Zur langfristigen Behauptung des Unternehmens auf Märkten, die von zunehmender Globalisierung und fortschreitender Entwicklung neuer Produktionstechnologien und Transport- und Kommunikationssystemen gekennzeichnet sind, ist es nicht nur notwendig, den betrieblichen Produktionsprozess zu optimieren, sondern vielmehr den gesamten Wertschöpfungsprozess von der Beschaffung über die Produktion bis hin zum Absatz an den Endverbraucher so effektiv wie möglich zu gestalten.1 Das Supply Chain Management2 setzt daran an, das einzelne Unternehmen nicht nur für sich alleine zu betrachten, sondern als Teil einer Versorgungskette zu sehen. Innerbetriebliche Entscheidungen haben gleichzeitig auch Auswirkungen auf die gesamte Wertschöpfungskette, so dass sich sehr komplexe Entscheidungsprobleme ergeben, deren Lösung erheblichen Koordinationsbedarf erfordert. Die vorliegende Arbeit soll einen Überblick über das SCM und dessen quantitative Ansätze zur Optimierung der Wertschöpfungskette geben. Dazu soll im Anschluss an dieses einführende erste Kapitel im zweiten Kapitel zunächst das Konzept des SCM begrifflich definiert und die Struktur, Organisation, Koordination sowie die Voraussetzungen der Supply Chain verdeutlicht werden. Im dritten Kapitel werden mehrere quantitative Ansätze des SCM ausgewählt und unterteilt in strategisch-taktische und operative Ebene vorgestellt. Dies werden im Einzelnen die Standortauswahl, die Festlegung der Supply Chain Partner, die Produktionsprogrammplanung, die Bedarfsplanung, die Losgrößenbestimmung und die Festlegung der Lagerhaltungsstrategie sein. Im abschließenden Ausblick sollen die durch Anwendung des SCM erreichbaren Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt und Hinweise auf weiteres Entwicklungspotential in der Zukunft gegeben werden. 1 Vgl. Lawrenz, O. (2001), S.139 und 151. 2 Im Folgenden als SCM bezeichnet.
Inhaltsverzeichnis
1. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2. Überblick über das Konzept des Supply Chain Management
2.1 Entstehung
2.2 Begriffliche Definition und Ziele
2.3 Gestaltung der Supply Chain
2.3.1 Struktur, Organisation und Koordination
2.3.2 Voraussetzungen
3. Ausgewählte quantitative Ansätze des Supply Chain Management
3.1 Strategisch-taktische Ebene
3.1.1 Standortauswahl
3.1.2 Festlegung der Partner
3.1.3 Simulation der festgelegten Logistikkette
3.2 Operative Ebene
3.2.1 Produktionsprogrammplanung
3.2.2 Bedarfsplanung
3.2.3 Losgrößenplanung
3.2.4 Planung der Lagerhaltungspolitik
4. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit verfolgt das Ziel, einen umfassenden Überblick über das Konzept des Supply Chain Management (SCM) zu geben und insbesondere die quantitativen Ansätze zur Optimierung von Wertschöpfungsketten darzustellen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht dabei, wie durch mathematische Modelle und Methoden auf strategisch-taktischer sowie operativer Ebene die Effizienz und Koordination innerhalb eines unternehmensübergreifenden Logistiknetzwerks gesteigert werden kann.
- Grundlagen, Entstehung und Zielsetzungen des SCM
- Strukturelle Anforderungen und Erfolgsfaktoren für Supply Chains
- Quantitative Modelle zur Standort- und Lieferantenauswahl
- Methoden der Bedarfsplanung und Bedarfsprognose
- Optimierungsansätze für die Losgrößen- und Lagerhaltungspolitik
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Standortauswahl
Bei der Wahl des Standortes sieht sich ein Unternehmen mehreren quantitativen und qualitativen Bewertungskriterien, so genannten Standortfaktoren, gegenübergestellt, die alle mehr oder weniger intensive Einflussgrößen auf die Standortattraktivität darstellen. Standortfaktoren sind z.B.:
Beschaffungsmöglichkeit der erforderlichen Einsatzgüter, wie Rohstoffe; insbesondere deren Verfügbarkeit, Qualität und Preis
Attraktivität des Absatzmarktes im Hinblick auf Nachfrage und Kaufkraft der Konsumenten, sowie die Konkurrenzsituation
Verkehrsanbindung an Lieferanten und Abnehmer
Verfügbarkeit von Arbeitskräften aus quantitativer und qualitativer Sicht
Mögliche staatliche Förderungsmaßnahmen
Es gilt nun für das Unternehmen, diese Einflussgrößen zu bewerten und den für seine Aktivitäten geeignetsten Standort zu wählen. Da es sich häufig als schwierig herausstellt, alle Faktoren bei der Wahl zu berücksichtigen, sollten nur die wirklich wichtigen einbezogen werden, wobei sich das Unternehmen der Tragweite seiner Entscheidung bewusst sein sollte, da eine Entscheidung für einen Standort mit hohen Kapitaleinsätzen und langfristig wirkenden wirtschaftlichen Effekten verbunden ist und nicht so ohne weiteres revidierbar ist. Das Unternehmen, als ökonomischer Betrieb, wird in den meisten Fällen danach streben, seinen Gewinn zu maximieren, so dass der Kostenfaktor eine entscheidende Rolle bei der Standortwahl darstellt. Ein solcher Kostenfaktor sind bspw. die Transportkosten einerseits auf der Beschaffungsseite zum Standort hin und andererseits auf der Absatzseite vom Standort weg zum Endkunden oder zur Weiterverarbeitung bei einem SC-Partner. Folgend soll nun zunächst ein kapazitiertes Standortmodell vorgestellt und anschließend mehrere Lösungsalgorithmen zur Bestimmung des transportkostenminimalen Standortes sowie des optimalen Transportplans angesprochen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit: Das Kapitel erläutert die Notwendigkeit der Prozessoptimierung im globalen Wettbewerb und skizziert den weiteren Aufbau der Arbeit.
2. Überblick über das Konzept des Supply Chain Management: Hier werden die historische Entstehung, definitorische Ansätze und die wesentlichen Gestaltungsfaktoren von Supply Chains dargelegt.
3. Ausgewählte quantitative Ansätze des Supply Chain Management: Dieses Kapitel stellt mathematische Optimierungsmodelle für strategische Entscheidungen und operative Abläufe vor.
4. Ausblick: Der abschließende Teil bewertet das Potenzial von SCM und zukünftige Anforderungen an Logistiknetze.
Schlüsselwörter
Supply Chain Management, Wertschöpfungskette, Logistik, Standortplanung, Lieferantenauswahl, Bedarfsplanung, Prognoseverfahren, Losgrößenplanung, Lagerhaltungspolitik, Transportkosten, Optimierungsmodell, Informationstransparenz, Peitscheneffekt, Produktionsplanung, Simulation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die betriebswirtschaftlichen Grundlagen des Supply Chain Management und konzentriert sich schwerpunktmäßig auf die mathematische Modellierung und Optimierung von Prozessen innerhalb von Wertschöpfungsketten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die strategisch-taktische Ausgestaltung von Standorten und Lieferantenbeziehungen sowie die operative Planung von Produktions-, Bedarfs- und Lagerhaltungsprozessen.
Was ist das primäre Ziel?
Ziel ist es, einen Überblick über quantitative Methoden zu geben, mit denen Unternehmen ihre Logistiknetzwerke effizienter gestalten und Kosten innerhalb der gesamten Kette minimieren können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es kommen vorwiegend Verfahren des Operations Research, lineare Programmierung, Simulationsmodelle sowie klassische mathematische Prognose- und Losgrößenformeln zum Einsatz.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden mathematische Ansätze zur Standortauswahl, zur Lieferantenauswahl, zur Bedarfsprognose sowie zu optimierenden Losgrößen- und Lagerhaltungsmodellen detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind SCM, Transportkostenoptimierung, Bullwhip-Effekt, Kapazitätsplanung und stochastische Nachfrage.
Warum ist die Informationstransparenz so entscheidend?
Informationstransparenz ist essenziell, um den sogenannten "Peitscheneffekt" zu vermeiden, bei dem sich Nachfrageabweichungen entlang der Kette durch Fehlentscheidungen aufschaukeln.
Welche Rolle spielt das Vertrauen im SCM?
Vertrauen ist die notwendige Basis für den Austausch sensibler Informationen zwischen Partnerunternehmen, um langfristige Kooperationen zu ermöglichen und Wettbewerbsvorteile zu sichern.
Was unterscheidet das Logistik-SCM vom Kontrakt-SCM?
Während beim Logistik-SCM eine zentrale Instanz die gesamte Kette optimiert, setzt das Kontrakt-SCM primär auf vertragliche Vereinbarungen zwischen den Partnern zur Koordination.
- Arbeit zitieren
- Michael Hörrmann (Autor:in), 2003, Quantitative Ansätze des Supply Chain Management, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39183