Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Männlichkeitstheorie. 3
2.1. Hegemoniale Männlichkeit. 3
2.2. Geschlechtlicher Habitus. 5
3. Sozialisation und Lebensbewältigung. 7
3.1. Bewältigungsverhalten. 7
3.2. Sozialisation. 9
3.2.1. Entwicklungen sozialen Geschlechts
vor der Pubertät. 9
3.2.2. Die Jugendphase. 10
3.2.3. Jungen und Mädchen. 13
4. Die lads’ 14
4.1. Das Männlichkeitskonzept. 15
4.2. Die Clique. 15
4.3. Verhalten außerhalb der Clique. 16
4.4. Die Familie. 18
5. Die „Turkish Power Boys“ 19
5.1. Türkische Männlichkeit. 19
5.2. Die Familie. 20
5.3. Die Clique. 21
5.4. Verhalten außerhalb der Clique. 22
6. Schlussfolgerungen. 23
7. Die Zukunft des Mannes. 24
Literaturverzeichnis. 26
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1. Einleitung
Während eines Praktikums in einem Jugendzentrum, lernte ich eine große Gruppe russischer und türkischer, vorwiegend männlicher Jugendliche kennen, die man durchaus als „Problemkids“ bezeichnen könnte. Sie verhielten sich laut, aggressiv und verstießen gegen die Regeln des Jugendzentrums. Di eses Verhalten, das scheinbar bei Jugendlichen immer häufiger auftritt, weckte meine Neugier. Es scheint nicht mehr in den mir als normal vertrauten Bahnen von jugendlichem Experimentieren und „Spaß-Haben“ zu verlaufen. Vielmehr steigert sich das normabweichende Verhalten immer weiter. Auffällig ist, dass es vor allem Jungen aus der Hauptschule sind, die so agieren.
In meiner Arbeit möchte ich nun dieses Verhalten und seine Ursachen untersuchen. Ausgehend von den heute anerkannten Geschlechter- und Männlic hkeitstheorien, werde ich die Sozialisation von Jungen und Männern zunächst im Allgemeinen darlegen.
Im Speziellen habe ich dann zwei Arbeiten über Jugendgruppen aus sozial schwachen Milieus gefunden, die ich näher betrachten möchte. Zum einen bezieht sich meine Arbeit auf eine Gruppe von britischen Arbeiterkindern in den 1970er Jahren, die Paul Willis in seinem Buch „ Spaß am Widerstand“ beschreibt. Zum anderen habe ich das Buch „Turkish Power Boys“ von Herrmann Tertilt herangezogen, in dem es um das Leben türkischer Einwandererkinder aus Frankfurt Anfang der 1990er geht.
Ich habe diese beiden Studien ausgewählt, da sie aufgrund von Parallelen, Rückschlüsse auf die Jugendgruppe aus meinem Praktikum zulassen.
2. Männlichkeit
2.1. Hegemoniale Männlichkeit
Unsere westliche Gesellschaft wird von Männern dominiert. Dies ist schon Tausende von Jahren so. Die Geschlechterordnung, wie wir sie heute kennen, entstand jedoch erst mit der industriellen Revolution und ihrer Folgezeit.
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Vor Beginn des 19.Jahrhunderts galt die Frau als mangelhafte Ausgabe des Mannes. Erst mit der Arbeitsteilung, der Trennung von Arbeitsplatz und Haushalt, wurden ihr bestimmte Fähigkeiten, wie Intelligenz und Rationalität, aberkannt. Somit gewährleistete man(n) sich die dominante Position. Im 20.Jahrhundert wurde mit den emanzipatorischen Vorstößen der Frauen am Sockel der männlichen Vorherrschaft kräftig gerüttelt. Doch noch immer ist die Gesellschaft von dieser Geschlechterordnung und seinem dominanten Männerbild geprägt, welches Robert W. Connell die „hegemoniale Männlichkeit“ nennt.
„Geschlecht“ ist zunächst einmal ein gesellschaftliches Konstrukt, um das Alltagsleben zu ordnen. Hierbei geht es um das sogenannte „soziale Geschlecht“, welches in sozialer Interaktion zwischen Individuen entsteht, in Abgrenzung zum „biologischen Geschlecht“, das sich an der körperlichen Ausstattung fest macht. Das soziale Geschlecht differenziert sich nach Connell in drei Dimensionen: Durch Machtbeziehungen, Produktionsbeziehungen (Arbeitsteilung der Geschlechter) und durch emotionale Beziehungsverhältnisse. Weitere strukturierende Faktoren sind zum Beispiel Klassen- und Rassenzugehörigkeit. Es erscheint also unzureichend, nur von einer Männlichkeit zu sprechen. Es gibt nicht die Männlichkeit, sondern mehrere Männlichkeitstendenzen, je nachdem, ob man weiß oder schwarz, Fabrikarbeiter oder Angestellter, hetero- oder homosexuell usw. ist. Zum besseren Verständnis werde ich zwar von der hegemonialen Männlichkeit sprechen, doch meine ich damit hegemoniale Tendenzen der Männlichkeit.
Hegemoniale Maskulinität ist nicht starr, sondern vom historischen Wandel beeinflusst und somit veränderbar. Seine Ausformungen haben sich durch die weibliche Emanzipationsbewegung in den 1970ern stark gewandelt.
Das Hegemoniekonzept sieht Männlichkeit als Handlungspraxis, die in sozialer Interaktion entsteht und in Institutionen, wie Schule oder Arbeitsplatz, gefestigt wird. Zentrales Merkmal ist die heterosexuelle Orientierung seiner Vertreter. Durch dieses Modell verschafft sich das Patriarchat unserer Gesellschaft seine Legitimation, männliche Dominanz und weibliche Unterordnung werden hiermit
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abgesichert. Die Berechtigung zu dieser Geschlechterordnung baut auf dem kulturell erzeugten Einverständnis der Unterdrückten auf. Nur in extremen Fällen der Gefährdung wird Gewalt zur Sicherung dieser Herrschaftsstellung angewandt. Das soziale Geschlecht definiert sich aber nicht nur aus der Interaktion zwischen Mann und Frau, sondern auch durch innergeschlechtliche Interaktion. Nach den Statusmerkmalen Macht und Autorität werden Männergruppen über- und untergeordnet. So stehen Männer aus sozial niedrigen Bevölkerungsschichten unter denen der Mittel- und Oberschichten. Auch andere Männlichkeitsformen, wie sie zum Beispiel bei Homosexuellen auftreten, werden abgewertet. Ungeachtet der gesellschaftlichen Akzeptanz der hegemonialen Vormachtsstellung, erfüllen nur wenige Männer auch die Normen und Anforderungen diese männlichen Idealbildes. Trotzdem richten sich viele nach diesem und versuchen es in Männerclubs, wie Stammtischtreffen oder Sportvereinen, auszuleben bzw. diesem näher zu kommen. Weiter ziehen sie ihren Nutzen aus der bestehenden Geschlechterordnung (Vorteile im Beruf, höhere Gehälter, etc.), was als die „patriarchale Dividende“(Böhnisch 2004, S.34) bezeichnet wird..
Böhnisch sieht jedoch einen Aspekt von Connells Konzept nicht erklärt: „ Männer stellen [zwar] Dominanzverhältnisse her, werden aber gleichzeitig von den Verhältnissen dominiert“(ebd., S.35). Männer sind also abhängig von Wirtschaft und Staat. Sie sind dem sozialen Druck des Geldverdienens und des Erfolgreich-Seins ausgeliefert. Bei Meuser, der das Hegemonialkonzept mit dem Habituskonzept von Bourdieu erweitert hat, findet sich dieser Aspekt berücksichtigt.
2.2. Geschlechtlicher Habitus
Meusers Theorie des geschlechtlichen Habitus basiert auf Boudieus Habituskonzept. Der Habitus ist für Bourdieu ein „ Erzeugungsprinzip von Strategien, die es ermöglichen, unvorhergesehenen und fortwährend neuartigen Situationen entgegenzutreten“(Bourdieu 1979, S.165). Grundlage für die Ausbildung
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eines spezifischen Habitus ist die Soziallage, also ein bestimmtes Verhältnis von ökonomischem, kulturellem und sozialem Kapital. Jeder, der in eine bestimmte Soziallage hineinwächst, greift dafür typische Verhaltens- und Bewältigungsmuster auf. So wird für jede soziale Lage nur ein bestimmter Habitus geformt.
Das Konzept des geschlechtlichen Habitus versteht „Geschlecht“ als gesellschaftliches Konstrukt, das durch den männlichen bzw. weiblichen Habitus geprägt wird. Dieses wirkt sich auf die jeweilige Persönlichkeitsentwicklung und Lebensgestaltung aus.
Nun stellt sich die Frage, ob es nur einen weiblichen und einen männlichen Habitus gibt. Meuser beantwortet sie mit ja, jedoch legt der jeweilige Habitus nur die Grundprinzipien des geschlechtlichen Handelns fest. Es gibt viele Habitusausprägungen, die nicht nur von sozialem Milieu, Generationszugehörigkeit, biographischer Lebensphase und der familialen Situation abhängig sind, sondern auch wandelbar sind, wenn neue Situationen entstehen. Im doing gender, also dem „Ausleben“ von Geschlecht, manifestiert sich der Geschlechtshabitus. Kern des männlichen Habitus ist die hegemoniale Maskulinität, durch dieses Konzept wird der männliche Habitus erst erzeugt. Nach diesem gerichtet bildet sich die männliche Handlungspraxis, welche dem Externalisierungsprinzip unterliegt. Das Verhalten des Mannes soll sozial dominant und nach außen gerichtet sein. Das Streben nach Macht und die Erfüllung der Anforderungen der ökonomisch ausgerichteten Welt verlangen nach einer Unterdrückung der Gefühle und Bedürfnisse des einzelnen Mannes. Er kann sich diesem Druck nicht entziehen, da er von den anderen Männern und auch von Frauen immer wieder darauf hingewiesen wird. 1 Die emotionale Seite muss verdrängt werden, obwohl Inneres und Äußeres doch stark miteinander verbunden sind. Der Mann kann sich nicht einfach aus der äußeren Welt zurückziehen, um sich auf sein Inneres zu konzentrieren, denn sein Platz in ihr gibt ihm Selbstvertrauen.
Allgemein ist soziale Anerkennung die zentrale Bedingung zur Entwicklung von Identität und Individualität. Aus ihr schöpft der Einzelne Selbstachtung und
1 Zum Beispiel durch Beschimpfungen wie Weichei oder ähnliches.
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Selbstbewusstsein. Diese bilden wiederum die Voraussetzung zur individuellen Handlungsfreiheit.
Gleichwohl entstehen Probleme, wenn soziale Anerkennung ausbleibt, etwa bei beruflichen Misserfolgen. Frauen können sich diesem Erfolgsdruck eher entziehen, als Männer. Die Frau kann sich in Krisensituationen auf ihre biologisch gegebene Fähigkeit, Leben zu erschaffen zurückgreifen. Aus dieser ziehen sie ein Mindestmaß an Selbstwertgefühl. Dabei muss sie nicht einmal Kinder bekommen, sondern die bloße Möglichkeit dazu reicht aus. 2
Der Mann dagegen fürchtet sich vor Hilflosigkeit, Schwäche und Verwundbarkeit. Diese Angst übertragt er auf die Frau, welche für ihn diese Schwäche symbolisiert. Aus der Abwertung der Frau und deren Unterordnung zieht er seine Selbstachtung. Heute lassen sich Frauen jedoch nicht mehr ohne weiteres unterordnen Deshalb wird die Angst der Männer verstärkt auf andere Gruppen übertragen, woraus sich unter anderem Rassismus erklärt.
Um nun mit der ständigen Spannung zwischen Dominanz und Verfügbarkeit, zwischen Abwehr und Sehnsucht nach offener Emotionalität leben zu können, muss der Mann lernen die Balance dazwischen zu finden.
3. Sozialisation und Lebensbewältigung
3.1. Bewältigungsverhalten
Böhnisch sieht im doing gender eine Art von Lebensbewältigung.
Wie schon erwähnt, ist soziale Anerkennung sehr wichtig für die psychische Ausbildung von Selbstachtung und Selbstbewusstsein. Denn daraus ergibt sich die Voraussetzung für individuelle Handlungsfreiheit. Das streben nach Handlungsfreiheit ist triebdynamisch festgelegt. Diese Triebkräfte schöpfen sich aus den anthropologisch rückgebundenen Grundtrieben des Menschen:
2 Daher trifft Unfruchtbarkeit Frauen besonders schwer.
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Arbeit zitieren:
Katharina Albrecht, 2005, Sozialisation und Männlichkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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