Inhaltsverzeichnis Seite
1. Einleitung 3
2. Das religiöse System der Yoruba 3
3. Der Schöpfungsmythos 4
4. Der Yoruba Pantheon 5
4.1. Olodumare 5
4.2. Die Orisha 6
4.2.1. Obatala 7
4.2.2. Oduduwa 8
4.2.3. Eshu 9
4.2.4. Shango 11
4.2.5. Ogun 12
5. Die Bedeutung der Orisha, ihr Verhältnis untereinander und zu 13
den Menschen
6. Zusammenfassung 14
7. Literaturverzeichnis 16
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1. Einleitung
Mit dieser Arbeit mö chte ich versuchen den Pantheon, die Gesamtheit aller Gottheiten, der Yoruba Religion in Südwest Nigeria darzustellen. Die in diesem Pantheon vertretenen Gottheiten, von den Yoruba Orisha genannt, sind so zahlreich, daß es im Rahmen dieser Arbeit unmöglich wäre alle Orishas zu beschreiben oder sogar aufzuführen. Vielmehr soll es hier um die zeitgenössische Darstellung der Wichtigsten unter ihnen gehen, deren Präsenz in der gegenwärtigen Gesellschaft unübersehbar ist. Da sich die Mythen über die jeweiligen Gottheiten je nach Region ein wenig unterscheiden und da es viele verschiedene mythische Überlieferungen gibt, kann auch hier nicht auf jede dieser eingegangen werden. Auch die Literatur zu diesem Thema kann kein einheitliches Bild aufweisen, da es keine s chriftliche Manifestation der Mythen gibt. Die Darstellung der Struktur des Pantheon und die klare Stellung der Orisha darin und in der Gesellschaft, ist daher von größerem Interesse. Weiterhin soll auch die Beziehung der Orisha untereinander und die der verschiedenen Kulturgemeinschaften der jeweiligen Anhänger erläutert werden.
2. Das religiöse System der Yoruba
Wie in vielen afrikanischen Religionen gibt es auch bei den Yoruba den Glauben an höhere Wesen. Afrikanische Religionen gelten weiterhin als h öchst vielschichtige Denksysteme, in denen Überzeugungen, Mythen und die Kosmologie der ethnischen Gruppe, mit ihren Moralvorstellungen und Verhaltensregeln, in einen Organismus lebendiger und religiöser Ideen und Handlungen verwoben sind. Schon die erzählten Mythen über Gottheiten und einen Schöpfergott geben einen Einblick in die jeweilige Religion ( Pollak-Eltz, 1996: 33 ). Durch die mündliche Überlieferung kam es dazu, daß sich die Yoruba - Mythen ein wenig zu unterscheiden begannen. Ihre Aussagen sind weiterhin die Gleichen, auch wenn sich einige Details in verschiedenen Regionen veränderten.
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Ein Überblick über die zentralen Glaubensvorstellungen der Yoruba kann an fünf Basispunkten dargestellt werden ( Dopamu, 1999 ).
1. der Glaube an einen Gott ( Olodumare ) 2. der Glaube an Gottheiten ( Orisha ) 3. der Glaube an Geister ( Geistkinder - Abiku ) 4. der Glaube an Ahnen 5. der Glaube an mysteriöse Kräfte ( Magie, Hexerei )
In dieser Arbeit möchte ich mich nur mit dem Glauben an Gott und seine Götter beschäftigen, welche den Yoruba Pantheon bilden. In diesem Pantheon existiert, bis auf die Machtstellung des höchsten Gottes, keine weitere hierarchische Unterteilung. Alle Orisha Gottheiten besitzen denselben Status, aber jeweils andere Funktionen. Auch bestimmte Charaktereigenschaften werden ihnen und den Menschen, die an sie glauben und denen sie opfern, nachgesagt. Durch den ständigen Kontakt mit den Orishas nehmen Priester und Gläubige immer mehr die Persönlichkeit ihrer Götter an, welche den Charakter und auch die Physiognomie verändern kann ( Beier, 1991: 23 ).
3. Der Schöpfungsmythos
Am Anfang gab es Olodumare - auch Olorun genannt - den Gott des Himmels, der über Orun, die Sonne, herrschte. Auf der Erde regierte Olokun, der Bruder Olodumare´s. Doch gab es auf der Erde nur Wasser weshalb die Lebenserweckung der Erde, die transzendente Geistdurchblutung toter Materie, durchgeführt werden mußte. Olodumare beauftragte seinen Sohn Obatala die Lebenserweckung zu vollführen. Dieser stieg vom Himmel, mit einer Erdkugel, herab, die er ins Meer legte, wo sie in große Brocken aufbrach und verschiedenen Erdformationen bildete. Agbon, ein Palmbaum, war das erste lebende Geschöpf und Obatala stellte sofort Palmwein her, den er trank und woraufhin er einschlief. Das erzürnte Olodumare, der sofort seine Tochter Oduduwa - die Göttin der Erde - auf die Erde schickte, um die Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Aje, die Göttin des Reichtums und des Geldes begleitete sie. Aje besaß die Gestalt eines Truthahns mit fünf Zehen an jedem Fuß. Sie begann sofort die
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Erde in alle Richtungen zu scharren, wodurch sie sich ausdehnte und bewohnbar wurde. Ein Korb Oka, Samen einer Kornart, wurde von Olodumare an Oduduwa gesandt, welche die Samen sofort über die Erde verstreute und bald Pflanzen und Bäume sprießen ließ. Schließlich stieg der Schöpfer selbst zur Erde herab und ließ sich unter dem alten Palmbaum nieder. An dieser Stelle wurde die Stadt Ife gegründet - das Zentrum der Erde. Olodumare versammelte dort alle 16 Orisha um sich und hielt den ersten Rat der Götter auf Erden ab. Jeder dieser Orisha wurde der Ahn eines Clan´s, welche 16 Vororte um das Zentrum von Ife h erum bauten. Im Zentrum regierte Olodumare als Hochgott und Ife selbst wurde die Stadt der 17 Gottheiten ( Knappert, 1995: 353-54 ).
Dieser Mythos hebt Olodumare als Schöpfer der Erde, Ahnherr der Yoruba und Begründer des Königshauses von Ife hervor. Der jeweilige Nachkomme Olodumare´s ist der Oni, König von Ife, Herrscher über das gesamte Land und aller Yoruba sprechenden Völker.
4. Der Yoruba Pantheon
Die Yoruba sagen, sie haben 401 Orisha. Diese Zahl steht für Unbegrenztheit. Da Gott unendlich ist, hat somit auch die Anzahl seiner Erscheinungsformen keine Grenzen. Der Yoruba Pantheon besteht aus dem einen Gott - Olodumare und der unbegrenzten Anzahl der Orisha. Jeder Orisha wird wiederum als ein komplexes und vielschichtiges Wesen dargestellt. Sie werden entweder als Naturkräfte ( Donner, Blitz, Felsen, Sturm ), historische Persönlichkeiten ( Könige, Städtegründer ), Tiere ( Leopard, Widder, Elefant ), Pflanzen, Minerale oder auch als Farben beschrieben. Für die Yoruba bedeuten die Orisha Wege, die aus vielen verschiedenen Richtungen zur gleichen göttlichen Kraft hinführen. Sie sind Archetypen und werden als wild und sanft, verführerisch, weise, sprunghaft, treu oder auch ungestüm charakterisiert. Ihre Persönlichkeit offenbart sich in einer Fülle von Mythen, doch vor allem in poetischen Beschwörungen - Oriki genannt. In diesen kurzen und poetischen Formeln werden die Gottheiten, aber auch Bauern, Könige, Pflanzen und Tiere angerufen, definiert, beschwört, gepriesen oder auch beschimpft ( Beier, 1991: 21 ). Alle Orisha´s werden als dienende Minister Olodumare´s bezeichnet und erhielten durch seinen Schöpfungsakt eine Boten- und Vermittlerfunktion. Das Verhältnis der
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Arbeit zitieren:
Thorsten Doß, 2003, Die zeitgenössische Darstellung des Yoruba Pantheons, München, GRIN Verlag GmbH
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