2 WS 1998/99 Abschlußarbeit i.G. 7.2
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort .......................................................................................................................................... 3
2. Einleitung und Problemstellung .................................................................................................. 3
3. Ethik im Journalismus ...................................................................................................................4
3.1. Der systemtheoretische Ethikansatz von Rühl/Saxer......................................................................................... 8 3.1.1. Der journalistische Ethikbedarf aus systemtheoretischer Betrachtungsweise ............................... 9 3.1.2. Theoretische Grundlagen einer funktional-systemrationalen Ethiktheorie................................... 12 3.1.3. Kritik am systemtheoretischen Ethikansatz ............................................................................................ 17
3.2. Der individual-ethische Ansatz nach Boventer..................................................................................................20 3.2.1. Grundlegung einer Ethik der Verantwortung im Journalismus ........................................................20 3.2.2. Kritik am individual-ethischen Ansatz..................................................................................................... 24
3.3. Weitere Ansatzpunkte für eine Ethik des Journalismus .................................................................................. 26
4. Literaturverzeichnis .....................................................................................................................31
Abbkürzungsverzeichnis
ders.
dies.
etc.
f.
ff.
Hrsg.
hrsg.
Jg.
PKW S.
u.a.
usw.
vgl.
z.T. zum Teil
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1. Vorwort
Diese Arbeit wurde im Rahmen der Übung 7.2. erarbeitet, die von Frau Mag. Petra Herczeg im Wintersemester 1998/99 geleitet wurde. Die Aufgabenstellung war, das selbstge- wählte Thema „Ethik und Journalismus“ wissenschaftlich zu behandeln und auszuarbeiten. Dies um es eventuell vor der Gruppe zu präsentieren (wenn wir noch Zeit dafür haben). Das Ziel meines Bemühens war im wesentlichen meinen Kollegen das überaus komplexe, jedoch spannende und packende Gebiet der Ethik im Bereich des Journalismus, das jeden später in seinem Beruf in irgendeiner Form beschäftigen wird, näherzubringen. Dies ist mir wichtig festzustellen, da wir viel Energie und Zeit in eine verständliche Aufbereitung sowie eine nachvollziehbare Form investiert habe. Ich hoffe, ich habe mein gesetztes Ziel, unsere Kollegen mit dieser Thematik vertraut zu machen, erfüllt.
2. Einleitung und Problemstellung
Was darf Journalismus? Wo liegen die Grenzen seines Handelns? Wie kann er sein Verhalten – sein Tun und Unterlassen – vor der Öffentlichkeit legitimieren? Dies sind wohl die zentralen Fragen, die eine journalistische Ethik zu beantworten hat. Es geht hier darum, den Journalismus selbst in den Mittelpunkt der ethischen Reflexion zu stellen. Diese Fragestellungen werden jeden von uns in der Realität früher oder später treffen und es bleibt uns nicht erspart, darüber nachzudenken und zumindest für uns selber Antworten parat zu haben. Diese Arbeit soll anhand von Theorien eine „rote Richtschnur“ für diese Thematik legen, die wenn nötig anhand der zusammengestellten Literatur vertieft werden kann (Bei dieser Arbeit wurde viel Energie bei der Suche der Literatur verwendet). Nach einer kurzen Einführung werden die zwei wesentlichen Theorien sowie deren Kritiken und im Anschluß weitere Konzepte dargelegt.
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3. Ethik im Journalismus
Der Journalist, der Skandale aufdeckt, er, der Politiker hochlobt und wieder fallen läßt,
er, der vorgibt für die Interessen der Öffentlichkeit zu sprechen – er sitzt nun selbst immer öfter
auf der Anklagebank: Ob es nun die Berichterstattung des „Spiegel“ über den Tod des
mutmaßlichen Terroristen Grams ist oder die tägliche Emotionalisierung von Verbrechen in
Boulevardblättern, die damit das „gesunde Volksempfinden ansprechen wollen – der
Journalismus ist selbst in einem gewissen Maße zum „Skandal im Skandal“ geworden. 1
Gründe für diese Entwicklung können vor allem in den folgenden Ursachen gesehen werden:
die Kommerzialisierung der Mediensysteme und der damit verbundene wachsende
Konkurrenzdruck haben zum Kampf um hohe Auflagezahlen Einschaltquoten und Reichweiten geführt, welche die Basis für steigende Anzeigen- und Werbeerlöse bilden;
die zunehmenden Konzentrationsprozesse in den Mediensysteme führen zum Entstehen
von immer größeren Medienorganisation derer es durch weitreichende Arbeitsteilung zu einer „Anonymisierung der Verantwortung“
2
kommt;
der Wandel des journalistischen Berufsverständnises, der dazu geführt hat, daß sich
Journalisten immer mehr als „vierte Gewalt“ im Staate sehen;
3
der steigende Aktualistätsdruck der vor allem durch Live- im Rundfunk höchste
Anforderungen an die Journalisten stellt;
die oft mangelhafte journalistische Ausbildung 4 und
das sich verschärfende Konkurrenzdenken im Journalismus, welches sich auf die ständig
wachsenden Journalistenzahlen und dem damit einhergehenden zunehmendem Druck am Arbeitsmarkt zurückführen läßt.
5
1
vgl. hierzu den Sonderteil „Skandale und journalistische Ethik“ in: Medium 2/89, S. 17-58.
2
Weischenberg, Siegfried: „Journalistik – Theorie und Praxis aktueller Massenkommunikation“. S. 177.
3
Persönliches Gespräch mit Günther Fehlinger.
4 Diese Aussage wurde von Herrn Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Langenbucher in der VO i.G. 1.1 getätigt und wurde damals als Begründung für das Studium der PKW angesehen, die zur Professionalisierung führen soll. 5 vgl. Pürer, Heinz: „Ethik in Journalismus und Massenkommundkation. Versuch einer Theorie-Synopse“. S. 309; weiters Weischenberg, Siegfried: „Journalistik – Theorie und Praxis aktueller Massenkommunikation“. S. 177 f.
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Von Bedeutung scheint auch zu sein, daß sich Kommunikation immer noch als eine ein- seitige und indirekte Form der Kommunikation vollzieht 6 und daher der einzelne Journalist mit seinem Gegenüber nicht in einem direkten, gegenseitigen und persönlichen Verhältnis in Beziehung tritt. So hat Arnold Gehlen darauf hingewiesen, daß die Massenkommunikation einer sogenannten „Fern-Ethik“ Bedarf, um der mangelnden journalistischen Verantwortung für die im Gegensatz zur persönlichen Kommunikation nicht sofort erkennbaren Handlungsfolgen und der damit verbundenen sinkenden Bereitschaft sich gegenüber nicht anwesenden Personen ethisch zu verhalten, entgegenzutreten. Auch ergaben zahlreiche empirische Untersuchungen 7 das Resultat, daß Journalisten von sich aus an den Einfluß- möglichkeiten der Massenmedien zweifeln und daher jede moralische Verantwortung für die unbeabsichtigten Folgen derer beruflichen Tätigkeit von vornherein ablehnen. So verwundert es nicht, wenn zahlreiche Journalisten und Verleger in der zunehmenden Forderung, sowohl von im Journalismus tätigen Personen als auch von Außenstehenden, nach ethischen Grundsätzen für journalistischen Handeln nichts anderes als
- eine unzulässige Einschränkung der Pressefreiheit und
- einen nicht gerechtfertigten Eingriff in die unternehmerische Entscheidungsfreiheit 8 sehen.
Durch solche Argumente kann aber die Frage nach der Legitimation journalistischen Handelns nicht beantwortet werden. Vielmehr führt die Erkenntnis, daß Menschen nicht alles machen dürfen, was sie in der Lage sind zu tun, auch im Journalismus zu der Frage nach den
6
vgl. im Gegensatz dazu das Handlungsmodell der Theorie des symbolischen Interaktionismus; vgl. Gottschlich, Maximilian: „Journalismus und Orientierungsverlust. Grundprobleme öffentlich-kommunikativen Handelns“. S. 47 ff; weiters die Sichtweise von Rühl, Manfred: „Journalismus und Gesellschaft“. S. 197 f.
7 vgl. Kepplinger, Hans Mathias. „Angebaßte Außenseiter. Ergebnisse und Interpretationen der Kommunikations- forschung“. In: ders. „Angepaßte Außenseiter. Was Journalisten denken und wie sie arbeiten“. S. 17 ff. 8 vgl. Haller, Michael/Holzhey, Helmut: „Die Fragen nach einer Medienethik“. In: dies. (Hrsg.). „Medien-Ethik“. S. 10 f; weiters auch Ulrich, Peter: „Die neue Sachlichkeit oder: Wie kann die Unternehmensethik betriebswirtschaftlich zur Sache kommen“. S. 414 f.
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„Grenzen der Machbarkeit“. 9 So heiligt auch im Journalist der Zweck nicht alle Mittel, wobei sich dessen Verantwortlichkeit nicht nur auf die Berichterstattung, die stets durch Aktualität. Verantwortlichkeit und allgemeinem Informationsinteresse geprägt sein sollte, bezieht, sondern auch auf die angewandte Arbeitsmethoden bei Recherche und Informations- beschaffung. 10 Die wiedergewonnene Erkenntnis in Bezug auf die Bedeutung von Ethik als Instrument zur Steuerung gesellschaftlicher Prozesse ging von der Einsicht aus, daß weder die Politik und die staatliche Gesetzgebung noch ein allein auf wettbewerbspolitischen Bedingungen aufbauendes Marktverhalten dazu in der Lage ist, das menschliche Zusammenleben in einem erträglichen gesellschaftlichen Rahmen möglich zu machen. 11 Die Öffentlichkeit, gleichsam Zweck des journalistischen Handelns und Recht- fertigungsinstanz dieses Handelns, stellt die Grundlage für die Legitimation des journalistischen Verhaltens – des Tuns und Unterlassens – dar. Der Journalismus hat nicht mehr aber auch nicht weniger zu tun, als den einzelnen in die Lage zu versetzen, sich ethisch und moralisch verhalten zu können. Dem einzelnen Mitglied der Gesellschaft müssen die notwendigen Informationen und Argumente vermittelt werden, die dem einzelnen ermöglichen sollen, sich selbst als Handlungssubjekt und als Bestandteil der Gesellschaft zu begreifen. 12 Nur so ist es möglich der Anonymisierung der Verantwortung entgegenzutreten und die Handlungsträger für die Folgen ihrer Handlungen für die Gesellschaft, Natur, Ökonomie und den Mitmenschen verantwortlich zu machen.
9
vgl. Boventer, Hermann. „Pressefreiheit ist nicht grenzenlos“. S. 41.
10 vgl. Ruß-Mohl, Slephan/Seewald, Berthold: „ Die Diskussion über journalistische Ethik in Deutschland – eine Zwischenbilanz“. In: Haller, Michael/Holzhey, Helmut (Hrsg.). „Medien-Ethik“. S. 25.
11 vql. ebenda, S. 26 f.
12 Hasler, Ludwig. „Die Tugend des Unterlassens“. In: Haller, Michael/Holzhey, Helmut (Hrsg.): „Medien-Ethik“. S. 214 f.
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Grundsätzlich kann in zwei divergierende Ansätze, die sich mit der Thematik der ethischen Selbstverpflichtung im Journalismus auseinandersetzen, unterschieden werden. Dies sind:
einerseits die theoretischen Ansätze, die darauf abzielen, die journalistische Ethik und
Handlungsweise in den gesamtgesellschaftlichen Kontext zu integrieren und andererseits der kasuistische Ansatz
13
, der Fallstudien versucht, spezielle ethische der
journalistischen Praxis zu lösen.
Der letztere Ansatz, die sogenannte Kasuistik, verfolgt das Ziel, professionelle Standards zu operationalisieren, die in der Ausübung der journalistischen Tätigkeit direkt angewendet werden können. 14 Im folgenden soll vor allem aber auf die unterschiedlichen theoretischen Ansätze bedacht werden, die dem Journalismus und seine gesellschaftlicher Funktionen 15 nicht isoliert von dessen betrachten sondern ihm als Bestandteil einer komplexen Gesellschaft begreifen. Im folgenden werden die beiden bedeutendsten divergierenden, im deutschen Sprachraum vertretenen, Ethikansätze – der systemtheoretische Ethikansatz von Manfred Rühl und Ulrich Saxer und der individual-ethische Ansatz, basierend auf der persönlichen Verantwortung des einzelnen, von Hermann Boventer – gegenübergestellt. Es folgt ein kurzer Überblick über weitere Ansatzpunkte, die von einer Ethik im Rahmen des Journalismus berücksichtigt werden müssen.
13
Einen Überblick über verschiedene in der Literatur vertretene kasuistische Ansätze bietet Wild, Claudia: „Ethik im Journalismus“. S. 136-141. Eine Einführung in diese Thematik liefern unter anderem Christians, Clifford G.: „Media Ethics. Cases and Moral Reasoning“.
14 vql. Weischenberq, Siegfried: „Journalistik – Theorie und Praxis aktueller Medienkommunikation“. S. 204. 15 vgl. i.G. 1.1.
Quote paper:
MMag. Philipp Kaufmann, 1999, Ethik und Journalismus, Munich, GRIN Publishing GmbH
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