Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Eine Entstehungsgeschichte der besonderen Art 1
2.1 Mitterands Konzept eines bildungskulturellen Fernsehprogramms 2
2.2 Eine Utopie wird Wirklichkeit 3
2.3 Die Gründungsjahre 4
2.4 Die weitere Entwicklung des Kulturkanals 5
3. Die Programmredaktionen 6
3.1 Themenabende 7
3.2 Musik, Theater, Tanz 7
3.3 Spielfilme 8
3.4 Fernsehfilme 8
3.5 Dokumentationen und Dokumentarfilme 9
3.6 Magazine 9
3.6.1 Das neue „Umwelt-Magazin“ 9
3.6.2 Kunst, die inspirieren soll 10
3.7 Information 10
3.8 Sendeleitung 11
4. Die Sprachbearbeitung 11
4.1 Journalistischer Sprachtransfer 11
4.2 Der Sprachendienst 12
4.3 Deutsch und Französisch: Verkehrs- und Organisationssprachen 13
5. Die Organisationsstruktur. 13
5.1 Rechtsform 13
5.2 Auftrag 14
II
5.3 Die Aufgaben der ARTE- Zentrale in Straßburg 14
5.3.1 Struktur und Organisation der gemeinsamen Zentrale 15
5.3.2 Notwendigkeit der Überprüfung und Steigerung der Effizienz 16
5.4 Die ARTE-Mitglieder in Deutschland und Frankreich 16
5.5 Europäische Partner 18
6. Finanzierung und Budget 19
6.1 Verteilung der Gelder 19
6.2 Rundfunkgebühren und Sponsoring 20
6.3 Der Neubau 21
7. Ausstrahlung und Empfang 22
7.1 Deutschland und Frankreich 22
7.2 Europa 22
8. Das ARTE-Image 23
9. Preise und Auszeichnungen 25
10. Schlussbemerkung 26
11. Literatur- und Quellenverzeichnis 30
III
1. Einleitung
„ARTE will Menschen einander näher bringen, Neugierde wecken für das Fremde und Unbekannte; Hintergründe ausleuchten und Zusammenhänge in ein neues Licht setzen.“ 1 Es war ein steiniger Weg, den ARTE - nachdem die Idee zu einem Europäischen Kulturkanal geboren worden war - bis heute gegangen ist. Doch mit Kreativität und Innovationskraft hat man es geschafft, das Programm zu etablieren. Das Erfolgsrezept des Senders beruht auf seinem einzigartigen Auftrag: Im historischen Prozess der europäischen Einigung will ARTE mit einer kreativen Fernsehkultur zur Bildung einer europäischen Identität beitragen. In meiner Hausarbeit möchte ich ARTE vorstellen, i ndem ich zuerst die Geschichte des Senders skizziere, bevor ich anschließend auf die einzelnen Programmredaktionen und die Sprachbearbeitung eingehe. Danach gebe ich einen Überblick über die Organisationsstruktur, die Finanzierung und das Budget. Im letzten Teil meiner Arbeit soll es um die Ausstrahlung und den Empfang in Deutsch-land, Frankreich und Europa gehen, weiterhin um das ARTE-Image und zuletzt um Preise und Auszeichnungen.
2. Eine Entstehungsgeschichte der besonderen Art
Im vergangenen Jahr hatte ARTE mehrfachen Grund zum Feiern. Am 30. April beging der Sender sein zehnjähriges Gründungsjubiläum, außerdem wurde nur wenige Tage später der Grundstein für den neuen Gesellschaftssitz 2 und damit für eine neue Etappe ge legt, wo die Weichen für eine Weiterentwicklung zu einem europäischen Ganztagsprogramm gestellt werden sollen. Inzwischen hat man sich in Deutschland und Frankreich fest etabliert und ist „in ganz Europa zum Synonym für kreatives Qualitätsfernsehen“ 3 geworden. Anfangs schien es fraglich, ob sich ein deutsch- französisches Qualitätsprogramm dauerhaft in beiden Ländern würde etablieren können. Dieses Projekt
1 Vgl. Broschüre „ARTE - Der Europäische Kulturkanal“, Seite 3
2 Dieser wird sich nach wie vor in Straßburg befinden.
3 Vgl. Broschüre „ARTE - Der Europäische Kulturkanal“, Seite 3
1
erschien vielen als pure Utopie. Zu unüberwindlich schienen die kulturellen Unterschiede und die Sehgewohnheiten beiderseits des Rheins.
2.1 Mitterrands Konzept eines bildungskulturellen Fernsehprogramms
Angefangen hat alles am 13. Februar 1984. Der damalige französische Staatspräsident Francois Mitterrand wollte sein Konzept eines bildungskulturellen Fernsehprogramms verwirklichen. Er bat das Collège de France (CdF) um einen Verbesserungsvorschlag für das Bildungssystem, das sowohl den „sozialen und technologischen Veränderungen“ als auch der „Wissenssteigerung über alle Kulturen“ Rechnung tragen und gr undsätzlich die Jugendlichen mit dem „modernen Instrumentarium des Denkens, des Ausdrucks und des Handelns“ vertraut machen sollte. „Daraufhin unterstellten die Professoren unter der Leitung des Soziologen Pierre Bourdieu und des Historikers und Mitglieds der Académie Francaise Georges Duby 4 dem Massenmedium Fernsehen im guten und schlechten Sinne einen großen Einfluss auf das Bildungsniveau der Gesellschaft und schlugen promt vor, eine Art ‚chaîne de télévision culturelle‘ zu gründen, an der die Wissenscha ft maßgeblich beteiligt werden sollte.“ 5 Die Hochschullehrer wollten das Massenmedium Fernsehen als Grundlage für eine kontinuierliche Ausbildung durch populärwissenschaftlich aufbereitete Sendungen zu den unterschiedlichsten Wissensgebieten nutzen, um schulbegleitend ein kulturelles Umfeld für die Lernenden zu schaffen.
Unvereinbar mit dem Konzept Mitterrands war der Vorschlag des französischen Kulturpolitikers und damaligen Direktors des avantgardistischen und elitärkulturellen ‚Festival d’Automne de Paris‘, Michel Guy, der alle staatlich verantworteten TV-Vollprogramme privatisieren und aus dem National- und Regionalfernsehen FR 3 (heute France 3) einen Kulturkanal machen wollte. Ab dem 2. Januar 1986 beauftragte dann Bernard Faivre d’Arcier 6 die Nationa l- und Regionalfernsehanstalt FR 3 damit, in Anlehnung an die inhaltlichen und organisatorischen Ideen von Mitterrand und Guy, ein durch Rundfunkgebühren getragenes Tochterunternehmen zu gründen.
4 Duby lebte von 1919 bis 1996.
5 Vgl. Hahn, Seite 214
6 Er war zu diesem Zeitpunkt Direktor des Theater-Festivals von Avignon, Theater-Direktor im französi-
schen Kulturministerium und Vertrauter des damaligen französischen Premierministers Fabius.
2
2.2 Eine Utopie wird Wirklichkeit
Am 27. Februar 1986, in einer Zeit der Deregulierung des französischen Rundfunkmarktes und dessen auch internationalen Öffnung für privat-kommerzielle Programmanbieter infolge der Medienpolitik der regierenden französischen Sozialisten, wurde unter dem Vorsitz von Georges Duby und Bernard Faivre d’Arcier die französische Produktionsgesellschaft für Fernsehprogramme La SEPT 7 als einzige neue staatliche Rundfunkorganisation gegründet. Ihren Sitz hatte sie in Paris. Gesellschafter waren und sind heute noch der öffentlich-rechtliche Sender FR 3 mit 45 Prozent der Anteile, der französische Staat mit 25 Prozent der Anteile, die französische staatliche Hörfunkgesellschaft Radio France und das französische staatliche Dokumentations- und Archivinstitut Institut National de l’Audiovisuel (INA) mit jeweils 15 Prozent des Aktienkapitals. Zur Hauptaufgabe hatte man sich den Kauf von Produktionen, die Koproduktion und Kofinanzierung mit weniger internationalen, aber überwiegend nationalen privatkommerziellen und auch staatlichen Produktionsgesellschaften gemacht. Mit einer eigenen Fernsehphilosophie wollte und will man sich, so Hahn, von der industriellen Fernsehmassenproduktion absetzen und eine neue televisuelle Kreativität und Kunst mit sehr hohem ästhetischen, intellektuellen und experimentellen Anspruch fördern.
Ein Jahr später war es Lothar Späth 8 , der sich beauftragt fühlte mit Frankreich Verhandlungen über einen Europäischen Fernseh-Kulturkanal zu führen. Doch sie verliefen sehr schleppend. Wiederum ein Jahr danach wurde in Deutschland eine Arbeitsgruppe mit dem Namen „Europäischer Kulturkanal“ eingerichtet, die aus dem damaligen Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth, dem Rheinland-Pfälzischen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel sowie Hamburgs Erstem Bürgermeister Klaus von Dohnany bestand. Die deutsche und die französische Seite erklärten sich daraufhin bereit, die Voraussetzungen für die Gründung eines derartigen Kanals mit Sitz in Straßburg als Vorstufe eines europäischen Kulturfernsehens zu prüfen. Die anschließenden Vorbereitungen für dessen Geburt waren geprägt von Diskussionen unter anderem über
7 La SEPT = Société d’Edition de Programmes de Télévision. Der Name ist zugleich eine Bezeichnung
für den neuen siebten französischen Fernsehkanal und eine Anspielung auf dessen eigenen Anspruch,
Kinofilme als so genannte „Siebte Kunst“ zu fördern.
8 Er war 1987 deutscher Ministerpräsident für Kulturbeziehungen mit Frankreich im Rahmen des Vertra-
ges zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der F ranzösischen Republik über die deutsch-
französische Zusammenarbeit.
3
die Programmgestaltung und -präsentation und die Sendetechnologie. Schwerwiegende Fehler, die man bei früheren, unausgereiften paneuropäischen Fernsehprojekten g emacht hatte, wollte man vermeiden.
2.3 Die Gründungsjahre
„Der massive Druck, mit dem Frankreich die BRD zunächst zu einer Beteiligung an La SEPT beziehungsweise später zum Aufbau einer neuen, gemeinsamen paritätisch strukturierten und organisierten Sendeanstalt drängte, hatte verschiedene Gründe: zum einen die gemeinsame, allgemeine kulturelle und ökonomische Stärkung der audio- und televisuellen Industrie Europas gegen die Konkurrenz aus den USA und Japan und zum anderen die finanzielle Unterstützung oder Konsolidierung der über La SEPT zu fördernden Fernsehprogrammindustrie Frankreichs [...].“ 9
Nachdem sich die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Deutschlands (ARD) und das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF), die außerdem vertraglich fixierte Garantien wie Staatsunabhängigkeit, Programm- und Verwaltungsselbstbestimmung und die Option der Beteiligung anderer europäischer öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten forderten, und La SEPT geeinigt hatten, unterschrieben beide Lä nder 10 am 2. Oktober 1990 einen völkerrechtlichen zwischenstaatlichen Vertrag. Dieses Papier bildete die Grundlage für den Europäischen Kulturkanal, der „in seiner Entstehungsphase (weniger in seiner Startphase) heftig und destruktiv kritisiert“ 11 wurde. Der Vertrag, dem insgesamt zehn Entwürfe aus Deutschland und Frankreich vorausgegangen waren, machte den Kanal zu einem medienrechtlichen Novum. Er garantiert ein vom nationalen Medienrecht befreites trans- oder supranationales kulturorientiertes TV-Programm, das einerseits öffentlich-rechtlich oder staatlich verantwortet und das andererseits als Gesellschaft privatrechtlich organisiert ist.
9 Vgl. Hahn, Seite 236
10 Auf deutscher Seite unterzeichneten den Vertrag die elf Ministerpräsidenten der „alten“ Bundesländer,
auf der französischen waren es der damalige sozialistische Kulturminister Lang und die damalige sozialis-
tische Kommunikationsstaatsministerin Tasca.
11 Vgl. Hahn, Seite 240
4
Den nächsten Schritt hin zum Kulturkanal stellte im März 1991 die Gründung der AR-TE Deutschland TV GmbH dar - der deutschen Koordinierungsstelle im Baden-Würtembergischen Baden-Baden. Nur anderthalb Monate später wurde unter Abwesenheit der beiden Förderer Helmut Kohl und Francois Mitterrand im Straßburger Rathaus der Vertrag über die Gründung des Europäischen Kulturkanals unter dem Namen AR-TE 12 unterschrieben. 13 Damit wurde die 27 Monate dauernde Verhandlungsphase beendet. Das erste Mal auf Sendung ging ARTE am 30. Mai 1992, und damit änderten die deutschen Medien ihre Meinung und das Programm wurde gelobt. Auf französischer Seite dage gen wurde der Kanal zur Zeit seiner Gründung nicht gescholten und eher unterstützt. Später, in seiner Startphase, wurde er in der öffentlichen Meinung Frankreichs um so bissiger gerügt. Gründe dafür waren die Ausstrahlung der französischen Sendesprachversion über die fünfte landesweite terrestrische Frequenz 14 und der deutsche Programmbeitrag zu ARTE, resultierend aus der unterschiedlichen Auffassung von Journalismus, anderen Fernseh-Gewohnheiten und dem entgegengesetzten (Fernseh-) Kulturbegriff.
2.4 Die weitere Entwicklung des Kulturkanals
Am 27. Dezember 1993 änderte der französische ARTE-Pol, La SEPT, offiziell seinen Namen in La SEPT (-ARTE) um. Und erst im Jahr 2000, als La SEPT (-ARTE) nicht in die geplante Medien-Holding der französischen öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten integriert wurde, gab sich der Sender den Namen ARTE France. Ursprünglich war ARTE als ausschließlich bilaterales TV-Experiment von Deutschland und Frankreich mit deutsch- französischer Programmfokussierung konzipiert worden. Trotzdem geben sowohl der völkerrechtliche zwischenstaatliche Vertrag von 1990 als auch der ARTE-Gründungsvertrag von 1991 die Möglichkeit, andere europäische öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten - sofern diese die vorgegebenen Strukturen (zum Beispiel Finanz-, Organisations- und Stellenpolitik) akzeptieren und sofern diese einem
12 Akronym für Association Relative à la Télévision Européenne
13 Die 33 Artikel des ARTE-Gründungsvertrages beziehen sich zum Teil auch auf den völkerrechtlichen
zwischenstaatlichen Vertrag.
14 Die Folgen der Zuschauerentrüstung waren geringe Einschaltquoten und noch vernichtendere Marktan-
teile. Es wurde auch als „Antisystem innerhalb des Systems“ bezeichnet.
5
Arbeit zitieren:
Susanne Richter, 2002, Der europäische Fernseh-Kulturkanal ARTE - Konzept, Organisationsstruktur und Erfolgsrezept, München, GRIN Verlag GmbH
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