DIE KÖNIGSERHEBUNG VON FRIEDRICH III./I. IM JAHR 1701
- INTENTION UND AUSWIRKUNGEN -
Inhalt :
Seite
1. Einleitung - Friedrich III./I. und seine Zeit 1
2. Intention und Weg zur Königserhebung von Friedrich III. 2
3. Krönungszeremonie und Salbung 4
4. Auswirkungen 5
4.1 Außenpolitische Auswirkungen - Die Frage der Anerkennung 5
4.2 Innenpolitische Auswirkungen - Distanz und Souveränität 6
4.2.1 Stände - die Rolle bei der Krönungszeremonie und die Assekuration 6
4.2.2 Stiftung Schwarzer-Adler-Orden 7
4.2.3 Gratulation und Krönungsgelder 8
5. Auslegung der Königserhebung von Friedrich II. (der Große) 8
5.1 Ein neuer König im Zeitalter des Barock 9
5.2 Politik der Balance und Zeitalter der Aufklärung 11
6. Fazit 13
7. Liste der Herrscher von Brandenburg 14
8. Literatur- und Quellenverzeichnis 15
1
1. Einleitung - Friedrich III./I. und seine Zeit
Im Prozess des kontinuierlich wachsenden Staatsgebildes prägte jeder einzelne Herrscher aus
dem Haus Hohenzollern seit 1415 die Entwicklung in Brandenburg-Preußen 1 . Das 18. Jahrhundert bildete dabei den entscheidenden Kulminationspunkt. Die Erlangung der Königswürde am 18. Januar 1701, durch Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg, der sich seit der Krönung König Friedrich I. in Preußen nannte, war einer der nach außen hin demonstrativsten Akte im Zeitalter höfisch-barocker Repräsentation. Standeserhöhungen waren zwar zu dieser Zeit nicht ungewöhnlich, aber Friedrich III./I. ging einen eigenständigen Weg: Er schuf sich seine Königswürde selbst. Zu Beginn dieser Arbeit werden die Beweggründe Friedrich III./I. skizziert sowie sein mühseliger Weg zur Krone. Es wird herausgearbeitet, wie es ihm gelang, Reputation und Prestige entscheidend zu steigern und die eigene Position im gesamteuropäischen Wettstreit zu festigen. Wie selbstbestimmt und souverän er dabei vorgegangen ist, wird vielleicht schon im dritten Kapitel dieser Arbeit behandelten, ebenfalls sehr ungewöhnlichen Krönungszeremonie, deutlich. Die Arbeit konzentriert sich auf die Frage der Anerkennung der neuen Krone - Einmal vom außenpolitischen Standpunkt betrachtet: Akzeptierten die anderen Herrschaftshäuser Europas das neue Königreich? Als auch innenpolitisch: Wie versuchte der Monarch seine neugewonnene Souveränität gegenüber der lokalen Herrschaft durchzusetzen und wo setzte Friedrich III./I. seine Prioritäten?
Zuletzt bleibt die Frage zu erörtern, warum Friedrichs III./I. Enkel, Friedrich II. (der Große), die Königserhebung lediglich als egoistischen Prestigeakt, als „Scheingrund, weil er seinen Hang zum Zeremoniewesen befriedigen wollte [...]“ (FRIEDRICH DER GROSSE Bd. 1, 117f), bezeichnete. Es wird versucht, die unterschiedlichen außenpolitischen Situationen und Bedingungen darzustellen und es wird kurz auf die Persönlichkeit Friedrich des Großen eingegangen, um einen Erklärungsansatz zu finden, was hinsichtlich der Standeserhöhungen zwischen der Regierungszeit von Friedrich III./I. und von Friedrich dem Großen geschehen ist.
1 Siehe Liste der Herrscher von Brandenburg auf Seite 14.
2
2. Intention und Weg zur Königserhebung
Nur im Zusammenhang mit dem europäischen Umfeld Brandenburg-Preußens ist Friedrichs III./I. Streben nach der Rangerhöhung in Form einer Königserhebung zu verstehen (NEUGEBAUER 2000, 114). Um 1700 fand eine Reihe von Standeserhöhungen statt, in diesem Zusammenhang wird auch von der „Monarchisierung Europas“ gesprochen (KAUER, 93). Gerade auch bei deutschen Fürstenhäusern waren Standeserhöhungen erfolgt, oder sie waren zu erwarten. Die Ursachen hierfür sind auf das Ende des Dreißigjährigen Krieges und die Aufrichtung einer neuen Verfassungs- und Friedensordnung zurückzuführen. Dadurch änderte sich das adlig-ständische, fürstliche Handlungsfeld im Reich. Es entstand eine Konkurrenzsituation und die „ständisch-politische Einengung der deutschen Reichsfürsten konnte, bzw. musste aus der Logik der Adelsideologie heraus notwendigerweise Kompensationen suchen. Dies geschah zum einen durch Standeserhöhungen“ (FUCHS, 17). Allerdings waren die Möglichkeiten der Rangerhöhungen beschränkt. Aus diesem Grund wurde nach alternativen Wegen und Möglichkeiten gesucht. Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz hatte geplant das Königreich Armenien zu erwerben. Ungewöhnlich war auch der Erwerb einer neunten Kurwürde für das Haus Hannover im Jahre 1692, das auf diese Weise Gelegenheit hatte, auf den englischen Thron zu spekulieren, was schließlich auch gelang (ebd., 33). Im Jahr 1697 schließlich erlangte der sächsische Kurfürst Friedrich August I. die Wahlkrone des Königreichs Polen. Insbesondere diese beiden Rivalen Brandenburgs um die Vorherrschaft im Norden und Osten des Reiches setzten Kurbrandenburg unter Zugzwang, wenn es nicht auf europäischer- und Reichsebene zurückbleiben wollte (KAUER, 93). Denn „nur als König konnte ein Potentat sicher sein, wirklich zur modernen Staatengemeinschaft dazuzugehören“ (STOLLBERG-RILLINGER, 2). Eine weiterer Grund, warum Friedrich III. die Standeserhöhung wollte, kann in seinem ausgeprägten dynastischen Denken und die Sorge um das Fortbestehen des Hauses Hohenzollern liegen. Diese Interessen waren bei Friedrich III. weit mehr ausgeprägt als bei seinem Vater. In diesem Kontext ist der Widerstand gegen das väterliche Testament zu verstehen. In Vereinbarungen mit seinen Brüdern wurden dynastische Interessen über den letzten Willen des Vaters gestellt. Die „Achillea“ und der „Gerascher Hausvertrag“ verboten die Teilung des Landes. Nach dem brüderlichen Ausgleich schloss Friedrich III. einen Erbvertrag mit dem schwäbischen Familienzweig, in der die brandenburgische Erbfolge für den Fall des Aussterbens der (männlichen) Hohenzollern festgelegt wurde (FUCHS, 31f).
3
Im Hinblick auf diese Gegebenheiten ist zu verstehen, dass Friedrich III. seit 1690 auf den Königstitel hinarbeitete, denn in der Königserhebung lag die Chance, Reputation und Prestige bedeutend zu steigern, um die eigene Position im höfischen Wettstreit zu festigen. Friedrich III. ließ am Kaiserhof auf diplomatischem Wege erkunden, wie die Schaffung eines Königtums in Wien aufgenommen werden würde. Für Brandenburg-Preußen stellte die kaiserliche Zustimmung den einzigen Erfolgversprechenden Weg zur Krone dar. Die Alternativen, um zur Königswürde zu gelangen, hätten in der eigenen Machtvollkommenheit oder der päpstlichen Zustimmung bestanden. Um aber aus eigener Kraft zum Ziel zu gelangen, war Kurbrandenburg noch zu fest in das System des Reiches eingebunden und konnte sich nicht einfach über die reichshoheitlichen Rechte des Kaisers hinwegsetzen (FUCHS, 17f). Auch bestand die Gefahr des Scheiterns im Fall der Nichtanerkennung durch die anderen europäischen Staaten. Auch eine Legitimation des Königsamtes durch den Papst stand für Friedrich III. als überzeugten Protestanten niemals zur Diskussion (KAUER, 95f). Die Verhandlungen mit Kaiser Leopold I. waren allerdings schwierig und langwierig. Im Jahr
1697, nach dem Friedensschluss von Rijswijk 2 , kam es sogar zu einem Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Der bevorstehende Tod von Spaniens König Karl II. und dem sich damit anbahnenden spanischen Erbfolgekrieg veränderte aber die Situation: Österreich war im Konflikt mit Frankreich auf Allianzen angewiesen und zeigte erneut Verhandlungsbereitschaft. Als Karl II. am 1. November 1700 starb, stand der Krieg mit Frankreich unmittelbar bevor und die Parteinahme Brandenburgs würde wahrscheinlich entscheidend sein. Unter diesem enormen Druck ließ sich der Kaiser dazu bewegen, das
Vertragswerk über den Erwerb der preußischen Königskrone zu unterzeichnen 3 . In dem Vertrag wurde festgehalten, dass Friedrich III./I. 150.000 Gulden jährliche Hilfsgelder zu zahlen habe und für die Dauer des Krieges 8.000 Mann stellen und die Verluste wieder erneuern sollte. Weiterhin verpflichtete er sich, auf sämtliche noch ausstehende Subsidienzahlungen zu verzichten und bei künftigen Königs- und Kaiserwahlen würden er und seine Nachkommen für Österreich stimmen (LINDENBLATT, 8).
2 Friede von Rijswijk, am 20. September 1697 zwischen Frankreich einerseits, England, den Niederlanden und Spanien andererseits geschlossener Friedensvertrag zur Beendigung des Pfälzischen Erbfolgekrieges (Encarta Enzyklopädie)
3 Der Vertrag wurde später als Krontraktat bezeichnet.
Arbeit zitieren:
Henning Zühlke, 2005, Die Königserhebung von Friedrich III./I. im Jahr 1701 - Intention und Auswirkungen, München, GRIN Verlag GmbH
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