Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die „Geburt“ der Republik 2
3. Der Aufbau der Republik 4
3.1 Die Generalstaaten 4
3.2 Der Statthalter 6
3.3 Staatsrat und Ratspensionär 10
4. Zusammenfassung und Bewertung 12
5. Anhang 15
6. Quellen- und Literaturnachweise 16
II
1. Einleitung
Das Republikmodell der Niederlande im 16./17 Jahrhundert war - abgesehen von der Schweiz und Venedig - beispiellos in Europa. Die Provinzen stemmten sich im 80-jährigen Krieg nicht nur gegen die Spanische Oberherrschaft, die mit dem Frieden von Münster 1648 endgültig endete, sondern schufen auch ein Regierungssystem, das sich von dem der Nachbarstaaten wie Frankreich unterschied. Doch war diese „Republik“ wirklich so revolutionär zu nennen, wie es auf den ersten Blick erscheint? Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Aufbau der Republik und der Entwicklung der Niederlande im „Golden Eeuw“, vor allem während der Zeit der Statthalter Friedrich Heinrich von Oranien (1625 bis 1647) und Wilhelm II. von Oranien (1647 bis 1650). Es gilt zu klären, wer nun in der jungen Republik die Herrschaft ausübte.
Am Anfang der Arbeit steht ein kurzer Überblick über die „Geburt“ der Republik Ende des 16. Jahrhunderts. Eine turbulente Entwicklung, an deren Ende nicht unbedingt die Republik hätte stehen sollen. Daran anschließend werden der Aufbau und die verschiedenen Gremien, die in die Verfassung eingebunden waren, vorgestellt. Dabei geht es vor allem um die Zeit nach 1588, denn die Institutionen als solche sind teilweise wesentlich älter. Die Generalsstaaten stellten die Regierung dar, daneben hatten die Statthalter eine immense Bedeutung. Hierbei wird ein Blick vor allem auf die beiden oben genannten Oranier geworfen. Während Friedrich Heinrich vor allem durch militärisch Erfolge auf sich aufmerksam machte und eine große Machtfülle anhäufte, war seinem Nachfolger weniger Glück beschieden. Wilhelm II. sah sich schnell mit einer starken Opposition konfrontiert und ließ sich später zu einem Feldzug gegen Amsterdam hinreißen. Nach seinem plötzlichen Tod folgte sogar eine statthalterlose Phase bis 1672. Zum Abschluss steht eine Bewertung der Republik an. Bestimmten in den Niederlanden wirklich die Bürger über die Politik oder stellte die Republik nicht doch eine verkappte Monarchie dar? Wie ausgeprägt waren die demokratischen Strukturen der Republik?
1
2. Die „Geburt“ der Republik
Nun von einem Freiheitskampf in den Niederlanden zu sprechen ist, worauf die Historiker, mittlerweile mehrfach hingewiesen haben, falsch. Es gab im 16. Jahrhundert viele Erhebungen und Aufständen in den Provinzen, die „gelegentlich zu einer einzigen Bewegung zusammenwuchsen“ 1 . Die Aufstandsbewegungen reichten von der „Adelseinung über den Protest der städtischen Honoratiorenschicht und der Zünfte bis zu Unruhen der unterbürgerlichen Schichten“ 2 . Ziel war die Unabhängigkeit von der spanischen Oberherrschaft und die Glaubensfreiheit. Die zuerst regional begrenzten Konflikte gipfelten schließlich in einen Krieg, der erst durch den Westfälischen Frieden 1648 endgültig beendet wurde. Zugleich erkannte Spanien die Souveränität der Niederlande an. Die niederländische Republik als solche ist älter. Ein genaues „Geburtsdatum“ ist jedoch nicht festzulegen. Mit der „Union von Utrecht“ 1579 war die Spaltung der Niederlande nicht mehr aufzuhalten. Zwei Jahre später riefen die Generalstaaten, also die Nordprovinzen, dieallerdings einseitige - Unabhängigkeit aus. Anstelle Philipps II. von Spanien sollte von nun an der Herzog von Anjou als Souverän der Niederlande auftreten. Am 23. Januar 1581 wurde er „Prince et Seigneur“ der Niederlande. 3 Die endgültige Lossagung von Phillip erfolgte rund ein halbes Jahr später. Das „Pl accart van Verlatinge“ (26. Juli 1581) entledigte alle Bewohner der Niederlande „deß Eyds den sie Philippo dem Koenig von Hispanien als jhrem gewesenen Oberherrn moechten gethan haben oder jhm zu leisten verbunden sein“. 4 Rein theoretisch stellten die Niederlande damit einen unabhängigen Staat mit dem Herzog von Anjou als Oberhaupt dar. Doch gerade in der Frage, wer nun die Herrschaft auch praktisch ausführen sollte, standen die Generalstaaten bald vor einigen Problemen. Philipp II. wollte sich natürlich „sein“ Territorium nicht aus der Hand nehmen lassen. Dazu machte sich innerhalb der Niederlande der Provinz-Partikularismus breit. So weigerten sich Holland und Seeland, die Autorität des Anjou anzuerkennen. Andere Provinzen lehnten es ab, irgendwelche Geldmittel zur Verfügung zu stellen. In religiösen Fragen konnte ebenfalls kein Konsens erzielt werden. Auch der Herzog von Anjou selbst spielte keine glückliche Rolle als zentrale Institution. Im August 1581 trat er sein Amt an, im Oktober verließ er schon wieder die Niederlande, um Königin Elisabeth von England den Hof zu machen. Für
1 Geoffrey Parker: Der Aufstand der Niederlande. Von der Herrschaft der Spanier bis zur Gründung der
Niederländischen Republik, München 1979, S. 5.
2 Michael North: Geschichte der Niederlande, München 1997, S. 33.
3 Vgl. Parker, S. 234ff.
4 Deutscher Originaltext, zitiert nach Parker, S. 237.
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ihn übernahm der machtlose „Landraad“ die Geschäfte. „Die Regierung der Generalstaaten bot daher der Außenwelt ein trauriges Bild“ 5 , lautet nicht nur das Urteil von Parker. Der Herzog von Anjou feierte zwar noch einmal ein kurzes Gastspiel, doch 1583 verließ er endgültig die Niederlande, denen damit eine zentrale Autorität fehlte. Ein 1584 aufgesetzter Vertrag sollte den Herzog mit mehr Machtbefugnissen ausstatten und sein Amt in den Niederlanden erblich machen, doch die Unterzeichnung wurde hinfällig. Erst starb Anjou am 10. Juni 1584, dann wurde Statthalter Wilhelm von Oranien als eifrigster Verfechter des Kontrakts am 10. Juli 1584 ermordet. Damit war die „konstitutionelle Verwirrung“ vollständig. 6 Denn auch Heinrich III. von Frankreich und Elisabeth I. von England, denen die Generalstaaten die Herrschaft über die Niederlande anboten, lehnten es ab, unter den gestellten Konditionen zu regieren. Zumindest die Königin von England sagte den Provinzen aber ihre Unterstützung zu. 7
Der 1585 von ihr als Generalstatthalter eingesetzte Graf von Leicester sollte nun eine funktionsfähige zentrale Autorität schaffen - was aber auch ihm nicht gelang. Seine Zeit war geprägt von militärischen Auseinandersetzungen mit Spanien. Die Erfolge der Engländer im Krieg, vor allem die Vernichtung der Armada 1588, hatten schließlich großen Einfluss auch auf die Situation in den Niederlanden. Philipp II. fehlten jetzt die Mittel, militärisch weitreichend einzugreifen, England gewann nach und nach die Oberhand. 8 Für die Niederlande auf der anderen Seite war es vielleicht der wichtigste Schritt in Richtung Republik. Denn im gleichen Jahr dankte Leicester als Generalstaathalter ab, mit Moritz von Oranien, dem Sohn Wilhelms, wurde wieder ein Oranier Statthalter (1588 bis 1625). Doch die Generalstaaten hatten in der Zwischenzeit gelernt. Das „Experiment“ mit dem Herzog von Anjou als Souverän war bekanntlich gescheitert, kein anderer Kandidat stand bereit oder war willens, die Herrschaft über die Niederlande unter den vorherrschenden Konditionen zu übernehmen. Die Generalstände mussten notgedrungen selbst die Regierung übernehmen. „So entstand aus dem Kampf gegen den Fürstenstaat eine Republik der Provinzen.“ 9
5 Ebd., S. 238.
6 Ebd., S. 248.
7 Petrus Franciscus Maria Fontaine: De Raad van State. Zijn Taak, Organisatie en werkzaamheden in den jaren
1588-1590, Groningen/Jakarta 1954, S. 310f.
8 Vgl. Parker, S. 265ff.
9 North, S. 36.
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Arbeit zitieren:
Manuel Praest, 2003, Die Niederländische Republik: Bürgerherrschaft oder verkappte Monarchie?, München, GRIN Verlag GmbH
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