Die fraktale Organisation
von: Jan Tietmeyer
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Darstellung des Konzepts der fraktalen Organisation 2
2.1 Begriffliche Abgrenzung 2
2.2 Grundlegende Prämissen 2
2.3 Aufbau einer fraktalen Organisation 4
2.4 Die Leistungsbehauptung der fraktalen Organisation und die ihr zu Grunde liegenden theoretischen Basen 5
3 Anwendungen in der Praxis 8
3.1 Seppelfricke GmbH & Co. 8
3.2 Schwan-Stabilo Cosmetics GmbH & Co 9
3.3 Zusammenfassende Beurteilung der dargestellten Anwendungen 10
4 Vergleiche mit verwandten Organisationskonzepten 10
4.1 Profit-Center-Organisation 11
4.2 Virtuelle Organisation 12
4.3 Zusammenfassende Beurteilung der Vergleiche 13
5 Zusammenfassende kritische Würdigung 14
6 Die weitere Entwicklung der fraktalen Organisation 14
6.1 Entwicklungsmöglichkeiten 14
6.2 Ausblick 15
Anhang 16
Literaturverzeichnis 19
1 Einleitung
Auf Grund der rapiden Marktveränderungen und den daraus resultierenden gestiegenen Anforderungen an die Organisation sind viele neue Organisationskonzepte entwickelt worden. Eine Vielzahl dieser Konzepte behaupten fundamentale Verbesserungen zu erzielen und finden großen Anklang in der Praxis ohne theoretisch und empirisch untersucht worden zu sein, scheitern aber zumeist. Eines dieser neuen Organisationskonzepte scheint die fraktale Organis ation zu sein. 1
Ihre Anhänger behaupten, dass die Entwicklung der Märkte von Verkäufermärkten zu Käufermärkten und die daraus resultierenden Veränderungen dazu geführt haben, dass auf den Märkten chaotische Zustände herrschen. Dies bedeutet, dass die Ursache- Wirkung-Beziehung teilweise außer Kraft gesetzt ist. Traditionelle Organisationskonzepte wie z.B. die funktionale Organisation könnten diese Marktentwicklungen nicht beherrschen und führten daher zu suboptimalen Ergebnissen. Das Organisationskonzept der fraktalen Organisation2 will die Problematik der chaotischen Märkte lösen, indem sie auf ein Konzept zurückgreift, das auch die Natur zur Lösung des Chaos der Ökosysteme verwendet; die Fraktale. In der naturwissenschaftlichen Chaostheorie werden sie als Attraktoren bezeichnet, auf die das chaotische Orbit zuläuft und die somit das Chaos stabilisieren. 3
Das Ziel dieser Arbeit ist das Organisationskonzept der fraktalen Organisation wissenschaftlich aufzuarbeiten, zu hinterfragen und kritisch zu würdigen. Diese Untersuchung soll zeigen inwieweit es sich bei diesem Organisationskonzept um ein theoretisch fundiertes Konzept handelt, und ob es sich tatsächlich um etwas vollkommen Neues ha ndelt, oder ob es sich lediglich um eine Abwandlung oder Zusammenfassung bereits bestehender Organisationstheorien handelt.
Zunächst wird hierzu das Konzept der fraktalen Organisation erläutert und werden die ihm zu Grunde liegenden theoretischen Grundlagen identifiziert und überprüft. In der Folge werden bisherige Umsetzungen der fraktalen Organisation vorgestellt und untersucht. Hierauf wird die fraktale Organisation mit ihr verwandten Organisationskonzepten verglichen. Abschließend wird eine zusammenfassende kritische Würdigung durchgeführt und ein Ausblick zur weiteren Entwicklung gegeben.
2 Darstellung des Konzepts der fraktalen Organisation
2.1 Begriffliche Abgrenzung
Organisation wird im Rahmen dieser Arbeit systemtheoretisch verstanden. Die systemtheoretisch- soziologische Variante fokussiert sich auf die Institutionalisierung sozialer, psychologischer und kultureller Ordnungen innerhalb des Systems.4 Das Wort Fraktal ist von dem Physiker Mandelbrot - im Rahmen seiner Forschungsarbeit im Bereich der Chaostheorie - aus dem lateinischen Verb „fractus“ gebildet worden. Dies bedeutet ins Deutsche übersetzt „gebrochen“ oder auch „fragmentiert“. Mandelbrot definiert Fraktale als „natürliche Formen, deren Rauheit und Aufbau im wesentlichen unverändert bleiben, wenn die Auflösung verfeinert wird“. 5 Warnecke schließt aus dieser Definition, dass das Kennzeichen dieser Strukturen ist, dass jedes ihrer Teile die Gesamtstruktur enthält. Hieraus leitet er seine Definition des Fraktals - aus organisationaler Sicht - ab: „Ein Fraktal ist eine selbständig agierende Unternehmenseinheit, deren Ziele und Leistung eindeutig beschreibbar sind“. 6
2.2 Grundlegende Prämissen
Ausgangspunkt für die Entwicklung der fraktalen Organisation sind Hypothesen über die Märkte und über traditionelle Organisationskonzepte.7 Die Verkäufermärkte der 60er Jahre wandeln sich seit den 70er Jahren in Käufermärk- te.8 Die Rahmenbedingungen für Unternehmen ändern sich hierdurch sehr schnell und umfassend. So werden z.B. die Technologie- und Produktlebenszyklen kürzer.9 Demzufolge steigt die Komplexität, die als „Gesamtheit aller Merkmale eines Zustands oder Objekts im Sinne von Vielschichtigkeit“ definiert ist.10 Da Chaos eine Funktion von Komplexität ist, besagt die Hypothese über die Entwicklung der Märkte, dass die sich steigernde Komplexität auf den Märkten zu einem chaotischen Zustand führt. Deshalb ist die Ursache-Wirkung-Beziehung teilweise außer Kraft gesetzt.
[...]
1 Vgl. Kieser, A. (1996) S.21 ff. sowie Drumm, H.-J. (1996), S. 7 ff.
2 Unter dem Namen „fraktale Fabrik“ wurde das Organisationskonzept ursprünglich für vollautomatisierte Produktionsbetriebe entworfen. Vgl. hierzu Warnecke, H.-J. (1993), S.1 ff.
3 Vgl. Crutchfield, P. / Farmer, J. / Packard, N. / Shaw, R. (1998), S. 12 ff, zur weiteren Vertiefung des naturwissenschaftlichen Ansatzes siehe auch: Ball, P. (1999).
4 Vgl. Bleicher (1995), S. 2514 ff.
5 Vgl. Mandelbrot, B (1987), S. 27, siehe auch Abb.1 im Anhang: grafische Darstellung der Mandelbrot- Menge.
6 Vgl. Warnecke, H.-J. (1993), S. 148, S. 151.
7 Das anfängliche Organisationskonzept der fraktalen Fabrik ging zusätzlich von einer Vollautomatisierung von Produktionsbetrieben aus. Vgl. hierzu Warnecke, H.-J. (1993), S.1 ff.
8 Vgl. Adam et al (1998), S. 83 ff.
9 Vgl. Kühnle, S. 1.
10 Adam, D, (2001) S. 30.
Arbeit zitieren:
Jan Tietmeyer, 2004, Die fraktale Organisation, München, GRIN Verlag GmbH
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