Einleitung
Der Umschwung in der Denkmalpflege um 1900 und der Ottheinrichsbau des Heidelberger Schlosses sind eng miteinander Verbunden, denn hier wurde die Frage nach Restaurierung oder Konservierung viele Jahre diskutiert. Nachdem der Friedrichsbau von Carl Schäfer 1897-1903 restauriert worden war, erhoben sich vermehrt Stimmen gegen einen Wiederherstellung der Ottheinrichbaus. Es wurde zunehmend anerkannt, dass die originale Bausubstanz das Besondere des Baus ausmachte, welche es zu schützen galt und nicht, hinter dem Vorwand des Gebäudeschutzes, das Ziel verfolgt werden solle, das Gebäude in seiner “alten Pracht“ wieder auferstehen zu lassen. Ausschlaggebend in dieser Diskussion war Veröffentlichungen von Georg Dehio „Was wird aus dem Heidelberger Schloß werden?“ 1 , in dem er den Standpunkt Vertritt, dass auch die Ruine erhaltenwert sei und nicht zum „bequemeren Genuß“ das Alte verändert werden solle.
1.0 Denkmalpflege um 1900
Um 1900 fand ein wesentlicher Wandel in der Denkmalpflege statt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts war Viollet le Duc noch der Auffassung, ein Denkmal solle in seinem glanzvollen alten Zustand, durch genaue Studien wieder aufgebaut w erden 2 , doch damit stieß er bald auf regen Widerstand. In England veröffentlichte z.B. John Ruskin seine „Seven Lamps of Architecture“, worin er sich strikt gegen die Restaurierungsmaßnahmen im Sinne le Ducs stellte und sich für eine Instandhaltung des Bauwerkes aussprach. Nach seiner Auffassung gehörten die Spuren der Zeit zu einem Bauwerk dazu, da sie die Zeugen des Alters seien. Durch die Restaurierung des Gebäudes würden diese getilgt werden
1 Dehio, Georg: Was wird aus dem Heidelberger Schloß werden? In: Georg Dehio:
Kunstgeschichtliche Aufsätze. München/Berlin 1914.
2 Huse, Norbert: Denkmalpflege, Deutsche Texte aus drei Jahrhunderten. München 1984,
S.86-88
1
und dadurch da Bauwerk nicht gerettet, sondern zerstört. 3 Die Auffassung der Denkmalpflege wandelte sich also vom Restaurieren und Rekonstruieren zum Konservieren. Der wichtigste deutsche Vertreter konservierender Maßnahmen war Georg Dehio. Unterstützt wurde er von seinen Kollegen Alois Riegel, Cornelius Gurlitt, Paul Clemen und Adolf von Oechelhäuser. Die gegnerische Seite übernahmen Leute wie Paul Tornow, Otto Stiehl, Ludwig Dihm und Carl Weber. 4 Im Bezug auf das Heidelberger Schloss sollte Carl Schäfer Dehio ärgster Kontrahent werden. Durch das steigende Interesse an der Denkmalpflege gründeten sich um 1900 in Deutschland Vereine, wie die aus dem „Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine“ hervorgehende „Commission für Denkmalpflege“. Diese brachten 1899 zum ersten Mal ihre Zeitschrift „Die Denkmalpflege“ heraus und am 24. und 25. September 1900 fand der erste „Tag für Denkmalpflege“ in Dresden statt. 5 Dort wurde, ab dieser Zeit, der Umgang mit Denkmalen diskutiert.
2.0 Der Ottheinrichsbau des Heidelberger Schlosses
Der Ottheinrichsbau wurde 1556-1559 unter
3 Ruskin, John: The Seven Lamps of Architecture. London 1849.
4 Hanselmann, Jan Friedrich: Die Denkmalpflege in Deutschland um 1900, Zum Wandel
der Erhaltungspraxis und ihrer methodischen Konzeption. Europäische Hochschulschriften,
Reihe XXVIII Kunstgeschichte, Bd. 280. Frankfurt am Main 1996.
5 Huse 1984, S. 93.
2
diesem Wege schloss er viele Freund- und Bekanntschaften in Italien mit denen der sein künstlerisches Interesse teilen konnte. Zu diesen gehörten z.B. Federigo II. Gonzaga, Herzog von Mantua, der Ottheinrich ein Portrait von sich, von Tizians Hand gemalt, schickte oder Ercole d’Este, dem Herzog von Ferrara, dessen humanistische Einstellung ihn mit Ottheinrich verband oder auch die Medici in Florenz. Dazu kamen außerhalb Italiens Beziehungen zu Holbein und Beham, die ihn portraitierten, sowie Peter Vischer und Mathias Gerung. 6
1542 trat Ottheinrich zum Protestantismus über, was ihn, da er keine finanzielle Unterstützung mehr bekam, in den Ruin trieb. Daraufhin musste er vier Jahre später sein Herzogtum Neuburg aufgeben und ging ins Exil nach Heidelberg. 7 1556 starb Friedrich II. und Ottheinrich konnte dessen Nachfolge als Kurfürst in Heidelberg mit protestantischer Reichspolitik antreten. In den letzten drei Jahren seines Lebens konnte er seine politischen Überzeugungen ausleben und mit dem Bau des Ottheinrichbaus am Heidelberger Schloss beginnen. Seine Vollendung erlebte er jedoch nicht mehr mit. 8
6 Rossmann, Kurt: Der Ottheinrichsbau des Heidelberger Schlosses und sein Bauherr.
Heidelberg 1949, S. 8-11.
7 Cramer-Fürtig, Michael: Ottheinrichs „merkliche und beschwerliche Schuldenlast“,
Finanzkrise und Staatsbankrott im Fürstentum Pfalz-Neuburg 1505-1546. In: Pfalzgraf
Ottheinrich, Politik, Kunst und Wissenschaft im 16. Jahrhundert. Neuburg an der Donau
2002, S. 108-122.
8 Henker, Michael: Die Einführung der Reformation im Fürstentum Pfalz-Neuburg. In:
Pfalzgraf Ottheinrich, Politik, Kunst und Wissenschaft im 16. Jahrhundert. Hrsg. Stadt
Neuburg an der Donau. Neuburg an der Donau 2002, S. 145-150.
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Arbeit zitieren:
Patricia Weckauf, 2005, Die Denkmalpflege um 1900 am Beispiel des Ottheinrichbaus des Heidelberger Schlosses, München, GRIN Verlag GmbH
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