Die Konferenz von Jalta
von: Tobias Sternberg und In-Hae Lee
4. Fachsemester
Gliederung
1. Einleitung 2
2. Militärische und politische Ausgangslage der Konferenz von Jalta 2
3. Ungelöste Konflikte und Verstimmungen zwischen den Alliierten vor Februar 1945 2
3.1 Verspätete Errichtung der Zweiten Front 3
3.2 Bindung amerikanischer Kredite für die Sowjetunion an politische Bedingungen 4
3.3 Nachkriegsordnung für Deutschland 5
3.4 Widerstrebende Interessen der UdSSR und der USA in Osteuropa 7
4. Ziele und Motivation der „Big Three“ für die Konferenz von Jalta 10
4.1 Sowjetisches Bedürfnis nach Sicherheit und Klarheit über die US-Außenpolitik 10
4.2 Amerikanische „One World Policy“ 11
4.3 Großbritanniens Bemühen um einen Platz unter den Weltmächten 12
5. Die Konferenz von Jalta 12
5.1 Verlauf der Konferenz 12
5.2 Unstrittige Themen 13
5.3 Streitpunkte 15
5.3.1 Kontroversen über Deutschlands Besetzung und Reparationszahlungen 15
5.3.2 Die Polenfrage 17
5.4 Bewertung der Konferenz von Jalta und Konsequenzen 19
5.4.1 Roosevelts und Stalins Bewertung der Jalta-Konferenz 19
5.4.2 Stalins Konsequenzen aus der Jalta-Konferenz 19
6. Schlussfolgerungen: Jalta-Konferenz im Kontext des Kalten Krieges 20
7. Literaturverzeichnis 22
8. Verzeichnis zitierter Internet-Quellen 22
1. Einleitung
Aus der retrospektiven Betrachtung wird die Jalta-Konferenz zumeist der Entstehungsphase des Kalten Krieges zugeordnet, da hier deutlich wurde, dass es unüberbrückbare Differenzen zwischen den Alliierten bezüglich entscheidender Fragen der Nachkriegsordnung gab.1 Gleichzeitig gibt es Stimmen, die der Konferenz das Potential zusprechen, eine Grundlage für eine „working relationship“2 zwischen Westalliierten und UdSSR gewesen zu sein, da hier bedeutende Einigungen wie bspw. bezüglich der Gründung der Vereinten Nationen und einer endgültigen Festlegung der polnischen Ostgrenze erzielt werden konnten. Im Folgenden soll dargestellt werden, wie diese diametral entgegengesetzten Aussagen miteinander zu vereinbaren sind.
2. Militärische und politische Ausgangslage der Konferenz von Jalta
Mit der Eröffnung der Zweiten Front im Juni 1944 durch die Landung der Westalliierten in Nordfrankreich sowie durch die militärischen Erfolge der Roten Armee während ihrer Winteroffensive 1945 stand das Deutsche Reich zu Beginn des Jahres 1945 kurz vor dem Zusammenbruch. Nachdem sich die Alliierten noch bis Ende 1944 aufgrund von taktischen und strategischen Überlegungen nicht über den Austragungstermin und –ort einer Anschlusskonferenz an das erste Treffen der „Big Three“ in Teheran einigen konnten, wurde nun durch die schnellen militärischen Erfolge der Alliierten in West- und Osteuropa eine Erörterung der strittigen Nachkriegsfragen unabdinglich. 3
3. Ungelöste Konflikte und Verstimmungen zwischen den Alliierten vor Februar 1945
Die Konferenz von Jalta war von Beginn an von beiderseitigem Misstrauen geprägt, welches auf unterschiedliche Vorstellungen bzgl. einer Nachkriegsordnung für Deutschland und Osteuropa und Irritationen über die Intentionen des jeweils anderen Bündnispartners zurückzuführen ist.
3.1 Verspätete Errichtung der Zweiten Front
Die Errichtung einer zweiten Front in Kontinentaleuropa durch britische und amerikanische Heeresverbände ist im Mai 1942 durch US-Präsident Roosevelt und den sowjetischen Außenminister Molotow bei einem Treffen in Washington als besonders dringlich eingestuft worden. Stalin war hierbei besonders an einer möglichst schnellen Entlastung der Roten Armee interessiert, die unter großen Verlusten die Hauptlast des Landkrieges zu tragen hatte. Roosevelt wollte vor allem das wachsende Misstrauen der Sowjetführung gegenüber den westlichen Alliierten zerstreuen und somit einen deutsch-sowjetischen Separatfrieden verhindern. Außerdem sah sich die Roosevelt-Administration zunehmendem innenpolitischen Druck ausgesetzt und beabsichtigte, die amerikanische Öffentlichkeit für die Bedeutung des Krieges mittels eines Eintritts in den Landkrieg zu sensibilisieren und von einer Abkehr vom traditionellen amerikanischen Isolationismus zu überzeugen. 4
Die politische Notwendigkeit einer Invasion der Nordatlantikküste im Jahr 1942 musste allerdings hinter militärische Überlegungen zurücktreten, die es nahe legten, eine Invasion aufgrund der bis zu diesem Zeitpunkt unzureichenden britischen Rüstung auf das Frühjahr 1943 zu verschieben. Nachdem Churchill den Vorschlag, kleine Truppenverbände an der französischen Küste landen zu lassen, aus Angst vor massiven Verlusten durch ein übereiltes Eingreifen abgelehnt hatte, entschloss sich Roosevelt, einer Invasion Nordafrikas zuzustimmen.5
Der unerwartet starke Widerstand der deutschen Truppenverbände in Nordafrika und der Entschluss Roosevelts und Churchills in Casablanca, Sizilien anzugreifen, führten zu einer weiteren zeitlichen Verschiebung der Errichtung einer zweiten Front in Nordfrankreich bis zum 6.Juni 1944. Zu diesem späten Invasionszeitpunkt kam es nicht zuletzt auch durch die Überlegungen der Roosevelt-Administration, einen Fehlschlag der „Operation Overlord“ innenpolitisch nicht rechtfertigen zu können, weshalb die USA enorme Mengen an Kriegsmaterial bereitstellen mussten, um einen Erfolg der Invasion zu garantieren. 6 Die zweijährige Verspätung der Invasion in der Normandie schürte das Misstrauen der Sowjetunion gegenüber den westlichen Alliierten und führte zu einem verstärkten Bemühen Stalins um eine Verständigung mit Hitler, die letztlich scheiterte. Auch nachdem Stalin sich wieder den Westmächten zugewandt hatte, blieb das Misstrauen auf beiden Seiten tief, dass sich die jeweils andere Seite mit Deutschland auf einen Separatfrieden einigen könnte.7 In Moskau verblieb zudem der Eindruck: „To ensure its own security the Sovjet Union would have to rely solely on itself.“8 Allein die Truppenstärke der Roten Armee, ihre militärischen Erfolge und die enormen territorialen Zugewinne während der zwei Jahre des Zögerns der westlichen Alliierten, die Zweite Front zu errichten, schienen hierfür Garant genug und so waren Stalin und die Sowjetführung der Überzeugung: „territory equalled security“ und implementierten in den besetzten Gebieten ihr Gesellschaftssystem: „whoever occupies a territory imposes his own social systems. Everyone imposes his own system as fas as his army has the power to do so.“9
3.2 Bindung amerikanischer Kredite für die Sowjetunion an politische Bedingungen
[...]
1 Vgl. Dülffer (1999), S. 33.
2 Vgl. Best (2004), S. 205.
3 Vgl. Dülffer (1999), S. 8.
4 Vgl. Loth (2002), S. 75.
5 Vgl. Loth (2002), S. 76.
6 Vgl. Loth (2002), S. 76-77.
7 Vgl. Loth (2002), S. 78 und Lundestad (1991), S. 37.
8 Lundestad (1991), S. 37.
9 Best (2004), S. 207.
Arbeit zitieren:
Tobias Sternberg, In-Hae Lee, 2005, Die Konferenz von Jalta, München, GRIN Verlag GmbH
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