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Inhalt
1. Einleitung 3
2. Die Zeit vor Konstantin
2.1. Die politische Entwicklungen- Rom verliert den Status als „Caput
Mundi “ 4
2.2. Baugeschichte - Die Renovatio Urbis im ausgehenden 3. Jahrhundert S.6
2.3. Die religiöse Entwicklung - Das Auftreten orientalischer Kulte in Rom S.8
2.4. Das Christentum - Geduldete Minderheit mit großem Zulauf 10
2.4.1. Städtebau und Christentum - Unauffällige Nutzbauten 12
S.15
2.5. Zwischenbilanz
3. Konstantin
S.16
3.1. Religionspolitik - Rücksicht- und Einflussnahme
3.2. Baugeschichte Roms - Christliche Pracht am Rande der Stadt 18
S.22
3.3. Zwischenbilanz
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4. Konstantins Nachfolger
4.1. Religionspolitik - Von der letzten „Christenverfolgung“ zum Verbot der anderen Kulte S. 23
4.2. Baugeschichte - Der Bischof „erobert“ die Stadt und baut S. 28
S. 33 5. Bilanz S. 37 6. Literatur
1. Einleitung
Das vierte nachchristliche Jahrhundert war für die europäische Geschichte ein Jahrhundert, in dem die Weichen für die Zukunft entscheidend gestellt wurden: Mit dem Toleranzedikt von Mailand begann der Wandel des Christentums von einer verfolgten Religion zur alleinigen Staatsreligion, die Europa bis zur Französischen Revolution politisch, sozial und kulturell prägen sollte. Die Verlagerung des Kaiserhofs nach Konstantinopel im Jahr 330 bedeutete den langsamen Rückzug des Kaisers aus der weströmischen Welt und leitete gleichzeitig den Aufstieg d es Papstes als politischer
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Akteur ein, indem dieser das dadurch entstandene Machtvakuum in der antiken Hauptstadt zu füllen begann.
Schauplatz dieser Entwicklung ist die alte Hauptstadt Rom. Politisch schon seit der Krise im 3. Jahrhundert immer unbedeutender, lebt die Stadt von ihrem alten Glanz und von der Erinnerung an vergangene Zeiten. Als Sitz des Senats ist sie nach dem Aufstieg des Christentums eine letzte Hochburg der alten Staatsreligion und entwickelt sich gleichzeitig zu einem Zentrum des Christentums.
Diese Arbeit möchte jene Metamorphosen vom politischen Zentrum zur Heiligen Stadt nachzeichnen. Dabei soll ein besonderer Blick auf die städtebaulichen Auswirkungen dieser Entwicklung gelegt werden, ohne die geistesgeschichtlichen, politischen und kulturellen Hintergründe zu vergessen.
Die zentrale Frage soll sein, herauszufinden, wo die entscheidenden Wandlungspunkte in diesem Prozess lagen. Hierzu muss zunächst die religiöse und städtebauliche Situation vor Konstantin gezeigt werden, um dann die Entwicklung bis zum Verbot der nichtchristlichen Kulte unter Theodosius darstellen zu können.
2. Die Zeit vor Konstantin
2.1. Die politischen Entwicklungen - Rom verliert den Status als „Caput Mundi“
Mit dem Bau der Stadtmauer unter Aurelian und Probus erhielt die Stadt Rom in den Jahren 272 bis 279 zum ersten Mal seit der republikanischen
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Zeit wieder eine befestigte Stadtgrenze; die neue Mauer ist Ausdruck der Krise jener Zeit. Die Stadt Rom, über Jahrhunderte hinweg unangefochtener, uneinnehmbarer Mittelpunkt der damals bekannten Welt, war angreifbar geworden und musste sich vor Angriffen schützen. Seit im Jahr 235 der letzte Kaiser der severischen Dynastie ermordet worden war, hatte die Stadt Rom unter den so genannten Soldatenkaisern immer mehr an politischer Bedeutung verloren: In dichter zeitlicher Folge lösten sich Kaiser ab 1 ; Kriege an den Grenzen des Reiches lösten eine Wirtschafts- Finanz- und Handelskrise aus. 2 Diese Entwicklungen mussten sich freilich auf die Stadt auswirken: Die Abwesenheit des Kaisers schwächte die politische Bedeutung der Stadt, das politische Geschehen dieser Zeit spielte sich an den Grenzen des Reiches ab. Es ist deshalb kaum verwunderlich, dass seit 235 kaum neue repräsentative Bauten für den Kaiser in Rom errichtet wurden. „Die Kaiser waren zu kurzlebig und zu selten in Rom, um bedeutende Bauprojekte dieser Art zu verwirklichen.“ 3
Die Verwaltungsreform Diocletians und die mit ihr einhergehende Stabilisierung der politischen Ordnung durch die Schaffung von vier Teilreichen (Tetrarchie) läutete in Rom zwar architektonisch eine neue
1 Fuhrmann (Manfred Fuhrmann, Rom in der Spätntike.Porträt einer Epoche, München 1994) und Demandt (Alexander Demandt, Geschichte der Spätantike.Das Römische Reich von Diocletian bis Justinian 284-565 n. Chr., München 1998) sprechen von insgesamt 70 Kaisern und Usurpatoren zwischen 234 und 285 (Fuhrmann, S. 24, Demandt, S. 21) 2 vgl. Demandt, S, 24-28
3 Frank Kolb, Rom.Die Geschichte der Stadt in der Antike, München 1995, S. 662
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Blütezeit ein 4 , politisch blieb die Stadt aber weit hinter ihrer ehemaligen Bedeutung zurück. Diocletian residierte in Nikomedeia, sein Caesar Galerius hielt in Sirmium und Thesalonike Hof. Der August des Westens, Maximianus, wählte Mailand und Aquileia als Sitz; Trier und York wurden die Residenzen seines Caesaren Constantius. Rom verlor endgültig seine Stellung als Verwaltungszentrum und war nunmehr ideelle, symbolische Hauptstadt des Reiches: S taatsfeste und Triumphzüge, prächtige Neubauten und die traditionelle Versorgung der stadtrömischen Bevölkerung mit Brot und Spielen konservierten den Glanz der Vergangenheit, Rom wurde zum reinen Symbol staatlicher Macht bestimmt, ohne dass die Stadt im politischen Leben an ihre Bedeutung der Prinzipatszeit anknüpfen konnte. 5
2.2. Baugeschichte - Die Renovatio Urbis im ausgehenden 3. Jahrhundert Die Errichtung der Stadtmauer unter Aurelian verweist aber nicht nur auf eine politische Schwäche des Kaiserreiches; sie leitete gleichzeitig nach einem halben Jahrhundert der Krise und des Stillstandes die Epoche einer Renovatio Urbis ein. Die Bäder des Diocletian in ihren bis dahin nicht gekannten Ausmaßen, das neue Senatshaus, die Erneuerung der Basilika Julia, der Neubau der Basilica Nova, die Neugestaltung des Tempels der Venus und Roma und die Wiederherstellung der Rostra auf dem Forum Romanum sowie Ehrensäulen und Triumphbögen auf dem Forum und an
4 vgl. Punkt 2.2.
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den Ausfallstraßen der Stadt sind bis heute Zeugen dieser Entwicklung 6 . Der politische Niedergang Roms wurde förmlich aufgefangen in einer lange nicht da gewesenen Bautätigkeit in der Stadt; der Bedeutungsverlust wurde kompensiert durch symbolträchtige Gebäude, die den Glanz des alten Roms neu auferstehen ließen. Obwohl die öffentlichen Bauten über die ganze Stadt verteilt waren, lag ein Schwerpunkt der römischen Staatsarchitektur im Bezirk zwischen Kapitolshügel, Forum, Palatin und Kolosseum, den Krautheimer als „Schaubezirk“ der Stadt benennt: „Hier gafften Römer, Provinzler und Fremde auf Tempel, Paläste, Verwaltungsgebäude, Basiliken, Theater, Säulengänge: Berge von Marmor oder Marmorimitationen, vergoldete Kapitelle, Triumphbögen, Ehrenstatuen […] Für einen Besucher des 4. Jahrhunderts bedeutete all dies den grandiosen Anblick, der die Pracht Roms und seines Imperiums widerspiegelte.“ 7
Vermittelte die Stadt nach der Krise des 3. Jahrhunderts nun wieder die Pracht der Prinzipatszeit, so hatte sich die Stadt dennoch grundlegend gewandelt. Für die Metamorphose Roms z ur „Heiligen Stadt“ im christlichen Sinne ist besonders der religiöse Wandel in der stadtrömischen Gesellschaft grundlegend, auf den im Folgenden genauer eingegangen werden soll.
5 vgl. Demandt, S. 31, S. 361
6 vgl. Kolb, S. 667-670, Richard Krautheimer, Rom.Schicksal einer Stadt 312-1308, Leipzig 1987, S. 16-
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2.3. Die religiöse Entwicklung - Das Auftreten orientalischer Kulte in Rom Der massive politische und wirtschaftliche Druck, der im dritten Jahrhundert auf dem römischen Reich lastete, schlug sich auch im religiösen Bereich nieder. Seit der Augusteischen Pax Romana war ein religiös überhöhtes Kaisertum eng verknüpft mit dem römischen Staatsgedanken. Die alte Götterwelt galt den Römern als Wahrer des Reiches, des Wohlstandes und des Rechts. Staat und Religion waren so aufs Engste miteinander verknüpft, die Priester (sacerdotes) gehörten der gleichen aristokratischen Schicht an wie die Magistrate des weltlichen Rom: 8 „Die Verehrung der römischen Götter war ein unabdingbarer Bestandteil […[der] Bürgerpflicht, wenn nicht schon aus religiösen, so doch aus nationalen Gründen: sie sahen in diesem Kult die Garantie für die dauernde Größe des Imperiums und seiner einzig legitimen Hauptstadt Rom […]“ 9 Das feste Band zwischen dem gottgleich
verehrten Kaiser, Gesellschaft und Religion löste sich in der Krise des 3. Jahrhunderts in zunehmenden Maße: „[…] die Kaiser - die besseren unter ihnen- hielten geradezu verzweifelt nach einem Kitt Ausschau, der
7 Krautheimer, S. 20
8 vgl. Thrams, S.52f 9 Krautheimer, S. 50
Arbeit zitieren:
Matthias Thiele, 2005, Rom im vierten Jahrhundert - Vom politischen Zentrum zur Heiligen Stadt. Die Metamorphosen im alten Rom, München, GRIN Verlag GmbH
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