2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Die Entwicklung der Symboltheorie von Alfred Schütz. 4
2.1. Der Bezug auf Edmund Husserls Begriff der Appräsentation. 5
2.2. Die Anwendung der Theorie Henri Bergsons. 6
2.3. Alfred Schütz drei Grundsätze des Strukturwandels. 8
3. Die Zentralbegriffe in Alfred Schütz Symboltheorie. 9
3.1. Anzeichen. 9
3.2. Merkzeichen. 10
3.3. Zeichen. 10
3.3.1. Der Transzendenzbegriff. 11
3.3.2. Typen von Zeichen. 12
3.4. Symbole. 12
3.4.1. Die Besonderheiten des Symbols. 14
4. Die Rezeption Alfred Schütz Symboltheorie. 15
4.1.Thomas Luckmanns Rezeption der Schützschen Symboltheorie. 15
5. Zusammenfassung. 18
6. Literaturverzeichnis 20
1. Einleitung
Der Begriff des Symbols ist in Bernhard Schäfers Grundbegriffe der Soziologi 2 e auf rund zwei Seiten erklärt. Dabei fallen die Namen verschiedenster Soziologen und ihre individuellen Definitionen des Symbols werden in kürzester Fassung angesprochen. Auch hier fällt auf, dass es in der Soziologie keine einheitliche Definition des Symbols gibt, sondern jeder Autor seinen eigenen Symbolbegriff entwickelt und in seiner Theorie verwendet. Dadurch entsteht die große Fülle unterschiedlicher Definitionen des Symbolbegriffs.
Alfred Schütz ging auf diese Problematik der vielen verschiedenen Symboldefinitionen in seinem Buch Symbol, Wirklichkeit und Gesellschaft sowie in seinem als Lebenswerk geplanten Strukturen der Lebenswelt ein. Das zweite Buch konnte er auf Grund seines plötzlichen Todes jedoch nie selbst fertig stellen, deshalb soll in dieser Arbeit hauptsächlich auf sein früheres Werk eingegangen werden. 3 Schütz stellt fest, dass es „eine Reihe von Begriffen wie ´Merkzeichen`, ´Anzeichen`, ´Zeichen`, ´Symbol`usw., [gibt] die sich jedem Versuch, auch der bedeutendsten Denker, sie genau zu definieren, entziehen.“ 4 Einig schienen sich die Soziologen lediglich darüber zu sein, dass der Mensch Symbole nutzt und mit ihnen denkt, jedoch erkannte Schütz bei ihnen keine übereinstimmende Meinung darüber, „wo im menschlichen Denken der so genannte Prozess der Symbolisierung einsetzt.“ 5 Eine Untersuchung der verschiedenen Theorien, die sich mit symbolischen Verweisungen
1 Hülst, Dirk 1999: Symbol und soziologische Symboltheorie. Untersuchungen zum Symbolbegriff in
Geschichte, Sprachphilosophie, Psychologie und Soziologie, Opladen: Leske + Budrich, S. 53 (Der Text
dieser Hausarbeit ist in der neuen Rechtschreibung verfasst, Zitate werden jedoch originalgetreu
übernommen)
2 Schäfers, Bernhard (Hg.) 1995: Grundbegriffe der Soziologie, 4. Auflage, Opladen: Leske + Budrich, S.
356
3 Thomas Luckmann übernahm die Fertigstellung des Buches durch Schütz` Aufzeichnungen, jedoch war
es ihm natürlich nicht möglich, Schütz` Gedankengänge exakt nachzuzeichnen.
4 Schütz, Alfred 1971: Das Problem der sozialen Wirklichkeit. Gesammelte Aufsätze Band 1, Den Haag:
Nijhoff, S. 331
5 Schütz 1971, S. 332
4
befassen, bezeichnet Schütz als verwirrend und er weist darauf hin, dass die Probleme der einheitlichen Behandlung nicht nur in der Terminologie auftreten, sondern auch inhaltlich gegeben sind.
Alfred Schütz entwickelt zahlreiche Fragen zum Symbolbegriff, die er in seinem Buch zu klären versucht. Als erstes will er sich dabei der Frage zuwenden, „wie es dazu kommt, daß in der Umgangssprache wie auch in der philosophischen Diskussion so viele verschiedenartige Ideen sich um eine Reihe von Begriffen gehäuft haben, [...] die alle zeichenhafte oder symbolische Verweisungen erfassen sollen.“ 6 Darüber hinaus beabsichtigt Schütz, die gemeinsamen Merkmale der unterschiedlichen Begriffsbildungen fest zu stellen. Außerdem will der Soziologe zeigen, dass der Mensch mittels Zeichen und Symbolen mit den Erfahrungen der so genannten Transzendenz fertig wird. Er stellt die These auf, „daß jeder dieser Formen der Transzendenz auch eine spezifische Form von Appräsentationsbeziehung entspricht [...]. Allen ist eines gemeinsam: sie werden innerhalb der Wirklichkeit des Alltags erfahren.“ 7
In dieser Hausarbeit soll vorgestellt werden, wie Schütz seine eigene Symboltheorie mit der angesprochenen These entwickelt. Es wird darauf eingegangen, welche Soziologen Einfluss auf ihn hatten und auf welche Theorien er sich stützt. Die Zentralbegriffe Schütz` Symboltheorie sollen im weiteren Teil genannt und erklärt werden. Schließlich geht es um die Rezeption der Schützschen Symboltheorie: es soll ein kleiner Einblick gegeben werden, ob beziehungsweise welche Soziologen auf diese Theorie zurückgriffen.
2. Die Entwicklung der Symboltheorie von Alfred Schütz
Alfred Schütz erscheint es, dass verschiedene Deutungsschemata auf das gleiche Grundphänomen angewandt werden und dadurch die zahlreichen strittigen Ansichten zustande kommen. Also setzt er sich zum Ziel, bestimmte Grundsätze zur symbolischen Verweisung zu entdecken, die bei der Diskussion weiterer spezifischer Probleme nützlich sein könnten. Bei dem angesprochenen Grundphänomen handelt es sich nach Schütz` Ansicht „um das von Husserl untersuchte Problem der
6 Schütz 1971, S. 337
7 Schütz 1971, S. 338f.
5
Appräsentation. Im übrigen sollen Husserls Thesen mit Bergsons Theorie der vielfältigen Bereiche (´Ordnungen`) in Beziehung gesetzt werden.“ 8
2.1. Der Bezug auf Edmund Husserls Begriff der Appräsentation
Als gemeinsamen Nenner der zahlreichen verschiedenen Symboltheorien nennt Schütz, dass der Gegenstand oder die Gegebenheit, die man Zeichen oder Symbol nennt, auf etwas anderes als sich selbst hinweist. Als Beispiel wird hier R auch genannt. Wird Rauch nicht nur als physisches Ding betrachtet, so steht es als Anzeichen für Feuer. Der Rauch und das Feuer bilden in diesem Fall also ein Paar. Edmund Husserl untersuchte das Phänomen der Paarung und fand heraus, dass es ein allgemeines Merkmal des Bewusstseins ist. Eine besondere Art der Paarung, für die sich auch Schütz interessierte, nannte er Appräsentation, was hier vorläufig mit dem Begriff Mitvergegenwärtigung umschrieben werden kann. „Der einfachste Fall der paarenden Assoziatio n ist durch die Tatsache gekennzeichnet, daß zwei oder mehrere Daten intiutiv in der Einheit des Bewußtseins gegeben sind, welches hiermit zwei getrennte Phänomene als Einheit konstituiert, unabhängig davon, ob man sich ihnen zuwendet oder nicht.“ 9 Im Bezug auf den Rauch und das Feuer würde dies bedeuten, dass diese sich immer in unserem Bewusstsein als Einheit festsetzen - auch wenn man sich ihnen nicht zuwendet. Durch die Appräsentation erfährt der Mensch also etwas so, dass es ein anderes abbilde oder andeute.
Bei diesem Beispiel ist das appräsentierte dem appräsentierenden Glied des Paares mitgegeben. Jedoch ist dies nur ein Sonderfall. Husserl wies darauf hin, dass eine Paarung auch zwischen einer aktuellen Wahrnehmung und einer Erinnerung sowie einer P hantasievorstellung möglich ist. Bei diesen „passive[n] Synthesen der Assoziation“ 10 wird das jeweilige appräsentierte Element sozusagen geweckt oder hervorgerufen. Als Beispiel soll hier der Duft eines Parfüms genannt werden, der die Erinnerung an eine bestimmte Person aufsteigen lässt. Auch wenn wir dies gar nicht möchten, passiert es trotzdem, daher spricht Edmund Husserl auch von der passiven Synthese.
Das appräsentierte Glied kann eine Gegebenheit oder ein Ding sein, das von der Person nicht unmittelbar wahrgenommen werden kann, es kann aber auch etwas Geistiges oder Nicht-Materielles sein. Es kann auch eine Phantasievorstellung sein.
8 Schütz 1971, S. 338
9 Schütz 1971, S. 340
10 Schütz 1971, S. 342
6
Das appräsentierte Glied kann dem appräsentierenden vorausgehen oder auch folgen, Husserl bezieht auch die Möglichkeit ein, dass es zeitlos sein kann. „So weit Husserl. Es scheint uns, daß Husserls Theorie der Appräsentation alle Fälle der zeichenhaften und symbolischen Verweisungen [...] trifft.“ 11 Alfred Schütz bezieht sich allerdings nicht nur auf Edmund Husserl, sondern greift zugleich auf die Theorie der vielfältigen Ordnungen von Henri Bergson zurück.
2.2. Die Anwendung der Theorie Henri Bergsons
Alfred Schütz weist darauf hin, dass jeder Gegenstand einer Verweisungsbeziehung nicht als isoliertes Ding begriffen wird, sondern dass er immer einem Bereich (einer Ordnung) angehört. Das bedeutet, dass „die Appräsentationsverweisung eine Beziehung innerhalb oder zwischen zwei (oder mehreren) Ordnungen her[stellt]: die Fahne als physisches Objekt (Tuch) verweist auf den Staat als politischen Gegenstand, eine chemische Formel verweist als mentales Zeichen (H 2 O) auf die anorganische (oder organische) Natur.“ 12 Damit handelt es sich bei der Appräsentationsverweisung immer um ein Verhältnis zwischen mehreren Bereichen (Ordnungen). Alfred Schütz unterscheidet innerhalb jeder Appräsentationsverweisung zwischen vier verschiedenen Schemata, die im folgenden kurz erläutert werden: 1) Das Apperzeptionsschema : dieser Bereich bezeichnet den Bereich der Gegenstände, zu dem der appräsentierende/symbolisierende Gegenstand gehört. Hier wird er nur als er selbst erfasst und es wird von jeglicher Nebenbedeutung (der Appräsentationsverweisung) abgesehen. Zum Beispiel wird die Fahne als Tuch oder Stoffstück erfasst.
2) Das Appräsentationsschema : Gegenständ e in diesem Bereich werden nicht als sie selbst erfasst, sondern als Glied eines appräsentativen Paares. Um auf das Beispiel zurück zu kommen: hier wird die Fahne also nicht als Tuch, sondern als ein Element des Bereichs symbolisierende Tücher erfasst. 3) Das Verweisungsschema : dieser Bereich bezeichnet den Bereich der Gegenstände, die appräsentiert/symbolisiert werden. Als Beispiel sei hier der Staat genannt, der durch die Fahne appräsentiert wird. Der Staat kann zum Beispiel politische oder geographische Bedeutung tragen.
11 Schütz 1971, S. 342
12 Hülst 1999, S. 259
Arbeit zitieren:
Angela Köhler, 2005, Der Symbolbegriff bei Alfred Schütz, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Nachbarschaftseffekte - Räumlich konzentrierte Armut und ihre Folgen f...
Soziologie - Wohnen, Stadtsoziologie
Bachelorarbeit, 33 Seiten
Rezension zu Hellmut G. Haasis: Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Sü...
Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
Rezension / Literaturbericht, 48 Seiten
Thematische Strukturierungen und kommunikative Ordnungen im Unterricht
Referat (Ausarbeitung), 10 Seiten
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Seminararbeit, 18 Seiten
Bedeutung des Gesprächs und de...
Seminararbeit, 14 Seiten
Die Religionssoziologie Thomas Luckmanns - Privatisierung anstatt Säku...
Hausarbeit, 19 Seiten
Kommunikation in der Lebenswelt
Möglichkeiten der Kommunikatio...
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Sozialwissenschaftliche Forschungsmethoden - Das narrative Interview n...
Soziologie - Methodologie und Methoden
Seminararbeit, 23 Seiten
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Der Ansatz der Just Community - Eine gerechte Schulgemeinschaft
Seminararbeit, 15 Seiten
Rechtspopulismus und rechtspopulistische Kommunikation in der Schweiz:...
Politik - Internationale Politik - Region: Westeuropa
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Der Machtkreislauf bei Niklas Luhmann und Jürgen Habermas
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 15 Seiten
Gesellschaft und Reziprozität in Marshall Sahlins' Stone Age Econo...
Rezension / Literaturbericht, 10 Seiten
Angela Köhler hat den Text Der Symbolbegriff bei Alfred Schütz veröffentlicht
Angela Köhler hat einen neuen Text hochgeladen
Alfred Schutz on Phenomenology and Social Relations
Alfred Schultz, Alfred Schutz, Helmut R. Wagner
Two Visionary Brothers Two Visionary Brothers Two Visionary Brothers: ...
Mazie, David Mazie
The Correspondence of Alfred Marshall, Economist
Alfred Marhsall, Alfred Marshall, John K. Whitaker
The Correspondence of Alfred Marshall, Economist
Alfred Marhsall, Alfred Marshall, John K. Whitaker
The Correspondence of Alfred Marshall, Economist
Alfred Marshall, John K. Whitaker, Marshall Alfred
0 Kommentare