Bergische Universität Wuppertal
Vorlesung: Judentum und Islam
1. Semester
Die Wallfahrt im Islam
von: Bettina Kuß
Inhalt
0 Einleitung: Die Wallfahrt im Islam
1. Religiösgeschichtlicherer Hintergrund
1.1 Mekka und seine Geschichte um die Kaaba und den heiligen Stein
2. Riten der Wallfahrt
2.1. Individueller Teil der Riten
2.2. Kollektiver Teil der Riten
2.3. Individuelle Riten nach Abschluss des Ihram
2.4. Spiritueller Hintergrund der Wallfahrt
3. Ehre und Aberglaube, die einem Hadschi zuteil werden
4. Die Wallfahrt von den Anfängen bis heute
Bibliographie
0 Die Wallfahrt im Islam
Jährlich unternehmen über drei Millionen1 Muslime, aus allen Teilen der Welt, die Wallfahrt nach Mekka. Diese dauert ungefähr eine Woche an und gehört zu den fünf Säulen des Islam. Sie ist für jeden erwachsenen Moslem, der Herr seiner Sinne und gesundheitlich, sowie wirtschaftlich dazu in der Lage ist, verpflichtend. Sollte ein Muslim aus schwer wiegenden Gründen nicht dazu in der Lage sein, die Wallfahrt selber zu unternehmen, kann er stellvertretend für sich selbst einen anderen Moslem, der die Wallfahrt bereits zuvor schon einmal vollzogen hat, damit beauftragen, diese in seinem Namen zu unternehmen. Nach seinem Tod bezeugt dieser dann vor Allah, die Wallfahrt stellvertretend für den verhinderten Moslem unternommen zu haben. Allah wird dann für den verhinderten Moslem im Paradies einen weißen Turban bereithalten und ihn genauso ehrenvoll empfangen, als hätte dieser die Wallfahrt selber unternommen. Beauftragt der verhinderte Moslem jedoch keinen Anderen, die Wallfahrt in seinem Namen auszuführen, vererbt er die Schuld der Wallfahrtsversäumung an seine Nachkommen.2 Bei www.tuberlin. de/vereine/isb/wallfahrt/html heißt es hierzu: „Wenn der Muslim, der fähig ist zu pilgern, die Wallfahrt nicht vollzieht, so bleibt er trotzdem ein Muslim. Mit seiner Unterlassung sündigt er aber. Leugnet er allerdings, dass es sich hierbei um Verpflichtung handelt, wird er ungläubig.“ Das Ziel der Wallfahrt ist die Kaaba, ein würfelförmiges Gebäude in Mekka, welches einer Legende nach von Adam als erstes Gotteshaus erbaut und später von Abraham zusammen mit seinem Sohn Ismael wieder neu errichtet wurde3. Bei der Wallfahrt wird unterschieden zwischen der kleinen Wallfahrt, der Umra, die meistens im Frühjahr stattfindet, aber auch zu jeder anderen beliebigen Jahreszeit vollzogen werden kann und der großen Wallfahrt, dem Hadsch (oder auch Hadj, Hadjdj oder Hadjj), die im Pilgermonat „Dhu al-Hidscha“ stattfindet. Die Umra beschränkt sich auf die individuellen Riten, die der Pilger in Mekka verrichtet. Der Hadsch umfasst zusätzlich zu den individuellen Riten noch die kollektiven Riten, welche der einzelne Pilger zusammen mit anderen Pilgern in einer Gruppe, in der Umgebung von Mekka und Medina verrichtet.4 Die Wallfahrt ist für Männer und Frauen gleichermaßen verpflichtend, jedoch sollen die Frauen, nach Möglichkeit die Wallfahrt nicht alleine unternehmen, sondern von einem verwandten Mann, der den Hadsch bereits zuvor schon einmal verrichtet hat, begleitet werden5. Nach Abschluss des Hadsch erhält der männliche Pilger den Ehrentitel „Hadschi“ (oder Hadji) und ist berechtigt eine weiße Kopfbedeckung zu tragen, die weibliche Pilgerin erhält den Ehrentitel Hadjja6. Laut „Wikipedia“ ist in den ärmeren Ländern auch ein Besuch einheimischer Wallfahrtstätten zur Erfüllung der Glaubenspflicht möglich. Zum Beispiel „des tunesischen Kaironan“.
1 Religiöser Hintergrund
Die Wallfahrt hat für den Muslim mehrere spirituelle Bedeutungen. Die größte jedoch ist die, seinem Monotheismus Ausdruck zu verleihen. Die Muslime unternehmen die beschwerliche Pilgerfahrt, um ihrem einen Gott, Allah zu gefallen, ihm Ergebenheit und Gehorsam zu erbringen und ihn so, um die Vergebung i hrer Sünden anzuflehen7. Laut A. T. Khoury „ist die Wallfahrt ein vorzüglicher Ausdruck des Glaubens und der gehorsamen Unterwerfung unter den Willen Gottes und somit ein wirksames Mittel, die Vergebung der Sünden und das Wohlwollen Gottes zu erlangen.“ Die tiefgründigste Bedeutung, findet der Gläubige, laut Khoury auf dem Höhepunkt seiner Pilgerreise, wenn er vor dem Berg Arafat steht und dort, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, stehend zu Gott betet. Dann steht er „vor dem Herrn in totaler Ergebung und vorbehaltlosem Gehorsam. Er erlebt dort, was eigentlich der Islam in seinem Wesen bedeutet, und er drückt dieses Erlebnis mit dem Wiederholten Satz aus: Da bin ich, Herr (labbayka).“ (A.T. Khoury) 8
Bei H. Hübsch erhält die Wallfahrt weitere Bedeutungen. Zum einen soll sie die gemeinsame Wurzel von Judentum, Christentum und Islam hervorheben und somit der Kaaba eine universelle Bedeutung geben. Zum anderen symbolisiert sie die Einheit aller Muslime und soll die weltweite Brüderlichkeit9 manifestieren. „Männer und Frauen, nur mit einem einteiligen, weißen Gewand bekleidet, vollziehen Riten, die in ihrer Fülle hier nicht beschrieben werden können, die indes der völligen Umwandlung des Menschen Ausdruck geben sollen. Ihre innere Bedeutung ist die Reise der Seele zum Ziel des Lebens, zur Vereinigung mit ihrem Schöpfer.“ (H. Hübsch)10
In www.3sat.de/kulturzeit ist noch der Hinweis darauf zu finden, dass der Pilger in der Glaubensgemeinschaft die göttliche Ordnung erfahre und wer in Mekka stürbe, der komme auf direktem Weg ins Paradies. Bei www.politikerscreen.de/t-online/lexikon erhält die Wallfahrt zusätzlich auch noch eine politische Bedeutung, denn: „Im Lauf der letzten zwanzig Jahre diente die Wallfahrt auch der Förderung der politischen Solidarität in der islamischen Welt.“11
1.1. Mekka und seine Geschichte um die Kaaba und den heiligen Stein
[...]
1 vgl. www.tu-berlin.de/vereine/isb/wallfahrt/html
2 vgl. A. T. Khoury: Der Islam – sein Glaube – seine Lebensordnung – sein Anspruch, Seite 140; Einführung in die Grundlagen des Islams, Seite 219;Islam Lexikon – Geschichte – Idee – Gestalten, Seite 753, K. Sennocak: Seite 85; G. Simon, Seite 209-219; www.tu-berlin.de/vereine/isb/wallfahrt/html; www.feste-derreligione. de/feste/wallfahrt.html; www.zdf.de; www.politikerscreen.de/t-online/lexikon; de.wikipedia.org/wiki/Hadsch; www.lichtstr.de-Deutsch-Pilgerfahrt; www.3sat.de/kulturzeit;
3 vgl. www.idhn.de
4 vgl. siehe 2 u. 3
5 vgl. siehe 1
6 vgl. de.wikipedia.org/wiki/Hadsch; A.T. Khoury: Einführung in die Grundlagen des Islams, Seite 221
7 vgl. Islam Lexikon – Geschiche – Idee – Gestalten, Seite 756
8 vgl. A.T. Khoury : Einführung in die Grundlagen des Islams, Seite 220, Zeile 30-33; Seite 221 Zeile 9-12
9 vgl. hierzu: G. Simon: Seite 604
10 vgl. H. Hübsch, Seite 102 Zeile 49- Seite 103 Zeile 19
11 vgl. hierzu auch: Islam Lexikon – Geschichte – Idee – Gestalten, S. 757
Arbeit zitieren:
Bettina Kuß, 2004, Die Wallfahrt im Islam, München, GRIN Verlag GmbH
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