I. Inhaltsverzeichnis
II. Einleitung 3
III. Hauptteil
1. Qualia 4
1.1. Bewußtsein und Unterbewußtsein 4
1.2. Bewußt-sein 6
1.3. Zur Libet-Problematik 9
2. Identität 10
2.1. Perspektiventrennung 11
2.2. Kontrolle und Urteil 11
2.3. Wille und reflektierter Wille 12
3. Viabilität 13
3.1. "Blinder Fleck" 14
3.2. Die Landkarte ist nicht das Gebiet 15
3.3. "Objektives" und "Subjektives" Universum 16
IV. Quellenverzeichnis 18
2
II. Einleitung
Wir haben uns im vorangegangenen Seminar mit der Frage beschäftigt, wie sich die Fortschritte der Neurowissenschafte n und der empirischen Kognitionsforschung auf die philosophische Diskussion des menschlichen Bewußtseins auswirken können. Aufgrund dieser interdisziplinären Strategie war es uns möglich, neue Einblicke zu diversen Themen wie der Position und Beschaffenheit des Subjekts, Korrelationen zwischen neuronalen und mentalen Prozessen, moralischen Fragen, künstlicher Intelligenz und vielem mehr zu gewinnen. Meine Referatsgruppe war in diesem Kontext für die Abschlußsitzung zuständig, in welcher die wichtigsten Thesen noch einmal zusammengefaßt wurden. Mit der vorliegenden Hausarbeit versuche ich, die wichtigsten Inhalte aus Michael Pauens Analyse Grundprobleme der Philosophie des Geistes wiederzugeben und zu vertiefen.
Das Ziel dieser Untersuchung ist, die epistemologischen Grundlagen der jüngeren Bewußtseinsforschung zu hinterfragen und mögliche Alternativen aufzuzeigen. Hauptgegenstand der Betrachtung ist die Frage, ob und inwiefern neurologische, psychologische und philosophische Erklärungsversuche des Bewußtseins mit einander korrelieren könnten. Ich stütze mich dabei primär auf besagten Text Michael Pauens, Carl Gustav Jungs Symbole und Traumdeutung, Ernst von Glaserfelds Essay Konstruktion der Wirklichkeit und des Begriffs der Objektivität, Peter Bieris SPIEGEL-Artikel Unser Wille ist frei und Martin Suhrs Jean-Paul Sartre zur Einführung. Die Hausarbeit gliedert sich in drei Hauptabschnitte. Zunächst untersuche ich, was Qualia sind. Dabei diskutiere ich u.a. Jungs Definition des Unterbewußtseins, Satres Existenzphilosophie und die so genannte Libet-Problematik. Im zweiten Abschnitt diskutiere ich die sog. Identitätstheorie. Ich gehe dabei der Frage nach, welche Erklärungsebenen für diese Theorie relevant sind, und welche Rolle Kontrolle, Urteil und Wille in diesem Kontext spielen. Im dritten und letzten Abschnitt stelle ich den radikalen Konstruktivismus und sein epistemologisches Kriterium der Viabilität vor, um es auf die Bewußtseinsproblematik zu projizieren. Im Zuge dessen untersuche ich den "blinden Fleck" der Selbstbetrachtung und der Konstruktion von Modellen, bevor ich mit einem eigens konstruierten Modell die Untersuchung beende.
3
III. Hauptteil
1. Qualia
Bei einer neurophilosophischen Untersuchung des Themenkomplexes "Bewußtsein" stellt sich zunächst die Frage, an welchem Punkt wir in die Diskussion einsteigen wollen. Der Begriff "Quale" (bzw. "Qualia" im Plural) scheint mir gut dafür geeignet zu sein, da er ganz allgemein die phänomenale Qualität eines Bewußtseinszustandes bezeichnet. "Phänomenale Qualität" bedeutet in diesem Kontext, daß ein bestimmter Bewußtseinszustand einer bestimmten subjektiven Empfindung entspricht. Wenn wir von "Qualia" sprechen, dann sagen wir also noch nichts Spezifisches über die Struktur des Bewußtseins aus. Wir sagen damit nur, daß es für ein Subjekt "irgendwie" ist, einen bestimmten Bewußtseinszustand zu haben.
"Qualia" sind deshalb von entscheidender Bedeutung für Bewußtseinstheorien, weil wir jedem Bewußtsein zusprechen, Zustände wie z.B. Schmerz oder Farbwahrnehm ungen in einer subjektiven Art und Weise zu erleben. Hierbei bleibt jedoch offen, weshalb die elektrochemischen Aktivitäten von Nervenzellen mit Qualia verbunden sein können, also Bewußtsein zu produzieren scheinen. Alle wissenschaftlichen Theorien, welche die Erforschung des Bewußtseins bislang hervorgebracht hat, lassen eine große "Erklärungslücke" (Michael Pauen) bezüglich einer grundlegenden Arbeitshypothese klaffen: Der Korrelation von Bewußtsein und neuronalen Prozessen. 1
1.1. Bewußtsein und Unterbewußtsein
Ich halte es an dieser Stelle für entscheidend, genauer zu untersuchen, was es überhaupt bedeutet, etwas "bewußt" zu erleben. Welcher konkrete Zusammenhang besteht zwischen unserem bewußten Erleben (dem Bereich des "Mentalen") und den Prozessen, welche sich in unserem Gehirn abspielen, also dem Bereich des "Physikalischen"? Und: Muß Bewußtsein zwingend eine gedankliche Reflexion voraussetzen?
Laut Michael Pauen sind mentale Prozesse entweder mit neurologischen Prozessen identisch, oder von ihnen zu unterscheiden. Trifft letzteres zu, so stehen Pauen zufolge zwei weitere Optionen offen: Erstens, mentale und neurologische Prozesse weisen eine komplementäre Verbindung auf. Zweitens, mentale Prozesse sind zwar existent, aber ohne kausalen Einfluß auf neurologische Prozesse. 2 In diesem Falle wären neuronale Prozesse gleichsam ein "Abfallprodukt" des Gehirns bzw. der elektrochemischen Aktivitäten seiner Nervenzellen. Eine dritte Möglichkeit, die mentalen Prozesse hier als maßgeblich einzustufen, zieht Pauen allerdings nicht in Betracht. Ein weiteres wissenschaftliches Paradigma, welches sich mit der Struktur des Bewußtseins beschäftigt, ist das der Psychologie. Die Psychologie, welche sich von ihrem Ursprung her primär auf die Arbeiten von Sigmund Freud und Carl Gustav Jung zurückführen läßt, ist mitnichten ein homogenes Gebilde. Dennoch meine ich, in diesem Kontext zwischen drei verschiedenen Kategorien des Bewußtseins unterscheiden zu
1 Vgl. Michael Pauen, Grundprobleme der Philosophie des Geistes, S.84, in: Pauen, Michael / Roth, Gerhard (Hg.), Neurowissenschaften und Philosophie, München 2001, S.83-122
2 Ebd., S.86
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können: Dem Bewußten, dem Unterbewußten und dem Unbewußtem 3 . Ich behaupte damit nicht, daß es einen allgemeinen Konsens innerhalb der "Alltagspsychologie" über die exakte Bedeutung dieser Begriffe gäbe. Der entscheidende Denkansatz dieses Paradigmas aber ist: Das Bewußtsein ist mit der Psyche nicht identisch, sondern nur ein Teilaspekt davon. 4
Jung stützt seine empirischen Untersuchungen auf zwei grundlegende Arbeitshypothesen: Erstens, wir können Träume nur dann in einen sinnvollen Bezug zum träumenden Subjekt setzen, wenn wir den Ursprung unserer Träume als kohärentes System interpretieren, welches eine Kommunikation zwischen dem "archaischen" Unterbewußtsein und dem rationalen Bewußtsein ermöglicht. Träume sind in diesem Sinne irrationale Botschaften des Unterbewußtseins, welche das rationale Bewußtsein in Form von Symbolen informieren. Zweitens, das Unbewußte basiert nicht nur auf persönlicher Lebenserfahrung, sondern auch auf genetisch vererbten Allgemeinstrukturen der menschlichen Psyche. 5 Das menschliche Gehirn ist das Resultat einer Evolution, welche lange vor der Entstehung des Bewußtseins begann, und das Unterbewußtsein ist ein Relikt aus dieser Zeit 6 - man könnte es m.E. auch als "Protobewußtsein" bezeichnen. 7 Da diese Struktur des menschlichen Gehirns universell ist, weisen nicht nur die Träume, sondern auch alle Mythen eine interkulturelle Tendenz auf, bestimmte Motive hervorzubringen. Jung bezeichnet diese allgemeine Tendenz als "Archetyp". Der "Archetyp" ist jedoch nicht mit seiner konkreten symbolischen Ausformung zu verwechseln. 8
3 Das Unbewußte ist das, was sich dem Bewußtsein entzieht. Diese Kategorisierung ist rein methodisch. Ich behaupte damit, daß ein Subjekt nicht alle potentiell möglichen Erfahrungen, welche von seiner Umwelt ausgehen, in Form von Qualia haben bzw. verarbeiten kann.
4 Dies hat durchaus zu wissenschaftlichen Kontroversen geführt, weshalb Jung seine Position hierzu mit
Vehemenz verteidigt. Vgl. Jun g, Carl Gustav, Symbole und Traumdeutung, Düsseldorf / Zürich 2003, S.15:
"Auf Grund ihrer Erfahrungen nehmen Psychologen die Existenz einer unbewußten Psyche an - obgleich viele Naturwissenschaftler und Philosophen deren Existenz abstreiten. Letztere folgern naiv, eine solche Annahme schließe die Existenz zweier 'Subjekte' in sich oder, allgemeiner ausgedrückt, zweier Persönlichkeiten innerhalb desselben Individuums. Und genau das bedeutet es auch - sehr richtig."
5 Psychologische Muster könnten dementsprechend auf eine organische Basis zurückgeführt werden. Die sog. "Archetypen" könnten dann als zusätzliches Indiz dafür gewertet werden, daß neuronale und mentale Aktivitäten "in Wirklichkeit" zumindest teilweise identisch sind.
6 Jung, S.16: "Das Bewußtsein des Menschen hat sich nur langsam und mühselig entwickelt, in einem
Prozeß, der ungezählter Zeitalter bedurfte, um den Zustand der Zivilisation zu erreichen (den man willkürlich mit der Erfindung der Schrift, um 4000 v.Chr., beginnen läßt). Und diese Evolution ist noch längst nicht abgeschlossen. Weite Bereiche des menschlichen Geistes sind noch in Dunkel gehüllt, denn was wir 'Psyche' nennen, ist keineswegs identisch mit unserem Bewußtsein und dessen Inhalt."
7 Wenn ich im Folgenden von "Unterbewußtsein" spreche, dann meine ich damit eine Form des
Bewußtseins, welche sich auf den Bereich des Psychischen beschränkt, also kein reflektierendes "Ich" voraussetzt.
8 Jung, S.72: "Meine Ansichten über die 'archaischen Überreste', die ich 'Archetypen' oder 'Urbilder'
nenne, sind immer wieder von Leuten kritisiert worden, die keine genügende Kenntnis der Traumpsychologie und der Mythologie haben. Der Ausdruck 'Archetyp' wird oft als bestimmtes mythologisches Bild oder Motiv mißverstanden. Aber solche Bilder sind nur bewußte Darstellungen; es wäre absurd, anzunehmen, solche variablen Bilder könnten vererbt werden. Der Archetyp ist vielmehr
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Arbeit zitieren:
Ulrich Goetz, 2005, Bewußtsein - Zu Michael Pauens Analyse "Grundprobleme der Philosophie des Geistes" , München, GRIN Verlag GmbH
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