Ruhr-Universität Bochum
Institut für Pädagogik
Hauptseminar: Geschlechtersozialisation in der Schule
Interaktion in der Schule
von: Anja Schwarz
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Geschlechtsspezifische Sozialisation und Geschlechterstereotype 5
3. Geschlechtszugehörigkeit und die Auswirkungen 8
4. Unterschiede in der LehrerInnen–SchülerInnen–Interaktion 10
5. Folgen geschlechtsspezifischer Sozialisation 12
6. Fazit 14
7. Literaturverzeichnis 15
1. Einleitung
In der folgenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit geschlechtsspezifischen Tendenzen in der LehrerInnen–SchülerInnen– Interaktion, und versuche darzulegen, dass geschlechtsspezifische Unterschiede vorhanden sind. Die Ursache für diese Unterschiede stellt die geschlechtsspezifische Sozialisation dar, d.h. dass Jungen und Mädchen verschieden sozialisiert werden. Bei den Sozialisationsprozessen spielen die Sozialisationsinstanzen, wie beispielsweise die Familie und die dort vorhandenen Geschlechterstereotype, eine nicht unwesentliche Rolle. Diese Geschlechterstereotype werden teilweise bewusst, aber viel häufiger unbewusst weitergeleitet.
Das Verhalten von Kindern wird nicht nur durch das vorgelebte Verhalten der Eltern, sondern unter anderem auch durch geschlechtsspezifisches Spielzeug beeinflusst, und verursacht somit eine Rollenverteilung. Mädchen werden beispielsweise durch Puppen und Kinderwagen schon auf ihre spätere Mutterrolle vorbereitet. Eine weitere Rollenverteilung findet ebenfalls in den Medien statt. Hier werden „typisch männliche“ Spielzeuge, wie Spielzeugautos, durch Jungen und „typisch weibliche“ Spielzeuge, wie Barbiepuppen, durch Mädchen beworben.
An diesen Beispielen lässt sich gut erkennen, dass die gesamte Gesellschaft stark von Geschlechterstereotypen durchdrungen ist, und folglich ein Abbau dieser lang gefestigten Stereotype enorm erschwert und verzögert wird. Hinzu kommt, dass von einem Großteil der Gesellschaft der Abbau der gefestigten Geschlechterstereotype gar nicht erwünscht ist. Einen weiteren erschwerenden Faktor stellt das unbewusste Weiterleiten dieser Stereotype dar. Während des Seminars haben wir im Plenum häufig festgestellt, dass jeder verschiedene Geschlechterstereotype „im Kopf hat“, ob er/ sie möchte oder nicht, und diese dementsprechend vertritt, bzw. lebt, und somit auch im Alltag vermittelt und weiterleitet, bewusst, meist aber unbewusst. Am Ende dieser Arbeit versuche ich Möglichkeiten für die Überwindung dieser Geschlechterstereotype aufzuzeigen. Die Problematik der Geschlechterstereotype gilt es aufzuzeigen, zu erkennen und anschließend auszuräumen. Zunächst muss ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass die geschlechtsspezifische Sozialisation überhaupt ein Problem darstellt.
2. Geschlechtsspezifische Sozialisation und Geschlechterstereotype
Jeder Mensch durchläuft mit Beginn des Lebens, also nach seiner Geburt verschiedene Sozialisationsinstanzen. Der Sozialisationsprozess beginnt in der Familie durch die Eltern, Großeltern und Geschwister. Hurrelmann legt den Begriff der Sozialisation wie folgt fest: „Im heute allgemein vorherrschenden Verständnis wird mit Sozialisation der Prozess der Entstehung und Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit in Abhängigkeit von und in Auseinandersetzung mit den sozialen und den dinglich-materiellen Lebensbedingungen verstanden, die zu einem bestimmten Zeitpunkt der historischen Entwicklung einer Gesellschaft existieren. Sozialisation bezeichnet den Prozess, in dessen Verlauf sich der mit einer biologischen Ausstattung versehene menschliche Organismus zu einer sozial handlungsfähigen Persönlichkeit bildet, die sich über den Lebenslauf hinweg in Auseinandersetzung mit Lebensbedingungen weiterentwickelt.“1
Der Sozialisationsprozess vollzieht sich unbewusst. Es gibt Untersuchungen die belegen, dass Erwachsene schon bei Säuglingen geschlechtsspezifische Erwartungen und Überzeugungen aufweisen und dementsprechend einen geschlechtsspezifischen Umgang pflegen.2 Während Jungen im Alter von 19- 24 Monaten im Sozialverhalten mehr Durchsetzungsvermögen zeigen sind Mädchen in diesem Alter eher schüchtern und zurückgezogen. Dieses Verhaltensmuster setzt sich im weiteren Leben fort3 und wird somit auch erwartet. Hier lässt sich ein erstes Beispiel für Geschlechterstereotype ableiten: „Jungen sind stark und setzen sich durch. Mädchen sind schüchtern und halten sich zurück.“ An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass Väter beispielsweise ihren Söhnen doppelt so viel Aufmerksamkeit widmen, wie ihren Töchtern und die Söhne in „typisch männlichem“ Rollenverhalten enorm bestärken.
[...]
1 Hurrelmann 2001, S.14
2 vgl. Bilden 1991, S. 282
3 ebd.
Arbeit zitieren:
Anja Schwarz, 2003, Interaktion in der Schule, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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