: Sie sind der) Hochadel, während Johannes Butzbach bei niederen Adligen dienen muß.
Aus Platzgründen konnte nicht auf alle möglichen Quellen eingegangen werden, so mußte sowohl die Darstellung des Innsbrucker Hoflebens als auch der Briefwechsel Albrecht Achilles’ von Brandenburg außen vor bleiben, die ebenfalls Einblick in das weite Feld ‚Dienst bei Adligen’ gegeben hätten.
1 „Die hier vorgeschlagene Definition lautet: Hofordnungen sind vom jeweiligen Herrn erlassene Bestimmungen, die feststellen, (1) welche Ämter es in seiner Haushaltung gibt, (2) wer sie innehaben soll, (3) mit welchem Gefolge beziehungsweise mit welcher Entlohnung sie zu versehen sind, (4) was zu tun ist und (5) in welcher Form dies zu geschehen hat.“ aus: Paravicini, Werner: Europäische Hofordnungen als Gattung und Quelle, in: Kruse, Holger: Höfe und Hofordnungen 1200-1600. 5. Symposium der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Sigmaringen 1999A, 13-22. hier: 14.
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2. Die Quellen
2.1 Die Briefe der Rosenbergschwestern
Bei der ersten Quelle 2 handelt es sich um eine Ausgabe des Briefwechsels hauptsächlich zwischen Perchta von Rosenberg und ihrer Familie, hier vor allem jeweils mit demjenigen männlichen Verwandten, der gerade Familienoberhaupt war. Dies sind zunächst ihr Vater, Ulrich von Rosenberg, dann ihr Bruder Heinrich, nach dessen Tode 1457 ihr Bruder Johann und später ihr Neffe Heinrich. 3 In den Briefen geht es hauptsächlich um Perchtas schlechte Lebenssituation, in der sie sich seit ihrer Verheiratung 1449 mit Johann von Liechtenstein, einem ursprünglich steirischen Adligen im südmährischen Nikolsburg, befindet. Ihr Mann ist wenig interessiert an ihr, flieht ihre Gesellschaft, sie beklagt sogar, daß er nicht mit ihr schlafe; 4 sein Interesse galt augenscheinlich ihrer Mitgift, deren Zahlung sich jedoch aufgrund f inanzieller Engpässe der Rosenberg-Familie zehn Jahre lang verzögert. 5 Im ehelichen Haushalt ist nicht sie die Schlüsselgewalt, sondern nach wie vor ihre Schwiegermutter, die ihrer neuen Tochter nur Abne igung entgegenbringt. 6 Perchta sieht sich sogar mit dem Tode bedroht. 7 Sie drängt ihre Familie auf Zahlung der Mitgift, um ihre Stellung zu verbessern. Zeitweise mangelt es selbst an Nahrungsmitteln und Heizung, von den Mängeln sind auch die Kinder betroffen. 8
Die reiche und politisch sehr engagierte katho lische Familie Rosenberg beherrschte weitgehend autonom große Teile Südböhmens, bei der Übernahme der Familiengüter durch Ulrich mit seiner Volljährigkeit im Frühjahr 1418 „zählten zu diesen insgesamt sechs Städte, zweiundzwanzig Burgen und ca. 500 Dörfer.“ 9 Der Familiensitz (Tschechisch-) Krumau wurde zur stattlichen Residenz ausgebaut, die Prag in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht Konkurrenz machen konnte. 10 Im innerböhmischen Machtkampf 1437 steht Ulrich auf der Seite der Habsburger, muß sich jedoch 1452 der militä-
2 Klassen,John: The letters of the Rozmberk sisters. Noblewomen in fifteenth-century Bohemia, Ca mbridge 2001. Der Plural sisters ist damit gerechtfertigt, daß auch einige Briefe Anéžka von Rosenbergs aufgenommen wurden, Perchtas Schwester. Sämtliche Briefe liegen in englischer Übersetzung vor, die Originale sind teils deutsch, teils tschechisch.
3 vgl. Kurz-Stammbaum der Familie ebd. 7.
4 vgl. ebd. 42. Dennoch gehen aus der Ehe zwei Kinder hervor, das eine wurde in der die Ehe erst besiegelnden Hochzeitsnacht gezeugt.
5 vgl. ebd. 103.
6 vgl. ebd. 35, 37, 55, 61.
7 vgl. ebd. 40, 43.
8 vgl. ebd. 60.
9 Polívka, Miroslav: Ulrich von Rosenberg und seine Umgebung, in: Heimann, Heinz-Dieter (Hrsg.): Adelige Welt und familiäre Beziehungen. Aspekte der „privaten Welt“ des Adels in böhmischen, polnischen und deutschen Beispielen vom 14. bis zum 16. Jahrhundert, Potsdam 2000, 59-72, hier: 61.
10 vgl. ebd. 64.
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rischen Gewalt Georg von Podiebrads g eschlagen geben und diesen als ‚Gubernator Böhmens’ anerkennen. 11 Im Jahre 1458 stimmt Johann von Rosenberg entgegen dem Willen des Vaters der Akklamation Georgs zum König von Böhmen zu und schafft seiner Familie dadurch einen Ausweg aus großen finanziellen Schwierigkeiten, denn Ge-org verzichtet im Gegenzug auf die Einforderung einer Geldschuld in Höhe von 16 000 ungarischen Gulden bzw. 544 000 böhmischen Groschen. 12 Klassen hält großen Einfluß Perchtas auf diese Entsche idung Johanns für möglich; sie habe durch unermüdliches Insistieren auf Zahlung ihrer Mitgift Johann dazu gebracht, eine rasche Konsolidierung der Finanzen anzustreben, und dadurch unbeabsichtigt die Königswahl Georgs unterstützt. 13
2.1.1 Perchtas engere Umgebung
Leider erfahren wir aus der Quelle wenig über das tägliche Leben oder auch nur über die Existenz von Dienern. Für die unmittelbaren Umgebung Perchtas am liechtensteinischen Hof in Nikolsburg geben die Briefe Auskunft über drei Personen, nämlich zwei Hofdamen und ihren Sekretär. Sie begleiteten Perchta vom heimatlichen Krumau an den fremden Hof des Ehemannes. Die Hofdamen sind Šiermarka, aus der Schirmer-Familie, und Machna Koník. 14 Machna wird nur einmal erwähnt, vermutlich reist sie bald nach Krumau zurück, wo sie einen Sohn hat. Šiermarka bleibt bis zu ihrer eigenen Verheiratung 1455 bei Perchta, teilt ihre Nöte und ist eine große moralische sowie wahrscheinlich auch physische Stütze für Perchta. Sie schreibt auch selbst an die Rosenbergs, um eine Verbesserung ihrer Lebenssituation zu erreichen. 15 Zugleich verleiht sie ihrer eigenen Hingabe an Perchta Ausdruck, wenn sie schreibt:
„Ich könnte, gebe Gott, einen ehrbaren Platz mein Heim nennen, aber ich selbst möchte sie wegen meiner großen Ergebenheit für sie nicht verlassen: Was immer ich auf ehrbare Weise für sie tun kann, ich würde mit Freuden jedes Leid ertragen, sogar den Todt.“ 16 Als Dank für ihre Dienste soll sie ein Hochzeitsgeschenk bzw. sogar eine Aussteuer von den Rosenbergs erhalten. 17 Perchta wäre „tieftraurig im Herzensgrunde“, wenn sie ohne sie auskommen müßte, „da ich keine größere Freude habe als diese Jungfern mir geben“. 18
11 vgl. Hoensch, Jörg: Geschichte Böhmens. Von der slavischen Landnahme bis ins 20. Jahrhundert, München 1987, 154ff.
12 vgl. Klassen 15f. Handwerker oder Söldner verdienten einen Groschen am Tag (vgl. ebd. x).
13 vgl. Klassen 121.
14 vgl. ebd. 33.
15 vgl. ebd. 51.
16 ebd. 52; ursprünglich tschechisch, Übersetzung aus dem Englischen durch den Verfasser dieser Arbeit.
17 vgl. ebd. 66.
18 ebd. 44; ursprünglich tschechisch, Übersetzung aus dem Englischen durch den Verfasser dieser Arbeit.
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Der Sekretär ist ein Böhme namens Heinrich, er verläßt Perchta 1459 oder 1460. Er erscheint Perchta unverzichtbar, dient ihr treu und ermutigt sie, da er mit eigenen Augen ihre untragbare Situation sieht. 19 Er wird ersetzt durch einen Deutschen, der kein Tschechisch kann und dennoch auf tschechisch schreiben muß, 20 was die Ed ition der Quelle erschwerte. 21
Perchtas Diener werden trotz neuer Wirkungsstätte immer noch vom Hause Rosenberg bezahlt. 22 Sie arbeiten hart, sind loyale Diener und helfen Perchta bei der Kommunikation mit ihrer Familie. Perchta betrachtet sie als Freunde und Familienangehörige. 23 Dies ist eventuell der ungünstigen Situation geschuldet, in der sie sich befindet; ähnliches zeigt sich jedoch bei ihrer Schwester Anéžka. Diese fühlt sich ihrem Personal ebenfalls verbunden und verfügt in ihrem Testamente, daß alle Angehörigen ihres Hofes (sie ist unverhe iratet und führt einen eigenen Hof) nach ihrem Tode bis zu einem Jahr lang dort solange weiter wohnen dürfen sollen, bis sie zumindest eine andere Unterkunft gefunden haben. 24
2.1.2 Weitere Bedienstete
Aus dem weiteren Umfeld Perchtas erfahr en wir wenig, andere Bedienstete werden nur im Zusammenhang mit Aufträgen genannt, oder weil sie sich für Perchta einsetzen. Šek ist liechtensteinischer Amtmann, 25 ein Vertrauter Liechtensteins, möglicherweise Bur ggraf. 26 Jarohnev von Úsuší ist ein langjähriger Amtmann und Freund der Rosenbergs, er ist Mitglied des niederen Wiener Adels. 27 Pribik Hádkov von Pabenice ist Amtmann der Rosenbergs in Krumau und Angehöriger des lokalen Adels. 28 Sie sehen Perchtas Schicksal mit eigenen Augen, nehmen Anteil und versuchen auf ihren Ehemann sowie
19 vgl. ebd. 119.
20 vgl. ebd. 69.
21 vgl. ebd. viii.
22 vgl. ebd. 33.
23 vgl. ebd. 119.
24 vgl. Klassen 97.
25 „Amtmann, Plural im Mittelalter meist Amtleute, kann jeden Inhaber eines Amtes bezeichnen, selbst der König gilt als ‚des Reiches höchster Amtmann’, die Kurfürsten sind ‚des Reiches Amtleute’,“ aus: Schulze, Hans, Amtmann, in: Lexikon des Mittelalters, München, Zürich 1980, Bd. 1, 562-563, hier 562.
26 vgl. Klassen 55, 118.
27 vgl. ebd. 90, 92, 93. Auf Seite 119 wird er nur „zeitweilig Amtmann“ genannt. Die Familie Rosenberg besaß ein Haus in Wien, vgl. Hlavácek, Ivan: Bemerkungen und Überlegungen zu den hochadeligen böhmischen Itineraren im Spätmittelalter, besonders zu dem des Ulrich von Rosenberg, in: Heimann, Heinz-Dieter (Hrsg.): Adelige Welt und familiäre Beziehungen. Aspekte der „privaten Welt“ des Adels in böhmischen, polnischen und deutschen Beispielen vom 14. bis zum 16. Jahrhundert, Potsdam 2000, 43-58, hier 52.
Die Familie Rosenberg verfügte auch über Häuser in allen drei Prager Stadtteilen Altstadt, Neustadt, Hradschin, vgl. Polivka 63.
28 vgl. ebd. 93.
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Eike-Christian Kersten, 2004, Dienst bei Adligen. Hofämter. Johannes Butzbach und die Rosenberg-, München, GRIN Verlag GmbH
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