Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
2 Die Rational Choice Theorie. 2
2.1 Das Grundmodell der soziologischen Erklärung. 3
2.2 Die Wert-Erwartungstheorie. 4
2.2.1 Kritik. 5
3 Umweltbewusstsein und Umweltverha lten. 7
3.1 Das Problem der Messung von Umweltbewusstsein. 8
3.1.1 Die Malony/Ward-Skala. 9
3.1.2 Ein Vorschlag zur Erfassung von Umweltbewusstsein. 10
3.2 Die Einflussfaktoren auf das Umweltverha lten. 11
3.2.1 Der Bereich Recycling. 12
3.2.2 Modell von Fietkau/Kessel. 12
3.3 Die Low-Cost-Hypothese. 14
4 Eine Studie über Recycling. 16
5 Zusammenfassung. 18
Literatur 21
1 Einleitung
„Die Umweltsoziologie befasst sich mit den sozialen Ursachen und den gesellschaftlichen Reaktionen auf ökologische Probleme.“ (Diekmann/Preisendörfer 2001: 9). Dieser Bereich der Soziologie bezieht sich demnach nicht auf das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft auf die gesamte Umwelt, sondern auf die Naturumwelt im Speziellen. 1
Der Begriff Umwelt wird im Folgenden wie im Sprachgebrauch der Umweltwissenschaft verwendet. Demnach bezieht sich Umwelt hier auf die Geo- und Biosphäre und innerhalb dieser auf den Lebensraum der Menschen und der natürlichen Ressourcen (Endruweit/Trommsdorff 2002: 641). Den Stoffwechsel der modernen Industriegesellschaft in ihrer Umwelt bezeichnet man als industriellen Metabolismus. Ist dieser gestört, liegen Umweltprobleme vor. Es gibt drei wesentliche Typen von Umweltproblemen: die Veränderung der geo- und biosphärischen Lebensbedingungen, die Abnutzung und Verknappung der Ressourcen und die Gefahren des Ind ustriesektors (Endruweit/Trommsdorff 2002: 641). Im Rahmen des Themas „Theorien sozialen Handelns“, werde ich in dieser Arbeit das rationale Handeln im Umweltbereich untersuchen und insbesondere auf das Problem von Umweltbewusstsein und Umweltverhalten eingehen. Die zentrale Frage lautet: Wie verhalten sich die Menschen bezüglich ihrer Einstellungen zur Umwelt in unterschiedlichen Situationen und wie ist dieses Verhalten messbar und beeinflussbar?
Im zweiten Abschnitt wird die Umweltsoziologie aus der Sicht des rational ha ndelnden Individuums dargestellt. Hier wird die Rational Choice Theorie als Hand-lungstheorie eingeführt. Der dritte Abschnitt zeigt die Diskrepanz zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten. In diesem werden zunächst die möglichen Einflussfaktoren auf das Umweltverhalten herausgearbeitet, anschließend wird auf das Problem der Messung von Umweltbewusstsein eingegangen um letztendlich
1 Die Umweltsoziologie ist ein Teil der soziologischen Forschung. Sie befasst sich mit den sozial
produzierten ökologischen Problemen und den gesellschaftlichen Reaktionen auf diese (Die k-
mann/Preisendörfer 2001: 19).
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die Low-Cost-Hypothese als wichtigstes Verhaltensmuster vorzustellen. Zur Veranschaulichung der Problema tik folgt im vierten Abschnitt eine Studie über das Abfallverhalten (Recycling). Der Schlussteil besteht aus einer kurzen Zusammenfassung me iner Arbeit und einem Fazit.
2 Die Rational Choice Theorie
Die Rational Choice Theorie ist Bestandteil des strukturell- individualistischen Ansatzes, welcher von dem Postulat des methodologischen Individualismus ausgeht (Endruweit/Trommsdorff 2002: 424). Charakteristika des methodologischen Individualismus sind folgende:
- Soziale Ereignisse sind das Ergebnis von Einstellungen, Entscheidungen und Handlungen von individuellen Akteuren.
- Soziale Phänomene sind unter Verwendung theoretischer Aussagen über individuelles Handeln zu erklären.
- Der soziale Kontext wirkt sich auf die Bedingungen des individuellen Verhaltens aus.
Ziel des individualistischen Ansatzes ist die Erklärung von sozialen Phänomenen durch Anwendung von Theorien über individuelles Verhalten im sozialen Kontext. Ad-hoc-Erklärungen sind zu vermeiden, damit die Theorie darüber informiert, welche Faktoren Determinanten individuellen Handelns sind (Endru-weit/Trommsdorff 2002: 424). Die Rational Choice Theorie hat die Aufgabe, empirisch überprüfbare Hypothesen zu bilden. Theorien und Modelle werden entwickelt, um aus diesen möglichst deduktive Hypothesen abzule iten. Ob eine Theorie die Beobachtungen zutreffend erklären kann, ist abhängig von der empirischen Prüfung (Diekmann/Preisendörfer 2001: 68).
Die Rational Choice Theorie ist keine homogene Theorie. Vielmehr existieren verschiedene Varianten nebeneinander (Diekmann/Preisendörfer 2001: 65). Dennoch lassen sich drei Kriterien anführen, die für alle Versionen des Rational Cho ice Gültigkeit besitzen (Diekmann 1996; Diekmann/Preisendörfer 2001: 63f.):
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1. Dem methodologischen Individualismus zufolge bilden Akteure den Ausgangspunkt.
2. Die Akteure befinden sich in einer Entscheidungssituation in der sie zwischen mindestens zwei Alternativen wählen können. 3. Durch eine Entscheidungsregel wird angegeben, welche Handlung ein Akteur ausführen wird.
Des weiteren lassen sich zwei Richtungen ausmachen: die Rational Choice Theorie im engeren Sinne und die Rational Choice Theorie im weiteren Sinne (Diekmann 1996; Endruweit/Trommsdorff 2002: 425). Der Unterschied liegt in dem Ausmaß der Beschränkung der oben genannten Annahmen (insbesondere der dritten Annahme). Die enge Version ist ein spezieller Fall der weiten Version, da die weite Version „ [...] alle Arten von Präferenzen und Restriktionen prinzipiell als erklärende Faktoren [...]“ (Endruweit/Trommsdorff 2002: 425) zulässt. Dadurch sind viele ve rschiedene Entscheidungsregeln möglich, wobei die engere Version auf die Entscheidungstheorie der Nutzenerwartungsmaximierung beschränkt ist (Diekmann 1996).
Es sind viele Modifikationen und Einschränkungen der Rational Choice Theorie mö glich, um sie besser an reale Entscheidungssituationen anzupassen. In einigen Situationen kann zum Beispiel überhaupt keine Maximierung stattfinden, da der Akteur nicht alle Alternativen kennt. In diesem Fall wird die Suche nach weiteren Alternativen aus Kostengründen abgebrochen und eine Alternative gewählt, die als ausreichend empfunden wird („satisficing behavior“). Das Hinzufügen immer weiterer Nutzenkomponenten ist zwar möglich, wirkt sich aber gegenüber empirischer Kritik immunisierend auf die Theorie aus (Diekmann/Preisendörfer 2001: 67 f.).
2.1 Das Grundmodell der soziologischen Erklärung
Dem Grundmodell der soziologischen Erklärung zufolge, besteht diese Grundstruktur aus drei aneinander anschließenden „Logiken“ (Esser 1993). Um das kollektive Explanandum erklären zu können, muss man zunächst die sozialen Situa-
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tion als Ausgangspunkt nehmen. Diese hat einen indirekten Effekt auf den zu erklärenden sozialen Tatbestand auf der Makroebene. Deshalb wird ausgehend von den Randbedingungen auf der Makroebene durch die Logik der Situation mittels beschreibenden Brückenhypothesen die Verbindung zwischen sozialer Situation und Akteur auf der Mikroebene geschaffen (Konstruktion erster Ordnung der Akteure). Durch die Logik der Situation wird festgelegt, welche Bedingungen in der Situation gegeben sind und welche Alternativen die Akteure haben (Esser 1993). Auf der Mikroebene wird nun im zweiten Schritt das individuelle Handeln erklärt (Esser 1993). Die Logik der Situation fragt nach einer erklärenden Handlungsthe-orie. Hier befindet sich der analytisch-nomologische Kern des Modells, da eine Kausalbeziehung zwischen situativer Erwartung und Bewertung des Akteurs und der Handlung he rgestellt wird. Eine mögliche Handlungstheorie ist die Wert-Erwartungstheorie, eine Variante des Rational Choice. Ich werde in Kapitel 2.2 genauer auf diese Theorie eingehen.
Den dritte Schritt bezeichnet Esser als die Logik der Aggregation (Esser 1993). Es handelt sich hierbei um eine Mikro-Makro-Verbindung, da durch die aggregierte Transformation die Wirkung der individuellen Handlungen der Akteure auf das kollektive Explanandum hergestellt wird. Die angewendeten Transformationsregeln sind abhängig von den jeweiligen inhaltlichen Problemen (Esser 1993). Damit ist die Erklärung von Makrophänomenen über die Mikroebene abgeschlossen. „Die Gesamtheit der drei Schritte bildet immer eine kausal-analytische Konstruktion zweiter Ordnung des Soziologen über das Geschehen, die die Akteure, um die es in der Erklärung geht, selbst meist nicht übersehen können.“ (Esser 1993: 97f.).
2.2 Die Wert-Erwartungstheorie
Wie ich im letzten Abschnitt bereits erwähnt habe, ist eine mögliche anwendbare Handlungstheorie die Wert-Erwartungstheorie. Für alle menschlichen Akteure in allen Situationen gilt folgendes Gesetz: „Wenn zwei Alternativen i und j zur Wahl anstehen, dann wählt der Akteur die Alternative mit der jeweils höheren Nutze n-
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Arbeit zitieren:
Sabine Fischer, 2005, Rationales Handeln im Umweltbereich, München, GRIN Verlag GmbH
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