Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG 3
II. AL - ANDALUS: OSMOSE UND SYMBIOSE DER KULTUREN UND
SPRACHEN 5
1. Sprachkontakt und Sprachkonflikt aus sprachwissenschaftlicher Sicht. 5
1.1 Sprachkontakt. 5
1.2 Sprachkonflikt 7
1.3 Linguistische Konsequenzen von Sprachkontakt und Sprachkonflikt. 7
1.3.1 Intralinguistische Konsequenzen. 8
1.3.2 Interlinguistische Konsequenzen 10
1.4 Extralinguistische Konsequenzen von Sprachkontakt und Sprachkonflikt. 11
2. Das arabische Iberien: eine Analyse der Konsequenzen für die sprachliche
Entwicklung. 12
2.1 Ein geschichtlicher Überblick 12
2.2 Der arabische Einfluss vom 8. bis zum 16. Jahrhundert. 14
2.2.1 Die Invasion der Araber 14
2.2.2 Die Expansion der arabischen Kultur. 15
2.2.3 Die Entstehung des Mozarabischen 16
2.2.4 Der arabische Einfluss während der Reconquista. 18
2.2.5 Blütezeit der arabischen Hochkultur: Die Übersetzerschulen 19
2.2.6 Die Aljamiadotexte. 20
2.3 Das arabische Element in der spanischen Sprache 22
2.3.1 Kurzcharakteristik der Arabischen Sprache. 23
2.3.2 Der Arabismus im Spanischen - konkrete Beispiele. 24
2.3.3 Zusammenfassende Aspekte. 25
2.4 Die Araber im historischen Spanien - ein Resümee unter sprachwissenschaftlichen
Gesichtspunkten. 26
3. Convivencia de las culturas - ein identitätsstiftendes Modell? 28
3.1 Theoretische Grundlagen. 29
3.2 Der arabische Einfluss auf die Identität Spaniens 30
3.3 Persönliche Stellungnahme 31
III. SCHLUSSBETRACHTUNG 33
BIBLIOGRAPHIE 34
Einleitung
I. Einleitung
Immer wieder im Laufe der Geschichte sind verschiedene Völker, Rassen und Kulturen aufeinander getroffen. Die Motive waren mannigfaltig. Ob Expansionsdrang, soziale Beweggründe oder natürliche demographische Verschiebungen der Auslöser waren, all diese Kontakte leisteten letztlich ihren Anteil bei der Herausbildung der Kulturen in ihrer heutigen Form.
In der vorliegenden Arbeit soll ein solches Aufeinandertreffen zweier fremder Kulturen näher analysiert werden. Dies setzt zunächst voraus, sich eines expliziten historischen Kontaktprozesses anzunehmen, um dann die Auswirkungen desselben unter Zuhilfenahme einer spezifischen Fragestellung zu thematisieren.
Innerhalb der romanischen Sprachwissenschaft, in deren Wirkungsbereich diese Arbeit entsteht, bietet sich als Untersuchungsgegenstand der Kontakt der Araber mit den romanischen Völkern auf der Iberischen Halbinsel im Mittelalter an. Freilich sind die Konsequenzen dieses Ereignisses vielfältig. Eine mögliche Facette jedoch erschien uns besonders interessant, nämlich das Aufeinandertreffen der Kulturen im Sinne eines Aufeinandertreffens von Sprachen. Ziel unserer Untersuchungen soll daher die Klärung der Frage sein, inwieweit sich der Kontakt zwischen Arabern und Iberern auf sprachlicher Ebene ausgewirkt hat und wie er aus sprachwissenschaftlicher Perspektive zu beurteilen ist.
Sprache - ein Teil unserer Kultur. Kultur - ein Teil unserer Identität. Mit diesem Gedanken rücken wir eine weitere Dimension des oben beschriebenen Sprachkontaktes in den Mittelpunkt und formulieren somit eine weitere Fragestellung: Inwieweit hatte der (Sprach-) Kontakt identitätsstiftende Wirkung auf die Bevölkerung der damaligen Zeit, oder: Betrachten die Spanier heute die „arabischen Elemente“ in ihrem Leben (hier im Besonderen in ihrer Sprache) als identitätsstiftend?
Beide Aspekte -der Sprachkontakt ebenso wie dessen Einfluss auf die Identitätsbildungerscheinen uns äußerst interessant und stellen in Kombination zudem eine besondere Betrachtungsweise des Untersuchungsgegenstandes dar, weswegen auch beide berücksichtigt werden sollen. Allerdings wurde während der Vorbereitungsphase schnell deutl ich, dass selbst die erschöpfende Erörterung nur eines der beiden Aspekte deutlich über den vorgegebenen Rahmen dieser Arbeit hinausgehen würde. Aus diesem Grund haben wir zum einen beschlossen, gerade bei der Erarbeitung der theoretischen und wissenschaftlichen Grundlagen nicht allzu sehr ins Detail zu gehen; zum anderen soll der Bereich „(Sprach-)
3
Einleitung
Kontakt und Identität“ nur am Rande analysiert werden - nicht zuletzt auch wegen der schwer möglichen Rekonstruierbarkeit des Einflusses auf die Menschen im Mittelalter.
Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen des Sprachkontakts bzw. Sprachkonflikts. Dabei steht zunächst die Herausarbeitung der wissenschaftlich-theoretischen Grundlagen im Vordergrund. Im Anschluss daran werden die Kontaktsituationen zwischen Arabern und Iberern aufgezeigt, um abschließend eine Einschätzung aus sprachwissenschaftlicher Sicht zu wagen. Den zweiten Teil bildet schließlich die Betrachtung des Identitätsaspektes.
4
II. Al - Andalus: Osmose und Symbiose der Kulturen und Sprachen
1. Sprachkontakt und Sprachkonflikt aus sprachwissenschaftlicher Sicht
Der hier vorliegende Abschnitt der Arbeit soll die wissenschaftlich - theoretische Grundlage für weitere Betrachtungen bilden, respektive für die Beantwortung der ersten Fragestellung, nämlich inwieweit sich der Kontakt zwischen Arabern und Iberern auf sprachlicher Ebene ausgewirkt hat und wie er aus sprachwissenschaftlicher Perspektive zu beurteilen ist. Zu diesem Zweck werden die hier gewonnenen E rkenntnisse zu einem späteren Zeitpunkt nochmals aufgegriffen.
Im weiteren Verlauf werden also die Begriffe Sprachkontakt und Sprachkonflikt zu klären sein. Im Mittelpunkt stehen hier verschiedene Konstellationen, die sich aus interkulturellen Kommunikationssituationen entwickeln können. Dabei spielen sowohl die Faktoren eine Rolle, die diese Prozesse beeinflussen, als auch die Konsequenzen, die sich für die betroffenen Sprachen ergeben. Von Interesse werden somit auch linguistische wie extralinguistische Konsequenzen des Sprachkontakts/-konflikts sein. 1
Angesichts der gebotenen Kürze kann an dieser Stelle nur ein grober Umriss der Thematik gegeben werden. Ziel ist es, einige zentrale Begriffe und Zusammenhänge zu klären, natürlich ohne dabei eine vollständige oder kontroverse Erörterung des wissenschaftlichen status quo liefern zu wollen.
1.1 Sprachkontakt
Nach WEINREICH „werden zwei oder mehr Sprachen als miteinander in Kontakt stehend bezeichnet, wenn sie von ein- und denselben Personen abwechselnd g ebraucht werden.“ 2
TESCH modifiziert diese Definition und spricht von Sprachkontakt, wenn eine „durch unmittelbare oder mittelbare Berührung mit einer anderen Varietät bedingte Verwendung von Sprachelementen (...) und / oder Regeln derselben“ vorliegt. 3
1 Vgl. Heike Bartholy, Sprache, kulturelle Identität und Unabhängigkeit, dargestellt am Beispiel Maltas, Augsburg 1991, S. 74.
2 Uriel Weinreich, Sprachen in Kontakt. Ergebnisse und Probleme der Zweisprachigkeitsforschung, München 1977, S. 16.
3 Gerd Tesch, Linguale Interferenz. Theorethische, terminologische und methodische Grundlagen zu ihrer Erforschung, Tübingen 1978, S. 55f.
5
Mikrokontakt und Makrokontakt
Betrachtet man das „Aufeinandertreffen zweier Sprachsysteme in einem Sprachraum bzw. einer Gesellschaft“ 4 , unterscheidet man zwischen dem Kontakt auf Mikro- und dem auf Makroebene. Auf ersterer stehen die Individuen im Vordergrund, welche Sprache sie sprechen, wann und in welchen Situationen sie diese wem gegenüber anwenden. Dabei spielt offensichtlich der soziokulturelle Hintergrund eine wichtige Rolle. 5 Die Makroebene trägt schließlich dem Umstand Rechnung, dass „Sprachkontakt nicht in einem kulturellen und historischen Vakuum“ stattfinden kann, d. h. es ist ein Mindestmaß auch an kulturellem Kontakt Voraussetzung für einen sprachlichen Begegnung zwischen den Individuen. 6
Intensität des Kontakts
Wie intensiv schließlich ein Sprachkontakt ausfällt, lässt sich an den Dimensionen Dauer, Umfang und Art festmachen.
Die Dauer eines Kontakts gliedert man in unterschiedliche Kontaktphasen. Die erste ist die sogenannte Prä - Kontaktphase, die die Verhältnisse vor dem Sprachkontakt beschreibt. In diesem Zusammenhang spielen die demographischen, wirtschaftlichen, politischen, religiösen oder wissenschaftlichen Faktoren eine Rolle, die letztlich zum Kontakt führten. Des Weiteren unterscheidet man die eigentliche Kontaktphase und schließlich die Post - Kontaktphase, in der man die zu verzeichnenden Auswirkungen und Einflüsse erfasst. 7 Bei der Feststellung des Umfangs eines Kontaktes greift man wieder auf die Ebene der Mikro- und Makrokontakte zurück. Hierbei stehen individualzentrierte Kontakte den gruppenzentrierten gegenüber. Schließlich ist die Art des Kontaktes entscheidend, wobei BARTHOLY folgende Aspekte aufführt:
- Unmittelbarkeit: handelt es sich um einen direkten Kontakt zweier Sprecher oder von Gruppen untereinander, oder wird er medial vermittelt und ist somit indirekt?
- Formalität: ist der Kontakt informeller Natur oder treten Individuen als Vertreter von Gruppeninteressen auf (formell)?
- Affinität: treffen die Individuen/Gruppen in Freundschaft oder in Feindschaft aufeinander?
- Herrschaft: liegt ein symmetrisches oder ein asymmetrisches Nebeneinander vor, also z. B. ein militärisches oder ökonomisches Gleich- bzw. Ungleichgewicht? 8
4 Bartholy, S. 76.
5 Vgl. Bartholy, S. 76.
6 Theodora Bynon, Historische Linguistik. Eine Einführung, München 1981, S. 207.
7 Vgl. Bartholy, S. 70 sowie S. 77.
8 Vgl. Bartholy, S. 77f.
6
Die Aufgliederung in diese Dimensionen macht deutlich, „daß in Sprachkontaktsituationen Faktoren individualpsychologischer Natur ebenso eingehen wie soziopolitische und soziokulturelle Rahmenbedingungen [...].“ 9 Eine exakte Zurechenbarkeit entweder zur Mikro-oder zur Makroebene ist dabei kaum möglich bzw. erscheint wenig sinnvoll. Vielmehr beeinflussen und bedingen sich die Faktoren letztlich gegenseitig. 10
1.2 Sprachkonflikt
Ein Sprachkonflikt resultiert logischerweise aus einem vorhergegangenen Sprachkontakt. Definieren ließe sich ein solcher Prozess als „sozialer Konflikt, der aufgrund einer bi - oder multilingualen Situation entstehen kann“. 11 Möchte man dies weiter präzisieren, bietet sich die Trennung zwischen interlingualem und interethnischem Sprachkonflikt an. Bei Ersterem steht der einzelne Sprecher im Vordergrund, von Letzterem ist die Rede, wenn ganze Sprechergruppen in Konflikt geraten. 12 13 Dabei wird u. a. die Meinung vertreten, dass
interethnischer Kontakt zwangsläufig Konfliktsituationen mit sich bringt - ob dies auch im Fall der dieser Arbeit zu Grunde liegenden Thematik zutrifft, wird noch zu entscheiden sein.
1.3 Linguistische Konsequenzen von Sprachkontakt und Sprachkonflikt
Nunmehr soll versucht werden, mögliche Effekte eines Kontakts bzw. Konflikts darzustellen. Dies geschieht in Anlehnung an BARTHOLY in Form einer qualitativen Systematisierung, eine quantitative Bewertung wird nicht berücksichtigt.
Betrachtet man einen interlingualen Sprachkonflikt, so geht NELDE bei Individuen von drei möglichen linguistischen Reaktionsmustern aus. Die Sprecher können sich erstens weigern, das Vorhandensein eines Konflikts anzuerkennen oder einen solchen als bedeutsam einzustufen. Zweitens wäre eine indifferente Haltung gegenüber der anderen Sprache möglich und drittens spricht NELDE von der Übernahme bilingualer ad - hoc - Strategien. Somit kommt es entweder zu einer bewussten linguistischen Isolation, indem die Individuen die interkulturelle Kommunikation meiden, zur Benutzung einer Minderheitensprache trotz
9 Bartholy, S. 78.
10 Vgl. Bartholy, S. 78.
11 Bartholy, S. 79.
12 Vgl. Bartholy, S. 79.
13 Dies entspricht der oben bereits erwähnten Aufteilung in Mikro- und Makroebene.
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Arbeit zitieren:
2003, Das arabische Element in Spanien. Auswirkungen auf Sprache und Identität, München, GRIN Verlag GmbH
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