1 Einführung 1
2 Versuchsmaterial und Versuchsaufbau 2
2.1 Verwendete Lyrik und Prosa 2
2.1.1 Gedicht 1 Johann Wolfgang von Goethe: Jägers Abendlied 3
2.1.2 Gedicht 2 Nikolaus Lenau: Die Seejungfrauen 3
2.1.3 Gedicht 3 Peter Huchel: Löwenzahn 4
2.1.4 Prosatext 4
2.2 Verwendete Aufnahmegeräte, Soundkarte und Software 5
2.3 Genutzte Räumlichkeiten 5
2.4 Die Sprecher 6
2.5 Verwendete Analysemittel Struktur der Analyse 6
3 Analyse der Grafiken 7
3.1 Gedicht 1, Skansion 9
3.1.1 Gedicht 1, Sprecher 1 9
3.1.2 Gedicht 1, Sprecher 2 10
3.1.3 Gedicht 1, Sprecher 3 10
3.1.4 Gedicht 1, Sprecher 4 11
3.1.5 Gedicht 1, Sprecher 5 11
3.1.6 Resümee Gedicht 1 12
3.2 Gedicht 2, Skansion 12
3.2.1 Gedicht 2, Sprecher 1 13
3.2.2 Gedicht 2, Sprecher 2 14
3.2.3 Gedicht 2, Sprecher 3 14
3.2.4 Gedicht 2, Sprecher 4 14
3.2.5 Gedicht 2, Sprecher 5 15
3.2.6 Resümee Gedicht 2 15
3.3 Gedicht 3, Skansion 16
3.3.1 Gedicht 3, Sprecher 1 17
3.3.2 Gedicht 3, Sprecher 2 17
3.3.3 Gedicht 3, Sprecher 3 18
3.3.4 Gedicht 3, Sprecher 4 18
3.3.5 Gedicht 3, Sprecher 5 19
3.3.6 Resümee Gedicht 3 19
4 Schluss 20
5 In eigener Sache 22
6 Medienliste 24
7 Anhang: Auswertung Umfrage 25
8 Anhang: Visualisierte Gedichte 26
1 Einführung
Ausgangspunkt für diese Arbeit war die Unstimmigkeit zwischen monistischem und dualistischem Ansatz in der Rhythmusforschung der Lyrik; Friedrich Georg Jünger schreibt, dass „[d]er metrische Rhythmus aber [..] an das Gedicht gebunden und in ihm allein anzutreffen [ist]. Im Gedicht also sind Rhythmus und Metrum eins, und wir können sie nicht voneinander absondern. Die Behauptung, daß [sic] das Gedicht eine über alle metrische Bewegung hinausgehende rhythmische Bewegung hat, ist abzulehnen.“1 Wolfgang Kayser hingegen konstatiert: „Metrum und Rhythmus müssen also gesondert werden. Wer das Metrum eines Gedichts, hat damit noch nicht den Rhythmus bestimmt.“ 2 Aus diesem Antagonismus heraus entstand die Idee, anhand der Wellenformen von aufgenommenen und digitalisierten Gedichten zu untersuchen, welche (Wiederhol-)Strukturen wie ausgeprägt vorhanden sind und ob sich damit möglicherweise eine der beiden Thesen stützen lässt. Die Arbeit mit vorgetragener Lyrik ergibt sich aus der Tatsache, dass der Rhythmus als »Gliederung der Zeit in sinnlich fassbare Teile« (Heusler) vor allem ein Phänomen des vorgetragenen Textes ist – „also einem Medium, das nur dem Rezitator offen steht.“ 3 D.h. der Fak-tor Rhythmus kann auf dem Papier niemals seine volle Wirkung entfalten, weshalb es zwingend notwendig ist mit dem gesprochenen Gedicht zu arbeiten, denn nur dort ist das entsprechende Umfeld gegeben, um die beiden Bestandteile von Dichtung angemessen zu beurteilen. Hans Lösener liefert einige Vorschläge zur Definition des Begriffs Rhythmus. Er behauptet, dass es sich als nachteilig erweist, den Rhythmus auf ein individuelles oder gar „dionysisches“ Phänomen (z. B. bei Klages) zu reduzieren; denn weder ist der Rhythmus ausschließlich subjektives Medium – denn es existiert je nach Gedicht eine durch den Autor implizierte intersubjektive rhythmische Lesart, noch scheint es ratsam den Rhythmus auf das Durchbrechen des metrischen Regelwerks zu reduzieren – denn diese Interpretation legt nahe, dass der Rhythmus keinen inhärenten Bestandteil der Lyrik darstellt. Hans Lösener gaubt im Rhythmus ein semantisches Gliederungsprinzip gefunden zu haben: „[D]er Rhythmus der Sprache lässt sich nicht auf ein metrisches Schema reduzieren, sondern umfasst alle sprachlichen Momente (Lexik, Syntax, Phonematik, Interpunktion etc.), die an der Sinngliederung beteiligt sind.“ 4
1 Friedrich Georg Jünger, zitiert nach Burdorf, Dieter: Einführung in die Gedichtanalyse. Stuttgart: 1997². S. 70.
2 Wolfgang Kayser: Das sprachliche Kunstwerk. Eine Einführung in die Literaturwissenschaft. München:
1978 19 . S. 242.
3 Christian Wagenknecht: Deutsche Metrik: eine historische Einführung. München: 1993³. S. 12.
4 Hans Lösener: Rhythmus und Sinn – Anmerkungen zu einem Problem der Metrik, in: Meter, Rhythm and Per-formance – Metrum, Rhythmus und Performanz. Proceedings of the International Conference on Meter, Rhythm and Performance, Held in May 1999 at Vechta. Hg. v. Christoph Küper. Franfurt a. M.: 2002 (Linguistik International, Band 6). S. 152.
1
Diese Thesen werden auch durch die Begriffsgeschichte gestützt, da antike griechische Philosophen wie Aristoteles, Demokrit oder Heraklit rhythmos schon explizit mit der Herstellung von Sinn, Zusammenhängen, mit dem Knüpfen von logischen semantischen Beziehungen konotierten 5 .
Mit Hilfe der akustischen Phonetik und der Phonologie soll also festgestellt werden, welchen qualitativen Raum Prosodie, Versifikation, Metrum, Rhythmus, suprasegmentale Einheiten, Morpheme oder auch Verse und Strophen (die Syntax des Gedichts) in einem visualisierten Gedicht einnehmen. Als Arbeitsmaterial dazu dienen Gedichte, die über einen strengen metrischen Rahmen verfügen, um erstens zu gewährleisten, dass alle benötigten Strukturen vor-handen sind und zweitens, nicht ausschließlich aber v. A , festzustellen, in welchem qualitativen Verhältnis Metrum und Rhythmus im gesprochenen Gedicht schlussendlich zueinander stehen. Die sprachliche Realisierung soll also der Ansatzpunkt zur Beantwortung u. A. folgender Fragen sein:
Welche Rolle nimmt das metrische Grundschema des Gedichtes ein? Existiert eine Art intersubjektives rhythmisches Schema? Welche Rolle spielt der Rhythmus bei der Gliederung der Verse und Strophen? Welcher Zusammenhang besteht zwischen Sonorität und rhythmischem Gefüge?
2 Versuchsmaterial und Versuchsaufbau
Folgendes Kapitel soll dazu dienen, die Materialien vorzustellen, die Kriterien für die Auswahl des Erhebungsmaterials und der Gedicht vorzustellen, die Vorgehensweise zu spezifizieren und die Analyse zu legitimieren.
2.1 Verwendete Lyrik und Prosa
Es wurden absichtsvoll drei metrisch und den Reim betreffend stark schematisierte Gedichte gewählt. Um diese metrische Struktur mit dem ästhetischen Gesamtkunstwerk zu kontrastieren, wird jedes Gedicht bewusst übertrieben, den Regeln der Skansion entsprechend, vom Autor eingesprochen („geleiert“). Diese Daten dienen dabei lediglich dem Vergleich. Um die größtmögliche Reliabilität zu gewährleisten, werden drei metrisch divergierende Gedichte aus verschiedenen Epochen ausgesucht: Goethes Jägers Abendlied (Gedicht 1) ist jambisch, Lenaus Seejungfrauen (Gedicht 2) trochäisch und Huchels Löwenzahn (Gedicht 3) weitestgehend daktylisch. Zudem ist der Wortschatz der Gedichte eher simpel, um schneller zu
5 Vgl. Lösener 1999. S. 146f.
2
verwertbaren Ergebnissen (korrekt gesprochenen Gedichten) zu gelangen. Von Lenaus Gedicht wurden aufgrund der Länge nur die ersten vier Strophen aufgenommen. Da die Feinheiten aufgrund der Länge in der grafischen Darstellung nicht darstellbar wären, werden von allen Gedichten nur die ersten beiden Strophen der expliziten Analyse unterzogen. Rechts neben den Gedichten ist das metrische Schema in der Form X (betont) und x (unbetont) dargestellt.
Als weiteres Kontrastobjekt dient ein kurzes Stück gelesener Prosatext aus Thomas Manns Zauberberg. Das Stück wurde willkürlich ausgewählt.
2.1.1 Gedicht 1 - Johann Wolfgang von Goethe: Jägers Abendlied
2.1.2 Gedicht 2 - Nikolaus Lenau: Die Seejungfrauen
6 http://gutenberg.spiegel.de/goethe/gedichte/abendl2.htm
3
2.1.3 Gedicht 3 - Peter Huchel: Löwenzahn
2.1.4 Prosatext
„Indem die Technik, sagte er, mehr und mehr die Natur sich unterwerfe, durch die Verbindungen, welche sie schaffe, den Ausbau der Straßennetze und Telegraphen, die klimatischen Unterschiede besiege, erweise sich als das verlässigste Mittel, die Völker einander nahe zu bringen, ihre gegenseitige Bekanntschaft zu fördern, menschlichen Ausgleich zwischen ihnen
7 http://gutenberg.spiegel.de/lenau/gedichte/seejfrau.htm
8 http://www.schule-bw.de/unterricht/faecher/deutsch/unterrichtseinheiten/lyrik/gedicht_hyptext/ gedicht_hyptext/huchel_peter.htm
4
anzubahnen, ihre Vorurteile zu zerstören und endlich und endliche ihre allgemeine Vereinigung herbeizuführen.“ 9
2.2 Verwendete Aufnahmegeräte, Soundkarte und Software
Zur Aufnahme aller Tonbeispiele werden ein Philips Stereomikrofon SBC ME570, der portable Minidisc-Recorder Sony MZ-70 und entsprechende Minidisc-Aufnahmemedien benutzt. Die Daten werden über den Analogeingang 10 einer S’ekd ARC88 16-Bit-Harddiscrecording-PCI-Karte auf den PC übertragen 11 . Zur Aufnahme wird das Programm Wavelab 4.0 der Firma
Steinberg verwendet, mit welchem auch die Wandlung in monophone Signale vorgenommen wird 12 . Die Dateien werden zudem mit dem VST-Plugin 13 Denoiser 2.0.0.0 entrauscht und mit der Normalize-Funktion von Wavelab an der 0dB-Grenze ausgerichtet 14 , um die Daten der
Sprecher besser vergleichen zu können, da nun die Lautstärke angeglichen ist. Mit Hilfe der Software Praat 4.1.5 – Doing Phonetics by Computer 15 werden Wellenformen mit Intensitäts-
linie und Tonhöhenlinie der Daten erzeugt. Die Bilder werden in Adobe Photoshop 7.0 weiterverarbeitet.
2.3 Genutzte Räumlichkeiten
Die Räumlichkeiten zur Aufnahme waren aus organisatorischen Gründen nicht identisch; es wurde aber bewusst auf möglichst ähnliche Aufnahmebedingungen geachtet, d.h. die akustischen Eigenschaften bedingt durch Größe, Gestaltung und Einrichtung der Räume und dem daraus resultierenden natürlichen Nachhall, wurden soweit als möglich aneinander angeglichen.
9 Mann, Thomas: Der Zauberberg. Roman. Frankfurt a. M.: 1952.
10 Dieses Vorgehen ist minimal verlustbehaftet, weil eine erneute digitale Wandlung vorgenommen wird. Die Ausstattung lässt allerdings keine direkte digitale Übertragung zu.
11 Dir Original-Dateien befinden sich auf der beigelegten CD im Ordner „all-in-one“ (Unterordner des „audio“-Ordners). Dort befinden sich auch die in ein Mono-Signal konvertierten Dateien.
12 Die Daten werden zum besseren Vergleich in monophone Signale gewandelt, da bei der Aufnahme ein stereophones Signal erzeugt wird. Diese Maßnahme wird ergriffen, da zur Analyse weder ein Stereo-Signal benötigt wird und Ausgangssignal (eine einzelne Stimme) kein immanent Stereophones ist.
13 Bei der Virtual Studio Technology (VST) handelt es sich um eine Schnittstelle, welche dazu dient virtuelle Effekte (z.B. Hall, Echo oder eben auch einen Entrauscher) oder virtuelle Instrumente (z.B. Synthesizer, Drumcomputer, o. Ä.) in Steinberg-Produkte einzubinden.
14 Die einzelnen Dateien befinden sich im Ordner „separated“. In einem weiteren Unterordner „denoi-sed_and_normalized - nachbearbeitet“ befinden sich die entrauschten und normalisierten Dateien.
15 Paul Boersma und David Weenink, Institute of Phonetic Sciences, University of Amsterdam, Herengracht 338,
1016CG Amsterdam, The Netherlands. Weitere Informationen unter http://www.fon.hum.uva.nl/praat/ .
5
2.4 Die Sprecher
Jedem der fünf Sprecher wurde ein einfacher Bewertungsbogen vorgelegt (siehe Anhang), in dem er grob den eigenen Kenntnisstand Lyrik betreffend, sowie einen möglichen (gegebenenfalls diffusen) Zusammenhang zwischen diesem Kenntnisstand und den vorzusprechenden Gedichten einschätzen sollte. Grundlegende Kenntnisse der Versuchspersonen waren selbstverständlich notwendig, aber von diesen abgesehen, war eine möglichst breite Streuung der Fähigkeiten durchaus erwünscht. Mit der Umfrage soll lediglich die unterschiedliche Befähigung empirisch gesichert werden.
Den Sprechern wurden schließlich die drei unter 2.1.1 aufgelisteten Gedichte vorgelegt und werden gebeten, diese im Bewusstsein und in größtmöglicher Aufbietung ihres subjektiven Rezitationshorizonts, vorzulesen. Das Mikrofon wurde möglichst in einem Abstand von etwa 30-50cm besprochen; dies war notwendig um ein denkbar ausgewogenes Verhältnis die Sonorität betreffend zu erzielen, denn gerade Plosive und Frikative erzeugen im Nahfeld des Mikrofons starke Verzerrungen der tatsächlichen inhärenten Energie, die durch den starken Luftstrom auf kurze Distanzen (<10cm) erzeugt werden.
Um den Vergleich zu optimieren, wurden zudem nur möglichst fehlerfrei vorgelesene Aufnahmen weiterverwendet.
2.5 Verwendete Analysemittel & Struktur der Analyse
Aus den unbearbeiteten, d.h. im Originalzustand belassenen Daten der gesprochenen Gedichte wurden in Praat Wellenformen 16 (schwarz) erzeugt, sowie zur zusätzlichen Orientierung mit Praat Picture Tonhöhe/Pitch 17 (rot) und Intensität/Intensity 18 (blau) in das Bild gezeichnet. Anhand der fallenden/steigenden Tonhöhe lassen sich die Hebungen kenntlich machen. Praat kann beim Erstellen der Tonhöhenkennlinie zwischen stimmhaften/stimmlosen Passagen unterscheiden, sodass die Pausen innerhalb und zwischen der/den Strophe/n besser zu bestimmen sind. Leider funktioniert die Tonhöhenerkennung, trotz individueller Anpassung nicht
16 Eine Wellenform ist die Darstellung eines beliebigen Signals – in diesem Fall einer Stimme. Sie besteht aus einer auf- und abschwingenden Amplitude, die die Energie eines Signals indiziert. Da dB keine Rolle spielen, wurde eine fiktive Skala von -1 über 0 zu +1 verwendet (die Negativ-Positiv-Skala wird verwendet, weil der Pegelausschlag nach oben/unten identisch ist).
17 Aus Gründen der Darstellung ist für die Tonhöhe keine Skala angegeben. Die absolute Tonhöhe spielte für die Untersuchung keine Rolle. Entscheidend sind der Verlauf und die relativen Veränderungen. Die Stimmen wurden im Bereich zwischen 0 und 600 Hertz analysiert (Einstellungen in Praat).
18 Die Intensität ist ebenenfalls an der Wellenform ablesbar, wurde aber nochmals zur Verdeutlichung als separate Kurve eingefügt, da die Peaks so deutlicher erkennbar sind. Die Darstellung der Intensity-Kurve ist zudem weniger träge. Auch hier wurde auf eine absolute Darstellung verzichtet. Der Skala wäre zwischen 0 dB und
100 dB angesiedelt, d.h. unten links absolute Stille und oben relativ große Laustärke. Die Kurve weicht gelegentlich von der Wellenform ab, da die Intensität der 100dB-Skala entspricht. Dass niemals absolute Stille herrscht, liegt am natürlichen Grundrauschen des Mikrofons und am Umgebungslärm (z. B. eine Lüftung oder Laufgeräusche des Minidisc-Recorders).
6
Quote paper:
Philip Baum, 2004, Die Visualisierung von vorgetragenen Gedichten - Im Besonderen zum Verhältnis von Rhythmus und Metrik, Munich, GRIN Publishing GmbH
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