Inhaltsverzeichnis:
1 Einleitung: 1
2 Arten und Charakteristika von Befragungen 1
2.1 Mündliche und schriftliche Befragung. 1
2.2 Unstandardisierte und standardisierte Befragungen 2
3 Antwortverhalten 3
4 Fragetypen 6
4.1 Fragearten: Zweck der Frage. 6
4.2 Fragestellung: direkt - indirekt 8
4.3 Antwortmöglichkeiten: offene und geschlossene Fragen 9
5 Formale Fragenkonstruktion und Fragenformulierung 10
5.1 Inhaltliche und formale Gestaltung von Fragen 10
5.2 Frageverzerrungen 12
5.3 Fragenformulierung. 13
6 Fragenreihenfolgeeffekte. 17
7 Fragebogenlänge. 19
8 Fazit 20
9 Literaturverzeichnis: III
I
Abkürzungsverzeichnis:
bspw. beispielsweise bzw. beziehungsweise ca. cirka d.h. das heißt et. al. et altera evtl. eventuell frz. französischer o.g. oben genannten S. Seite u.a. unter anderem usw. und so weiter v. Chr. vor Christus vgl. vergleiche vs. versus z.B. zum Beispiel
II
1 Einleitung:
„Ein Weiser gibt nicht die richtigen Antworten, sondern er stellt die richtigen Fragen“ 1 . „Frag nur vernünftig, und du hörst Vernünftiges“. 2 Diese Zitate zeigen deutlich, dass man nur bei richtiger Fragestellung brauchbare und vernünftige Antworten erhalten kann. Fragen zählen zu den wichtigsten Instrumenten, die Menschen verwenden um an Informationen zu gelangen. Dabei geht es nicht um die Frage allein, sondern auch um die Antwort, die die Frage ermöglicht oder sie gegebenenfalls sogar vorgibt. 3 Besonders bei den Sozialwissenschaften und im Bereich der Markforschung steigt die Bedeutung der Befragung und der Befragungstechnik. Als hilfreiches Instrument dient hier der Fragebogen, welcher die Untersuchung von Einstellungen, Meinungen, Chancen von Produkten am Markt usw. ermöglicht. Bei der Beurteilung der Qualität einer Untersuchung kommt dem Fragebogen gegenüber dem Interviewer eine größere Gewichtung zu. 4 Die Reliabilität, Validität und Brauchbarkeit der Antworten hängt von der Qualität, dem Aufbau und der Gestaltung des Fragebogens entscheidend ab. Die Konstruktion eines Fragebogens wird ausschlaggebend dadurch geprägt, w elche Informationen gesammelt, welche Arten von Aussagen getroffen, wofür und auf welcher Grundlage Validität für die Antworten in Anspruch genommen und in welcher Kommunikations-(Befragungs-)form der Fragebogen verwendet werden soll. Weiter interessiert, welche Determinanten des Antwortverhaltens der Auskunftgebenden in der Befragungssituation mutmaßlich wirksam sind.
2 Arten und Charakteristika von Befragungen
2.1 Mündliche und schriftliche Befragung
In der Konsumgüter- und Meinungsforschung wird häufig das persönliche Interview zur Gewinnung von Informationen verwendet. 5 Mündliche Befragungen können sowohl in unstandardisierter, als auch in standardisierter Form durchgeführt werden. Sonderform des persönlichen Interviews ist die telefonische Befragung. Sie ist gegenüber dem persönlichen Interview kostengünstiger und vermeidet Interaktionsprozesse zwischen der Auskunftsperson und dem Befragendem.
1 Claude Levi-Strauss (*1908), frz. Anthropologe.
2 Euripides (480 - 407 v. Chr.), griechischer Tragödiendichter.
3 Vgl. Friedrichs (1985), S. 192.
4 Vgl. Kastin (1995), S. 92.
5 Vgl. Nieschlag, Dichtl, Hörschgen (1999.), S. 738.
1
Ein weiterer Vorteil liegt in der Erreichbarkeit von Befragten, allerdings beschränkt sich die relevante Stichprobe auf Menschen, die über einen Telefonanschluss verfügen. 6
Bei einer schriftlichen Befragung füllen die Probanden standardisierte Fragebögen aus. Dabei wird zwischen individual-diagnostischen, deren Ziel es ist Aussagen über einzelne Menschen zu erlangen und demoskopischen Fragebögen, die Aussagen über Gruppen von Menschen anstreben, unterschieden. 7 Die Befragung kann in einer persönlichen Situation, postalisch oder aber auch über das Internet erfolgen. Aufgrund der besseren Vergleichbarkeit und größeren Stichproben werden hier größtenteils geschlossene Fragen angewandt.
2.2 Unstandardisierte und standardisierte Befragungen
Unstandardisierte mündliche Befragungen können in der Form eines freien Interviews abgehalten werden und sind durch freie Formulierung der Fragen durch den Interviewer sowie offene Antwortmöglichkeiten der Befragten charakterisiert. Dadurch kann man den Ablauf der Informationsgewinnung steuern. Dieses Verfahren, bei dem der Fragebogen die Funktion eines Gesprächsleitfadens einnimmt, der weder Art noch Reihenfolge der Fragen bestimmt, wird in der Praxis häufig bei der Durchführung von Expertengesprächen angewendet. Weil der Interviewer bei dieser Art der Befragung einen großen Einfluss auf den Befragten ausübt, woraus sich oft immense Verzerrungen der Antworten ergeben 8 , wird auf diese Form der Befragung im Weiteren nicht eingegangen.
Von einer standardisierten Befragung spricht man, wenn der Befragung ein starrer Fragenkatalog zugrunde liegt und der Interviewer keinen Einfluss auf die Reihenfolge und Formulierung der gestellten Fragen hat. Die standardisierte Befragung ermöglicht dem Befragenden nicht, flexibel auf sich ergebende individuelle Situationen zu reagieren, aber sie stellt den Vergleich zwischen den Antworten einer großen Stichprobe her. Weiter reduziert dieses Verfahren den Interviewer-Bias, also Verzerrungen der Ergebnisse, die durch Einflussnahme des Interviewers auf die Befragten bedingt sind.
6 Vgl. Nieschlag, Dichtl, Hörschgen (1999), S. 742.
7 Vgl. Tränkle (1983), S. 223.
8 Vgl. Nieschlag, Dichtl, Hörschgen (1999), S. 742.
2
Bei der standardisierten Befragung wird die Befragungstaktik allein durch Gestaltung und Aufbau des Fragebogens determiniert 9 , und daher beziehen sich die folgenden Ausführungen dieser Arbeit hauptsächlich auf das standardisierte Interview.
3 Antwortverhalten
Um die Konstruktion und den Aufbau eines Fragebogens verstehen und beurteilen zu können, ist es notwendig sich mit dem Antwortverhalten von Befragten auseinanderzusetzen. Dabei kommen verschiedene Untersuchungen (u. a. von Turner & Fiske (1968), Nowakowska (1971), Kuncel(1973), Schneider-Düker & Schneider (1977) und weitere) zu dem Ergebnis, dass das Verständnis der gleichen Frage von Befragtem zu Befragtem durchaus unterschiedlich sein kann. 10 Dies lässt darauf schließen, dass Fragebeantwortungsprozesse bei Versuchspersonen itemspezifisch verschiedenartig ablaufen. So konnten Turner und Fiske (1968) nachweisen, dass nur ungefähr die Hälfte aller Auskunftgebenden die Frage adäquat im Sinne der Intention des Fragebogens bzw. seiner Konstrukteure beantworteten 11 , weil die Probanden unterschiedliche Vorstellungen bezüglich der Fragebogenitems haben. So werden Angaben wie z.B. „oft“, „manchmal“ oder „wenig“ von den Befragten unterschiedlich interpretiert. 12 Zu den verschiedenen Iteminterpretationsabläufen bei den Befragten kommen Antworttendenzen hinzu. Darunter kann man all diejenigen Teile der Antworten verstehen, die nicht durch den subjektiven Fragensachverhalt, sondern durch die Art und Weise der Fragestellung determiniert sind. Antworttendenzen können frageinhaltsorientiert oder antwortsorientiert (im engeren Sinne response sets) sein. Unter ersteres fällt hauptsächlich die soziale Erwünschtheit, es kommt also hierbei zu Antworten, die mit gesellschaftlichen Normen konform gehen. Gründe für dieses Antwortverhalten sind einerseits das Streben nach sozialer Anerkennung und andererseits die befürchteten Konsequenzen bei Offenbarung der wahren Sachverhalte. 13 Bei den response sets werden Antworten mit ganz speziellen Inhalten gegeben, ohne überhaupt die Frage zu berücksichtigen. Darunter fallen auch Bejahungsbzw. Zustimmungstendenzen (Acquiescence), Verneinungstendenzen, Mittendenzen, Extremtendenzen und Variationstendenzen. Um die Bejahungstendenz in Grenzen zu halten wird empfohlen, Items teils positiv und teils negativ zu formulieren.
9 Vgl. Nieschlag, Dichtl, Hörschgen (1999), S. 738.
10 Vgl. Turner, Fiske (1968), S. 297, vgl. auch Tränkle (1983), S. 229.
11 Vgl. Turner, Fiske (1968), S. 311.
12 Vgl. Tränkle (1983), S. 229.
13 Vgl. Schnell, Hill, Esser (1999), S. 332.
3
Dies birgt aber andererseits die Gefahr der doppelten Verneinung, die oft eine Fehlerquelle darstellt. Mittlerweile wird aber speziell die Acquiescence als eigenes Persönlichkeitsmerkmal betrachtet und daher selbst als Fragebogenvariable erhoben. 14 Zu den nicht inhaltsorientierten Antworttendenzen zählt u. a. der Positionseffekt, auf den an späterer Stelle noch näher eingegangen wird. Die dargestellten Verständnisunterschiede und Antworttendenzen stellen für die Zusammenstellung eines Fragebogens ein großes Problem dar und können durch geschickte Zusammenstellung und Formulierung von Fragen allenfalls gemildert, jedoch nicht vollständig verhindert werden. 15
Die Antwortgenese beschäftigt sich damit, wie eine potentielle Antwort beim Befragten zustande kommt. So hat der Proband verschiedene Möglichkeiten eine Antwort zu generieren, sei es, dass er aus welchen Gründen auch immer nicht bereit ist, den Fragebogen auszufüllen, aus der Befragung aussteigt oder generell die Mitarbeit verweigert und dies zu einer psychologisch unbedeutsamen, willkürlichen Antwort führt. Weiter besteht die Gefahr von vorschnellen Antworten (bevor die Frage vollständig vorgetragen wurde). Es empfiehlt sich daher, die eigentliche Frage erst am Schluss, nach Schilderung des gesamten Sachverhaltes zu stellen. 16 Wird hingegen eine Frage von der Versuchsperson inhaltlich verstanden, kann eine Antwort durch Einbeziehung kognitiver Prozesse (Meinungen, Erfahrungen, Einstellungen usw.) entstehen. Der Befragte kann sich nun für eine subjektiv wahre, eine sozial erwünschte oder für eine Kombination aus beiden Antworten, im Sinne einer zweckmäßig verfälschten, entscheiden. 17 Kann der Befragte die Frage mangels Kriterien für eine der aufgeführten Antwortalternativen nicht beantworten, wählt er einen response set. Man spricht hier von Fragen ohne eindeutige Zieldimension. Ferner kann allerdings auch die Art und Weise der Fragestellung eine sozial erwünschte Antwort hervorrufen, wenn sie eine große Suggestivwirkung auf den Befragten ausübt. Als Informationsquelle für die Generierung von Antworten werden auch die Antwortalternativen selbst herangezogen. So nehmen die Befragten häufig an, dass der Wertebereich der Alternativen die Verteilung des z.B. erfragten Verhaltens wiederspiegele.
14 Vgl. Tränkle (1983), S. 231.
15 Vgl. Tränkle (1983), S. 230.
16 Vgl. Tränkle (1983), S. 261.
17 Vgl. Tränkle (1983), S. 233.
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Arbeit zitieren:
Lars Obernberger, 2005, Wie manipuliere ich Befragungen richtig? Einfluß der Fragebogengestaltung auf die Befragungsergebnisse, München, GRIN Verlag GmbH
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