GLIEDERUNG Seite
1 Einleitung 1
1.1 Allgemeines 1
1.2 Definitionen 2
2 Welchen Einfluß hat physische Attraktivität 3
2.1 Einfluß auf Bewertungen 3
2.2 Einfluß auf verschiedene Lebensbereiche 4
2.3 Ausweitung des Einflusses auf Dritte 5
2.4 Geschlechtsabhängige Unterschiede 6
3 Wie läßt sich der Einfluß von Attraktivität erklären 7
3.1 Reale Unterschiede 7
3.2 Attraktivität als Belohnung 8
3.3 Attraktivität als biologisches Signal 9
4 Kritik 10
4.1 Negative Auswirkungen von Attraktivität 10
4.2 Operationalisierung von Attraktivität 11
4.2.1 Definition durch Urteilerkonsens 11
4.2.2 Nicht berücksichtigte Bestandteile von Attraktivität 12
5 Zusammenfassung 14
Übersetzung der englischen Zitate 15
Literaturverzeichnis 16
Erklärung 21
II NA
1 EINLEITUNG „(...) in civilized life man is largely but by no means exclusively influenced in the choice of his wife by external appearance.“ (Darwin, 1871, S. 881, zitiert nach Adams & Crossman, 1978, S. 8) 1
1.1 ALLGEMEINES
Die wachsende Kosmetikindustrie, Fitnesswahn, Schönheitschirurgie und auch Eßstörungen zeigen, daß viele Menschen mit g roßem Einsatz einem bestimmten Aussehensideal nacheifern. Wenn Märchen, Filme und auch die Werbung versprechen, daß die Schönen identisch mit den Guten, Erfolgreichen und Glücklichen sind (Adams & Crossman, 1978, S. 2, 91ff.), hofft auch der Normalmensch auf die vorteilhafte Wirkung eines attraktiven Äußeren. Und dies nicht erst seit heute: Fiser und Fiserova (1969, zit. nach Patzer, 1985) berichten, daß Versuche, die äußere Erscheinung zu verbessern, zu den ältesten kulturellen Ausdrucksweisen des Menschen gehören. Da stellt sich die Frage, ob alle diese Bemühungen zweckmäßig waren: Hat die Attraktivität wirklich Auswirkungen auf die interpersonelle Anziehung?
Erstaunlicherweise spielt die Attraktivität als Forschungsthema erst seit den sechziger Jahren eine Rolle. Für das frühere Desinteresse der Forschung war vermutlich die Angst vor Diskriminierung eines bestimmten Äußeren verantwortlich, die wohl angesichts der Lavaterschen Physiognomik oder gar rassentheorethisch begründeter Schädelmessungen im 3. Reich verständlich ist. Wir würden es hassen, „festzustellen, daß hübsche Frauen mehr als weniger hübsche gemocht werden - das scheint irgendwie undemokratisch.“ (Aronson 1970, S.160, zit. nach Hassebrauck & Niketta, 1993, S.5). Also befaßte man sich wissenschaftlich gar nicht mit dem Aussehen.
Den Wandel verursachte zum einen das aufkommende Interesse an der Eindrucksbildung (Hassebrauck & Niketta, 1993, S. 4), zum anderen mit auch die „Computerdance“-Studie von Walster, Aronson, Abrahams und Rottman (1966), die unerwartet mächtige Einflüsse der Attraktivität offenbarte. Daraufhin folgten zahllose weitere Studien und Versuche, die Bedeutung der Attraktivität zu erklären. Parallel zu dieser Entwicklung möchte ich erst Auswirkungen auf die interpersonelle Anziehung beschreiben, dann einige Erklärungsversuche darstellen, anschließend aber auch versuchen, die Untersuchungsergebnisse etwas zu relativieren.
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1.2 DEFINITIONEN Attraktivität und Anziehung/Attraktion haben im englischen „to attract“ einen gemeinsamen sprachlichen Kern (Bierhoff & Grau, 1993, S. 201). Dieser läßt sich wiederum vom lateinischen „attrahere“ (an sich heranziehen) ableiten.
Laut Mikula und Stroebe (1991) stellt Anziehung „positive zwischenmenschliche Einstellungen“, d.h. „eine gelernte Bereitschaft dar, gegenüber einer bestimmten anderen Person mit positiven Meinungen, positiven Gefühlen und positivem Verhalten oder Verhaltensabsichten zu reagieren.“ (S.61). Bierhoff und Grau (1993, S. 231) trennen die Erklärungen für interpersonelle und romant ische Attraktion. Nach Sternberg (1986) kann jedoch die freundschaftliche Verbindung, das Mögen, durchaus eine Komponente der Liebe sein. Mir erscheint dieser Ansatz einleuchtender, deshalb möchte ich im folgenden unter Anziehung positive interpersonelle E instellungen verstehen, die Voraussetzung für eine Kontaktaufnahme und jede engere Beziehung sind.
Da Anziehung ein Konstruktbegriff ist, kann sie relativ unterschiedlich operationalisiert werden. In den folgenden Studien wird direkt nach dem Grad des „mögen“ („like“) gefragt, es wird aber auch als Indikator z.B. die Wünschbarkeit als Arbeits- oder Freizeitpartner festgestellt. Zudem kann man davon ausgehen, daß positive zwischenmenschliche Einstellungen vorliegen, wenn jemandem sozial erwünschte Eigenscha ften zugeschrieben werden oder wenn man ihn in irgendeiner Weise bevorzugt.
„Attraktiv“ wird im Brockhaus definiert als „1) starken Anreiz bietend, verlockend;
2) anziehend (aufgrund eines ansprechenden Äußeren), reizvoll, hübsch“ (1987, S.289). Patzer (1985, S. 40) fragt insofern zurecht, ob der Zusatz „physisch“ wichtig sei. Im Duden (1983) wird dagegen Attraktivität schlicht als Anziehungskraft definiert; deshalb möchte ich zumindest im Titel bei „physisch“ bleiben, um den Begriff gegenüber anderen möglichen Arten von Anziehungskraft (z.B. physikalischer oder intellektueller) abzugrenzen. „Physische Attraktivität“ könnte ein neutralerer Begriff sein als „Schönheit“ (Niketta, 1993, S. 163), ist aber vielleicht auch für Abstufungen wie „geringe oder hohe Attraktivität“ im Gegensatz zu „geringe Schönheit“ sprachlich besser geeignet. „Physische Attraktivität“ soll also in dieser Arbeit als Anziehungskraft, die auf körperlichen Merkmalen beruht, verstanden werden. In den folgenden Studien wird sie durch einen Konsens von mehreren Urteilern bestimmt.
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2 WELCHEN EINFLUSS HAT PHYSISCHE ATTRAKTIVITÄT ?
2.1 EINFLUSS AUF BEWERTUNGEN
Wie schon in der Einleitung angedeutet, erhielten Walster et al. (1966) unerwartete Ergebnisse. Ihre Hypothese war, daß ein Individuum am ehesten einen Partner mit ähnlichem Grad an sozial erwünschten Eigenschaften mögen und sich wieder mit ihm verabreden würde. Dies beruhte auf der Annahme, daß sich eine realistische Partnerwahl nicht nur an der Erwünschtheit sondern auch an der Erreichbarkeit eines Zieles orientiere. Bei einem College-Tanzabend wurden angeblich nach Interessenlage, in Wirklichkeit aber zufällig, Paare gebildet. Nur die Attraktivität des Partners bestimmte, wie sympathisch er wirkte und ob man ihn wieder treffen wollte. Weder Persönlichkeitszüge des anderen noch seine Intelligenz, die vorher erhoben worden waren, erwiesen sich als Prädiktoren, ebensowenig die eigene Attraktivität bzw. soziale Erwünschtheit.
Die Autoren vermuteten selber, daß diese Ergebnisse vielleicht nur bei kurzen Kontakten junger Leute gültig wären. Tatsächlich gibt es auch Hinweise, daß ähnliche Attraktivität die Entwicklung einer Beziehung begünstigt (Folkes, 1982, White, 1980). Die Resultate von Walster et al. könnten also Folge der künstlichen Untersuchungssituation sein: Da die Paare zugewiesen wurden, war eine Ablehnung gar nicht möglich. Bei Huston (1973) wurden zwar generell attraktive Frauen bevorzugt, doch die Möglichkeit einer Zurückweisung hatte einen mäßigenden Einfluß. Die Chance, für eine Verabredung akzeptiert zu werden, hielten Männer für abhängig von ihrem eigenen Attraktivitätslevel.
Gegen die Einschränkung der Ergebnisse spricht, daß schon im Kindergartenalter die Popularität mit der Attraktivität zusammenhängt, wie Dion und Berscheid (1974) anhand von soziometrischen Daten feststellten. Zudem messen ältere Leute der Attraktivität im Leben eher noch mehr Bedeutung zu als jüngere (Jones & Adams, 1982).
Auch Mathes (1975) war zunächst der Meinung, daß bei längerer Bekanntschaft das Aussehen zugunsten der Persönlichkeit zurücktreten müßte. Entgegen seiner Annahme zeigte sich jedoch bei zufällig gebildeten Paaren, die sich fünfmal trafen, kein Nachlassen des Einflusses von Attraktivität auf das Mögen. Männer bevorzugten vertrauenswürdigere Datingpartner nur leicht, während die Präferenz für attraktivere überwältigend war (Shepard, 1973, zit. nach Hatfield & Sprecher, 1986).
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Trotzdem gaben Studenten in Befragungen an, daß bei einem Partner der Charakter sehr wichtig sei, während sein Aussehe n für sie geringeren Einfluß habe (Hudson & Henze, 1969). Der Einfluß der Attraktivität wird anscheinend drastisch unterschätzt. Dion, Berscheid und Walster stellten 1972 die Existenz eines Schönheitsstereotyps fest: Sie vermuteten, daß attraktiven Personen eher sozial erwünschte Eigenschaften und ein erfolgreiches Leben zugeschrieben würden. Dazu ließen sie Vpn unterschiedlich attraktive schwarzweiße Jahrbuchfotos auf verschiedenen Skalen beurteilen. Wirklich wurden Attraktive beiderlei Geschlechts u.a. als geselliger, interessanter, freundlicher, stärker und gelassener, d.h. als attraktivere Persönlichkeiten wahrgenommen; ebenso wurden ihre Ehen als glücklicher und ihre Berufe als renommierter betrachtet: „What is beautiful is good“ 2 (S.285).
Diese Studie löste viele weitere aus; Eagly, Ashmore, Makhijani und Longo (1991) kommen durch eine Metaanalyse zu dem Schluß, daß das Stereotyp bezogen auf soziale Kompetenz sehr stark ist, hingegen bei Stärke, Anpassung und intellektueller Kompetenz etwas weniger und bei Integrität und Sorge um andere gar nicht wirkt.
2.2 EINFLUSS AUF VERSCHIEDENE LEBENSBEREICHE
Angesichts dieser positiven Bewertungen ist es nicht erstaunlich, daß Attraktivität sich auch im täglichen Umgang auswirkt. Byrne, Ervin und Lamberth (1970) untersuchten die These, daß sich sowohl Einstellungsähnlichkeit als auch Attraktivität auf das Mögen auswirke. Dazu arrangierten sie halbstündige Verabredungen von unterschiedlich ähnlichen Paaren in einem Café, wonach die Vpn Fragebögen über den Partner ausfüllten. Die Annahmen der Autoren wurden bestätigt, und es stellte sich heraus, daß Attraktive auch eher als Dating- oder Ehepartner erwogen und für sexuell anziehender gehalten wurden.
Stroebe, Insko, Thompson und Layton (1971) erhielten ähnliche Ergebnisse, indem sie Vpn ausgefüllte Fragebögen mit Fotos vorlegten, die angeblich von anderen Vpn stammten, und sie diese beurteilen ließen. Attraktivität beeinflußte sowohl Sympathie als auch die Präferenz für Dating, Ehe und Zusammenarbeit, wobei der Einfluß für Dating am stärksten war. Auch Daten, wonach die Ehezufriedenheit eines Mannes mit der Attraktivität seiner Frau zusammenhängt, weisen auf die Wichtigkeit des Aussehens im zwischenmenschlichen Bereich hin (Murstein & Christy, 1976). Attraktivität b eeinflußt ebenfalls Leistungsurteile und Hilfsbereitschaft, wie die beiden folgenden Studien zeigen: West und Brown (1975) ließen eine angeblich von
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einer Ratte gebissene Studentin Passanten um Geld für eine Impfung bitten. Bei einer schwer wirkenden Verletzung erhielt sie mehr Geld, wenn sie attraktiv zurechtgemacht war. Bei Landy und Sigall (1974) sollten Männer Aufsätze mit dem Foto der angeblichen Verfasserin bewerten. Wie die Autoren angenommen hatten, wurden die Texte von Attraktiven besser bewertet als die von Unattraktiven; dabei zeigte das Aussehen am meisten Wirkung, wenn die Qualität des Aufsatzes, neutral beurteilt, eher schlecht war.
Tatsächlich bleibt kaum ein Lebensbereich vom Einfluß der Attraktivität verschont: Attraktive Täter wurden, zumindest in simulierten Verhandlungen, milder bestraft (Darby & Jeffers, 1988, zit. nach Niketta, 1993). Attraktive Klienten erhielten eine positivere Diagnose (Barocas & Vance, 1974), während attraktive Therapeuten, dargestellt durch eine Tonbandstimme mit F oto, eher für vertrauenswürdig und erfahren gehalten wurden (Cash & Kehr, 1978); auch attraktivere Lehrer wurden als fähiger betrachtet (Romano & Bordieri, 1989). Lagen ein Lebenslauf mit Foto und die Mitschrift eines Interviews vor, beeinflußte die Attraktivität eines Bewerbers die von ihm erwartete Leistung und seine eventuelle Einstellung positiv (Gilmore, Beehr & Love, 1986).
Efran und Patterson (1974, zit. nach Bull & Rumsey, 1988) fanden sogar Auswirkungen des Äußeren auf die Wahlentscheidung. Diejenigen Politiker, die von Vpn einer attraktiven Gruppe zugeordnet wurden, hatten in einer zurückliegenden Wahl durchschnittlich mehr Stimmen erhalten.
2.3 AUSWEITUNG DES EINFLUSSES AUF DRITTE
Der Vorteile der Attraktivität beschränken sich nicht auf die Attraktiven selbst: „Beauty rubs off“ 3 (Hatfield & Sprecher, 1986, S.129).
Sigall und Landy führten 1973 folgendes Experiment durch, um mögliche Kontexteffekte bei der Beurteilung von Attraktiven zu untersuchen: Ein Student saß mit einer attraktiv oder unattraktiv zurechtgemachten Frau in einem Warteraum. Einmal wurde der Eindruck hervorgerufen, die beiden seien liiert, einmal wirkten sie wie Fremde. Die Vp saß wartend dabei und sollte später den Studenten beurteilen. Während er in der ersten Bedingung („befreundet“) je nach dem Aussehen der Frau besser oder schlechter eingestuft wurde, zeigte sich keine Wirkung, wenn sie als Fremde galten. Wie eine vorherige Befragung ergab, rechneten die Studenten sogar
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Sabine Pfisterer, 2000, Die Auswirkungen physischer Attraktivität auf die interpersonelle Anziehung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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