Inhalt:
1. Einleitung S 03
2. Stationen durch Europa S 04
2.1 Portugal S 04
2.2 Antwerpen S 05
2.3 Venedig S 06
3. Die Juden im Osmanischen Reich S 07
3.1 Soziale Arbeit und politischer Einfluss S 08
3.2 Die Ancona Affäre S 09
3.3 Tiberias S 10
4. Resümee S 11
1. Einleitung
Im 15. und 16. Jh. erreichte die Judenverfolgung in Europa einen neuen Höhepunkt. Nach der Inquisition in Spanien und der völligen Vertreibung der Juden von der ibe- rischen Halbinsel, bzw. die Zwangstaufe zum Christentum gab es in Spanien und Portugal nach 1497 offiziell keine Juden mehr. Die strenge Durchführung des Glau- bensgerichts in Spanien, zwang auch diejenigen, welche zum Christentum übergetre- ten waren zur Flucht nach Afrika oder Westasien. Neben diesen Fluchtmöglichkeiten blieb zunächst auch noch Portugal, wo die Inquisition zwar auch drohte, aber lange Zeit nicht durchgeführt wurde.
Nachdem 1536 das Glaubensgericht nicht mehr aufzuhalten war, gab es in Europa kaum noch Fluchtmöglichkeiten und es blieb als einzig sicheres Ziel nur noch das Osmanische Reich, welches im 15. und 16. Jh. durchaus attraktive Bedingungen zur Ansiedlung von Juden bot. Das Problem, welches auf der Hand liegt, war die Tatsa- che, dass sich nicht Jeder Jude oder Marrane die Ausreise in den Orient leisten konn- te, bzw. viele Juden nach der Ankunft im Osmanischen Reich mittellos waren. Auch musste eine solche Flucht geheim geplant werden, da es vielerorts verboten war zu fliehen, bzw. dies einem Schuldbekenntnis gleich kam.
Zu diesen Marranos zählten auch Donna Gracia Nasi ( ca. 1510 – 1568) und deren Neffe Josef Nasi (ca. 1515 – 1579) 1 . Sie hatten, so wie tausend andere zwangsgetauf- te Juden auch, eine jahrelange Flucht von Portugal über Antwerpen, Venedig und Ferarro hinter sich, bis sie schließlich 1552, bzw. 1554 das Osmanische Reich er- reichten. Auf Grund ihres immensen Reichtums, hatten sie die Möglichkeit vielen anderen Marranos zu helfen, genauso wie sie auch das christliche Gebiet zu verlassen und sich im Osmanischen Reich anzusiedeln.
In dieser Arbeit möchte ich das Leben (vor allem das von Donna Gracia Nasi) be- richten, die Fluchtstationen benennen und über ihre Arbei t im Osmanischen Reich Auskunft geben, soweit die Quellen dies zulassen, welche all zu oft unterschiedlicher Meinung sind.
1 Die Geburtsangaben sind aus der Großen Jüdischen National-Biographie, andere Quellen berichten
von Geburtsdaten bis 1524 – Vgl. Levy S. 32
2. Stationen durch Europa
2.1Portugal
Donna Gracia Nasi wurde, vermutlich in Portugal 2 , ca. 1510 in einer Marranenfami- lie unter den christlichen Namen Beatrice de Luna geboren. Die Herkunft der Familie ist weitgehend unbekannt, man kann allerdings vermuten, dass sie zu Flüchtlingen der Inquisition in Spanien zu zählen ist, welche sich nach Portugal abgesetzt hatten und zwangsgetauft wurden. Zu großem Einfluss kam Donna Gracia durch die Heirat mit Francisco Mendes 3 , dessen Familie ein großes Bankhaus, mit Verbindungen bis Frankreich und Flandern, aufgebaut hatte.
Portugal konnte lange vor der Inquisition verschont bleiben, was zum einem daran lag, dass Papst Paul III kein rechtes Interesse daran hatte auch hier das Glaubensge- richt einzuführen 4 und zum anderen daran, dass sich durch die Flucht aus Spanien in Portugal zahlreiche finanzstarke Juden angesammelt hatten, zu denen auch die Fami- lie Mendes zählte. Bis zum Jahr 1536 konnten die Marranen den Vatikan durch e- norme Zahlungen milde stimmen und die Inquisition vermeiden. Bei den Zahlungen an den Vatikan sollte auch schnell Donna Gracia eine wichtige Rolle spielen, da sie nach dem Tod von Francisco Mendes die Geschäfte des portugiesischen Teils des Bankhauses leitete und urkundlich die Hälfte des Vermögens geerbt hatte. Dass die Inquisition, wenn auch zunächst in gemäßigter Form, am 23.05.1536 5 schließlich doch in Portugal eingeführt wurde, hatte mehrere Gründe. Die Lage für die portugiesischen Juden war seit der Auswanderung aus Spanien immer sehr un- übersichtlich. Politische Änderungen brachten auch immer wieder neue Situationen für die Juden mit sich, bis sie 1497 schließlich zwangsgetauft wurden. 6 Die bis 1536 gezahlten Summen, reichten dem Päpstlichen Hof nicht mehr aus und auch Unter- schlagungen innerhalb der Marranen, verbesserte die Lage nicht unbedingt. König Johann III (1521-1557) führte schließlich eine schärfe Judenpolitik ein und bat dem Papst die Inquisition nach spanischem Muster auch nach Portugal zu bringen. 7 Zu diesen Gründen kam noch das Drängen des Kaisers Karl V, welcher wohl eigene Interessen verfolgte.
2 Andere Quellen sprechen davon, dass sie noch in Spanien geboren worden ist
3 Auch Miquez, die Namensangaben sind sehr unterschiedlich – Vgl. Keller S.309 4 Vgl. Graetz S.254 5 Vgl. ebd. 255 6 Vgl. Keller S. 299 7 Vgl. Böhm/Dirks S. 153
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Marko Tomasini, 2004, Donna Gracia und Josef Nasi, Munich, GRIN Publishing GmbH
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