Ludwig-Maximilians-Universität München
Eingereicht am Lehrstuhl für Politische Theorie
Hauptseminar: Hannah Arendt: Philosophie und Politik
Fachsemester: 07
Hannah Arendt - Das Urteilen
von: Claudia Haslauer
INHALTSVERZEICHNIS
I. EINLEITUNG 4
A. THEMATISCHE HINFÜHRUNG 4
B. METHODISCHER ZUGANG ZUR VORLIEGENDEN ARBEIT 5
II. POLITISCHE PHILOSOPHIE IMMANUEL KANTS 5
A. REFLEXIONEN VON IMMANUEL KANT 5
1. VOM „VERLAUF DER GESCHICHTE“ ZUR „THEORIE DES URTEILS“ 5
2. ENTWICKLUNG DER MENSCHLICHEN URTEILSKRAFT 7
B. KRITISCHES UND REPRÄSENTATIVES DENKEN 8
1. KRITISCHES DENKEN 8
2. REPRÄSENTATIVES DENKEN 9
3. „KRITIK DER URTEILSKRAFT“ UND „EINBILDUNGSKRAFT“ 10
III. REFLEXIONEN VON HANNAH ARENDT 11
A. „AUSWEG AUS EINER SACKGASSE“ 11
B. ABHANDLUNG UND KRITISCHE FRAGEN DES URTEILENS 13
1. PROBLEM DER MENSCHLICHEN FREIHEIT 13
2. ARENDTS REFLEXIONEN ALS „KANT-KOMMENTAR“ 14
IV. THEMATISCHES UND PERSÖNLICHES FAZIT 16
A. THEMATISCHES FAZIT 16
B. PERSÖNLICHE STELLUNGNAHME 18
V. LITERATURVERZEICHNIS 20
I. Einleitung
A. Thematische Hinführung
Das Urteilen ist der Dritte, durch den plötzlichen Tod Hannah Arendts unvollendete Teil ihres Gesamtwerkes Vom Leben des Geistes. Nach Beendigung des Zweiten Bandes, Das Wollen, hinterließ Hannah Arendt vor ihrem Tod neben dem Postskriptum des ersten Bandes Das Denken, nur eine einzige leere Seite mit dem Titel Das Urteilen, sowie zwei Leitsätze, auf die im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch genauer eingegangen wird. Um das von Hannah Arendt dreiteilig geplante Gesamtwerk Vom Leben des Geistes abzuschließen, gibt Mary McCarthy 1982 mit Hilfe von Seminaraufzeichnungen sowie früheren Essays und wissenschaftlichen Beiträgen von Hannah Arendt über die Theorie des Urteilens den Dritten Band heraus.1
Im Mittelpunkt des posthumen veröffentlichten dritten Bandes steht die dreizehnstündige Vorlesung von Hannah Arendt über die Politische Philosophie von Immanuel Kant, die sie 1970/71 an der Universität in New York gehalten hat. Aufzeichnungen aus ihrem parallel zur Vorlesung an der New School for Social Research abgehaltenen Seminar „Kritik der Urteilskraft“ unterstreichen ihre Stellungnahmen über das menschliche Urteil und veranschaulichen diese am Beispiel der „Einbildungskraft“ und des „sensus communis“, die als Begriffe für das weitere Verständnis der Reflexionen Hannah Arendts von großer Bedeutung sind.2
Neben dem Aufkommen des Totalitarismus, der Hannah Arendts Blick für die Komplexität des menschlichen Urteils schärfte, sowie dem Bewusstsein für die aufkommenden Gefahren, die dem menschlichen Urteil von Seiten der modernen Gesellschaft drohten, war ihre Anwesenheit bei dem Prozess von Adolf Eichmann 1961 in Jerusalem für ihre Beschäftigung mit der Theorie des Urteilens wesentlich. Unter Bezugnahme auf ihren Bericht von der Eichmann-Verhandlung, der 1963 im „New Yorker“ erschien, gibt es keinen Grund daran zu zweifeln, dass das, was Hannah Arendt besonders beschäftigte, als sie anfing über das Urteil nachzudenken, die Notwendigkeit war, im Falle Adolf Eichmanns ein Urteil zu sprechen. 3 In Anlehnung an die Grundgedanken der Politischen Philosophie von Immanuel Kant, auf die Hannah Arendt im Rahmen ihrer Reflexionen zurückgreift, weist sie dem Urteilen in ihrem Gesamtwerk Vom Leben des Geistes somit einen hohen Stellenwert zu.
B. Methodischer Zugang zur vorliegenden Arbeit
Nachfolgend soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit der Dritte posthum veröffentlichte Teil für das Gesamtwerk Vom Leben des Geistes wesentlich war, und welcher Stellenwert den Reflexionen von Hannah Arendt unter Bezugnahme auf ihre Thesen zum geistigen Leben des Menschen zugewiesen werden kann. Zur Erläuterung der vorstehenden Frage, wird sich das Zweite Kapitel dieser Arbeit zunächst mit den grundlegenden Gedanken der Politischen Philosophie von Immanuel Kant beschäftigen. Neben den Grundvoraussetzungen, die Kant dem menschlichen Wesen zuschreibt, wird ein wesentlicher Gesichtspunkt auf der Bedeutung der „Einbildungskraft“ und dem „sensus communis“ liegen. Gedankengänge von Hannah Arendt über die Theorie des Urteilens werden Inhalt des folgenden Dritten Kapitels sein. Unter Berufung auf ihre in den späten siebziger Jahren veröffentlichten Aufsätze und Essays, wird der Schwerpunkt dieses Kapitels auf der Bedeutung des menschlichen Urteilens im Totalitarismus sowie dessen Bedrohung für die objektive menschliche Wahrnehmung sein. Thematische und persönliche Untersuchungsergebnisse werden im Vierten Kapitel den Abschluss dieser Arbeit bilden. Insbesondere soll zusammenfassend der Frage nachgegangen werden, inwieweit die Gedankengänge Hannah Arendts in der posthumen veröffentlichen Fassung des Dritten Bandes Das Urteilen erfasst werden konnten.
II. Politische Philosophie Immanuel Kants
A. Reflexionen von Immanuel Kant
1. Vom „Verlauf der Geschichte“ zur „Theorie des Urteils“
Im Unterschied zu vielen anderen Philosophen, wie beispielsweise Hegel, Platon, Aristoteles und Spinoza, hat Kant selbst nie eine Politische Philosophie niedergeschrieben und veröffentlicht. Die Literatur von und über Kant ist jedoch vielfältig und umfangreich, doch lohnt es sich, Hannah Arendt zufolge nur das Buch Zum ewigen Frieden zu lesen, auf das im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch genauer eingegangen wird.4
[...]
1 Beiner, Ronald (1982): „Hannah Arendt über das Urteilen“, in: Arendt, Hannah (1985): Das Urteilen. Texte zu Kants Politischer Philosophie, München, Piper, S. 115
2 ebenda, S. 7f.
3 Beiner, Ronald (1982): „Hannah Arendt über das Urteilen“, in: Arendt, Hannah (1985): Das Urteilen. Texte zu Kants Politischer Philosophie, München, Piper, S. 125f.
4 Arendt, Hannah (1970): „Über Kants Politische Philosophie“, in: Arendt, Hannah (1985): Das Urteilen. Texte zu Kants Politischer Philosophie, München, Piper, S. 17f.
Arbeit zitieren:
M.A. Claudia Haslauer, 2005, Hannah Arendt - Das Urteilen, München, GRIN Verlag GmbH
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