Gliederung
1. Einleitung 4
2. Eltern-Kind-Beziehung 6
2.1 Eltern-Kind-Beziehung als erste Beziehungserfahrung 6
2.2 Die Bedeutung der Eltern-Kind-Beziehung für die Entwick-
lung der sozialen und emotionalen Kompetenz der Kinder 8
2.3 Die Bedeutung der Qualität der Beziehung zwischen den
Eltern für die Entwicklung des Kindes S.9
2.3.1 Die dialogische Beziehung zu glücklichen Eltern 9
2.3.2 Die Beziehung zu getrennten Eltern 10
2.4 Trennung der Kinder und Jugendlichen von den Eltern 12
3. Die Beziehung zwischen Kind und pädagogischen
Mitarbeitern S. 15
3.1 Helfende Beziehung 15
3.2 Historischer Abriss der Beziehungsarbeit in der stationären
Erziehungshilfe S. 16
3.3 Aufbau und Gestaltung von Beziehung in der stationären
Erziehungshilfe S. 17
3.3.1 Vertrauen 18
3.3.2 Kommunikation 19
3.3.3 Beziehungsarbeit ist Netzwerkarbeit 21
3.4 Die Bedeutung der Beziehung im erzieherischen Alltag 23
3.5 Bezugserzieher 25
3.6 Probleme in der Beziehungsarbeit im Heim 26
4. Beziehungsarbeit mit schwierigen Kindern und Jugendlichen 29
4.1 Ausgangspunkt Zwangsbeziehung 29
4.2 Gesellschaftliche Ebene 29
4.3 Mitarbeiterebene S: 31
4.4 Ebene der Kinder und Jugendlichen 31
4.5 Problematische Interaktionen im Heimalltag 32
1
5. Heimerziehung und Familie 34
5.1 Gleiche Ansprüche an verschiedene Erziehungsinstitutionen? 34
5.2 Paradoxe Ansprüche an die Heimerziehung 35
6. Die Bedeutung von Familienorientierung in der stationären
Erziehungshilfe S. 38
6.1 Die Situation nach dem zweiten Weltkrieg 38
6.2 Vergleich verschiedener Sozialisationsorte 40
6.2.1 Sozialisation in der elterlichen Familie 40
6.2.2 Sozialisation in einem Groß-/ Normalheim 40
6.2.3 Sozialisation in einer Pflegefamilie 41
6.2.4 Sozialisation in einer familienorientierten Kleinsteinrichtung 42
6.3 Zum Begriff „Familie“ 43
6.4 Familienorientierte Heimerziehung am Beispiel der Kinder-
hauses Eiderstedt in Tetenbüll 44
6.4.1 Bedeutung und Auftrag 44
6.4.2 Bedeutung von Alltag und Ritualen 45
6.5 Familienorientierte Heimerziehung am Beispiel der
SOS -Kinderdörfer 46
6.5.1 Lebensort Kinderdorffamilie aus pädagogischer Sicht 46
6.5.2 Die Bedeutung der Beziehung 48
6.5.3 Bildung eines Familienklimas 50
6.6 Kritik an der familienähnlichen Erziehungshilfe 50
7. Heimerziehung aus Kindersicht 53
7.1 Woran leiden fremduntergebrachte Kinder? 53
7.1.1 Biografische Brüche S: 53
7.1.2 Funktionalisierung von Beziehungen 54
7.1.3 Elternbild 54
7.1.4 Aussonderungserfahrungen 54
7.1.5 Sanktionen 55
7.1.6 Zukunftshoffnungen und Zukunftsangst 55
7.2 Konsequenzen für die pädagogischen Mitarbeiter 56
2
8. Der Loyalitätskonflikt 57
8.1 Loyalitätsbindungen der Kinder 57
8.2 Bedeutung der Heimunterbringung eines Kindes für die Eltern 58
8.3 Die Bedeutung der Loyalitätsbindungen der Kinder für die
Heimerziehung S. 59
8.4 Die Ambivalenz der Eltern und ihre Auswirkungen auf das Kind 60
9. Elternarbeit in der stationären Erziehungshilfe 62
9.1 Die Bedeutung der Elternarbeit 62
9.2 Ziele der Elternarbeit 64
9.3 Konkurrenz zwischen Heim und Elternhaus 66
10. Zusammenfassung 67
Literatur
Verzeichnis der Internetquellen
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1. Einleitung
§ 34 Kinder- und Jugendhilfegesetz:
„Heimerziehung, sonstige betreute Wohnform. (1) Hilfe zur Erziehung in einer Einrichtung über Tag und Nacht (Heimerziehung) oder in einer sonstigen betreuten Wohnform soll Kinder und Jugendliche durch eine Verbindung durch Alltagsleben mit pädagogischen und therapeutischen Angeboten in ihrer Entwicklung fördern. (2) Sie soll entsprechend dem Alter und Entwicklungsstand des Kindes oder des Jugendlichen sowie den Möglichkeiten der Verbesserung der Erziehungsbedingungen in der Herkunftsfamilie 1. eine Rückkehr in die Familie erreichen versuchen oder 2. die Erziehung in einer anderen Familie vorbereiten oder 3. eine auf längere Zeit angelegte Lebensform bieten und auf ein selbstständiges Leben vorbereiten.
(3) Jugendliche sollen in Fragen der Ausbildung und Beschäftigung sowie der allgemeinen Lebensführung beraten und unterstützt werden.“ So lauten die gesetzlichen Bestimmungen zur stationären Erziehungshilfe heute. Doch Heimerziehung in Deutschland hat sich im Laufe der Jahre gewandelt, von den ersten Waisenanstalten im 16. Jahrhundert über den durch Rousseau ausgelösten und von Pestalozzi geprägten familienorientierten Ansatz, der durch die ideologische Erziehung im Dritten Reich abgelöst wurde, bis hin zu heutigen verschiedensten Wohnformen, in denen Kinder und Jugendliche ein Zuhause finden.
Genauso hat sich auch die Bedeutung der Beziehungsarbeit innerhalb der stationären Erziehungshilfe geändert.
Beziehungsstrukturen können sehr komplex und weitreichend sein. Jeder Mensch steht in der Mitte eines individuellen Netzes von Beziehungen und Kontakten zu verschiedenen Personen. Zu jedem Menschen in seinem sozialen Umfeld hat man eine individuelle Beziehung. Sei es zu Familienangehörigen, Freunden, Mitschülern, Nachbarn oder pädagogischen Kräften.
Die Frage ist, in wie weit und für wen Beziehung wichtig ist. Welche Rolle spielt der Begriff „Beziehung“ innerhalb der stationären Erziehungshilfe und gibt es Unterschiede der Intensität von Beziehung in den verschiedenen Formen der
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stationären Einrichtungen? Wie fühlt sich ein Kind, wenn es von den Eltern getrennt und fremduntergebracht wird? Wie fühlen sich die Eltern? Ist es möglich eine Fremdunterbringung des Kindes mit einer guten Beziehung des Kindes zu den Eltern zu vereinen? Was ist nötig um Beziehung zu gestalten? In dieser Diplomarbeit soll es primär um die Beziehung der Kinder und Jugendlichen zu ihren primären Bezugspersonen wie Eltern oder Erzieher gehen. Die Bedeutung und die Auswirkungen sowohl positiver als auch negativer Eltern-Kind-Beziehungen werden näher betrachtet. Außerdem soll die Beziehung der Kinder und Jugendlichen zu den Erziehern und anderen pädagogischen Fachkräften untersucht werden. Welche Vorraussetzungen bringen die verschiedenen Beteiligten in den Beziehungsprozess mit? Und kann die stationäre Erziehungshilfe überhaupt an die Ideale einer Familie anknüpfen? Im sechsten Kapitel werden verschiedene Formen familienorientierter Heimerziehung besprochen und die Beziehungsarbeit an zwei Beispielen familienanaloger Heimerziehung verdeutlicht.
Danach soll auch die Sicht der Eltern berücksichtigt werden. Wie agieren alle Betroffenen im ständigen Spannungsfeld zwischen Kind, Eltern und Heim? Wie und in welchem Maße können Loyalitätskonflikte entstehen und wie geht man mit ihnen um?
Im Schlussteil werden Handlungsstrategien aufgezeigt, wie Loyalitätskonflikte gelöst oder vermieden werden können und wie die Arbeit mit den Eltern eine Rückführung oder eine bessere Beziehung zwischen Kind und Eltern fördern kann.
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Die ersten Erfahrungen mit Beziehungen macht das Kind vom Tag seiner Geburt an. Denn schon Säuglinge haben intensiv teil an der Interaktion mit den primären Bezugspersonen wie den Eltern. Aus diesem Grund hat die Qualität der Beziehung zu den Eltern und das emotionale Klima innerhalb der Familie große Bedeutung für den weiteren Entwicklungsprozess des Kindes. Das bedeutet, dass diese einen angemessenen Rahmen schaffen müssen, in dem die Beziehung mit dem Kind gestaltet werden kann. Die Eltern müssen sich auf die Bedürfnisse und die Signale des Kindes einlassen und offen für Veränderungen sein. Das Bedürfnis nach Bindung gilt als ein biologisches Grundbedürfnis und „Bindungsbedürfnis und Bindungsbeziehung sind (…) unabhängig von der Qualität der jeweiligen Beziehung eines Kindes mit einer Bezugsperson“ (Ziegenhain, U., o.J., o.S). Das bedeutet, dass sowohl Kinder, die positive, liebevolle Beziehungserfahrungen gemacht haben, eine ebenso tief greifende Bindung zu ihren Eltern haben wie Kinder, die von ihren Eltern misshandelt oder vernachlässigt werden. Das beruht darauf, dass stammes- und evolutionsgeschichtlich betrachtet das Bindungssystem eines Menschen die Sicherung des Überlebens in Angst- und Notsituationen bedeutet. Doch in der heutigen Zeit spielt dieser Aspekt des Überlebens eine eher untergeordnete Rolle in Bezug auf die Eltern-Kind-Beziehung, ausgenommen der physiologischen Versorgung des Kindes. Neben physiologischen Bedürfnissen haben Kinder auch „Sicherheitsbedürfnisse (nach Bestätigung, Schutz, Angstfreiheit, Überschaubarkeit, Regelhaftigkeit usw.), Bedürfnisse nach Zugehörigkeit und Liebe sowie Bedürfnisse nach Wertschätzung. An der Spitze steht das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung“ (Textor, M.R., o.J., o.S.). In den meisten Familien werden die physiologischen Bedürfnisse ausreichend befriedigt, doch häufig werden Kinder von ihren Eltern emotional vernachlässigt, abgeschoben oder abgelehnt. Auch reine kognitive Förderung durch ständiges Belehren kann sich negativ auf die Entwicklung des Kindes auswirken, denn
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dadurch wird dem Kind die Möglichkeit genommen, die Welt mit seiner eigenen Kreativität und Selbständigkeit zu entdecken.
Da es oft nicht möglich ist, innerhalb der Familie alle Bedürfnisse des Kindes vollständig zu befriedigen, ist Frustration in einem bestimmten Maß nicht zu vermeiden. Doch auch durch solche Erfahrungen kann das Kind lernen mit Belastungen und Problemen zurecht zu kommen und an ihnen zu wachsen, indem es neue Kompetenzen und Fähigkeiten entwickelt. Doch es gibt auch bestimmte Risikofaktoren, die für die frühkindliche Entwicklung langfristig negative Auswirkungen haben können wie z. B. zu starke und lang andauernde Frustration (z. B durch Deprivation), Armut, psychische Erkrankungen, disharmonische Elternbeziehung und Kriminalität.
Eine Untersuchung (Baur, D., u.a, 2002, S. 209 ff.) beleuchtete die Beziehungsverhältnisse innerhalb der Familien zu Beginn einer stationären Erziehungshilfe und kam zu folgendem Ergebnis: In knapp der Hälfte der untersuchten Familien wird das Verhältnis der Eltern zu ihren Kindern als ambivalent beschrieben. Weiterhin wurde die Eltern-Kind-Beziehung bei 12,7% der Familien als ausbeutend und belastend und in weiteren 18,3 % sogar als ablehnend beschrieben. Das sind insgesamt rund 80% der Familien, die ihren Kindern keine psychosozialen Bedingungen garantieren können, die für eine gesunde und positive Persönlichkeitsentwicklung notwendig wären. Außerdem werden in 27,4% aller Fälle „verhärtete Strukturen im Familiengefüge“ (S.209) als ein Grund für die Fremdplatzierung eines Kindes angegeben. Unter dieser Formulierung verbergen sich z.B. schädigende Beziehungsstrukturen, Gewaltanwendungen Abhängigkeiten, Suchtprobleme, schwere Erkrankung eines Elternteils oder starke psychische Belastungen.
Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass im Vergleich zu anderen Hilfen zur Erziehung die Begründungsmuster und Problembereiche in Bezug auf eine Fremdunterbringung eines Kindes eher im gesamten Familiensystem gelagert sind. „Häufiger werden bei den Begründungen für eine stationäre Erziehungshilfe Belastungen der Eltern wie Alkoholprobleme und psychische Belastungen neben sozioökonomischen Faktoren genannt, weniger stark sind es Schwierigkeiten der Kinder oder sehr spezifische Behinderungen, Entwicklungsverzögerungen oder gravierende Verhaltensauffälligkeiten der Kinder. Am deutlichsten zeigen sich aber im Vergleich zu den anderen Hilfeformen die Belastungen in den
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Beziehungen zwischen Eltern und Kind und die verfahrenen und teilweise chaotischen Beziehungsverhältnisse in der gesamten Familie als Hintergründe für die Notwendigkeit einer stationären Erziehungshilfe“ (S.211). Doch nicht alle Risikofaktoren müssen zwangsläufig zu Entwicklungsstörungen führen. Einige Kinder scheinen resistent dagegen zu sein oder erholen sich später aufgrund positiver Einflüsse wieder. Ausschlaggebend hierfür sind „Geschlecht, Alter, Persönlichkeitscharakteristika und Umweltfaktoren“ (Textor, M.R., o.J., o.S.). Außerdem wirken ein gutes Verhältnis zu Freunden und Verwandten, ein gutes Selbstbild und gute Schulleistungen kompensatorisch auf negative Einflüsse. Doch in Wechselwirkung oder Kumulation mit anderen Risikofaktoren geraten die Kinder in die Gefahr, dass später Verhaltens- und Entwicklungsauffälligkeiten auftreten können. Psychosoziale Risiken wie instabile Lebensverhältnisse und Trennungserfahrungen, Armut, Mangel an sozialer Unterstützung werden somit begünstigt.
2.2 Die Bedeutung der Eltern-Kind-Beziehung für die Entwicklung der sozialen und emotionalen Kompetenz der Kinder
Es bestehen bestimmte Zusammenhänge zwischen frühen Beziehungserfahrungen der Kinder und späterem Verhalten. Das emotionale Klima innerhalb der Familie während der frühen Entwicklung des Kindes ist verantwortlich für die weitere Entwicklung des Kindes, denn es bildet den Rahmen, in dem die Beziehungen zu dem Kind gestaltet werden können. Zur Bewältigung verschiedener Entwicklungsschritte innerhalb einer Familie ist es notwendig, dass ein „Austausch von Gefühlen und nonverbalen Informationen erfolgen kann“ (Ziegenhain, U., o.J., o.S.). Das bedeutet, dass die Eltern bereit und fähig sein müssen, bestimmte Signale des Kindes wahrzunehmen und auf diese einzugehen, und dass sie offen für Veränderungen sein müssen, die die Entwicklung des Kindes zwangsweise mit sich bringt. Schon früh lernt der Säugling die verschiedenen Gesichtsausdrücke der primären Bezugspersonen kennen und ist fähig, zumindest basale Gesichtsausdrücke nachzuahmen. Schon nach wenigen Wochen ist er in der Lage durch Ausdruck und Stimmlage zwischen verschiedenen Stimmungen wie Wut, Traurigkeit und Freude zu unterscheiden.
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Besonders für Kleinkinder ist Kontinuität ein wichtiger Faktor für die Grundlage der Beziehung zu den Eltern. Hinzu kommt dann noch die Qualität der Beziehung, die durch ein bestimmtes Maß an Tiefe, Gegenseitigkeit, Emotionalität und Bedürfnisbefriedigung gekennzeichnet ist (Hanselmann, P.G., Weber, B., 1986, S. 25).
Das individuelle Bindungsverhalten stellt eine Anpassungsstrategie an die jeweilige Beziehungsumwelt dar. Diese Anpassungsstrategie bzw. das Bindungsverhalten sichert „aus biologischer Sicht das physische Überleben des Kindes“ und aus psychologischer Sicht die „emotionale Sicherheit und Selbstvertrauen“ (Ziegenhain, U., o.J., o.S.). Dieses sind Charakteristika einer idealen Beziehungserfahrung sicher gebundener Kinder, die sich in emotionalen Notsituationen auf ihre Bezugspersonen verlassen können. Dahingegen erfahren unsicher gebundene Kinder nur bedingt emotionale Sicherheit und schlimmstenfalls auch nur mangelhafte physiologische Fürsorge. „Längerfristig betrachtet haben unsicher gebundene Kinder im Vergleich mit sicher gebundenen Kindern allerdings Entwicklungsnachteile. Nach Forschungsbefunden gelten sie im Kindergarten- und Schulalter als weniger selbstbewusst und weniger sozial kompetent und flexibel“ (Ziegenhain, U., o.J., o.S.).
2.3 Die Bedeutung der Qualität der Beziehung zwischen den Eltern für
Nicht nur die Befriedigung physischer und emotionaler Bedürfnisse ist wichtig für die gesunde Kindesentwicklung, sondern auch eine gute Ehe oder Partnerschaft der Eltern steht im Zusammenhang mit der psychischen Gesundheit des Kindes. Eltern sind Vorbilder für ihre Kinder und wenn sie psychisch gesund sind, können die Kinder von ihnen rationales Denken und richtigen Umgang mit Problemen, Konflikten und Gefühlen erlernen. Psychisch gesunde Eltern sind gut in der Lage das rationale Denken der Kleinen positiv zu fördern. Wenn die Ehe gut verläuft, erfahren die Kinder innerhalb der Familie ein hohes Maß an Sicherheit und
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Geborgenheit, da sie nicht in Partnerkonflikte mit einbezogen werden und keine Angst vor Trennung oder Scheidung der Eltern haben müssen. Somit können die Kinder ausreichendes Vertrauen entwickeln, welches für ihre weitere Entwicklung und das Erforschen ihrer Umwelt notwendig ist. Wenn die Eltern die jeweilige Individualität des Partners akzeptieren, so können sie dieses auch gegenüber ihren Kindern praktizieren. Somit können sich auch diese frei entfalten und sich ganz nach ihren Bedürfnissen selbst verwirklichen. In einer gut funktionierenden Beziehung der Eltern wird das Kind nicht als Ersatzpartner missbraucht. Durch feste Regeln und Autoritätsstrukturen ergibt sich für das Kind ein Gefühl der Verlässlichkeit. Der größte Teil der Erziehung erfolgt unbewusst durch die Wirkung des elterlichen Vorbildes und die Umwelt. Deshalb lässt sich sagen, dass eine positive Elternbeziehung und eine „gesunde Familie“ (Textor, M.R., o.J., o.S.) dem Kind als Modell für die Gestaltung von eigenen Beziehungen auch außerhalb der Familie dienen können. Eine „gesunde Familie zeichnet sich u. a. durch folgende Merkmale aus: feste Regeln, klare hierarchische Strukturen, klare Aufgabenverteilung, klare Rollendefinition, die Elternbeziehung wird gegenüber den Kindern abgegrenzt, Dialoghaftigkeit, Verständnis, Verlässlichkeit, Kontinuität, Vertrauen, Sicherheit, Anerkennung, Selbstbestätigung, Autonomie, Solidarität, weder Vernachlässigung noch Überbehütung, flexibles Gleichgewicht im Innern der Familienstruktur, Bieten von Lernanreizen und Erfahrungsmöglichkeiten, Akzeptanz und Förderung des Ablösungsprozesses des Kindes“ (Textor, M.R., o.J., o.S.).
2.3.2 Die Beziehung zu getrennten Eltern und die Folgen einer Scheidung In den meisten Sorgerechtsverfahren im Zuge einer Scheidung der Eltern erhält die Mutter die elterliche Sorge. Scheidungs- und Sorgerechtsverfahren können belastende wirtschaftliche Folgen für die Mutter haben. Finanzielle Engpässe, der Zwang zur Berufstätigkeit und Wohnungsprobleme machen es oft fast unmöglich, das Kind selbst zu betreuen, auch wenn der Wille der Mutter vorhanden ist. Doch oft liegen die Probleme noch viel tiefer. Der mögliche Hass und die Enttäuschung der Mutter gegenüber dem Vater können sich leicht auf das Kind übertragen. Falls die Mutter versucht, auch noch die Rolle des Vater in sich zu vereinen und mit zu viel unnatürlicher Männlichkeit auftritt, bleibt sie nicht das, was sie eigentlich für
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das Kind sein sollte: die Mutter, bei der das Kind Ausgeglichenheit, Wärme und Ruhe findet. Gefährlich für die Entwicklung des Kindes wird es auch dann, wenn die Mutter zu stark auf der Suche nach einem neuen Partner ist, bewusst oder unbewusst, oder wenn das Kind als Partnerersatz missbraucht wird und mit den Gefühlen seiner Mutter förmlich erdrückt wird. Doch je nach Art des Verlaufs kann eine Scheidung unterschiedliche Auswirkungen auf das Kind haben. Am schlimmsten ist es für das Kind, wenn sich die Eltern nicht einigen können, wem von beiden die elterliche Sorge oder zumindest das Aufenthaltsbestimmungsrecht übertragen wird. Die gesetzliche Situation ist eindeutig: wenn die Eltern sich nicht einigen können, entscheidet das Familiengericht darüber und dem „Unterlegenen“ wird ein Besuchsrecht eingeräumt. Was auf dem Papier einfach und logisch erscheinen mag, ist eine schwere Belastung für das Kind. Meist glaubt sich jedes Elternteil im Recht und in vielen Fällen geht es irgendwann nicht mehr um das Wohl des Kindes, sondern das Kind wird als Mittel zum Zweck missbraucht. Der materiell besser gestellte Elternteil kann das Kind leicht durch schöne und teure Geschenke „bestechen“, welche die Liebe zu ihm beweisen sollen. Derjenige, bei dem das Kind lebt, kann leicht darin verfallen, kein gutes Wort an dem anderen zu lassen und ihn bei jeder Gelegenheit bei dem Kind schlecht zu machen. Solch ein Verhaltern der Eltern kann zur Folge haben, dass das Kind nicht mehr so recht weiß, wohin es gehört. Nicht selten wird das Kind dann gezwungen zu heucheln: um sich die Liebe der Mutter zu erhalten, verheimlicht das Kind aus Angst die Anhänglichkeit zum Vater oder umgekehrt.
In dem Fall, dass beide Eltern das Sorgerecht für das Kind ablehnen, weil sie nach den schweren erlebten Enttäuschungen ihre eigenen Wege gehen wollen und auch nicht mehr die Sorge für ein oder mehrere Kinder, die aus der Ehe stammen, tragen wollen, hat man es mit Heimkindern zu tun, die man in erster Linie nur über den schmerzlichen Verlust der Eltern trösten kann. Später kann man nur abwarten, wie sich die Dinge weiterentwickeln und dem Kind schließlich dabei behilflich sein, sein Schicksal anzunehmen.
Eine weitere Folge, die eine Scheidung der Eltern mit sich ziehen kann ist, dass zu frühe negative Erfahrungen das Kind sehr misstrauisch machen und mit dem Ansehen der Eltern schwindet auch ihre Autoritätsanerkennung überhaupt, was sich in der Anfangsphase im Heim dann zu einem großen Problem entwickeln kann (Mehringer, A., 1994, S. 70 f.).
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2.4 Trennung der Kinder und Jugendlichen von den Eltern
Eine Trennung von den Eltern oder eines Elternteils kann aus verschiedenen Gründen erfolgen wie z. B. Tod, Scheidung, Heimaufenthalt des Kindes, Kur- und Krankenhausaufenthalt oder Haft eines Familienmitgliedes. Wie schwerwiegend die Belastung durch die Trennungserfahrung ist, hängt von „der Dauer, der Permanenz und der Wiederholung“ (Yarrow, L.J., 1964, S. 114) ab. Trennungserlebnisse werden von Kindern ganz unterschiedlich aufgenommen und verarbeitet, je nachdem ob die Trennung nach andauernder Zurückweisung oder Feindseligkeit erfolgt, oder ob es trotz eines stabilen Beziehungsgefüges zu einem Bruch kommt und ob die Trennung zeitlich begrenzt ist oder auf Dauer erfolgt. Leon J. Yarrow (1964) beschreibt sechs Hauptarten von Trennung, die je nach Intensität, psychischer und physischer Verfassung des Kindes unterschiedliche Auswirkungen haben können:
1. Einmalige kurze Trennung mit anschließender Wiedervereinigung mit den Eltern. Typische Beispiele für diese Art von Trennung können sein, der Urlaub der Eltern und ein daraus resultierender Aufenthalt des Kindes bei einer Pflegeperson, kurzer Krankenhausaufenthalt des Kindes oder eines Elternteils, stundenweise andauernder Aufenthalt des Kindes im Kindergarten oder in der Schule.
2. Mehrfache kurze Trennungen mit anschließender Wiedervereinigung. Diese Art der Trennung entscheidet sich von der oben genannten nur in Bezug auf die Häufigkeit des Trennungserlebnisses. Hierbei kann es entweder zu einer erhöhten Empfindlichkeit oder zu einer Abstumpfung des Erlebens kommen. 3. Eine einmalige länger andauernde Trennung mit anschließender Wiedervereinigung, die sich in der Dauer der Trennung von den ersten beiden Typen unterscheidet. Außerdem kann es in diesem Fall möglich sein, dass weitere äußere Umstände die Trennungserfahrung mit beeinflussen wie z.B. heftige Krise innerhalb der Familie, schwere Erkrankung eines Familienmitgliedes oder Notstände bei Naturkatastrophen oder Krieg.
4. Mehrfache lang andauernde Trennungen mit Wiedervereinigung. Dieser Typ tritt gehäuft in Familien auf, in denen konstant Krisensituationen das
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Familienleben bestimmen. Dieses sind typische Fälle, die unter Beobachtung und Begleitung von Sozialen Diensten stehen und die Kinder sich z. T. in Pflegefamilien oder anderen stationären Maßnahmen befinden. 5. Einmalige dauernde Trennung z.B. durch Tod oder schwerer psychischer oder physischer Beeinträchtigung eines Elternteils, wodurch eine umfassende Versorgung des Kindes nicht mehr gewährleistet ist. Die Folge ist eine Adoption oder die Aufnahme des Kindes in eine Einrichtung im Rahmen der stationären Jugendhilfe.
6. Mehrfache dauernde Trennungen. Dies ist der extremste Typus von Trennungserfahrung. Diese Art von Trennung findet statt bei einem ständigen Wechsel der Pflegestellen und stationären Einrichtungen. Das Kind hat nicht die Möglichkeit „Ersatz-Beziehungen zu entwickeln“ (Yarrow, L.J., 1964, S. 115), weil es immer wieder aus seiner Umgebung gerissen wird und somit nicht die Möglichkeit bekommt, Vertrauen und Bindung zu andern Personen aufzubauen. Diese immer wiederkehrenden schweren Trennungserlebnisse können Ursache für Deprivation und verschiedene Traumata sein (Yarrow, L.J., 1964, S. 114 f.). Mehrfache Trennungserfahrungen und auch schon das Androhen einer Trennung führen nicht nur zu schweren Trennungsängsten, sondern verursachen beim Kind auch Angst- und Unsicherheitsbindungen an die Bezugspersonen. Das Beziehungsverhalten des Kindes ist in so einem Fall geprägt von der Angst vor dem neuen Verlust der Bezugsperson. Autonomiebestrebungen werden dadurch gehemmt. Aus Sicht der Kinder werden solche Drohungen oft wahr gemacht. Sie leben in einem Heim oder einer Pflegefamilie, in der statt der eigenen Eltern speziell ausgebildetes Fachpersonal oder Ersatzeltern für sie sorgen. Je jünger die Kinder zum Zeitpunkt solcher Erfahrungen sind, desto schwerer ist der Schock der Trennung. Die Trennung von den Eltern ist für die meisten Kinder schwerer zu ertragen als die sozialen Verhältnisse im Herkunftsmilieu. Sowohl psychische als auch physische Erkrankungen können die Folge sein. Die Auswirkungen einer Trennung werden noch von verschiedenen weiteren Faktoren beeinflusst, die nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem eigentlichen Trennungsmoment stehen. Die Variablen sind: Beschaffenheit der neuen, fremden Umgebung, Art der Ersatzpflege (z.B. Wohngruppe, Pflegefamilie, Kleinstheim) und die Beziehungserfahrungen vor und nach der Fremdunterbringung. Nicht nur der
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Ablauf, sondern auch die Umstände des Trennungsvorgangs, das Beziehungsangebot der neuen Umgebung und die vorangegangenen Erfahrungen des Kindes wirken sich auf die Intensität des Trennungsschmerzes und auf die Bereitschaft zu neuen Bindungen aus (Hanselmann, P.G., Weber, B., 1986, S. 36f.).
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Arbeit zitieren:
Ines Weinekötter, 2005, Der Beziehungsaspekt in der stationären Erziehungshilfe, München, GRIN Verlag GmbH
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