Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft
in Germersheim
Gehirn und Sprache
im Rahmen des Proseminars: Spracherwerb
vorgelegt von:
Simone Zimmermann
SS 2004
Inhaltsverzeichnis:
Prolog 1
1. Anatomischer Aufbau 2
1.1. Großhirn 5
1.2. Kleinhirn 11
1.3. Hirnstamm 12
2. Aphasien und deren Behandlung 15
3. Evolution des Gehirns 18
4. Aktuelle Gehirnforschung 19
Epilog 26
Quellenangaben 27
Prolog
Bereits um 500 vor Christus erkannte der griechische Arzt und Philosoph Alkmäon von Kroton bei Tiersektionen, dass Nervenbahnen von den Sinnesorganen zum Gehirn ziehen. Er nahm daraufhin an, dass im Gehirn das Zentrum für die Sinneswahrnehmung und das Denken liege. Allerdings hielt er das Gehirn für eine Drüse, die Gedanken absondere wie eine Tränendrüse Tränen.1 Dieses Beispiel veranschaulicht, dass sich Menschen rund um den Globus schon sehr früh mit dem Aufbau und der Bedeutung des Gehirns beschäftigten. Selbst heute, über 2500 Jahre nach den Erkenntnissen Alkmäons, ist das Geheimnis, das unser Denkorgan umgibt, noch nicht vollständig gelöst. Wir wissen bereits, wie das Gehirn aufgebaut ist und können anhand modernster Verfahren dem Menschen beim Denken zuschauen. Wir wissen, welche Bereiche des Gehirns beim Lernen, Sprechen oder Träumen aktiv sind und uns ist bekannt, dass das menschliche Gehirn automatisch ablaufende Prozesse wie die Verdauung, den Herzschlag und die Atmung regelt. Unser Denkorgan ist verantwortlich für Verhaltensweisen wie Lachen, Weinen, Trauer, Stolz, Langeweile, Wut, Gewalt und dient als Steuerzentrale für Bewegungen, Schlaf, Hunger, Durst und alle anderen Lebensfunktionen, ohne die der Organismus nicht existieren könnte. Die Leistung des menschlichen Gehirns steht in Beziehung zu Kultur, Bewusstsein, Sprache und Gedächtnis. Dies unterscheidet es sogar von den am höchsten entwickelten Gehirnen von Tieren auf einzigartige Weise. Dennoch birgt der „Zentralcomputer“ des Körpers - das nach heutigem Wissensstand komplizierteste Gebilde des Universums - noch einige Geheimnisse. Da Hirnfunktionsstörungen oft tief in die Persönlichkeit, die Lebensqualität und das soziale Umfeld eines Menschen eingreifen, wird die Hirnforschung das Gehirn weiterhin bis auf das Kleinste erforschen.
In meiner Hausarbeit möchte ich zunächst auf den Aufbau des Gehirns eingehen. Ich werde die Hauptbestandteile wie Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm, sowie deren Beziehung untereinander, aufführen. Da dieses Thema ein sehr ausführliches Sachgebiet darstellt, bin ich leider gezwungen, mich relativ kurz zu fassen. Anschließend werde ich mich mit Sprachstörungen, so genannten Aphasien, und deren Behandlung beschäftigen. Des Weiteren werde ich auf die Evolution des menschlichen Gehirns eingehen, ich werde mich mit der Frage auseinandersetzen, inwiefern sich unser Gehirn seit der Mutation zum Homo sapiens verändert hat. Um meine Hausarbeit abzuschließen, widme ich mich anschließend den Ergebnissen und Forschungsmethoden der aktuellen Hirnforschung.
1. Anatomischer Aufbau
Das menschliche Gehirn, der bedeutendste, hoch entwickelte Teil des Nervensystems, ist eine bei Frauen etwa 1245 Gramm bzw. bei Männern 1375 Gramm schwere Masse aus rosagrauem Gewebe. Es macht ungefähr zwei Prozent des Körpergewichts aus, verbraucht aber zwanzig Prozent des Energieumsatzes. Mit bereits drei Jahren erreicht es seine nahezu endgültige Größe. Schon bei äußerlicher Betrachtung erkennt man, dass das Gehirn aus drei untereinander verbundenen Teilbereichen besteht: Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm. Es ist von zahlreichen Furchen durchzogen und setzt sich neben den Stützzellen (Gliazellen), die neben Stütz- und Isolationsaufgaben ebenfalls aktiv an der Informationsverarbeitung teilnehmen, aus circa hundert Milliarden Nervenzellen (Neuronen) zusammen. Das menschliche Nervensystem ist ein umfassendes Kommunikationsnetz, da jede einzelne Nervenzelle mit bis zu 10.000 weiteren Nervenzellen verknüpft ist und Verbindung zu Millionen weiterer Neuronen im ganzen Körper aufweist. Die Neuronen dienen zur Aufnahme, Verarbeitung und Weiterleitung von Reizen. Durch die verschiedenen Verbindungsmöglichkeiten können 2 hoch 10 Milliarden Informationen gespeichert werden. Wird eine Nervenzelle durch einen ankommenden Reiz stimuliert, verändert sie innerhalb kürzester Zeit ihren Zustand. Entweder sie wird erregt („sie feuert“) oder sie wird gehemmt.
Bildquelle: www.tebonin.de/gehirn/gehirn_1_3.php?id=3
[...]
Wird die Nervenzelle erregt, so werden über Botenstoffe die dahinterliegenden Nervenzellen ebenfalls veranlasst zu feuern. 2 Detaillierter läuft dieser Prozess folgendermaßen ab: die Oberfläche eines Neurons weist winzige Verästellungen, die Dendriten (griechisch: dendros = der Baum) auf. Da die Oberfläche des Zellkörpers durch diese feinen Verästelungen stark vergrößert ist, wird die Aufnahme von möglichst vielen Informationen ermöglicht. Nehmen die Dendriten eine Nervenerregung auf, so wird sie anhand des Axons weitergeleitet. Das Axon ist ein dünner Schlauch mit bis zu einem Meter Länge. Kalium-Ionen auf seiner Innenseite und Natrium-Ionen auf der Außenseite halten sich in einem beständigen chemischen Gleichgewicht. Wird ein Signal weitergeleitet, so lässt die Myelinscheide, eine aus Proteinen und Lipiden bestehende Isolierschicht, die unterschiedlichen Ionen passieren und Kalium- und Natrium-Ionen tauschen ihre Plätze. Dadurch entsteht ein elektrisches Signal, das anhand der Myelinscheide weitergeleitet wird. Erreicht der Impuls die Synapse, den Zwischenraum zwischen zwei Neuronen, so sondern winzige Bläschen chemische Überträgerstoffe ab, die den Impuls zur nächsten Nervenzelle weiterleiten. Die erste Nervenzelle kehrt wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurück, Kalium- und Natrium- Ionen in der zweiten Nervenzelle beginnen sich zu bewegen und der Impuls wird weitergeleitet.3
[....]
1vgl. www.stangl-taller.at/ARBEITSBLAETTER/ GEDAECHTNIS/GehirnAufbau.shtml
2 vgl. www.stangl-taller.at/ARBEITSBLAETTER/GEDAECHTNIS/GehirnAufbau.shtml
3 vgl. Microsoft®Encarta®Enzyklopädie 2001. © 1993-2000 Microsoft Corporation
Arbeit zitieren:
Simone Zimmermann, 2004, Gehirn und Sprache, München, GRIN Verlag GmbH
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