Inhaltsverzeichnis
I Einleitung 3
II Zeitstellung und Verbreitung 3
a) Genese der Mondsee-Gruppe und relative Chronologie 4
b) Absolute Chronologie 5
c) Verbreitung 6
III Quellenlage 6
IV Forschungsgeschichte 7
V Landschaft Klima 8
VI Wirtschaftsweise 9
a) Subsistenzwirtschaft und Ernährung 9
b) Rohstoffwirtschaft 10
VII Siedlungswesen 11
a) Feuchtbodensiedlungen (Pfahlbauten) 11
b) Hinterlandsiedlungen 12
VIII Materielle Kultur Formenkunde 12
a) Keramik 12
b) Steingeräte (Felsgestein und Silex) 13
c) Knochen- und Geweihgeräte 14
d) Kupferartefakte 14
e) Schmuck 14
IX Gesellschaft 15
X Schlußbetrachtung 15
XI Literatur- und Abbildungsverzeichnis 16
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Die Mondsee-Gruppe
I. Einleitung
Der Begriff der Mondsee-Kultur, oder richtiger Mondsee-Gruppe, ist eng verknüpft mit der Erforschung der neolithischen Pfahlbauten in den Seen des oberösterreichischen Salzkammergutes. Namensgebend für diese allgemein als jungneolithisch angesprochene Bevölkerung ist der gleichnamige Mondsee, in dem im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts erstmals Spuren von Feuchtbodensiedlungen in Oberösterreich gefunden wurden. Obwohl die Untersuchung dieser Erscheinungsform neolithischen Lebens seither kontinuierlich vorangeschritten ist und viele Bereiche, wie z. B. die Kupferartefakte, die verzierte Keramik und Teile des organischen Materials aus den Pfahlbausiedlungen sehr gut aufgearbeitet wurden, sind dennoch eine Reihe von Fragen bisher offen geblieben. So ist vor allem das Problem der Entstehung der Mondsee-Gruppe und ihre relativchronologische Einordnung lange Zeit nicht befriedigend gelöst worden. 1 Wir wollen uns nun zunächst einmal die Zeitstellung und Verbreitung der Mondsee- Gruppe anschauen, um uns dann der Quellenlage und der Forschungsgeschichte zuzuwenden. In den nächsten Kapiteln werden Landschaft und Klima, die Wirtschaftsweise sowie das Siedlungswesen behandelt. Materielle Kultur und Formenkunde stehen im Fokus des darauf folgenden Abschnittes. Zuletzt sollen gesellschaftliche Aspekte der Mondsee-Gruppe wie Religion und Totenversorgung, Anthropologie und Sozialstruktur untersucht werden.
II. Zeitstellung und Verbreitung
Wenn wir uns mit der Chronologie der Mondsee-Gruppe beschäftigen, die im Übrigen die erste Erscheinung neolithischer Lebensweise in ihrem oberösterreichischen Verbreitungsgebiet markiert, werden wir rasch sehen, daß, wie oben bereits erwähnt, die Frage nach der Genese der Mondsee-Gruppe einige Schwierigkeiten aufwirft. Alle Theorien zu nennen, die dazu im Laufe der Zeit entwickelt wurden, würde allerdings den Rahmen dieser Veranstaltung sprengen und daher seien nur die Wichtigsten exemplarisch vorgestellt und besprochen.
1 Antl-Weiser/Holzer, in: Plattform 4, S. 8f; Ruttkay, in: Das Mondsee-Land, S. 271-279; Ruttkay,
Neolithikum B, S. 345f; Ruttkay, Neolithikum C, S. 75f; Winiger, in: BAR Int. Ser. 701, S. 177-181.
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a) Genese der Mondsee-Gruppe und relative Chronologie Nach Maßgabe von Willvonseder, der 1968 eine Monographie mit der Zusammenfassung der Befunde aus den Pfahlbauten des Attersees vorlegte, hat sich die Mondsee-Gruppe, ebenso wie auch die zeitgleiche Altheimer Gruppe, aus der Münchshöfener Gruppe 2 herausgebildet, einer regionalen Erscheinungsform der späten Lengyel-Kultur. Die frühe Entwicklung von Mondsee ging seiner Auffassung nach in mehreren Phasen vonstatten. Ein erster Impuls wirkte demnach über die mährisch-österreichische Trichterbecherkultur von der ungarischen Kupferzeit ausgehend auf die Münchshöfener Gruppe ein, in dessen Zuge zum einen Objekte aus Ostkupfer, zum anderen aber auch die Tief- bzw. Furchenstichverzierung in die Region der Salzkammergutseen gelangte. Mit dem zweiten Impuls kamen Streitäxte (Knaufhammeräxte) der Stufe Jevišovice C 1 der ungarischen Hochkupferzeit (Bodrogkeresztúr-Kultur) auf. Der Weg dieses Einflusses dürfte nach Willvonseder an der Donau entlang geführt haben. Hierzu nun ist mit Ruttkay zu sagen, daß eine zweiphasige Entwicklung abzulehnen ist, da die Stufe Jevišovice C 1 nach der neueren Forschung nunmehr obsolet geworden ist und die Bodrogkeresztúr-Kultur eine Stufe älter ist, als bisher angenommen. Eine hypothetische Münchshöfener Urbevölkerung ist somit eher gleichzeitig als nacheinander in Kontakt mit Furchenstichkeramik und Streitäxten gekommen. 3 Nach Winiger handelt es sich bei den Trägern der Mondsee-Gruppe um „Auswanderer“ aus den von der Pfyner Kultur besiedelten Bereichen in der Ostschweiz und dem südlichen Baden-Württemberg, die unter dem Druck der vordringenden Horgener Gruppe nach Osten in das Gebiet um die Salzkammergutseen ausweichen mußten. Prinzipiell spricht für eine Entstehung der Mondsee-Gruppe unter starkem Einfluß der Pfyner Kultur, daß zwischen Mondsee und Pfyn enge typologische Verbindungen, sowohl bei den Kupfergeräten als auch bei der unverzierten Keramik, aufzuzeigen sind. So gibt es in beiden Gruppen sehr ähnliche Beil- und Dolchformen. Ebenso treten kupferne Schmuckspiralen in beiden Gruppen auf. Mithin scheint auch die Kupferverarbeitung weitgehende Parallelen aufzuweisen, worauf die Verwendung gleichartiger Schmelztiegel hinweist. Hinsichtlich der Keramik ist vor allem bei der Mondsee-Gruppe lange Zeit nur die verzierte Ware eingehender Behandlung unterzogen worden, während die unverzierten Gefäße außer Acht gelassen wurden. Beim Vergleich von Pfyner und Mondsee Keramik fällt jedoch auf, daß bei beiden Töpfe mit oder ohne plastische Randverzierungen, Schüsseln und unverzierte Henkelkrüge anzutreffen sind, wodurch wir einen Hinweis auf eine recht enge
2 Für einen kurzen Überblick zur Münchshöfener Gruppe siehe Hille, in: Neolithikum C, S. 79.
3 Ruttkay, in: Neolithikum B, S. 345; Ruttkay, Neolithikum C, S. 75f; Willvonseders Monographie war in Münster leider nicht erhältlich, so daß alle darauf bezogenen Angaben auf Zitaten in anderer Literatur beruhen müssen.
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Verwandtschaft vor uns haben. Die im Kontext der Mondsee-Gruppe so häufig behandelten verzierten Gefäße sind eher als ein erst später eingebrachter Fremdkörper anzusehen, denn als prägendes Element. Für eine Entstehung der Mondsee-Gruppe unter einem starkem Pfyner Einfluß spricht weiterhin, daß Pfyn chronologisch früher als Mondsee einsetzt. 4 Einzig Winigers These der „Auswanderung“ der Pfyner Bevölkerung unter einem wie auch immer gearteten Druck der Horgener Kultur ist nicht vorbehaltlos zu akzeptieren. So ist es durchaus möglich, daß eine hypothetische, noch stark von mesolithischer Lebensweise geprägte, Bevölkerung im Bereich der oberösterreichischen Seen mit Elementen der Pfyner Kultur in Kontakt kam und diese übernahm. Wenn man sich vor Augen führt, daß Mondsee die älteste neolithische Erscheinung in ihrem Verbreitungsgebiet darstellt, ist dies wenigstens ebenso wahrscheinlich. Die voll ausgeprägte Mondsee-Gruppe nun ist als Teil des sogenannten Nordalpinen Kreises nach Maßgabe von Driehaus anzusprechen, dem außerdem noch Altheim, Pfyn, Baalberge und die „ältere mährische Gruppe“ (Trichterbecherkultur II und III in Mähren) angehören. Winiger möchte hierzu nun auch Aichbühl, Schussenried und Lutzengüetle hinzurechnen. 5 Grundsätzlich aber sind dies alles Randgruppen der Trichterbecherkultur, die sich durch die Übernahme von Elemente der Lengyel-Kultur, nämlich der Streitäxte und der Furchenstichverzierung, auszeichnen. 6 Das Ende der Mondsee-Gruppe wird durch den Fund einer kleinen Fußschale mit Lappenfüßen in der Station Misling II im Attersee markiert. Hierauf folgt eine etwa 500 jährige Lücke in der Besiedlung, die mit dem Aufkommen der frühbronzezeitlichen Attersee-Gruppe nach Ruttkay endet. 7 Die Gründe für das Verlassen der Siedlungen liegen wahrscheinlich in einem Anstieg des Wasserspiegels in den Seen. Ob man sich dies als Hochwasserkatastrophe oder einen stetigen Wasseranstieg vorzustellen hat, ist nicht geklärt. 8
b) Absolute Chronologie Wie wir gesehen haben, ist die Mondsee-Gruppe eindeutig als eine jung- bzw. äneolithische bis endneolithische Erscheinung anzusprechen. Was die absolutchronologische Einordnung der Mondsee-Gruppe angeht, so haben wir dank des zahlreichen C-14 datierten Materials aus den neolithischen Seestationen eine breite und recht sichere Datengrundlage. Mondsee deckt demnach einen Zeitraum von ca. 800 Jahren 4 Ruttkay, in: Die ersten Bauern, S. 118; Winiger, in: BAR Int. Ser. 701, S. 177-179. 5 Driehaus, Jungneolithikum, S. 209-218; Ruttkay, in: Das Mondsee-Land, S. 275-278; Ruttkay, in: Die ersten Bauern, S. 112-114; Neolithikum B, S. 345-347; Ruttkay, Neolithikum C, S. 78. 6 Hoerner/Menghin, Kunst, S. 437-446; Ruttkay, in: Neolithikum B, S. 345; Ruttkay, Neolithikum C, S. 78. 7 Ruttkay, in: Das Mondsee-Land, S. 282f; Ruttkay, in: Die ersten Bauern, S. 112-115; Ruttkay, in Neolithikum B, S. 345-347; Ruttkay, in: Neolithikum C, S. 75f.
8 Morgan, in: AAust 67, S. 3-8; Offenberger, in: AAust 70, S. 227.
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Arbeit zitieren:
Magister Artium Christian E. Schulz, 2003, Die Mondsee-Gruppe, München, GRIN Verlag GmbH
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