Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung 1
2. Personen
2.1 Pankraz 2
2.1.1 Name 2
2.1.2 Charakteristik 2
2.1.3 Parallelen zu Gottfried Kellers Biographie 3
2.2 Estherchen 4
2.2.1 Name 4
2.2.2 Charakteristik 4
2.2.3 Beziehung Estherchen - Pankraz 5
2.3 Mutter 6
2.3.1 Charakteristik 6
2.3.2 Beziehung Mutter - Pankraz 6
2.4 Lydia 6
2.4.1 Name 6
2.4.2 Charakteristik 7
2.4.3 Beziehung Lydia - Pankraz 8
3. Leitmotive
3.1 Schönheit 8
3.2 Sterne und Ordnung 9
3.3 Schmollen 9
4. Form
4.1 Erzählhaltung 11
4.2 Erzählsituation 11
5. „Pankraz der Schmoller“ - eine Novelle
5.1 Allgemeine Novellenmerkmale 12
5.2 Unerhörte Begebenheit 13
5.3 Vorausdeutung 13
6. Fazit 15
Literaturnachweis 16
Anhang
II
1. Einleitung
Pankraz der Schmoller ist die Eingangsnovelle des Seldwyla-Zyklus‘. Deshalb knüpft sie mit ihrer Thematik direkt ans Vorwort an und handelt von etwas typisch seldwylerischem 1 : „so geht er [der Seldwyler] in fremde Kriegsdienste und lernt dort
für einen fremden Tyrannen, was er für sich selbst zu üben
verschmäht hat, sich einzuknöpfen und steif aufrecht zu halten.
Diese kehren als tüchtige Kriegsmänner nach einer Reihe von
Jahren zurück“. 2
Darin erkennen wir die Lebensgeschichte des Protagonisten Pankraz. Die Überschrift weist sofort auf eine Gebärde hin, die die Hauptperson sowohl äußerlich als auch innerlich charakterisiert. Ihr Lebensschicksal wird in gewisser Weise durch die Eigenart des Schmollens vorausgedeutet. 3 Doch handelt Gottfried Kellers Novelle nur von einem oberflächlichen Lebensbericht eines Schmollers? Ich
durchleuchte im Folgenden die Personen und deren Verhältnis zueinander. Außerdem gehe ich auf die Erzählform und deren Charakteristik näher ein. Zu den zentralen Fragen zählen: Was bewirkt Pankraz‘ Schmollerei und was soll uns die Eingangsnovelle des Seldwylazyklus‘ sagen?
1 Neumann: Nachwort zu Gottfried Kellers „Die Leute von Seldwyla“ (1993), S. 659.
2 Keller: Die Leute von Seldwyla (1993), S. 8.
3 vgl. Gsell: Einsamkeit, Idyll und Utopie (1976), S. 100.
1
2. Personen 2.1 Pankraz
2.1.1 Name
Der Name Pankraz stammt vom griechischen Wort Pankrátios ab und steht für „der alles Beherrschende“. 4 Die griechische Wortwurzel dazu bedeutet „siegreiche Allmächtigkeit“. 5 Pankraz war ein Heiliger, der schätzungsweise um 304 mit vierzehn Jahren in Rom enthauptet wurde. Außerdem ist er sowohl einer der Eisheiligen als auch einer der vierzehn Nothelfer.
Kellers Pankraz möchte ein so allmächtiges Wesen sein, das sein Name symbolisiert. „Er möchte die Welt nach seinen Begriffen und Ideen geordnet wissen und macht sich selbst zum Maß der Dinge.“ 6
2.1.2 Charakteristik
Zu Beginn der Novelle wird der Protagonist Pankraz jedoch keineswegs als „der alles Beherrschende“ 7 vorgeste llt: „Der Sohn war ein unansehnlicher Knabe von vierzehn Jahren, mit grauen Augen und ernsthaften Gesichtszügen (...). Im übrigen war es ein eigensinniger und zum Schmollen geneigter Junge, welcher nie lachte und auf Gottes lieber Welt nichts tat oder lernte.“ 8 Da er mit seinem Leben und seiner Umwelt unzufrieden ist, kommen die negativen Züge seines Charakters umso deutlicher zum Vorschein: „Verschlossenheit, Eigensinn, Eigenliebe und überhaupt eine geradezu universale Ichbezogenheit.“ 9 Pankraz
4 Neumann: Nachwort zu Gottfried Kellers „Die Leute von Seldwyla“ (1993), S. 594.
5 Ebd. S. 660.
6 Richter: Gottfried Kellers frühe Novellen (1960), S. 94.
7 Neumann: Nachwort zu Gottfried Kellers „Die Leute von Seldwyla“ (1993), S. 594.
8 Keller: Die Leute von Seldwyla (1993), S. 12.
9 Richter: Gottfried Kellers frühe Novellen (1960), S. 82.
2
war als Kind zu ernsthafter Arbeit unfähig und neigte dazu, ein „träumerischer Egozentriker“ 10 zu sein. Bei seiner Charakterisierung bildet Schmollen das Hauptmerkmal seiner Person und gleichzeitig das Leitmotiv der Novelle (siehe 3.3).
Nachdem der Protagonist auf seiner jahrelangen Reise eine positive Entwicklung hin zum reifen Erwachsenen durchlebt, sagt er im Rückblick über seine Kindheit, dass er sich „einsilbig und trübselig“ 11 verhalten habe. Durch seinen Wandel kehrt sich die einstige Entfremdung von sich und anderen in eine „unverwüstliche, ruhige Freundlichkeit“ 12 . Seine „realitätsblinde Leidenspose“ wird zu „wirklichkeitsoffene[r] Humanität“. 13
Ein herausragendes Merkmal an der Person Pankraz ist die gestörte Beziehung zu Frauen. Er „schmollte und grollte (...) von vornherein mit allem Weibervolk und würdigte keines eines offenkundigen Blickes“. 14
Man könnte daraus schließen, dass er in seiner Kindheit schlechte Erfahrungen im Umgang mit Frauen gemacht habe. Aber sowohl seine Mutter als auch seine Schwester Estherchen werden als liebenswerte Personen dargestellt. Pankraz deutet die Zeichen falsch. Die Neckereien Estherchens sind keineswegs bösartig gemeint, bringen den Bruder aber immer wieder aufs Neue zum Schmollen. Er versteht die leichtlebige Art seiner Schwester so falsch, dass er daraufhin Seldwyla verlässt. Mit Hilfe seines Schmollens versteckt sich Pankraz vor den anderen Menschen, v.a. den Frauen, und lernt den mitmenschlichen Kontakt somit erst spät - und zwar durch Lydia.
10 Neumann: Nachwort zu Gottfried Kellers „Die Leute von Seldwyla“ (1993), S. 659.
11 Keller: Die Leute von Seldwyla (1993), S. 59.
12 Kindlers Neues Literatur Lexikon. Band 9 (1998), S. 282f.
13 Ebd. S. 282f.
3
Arbeit zitieren:
Esther Geißdörfer, 2003, Eine Analyse zu Gottfried Kellers "Pankraz, der Schmoller", München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Gottfried Kellers "Pankraz der Schmoller"
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 26 Seiten
Darstellung postmoderner Aspekte in Christoph Ransmayrs Werk 'Die ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 17 Seiten
Keller als phantastischer Realist - Die Märchensymbolik in Gottfried K...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 25 Seiten
Etikettierung und Stigmatisierung in der Schule
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Hausarbeit, 17 Seiten
'Prometheus' und 'Ganymed' als Höhepunkte des Sturm un...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 24 Seiten
Eduard Mörikes "Maler Nolten". Von den Vorbildern zu neuen W...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Humor in Gottfried Kellers "Kleider machen Leute"
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 20 Seiten
Motive für den preußischen Chausseebau in den Jahren 1815 bis 1835
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Erzählhaltung, Erzählstruktur und Erzählperspektive in der Judenbuche ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 26 Seiten
F. Scott Fitzgerald und das Scheitern des Amerikanischen Traums
Examensarbeit, 86 Seiten
Grammatikalisierung in den Kreolsprachen
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Strukturen von Ehe und Familie in der Gegenwart
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Magisterarbeit, 96 Seiten
Patrick Süskind: Das Parfum - Ein Unterrichtsentwurf für die Sekundars...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Examensarbeit, 69 Seiten
Die Darstellung von Heiden und Christen im Rolandslied
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Interkulturelles Lernen im Geographieunterricht
Geowissenschaften / Geographie - Didaktik d. Geographie
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Behinderte Kinder im Unterricht: Lehren und Lernen mit behinderten Kin...
Über die Gestaltung des Unterr...
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Hausarbeit, 27 Seiten
Der "edle Heide" - Über die Darstellung der Heiden im ersten...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 18 Seiten
Esther Geißdörfer's Text Eine Analyse zu Gottfried Kellers "Pankraz, der Schmoller" ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Esther Geißdörfer hat den Text Eine Analyse zu Gottfried Kellers "Pankraz, der Schmoller" veröffentlicht
Esther Geißdörfer hat einen neuen Text hochgeladen
Readers and Their Fictions in the Novels and Novellas of Gottfried Kel...
Gail Kathleen Hart
0 Kommentare