Friedrich - Schiller- Universität Jena
Institut für Erziehungswissenschaft
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Salzmann und die Philanthropen 2
3. Salzmanns Erziehungskonzepte 4
3.1 Die Ursachen der Untugenden 4
3.2 Körperliche Erziehung und Gesundheit 6
3.3 Naturerziehung. 8
3.4 Heimatkenntnisse, Einseitigkeit und Selbständigkeit. 9
3.5 Lernen und Handeln. 11
3.6 Wirtschaftlichkeit. 13
4. Erziehungspraxis in Schnepfenthal 16
4.1 Tagesgeschehen in der Erziehungsanstalt. 16
4.2 Die Gefahr der „heimlichen Sünden“ 18
5. Resümee 20
6. Literaturverzeichnis
1
1. Einleitung
Das Krebsbüchlein, welches 1780 von Salzmann verfasst wurde, ist Salzmanns erstes Buch welches er der Familienerziehung gewidmet hat. Seit 1792 wird die Titelüberschrift mit den Worten „Krebsbüchlein oder Anweisung zu einer unvernünftigen Erziehung der Kinder“ eingeleitet. In der Einleitung liest man von einer Anweisung zu einer zwar nicht vernünftigen, aber doch modischen Erziehung der Kinder 1 . Diesen unvernünftigen Umgang mit den Kindern wollte Salzmann in weiten Kreisen der Gesellschaft bekannt machen. Seine Auffassung vom Denken beim Erziehen der Kinder war neben dem Umgang mit seinen eigenen Kindern Grundlage für dieses Buch. Seine Beispiele sind in anschaulicher, lebendiger und in volkstümlicher Sprache geschrieben. Die Titelüberschrift „Krebsbüchlein“ ist so gewählt, weil Salzmann eine Reihe von Schriften erstellen wollte, die den Namen von Kerbtieren erhalten sollten. Neben dem Krebsbüchlein sollte es erst ein „Skorpionbüchlein oder die Anweisung zu einem unvernünftigen Regieren der Völker“ oder „Spinnenbüchlein oder die Anweisung zu einer unvernünftigen Führung der Ehe“ geben. An der Namensgebung seiner Bücher muss man Salzmann allerdings einen Fehler in der Klassifikation unterstellen, denn die Ameise (Ameisenbüchlein oder Anweisung zu einer vernünftigen Erziehung der Kinder, Schnepfenthal 1806) gehört definitiv nicht zu den Kerbtieren. Betrachtet man die Abbildung unter der Überschrift, so erkennt man einen Teich und drei Krebse, von den einer alt und die anderen beiden jung sind. Im Hintergrund erkennt man einen Baum und eine Hütte, wo die Worte: „Faciam, mi papule, site idem facientem prius videro“ stehen (Ich werde es tun, mein Väterchen, wenn ich dich vorher dasselbe werde tun sehen). Diese Überschrift lässt auf den Inhalt und den Grundgedanken des Buches schließen. Die beiden jungen Krebse sehen den alten Krebs und handeln ebenso wie dieser. Der alte Krebs bekommt somit eine Vorbildfunktion für die jungen Krebse. Damit lässt sich schon erahnen, welche immense Verantwortung der alte Krebs innehat. Das „wertvollst Gut“, nämlich die nächste Generation wird ihm anvertraut. Es ist selbstverständlich, dass hierbei der Erzieher ersteinmal erzogen und gebildet werden muss, bevor er die Jugend erzieht und somit auf die Zukunft eines Landes und einer Gesellschaft erheblichen Einfluss hat. Im Krebsbüchlein sind die verfallsbringenden Untugenden
1 C. G. Salzmann, Krebsbüchlein, Leipzig 1948, S. 11.
2
dargestellt, die Erwachsene ihren Kindern übergeben und an denen sie selbst, sowie die Gesellschaft später keine Freude haben werden: „Es gibt eine Erbsünde, eine Neigung zum Bösen und Abneigung vom Guten, die die Kinder von ihren Eltern bekommen; sie wird ihnen aber nicht sowohl angeboren als- anerzogen“ 2 . Das Krebsbüchlein soll eine Schutz- und Bittschrift an alle armen und wehrlosen Kinder sein, die um Tugend, Gesundheit und Leben gebracht wurden. Diese mögen das Büchlein lesen und sich ihrer Fehler und Untugenden eingestehen, auf dass die folgende Generation von diesen Missständen befreit werde und zu gesunden, erwachsenen Menschen heranwachse. Das Anliegen des Büchlein ist nun nicht mehr nur den Erwachsenen gewidmet, sondern ist ebenfalls für die betroffene Gruppe (den heranwachsenden Kindern) geschrieben. Inwieweit tatsächlich Kinder zur damaligen Zeit lesen konnten und dieses Buch in den Händen hielten ist nicht bekannt. Definitiv ist bekannt, dass insgesamt vier Auflagen in den Jahren 1780, 1788, 1792 und 1806 erschienen sind. Nach Salzmanns Tod erschien noch eine fünfte und sechste Auflage, herausgebracht durch den Regierungsrat Hahn. Diese enthielten jedoch lediglich Zusätze und Weglassungen aus den Originalen. Der Beweiß für den hohen Anklang in der Bevölkerung sind jedoch die zahlreichen Nachdrucke des Buches, was auf eine relativ hohe Verbreitung Salzmanns’ Gedankengutes schließen lässt.
2. Salzmann und die Philanthropen
Salzmann erkannte die Verelendung der damaligen Welt, wollte das „Dunkel der Welt“ erhellen und „Heilswege vermitteln“. 3 Seine Utopie der Besserung der Welt durch die Überwindung der feudalen Gesellschaftsordnung machte ihn neben Basedow, Campe, Wolke und Trapp zu einem der bekanntesten Philanthropen. Philanthropen kann man als Reformpädagogen ansehen, die sich um 1770 in Deutschland und der Schweiz zusammenfanden, um die teilweise pietistische Erziehung zu überwinden. Sie waren begeistert vom Werke des „Emile“ (Rousseau, 1712- 1778) und forderten, Rousseaus folgend, eine Erziehungseinstellung, die auf die ursprüngliche Güte der Kindesnatur vertraut. Kindliche Willensimpulse sollen
2 Konrad Kiefer oder Anweisung zu einer vernünftigen Erziehung der Kinder, Dietrich, M. (Hrsg.),
2. Aufl., Regensburg 1967, S. 395.
3 Kemper, H., Seidelmann, U. (Hrsg.), Menschenbild und Bildungsverständnis bei C. G. Salzmann,
Weinheim 1995, S.34.
3
nicht gebrochen, sondern aufgenommen, gestärkt und unterstützt werden. Die Kinder sollen in Fröhlichkeit aufwachsen und Naturnähe, Bewegung in freier Luft, körperliche Ertüchtigung und Spiele erfahren. Die Kindheit als Phase notwendigen Lernens soll zu einem vergnüglichen Leben führen. Die vorherrschende Pädagogik im 18. Jahrhundert wurde durch den Pietismus bestimmt. Diese religiöse Richtung meint eine Lebensweise durch Intensivierung der Gotteserfahrung im Gebet, sowie durch Nächstenliebe und Glaubensbewährung im Alltag. Aus dem Pietismus erwuchs eine pessimistische Anthropologie von der Sündhaftigkeit des Menschen. Daraus resultierte eine strenge Zucht- und Gehorsamspädagogik. Die Philanthropen ließen sich von dem Menschenbild des „rechtschaffenen, biederen, braven Mannes und der tüchtigen, bescheidenen, züchtigen Hausfrau“ 4 leiten. Sie vertraten das Rouseauische Erziehungsprogramm, wollten jedoch v.a. eine Vernünftig-Natürliche Erziehung. An dieser Stelle kann man einen Wiederspruch in Salzmanns Leben feststellen. Trotz seines Theologiestudiums und seiner Tätigkeit als praktischer Theologe (Pfarrer) war er ein Philanthrop und somit aktiv für die Aufklärung und vernünftigen Erziehung. Ihm war es sehr daran gelegen, die Massenverelendung zu stoppen und dieser aufklärerisch „mit seinem Verstand“ entgegenzutreten. Jedoch sah Salzmann in der Religion „die Quelle aller echten Tugenden“ 5 und in Gott den Spender zur Glückseligkeit. In Religion sei außerdem Mittel, der Glückseligkeit eine rationale und zuverlässige Basis zu geben 6 . Er hielt vor der ganzen Hausgemeinschaft in Schnepfenthal jeden Sonntag seine Predigten, wo er biblische Exegese mit pädagogischen Intentionen verband. Außerdem verband er mit dem „rationalen“ Fach der Naturwissenschaft die Natur als System und Ausdruck göttlicher Ordnung. Salzmann stand dem naturwissenschaftlichen Unterricht der physikotheologischen Denktradition nahe. Diese besagt, das die Ordnung der Natur auf einen vernünftigen Verursacher schließen lässt. Dieser sei Gott 7 . In seiner späteren Erziehungsanstalt in Schnepfenthal versucht er seine Konzepte durchzusetzen. Sie unterschieden sich von der Grundidee in nur wenigen Punkten von denen in Dessau, wobei jedoch Salzmann in Schnepfenthal eher eine Neuauflage mit eigenen Ideen einbrachte, die sich bei genauerer Betrachtung schon vom Dessauer Philanthropinum unterschieden. So galt in Schnepfenthal ein eher
4 Ebenda
5 Wagner 1887, S. 195.
6 Schnitzler, M., Salzmann als Moralpädagoge, Bonn 1915, S. 17.
7 Coriand, R., Koerrenz, R. (Hrsg.), Salzmann, Stoy, Petersen u.a. Reformen. Traditionen der
Thüringer Bildungslandschaft, Jena 2004.
4
diskursives Unterrichtsverständnis, welches mehr einer Unterredung als einem Unterricht entsprach. Salzmann legte Wert auf produktive Arbeit und Übernahme von Verantwortung seitens der Zöglinge. In Dessau wollte Basedow den Zöglingen die Welt durch die Konfrontationsmethode beibringen, indem er sie nach dem theoretischen Unterricht in die Natur und in das Berufsleben schickte. Dieser Auffassung war Salzmann nicht, er bestand auf Befähigung zwecks Ausbildung statt Basedows „Learning by doing“.
3. Salzmanns Erziehungskonzepte
3.1 Die Ursache der Untugenden
In einer Zeit, wo Epidemien, Hungersnöte, wirtschaftlicher und sittlicher Verfall in Thüringen an der Tagesordnung waren, prangert Salzmann, der zu jener Zeit den Pfarrersberuf ausübte, die sozialen Missstände zutiefst an. Salzmann selbst kam als Pfarrer in Rohrborn (bei Erfurt) oft mit dem Elend und den Armen der Gesellschaft zusammen. Oft war er in den Hütten der Notleidenenden zugegen, besuchte Kranke in Gemächern, sah die Zustände in Gefängnisse, Zucht- und Waisenhäusern. So erfuhr er hautnah von den Abgründen der Gesellschaft. Die Quellen der Verelendung sind nicht sozial- oder ökonomischer Herkunft, sondern liegen in der unzureichenden Erziehung der Kinder 8 . Hier zeigt sich eine erste Tendenz (Konzept), die Salzmann im Krebsbüchlein ins negative wendet und Anweisungen gibt, wie man seine Kinder nicht erziehen soll. Das Begegnen und die Ausschaltung des sozialen Unsegens durch eine Aktivierung der Menschen ist sein Konzept und sein Ziel. Die Kinder sollen Sach- , Sozial- und Handlungskompetenz erlernen und es Lernen sich selbst einmal aus dem Sumpf ziehen zu können 9 . Erfolgt dies nicht, so kommt es zur Verelendung, welches sich auf menschliche Eigenschaften, auf Charaktere und auf das Leben insgesamt auswirkt. Im schlimmsten Fall droht der Tod als Folge der Ausschweifungen, Verweichlichung oder Verzärtelung der Kinder.
8 Kemper, H., Seidelmann, U. (Hrsg.), Menschenbild und Bildungsverständnis bei C. G. Salzmann,
Weinheim 1995, S.58.
9 Vgl. ebd., S.60.
Arbeit zitieren:
Thomas Jacob, 2004, Erläutern Sie C. G. Salzmanns Erziehungskonzept am Bsp. einer seiner Schriften, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Strukturkonservative und strukturinnovative Gruppenarbeit in der Autom...
BWL - Personal und Organisation
Hausarbeit, 21 Seiten
Die erzähltechnischen Mittel in Bram Stokers Gothic Novel "Dracul...
Seminararbeit, 26 Seiten
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
Hausarbeit, 22 Seiten
Der Hofmeister - Das Original von Jacob Michael Reinhold Lenz und die ...
Ein exemplarischer Vergleich
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 19 Seiten
Sport unterrichten – Konzepte und Methoden: Bewegte Schule
Sport - Sportpädagogik, Didaktik
Seminararbeit, 13 Seiten
Maria Montessori - Leben, Werk und Bedeutung
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit, 22 Seiten
Mehr Zeit für Spiel und Bewegung - Die tägliche Bewegungszeit
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Referat (Ausarbeitung), 17 Seiten
Die Reformpädagogik - eine Pädagogik des Kindes
Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung
Seminararbeit, 12 Seiten
Psychoanalytische Aspekte in "Elektra" von Hugo von Hofmanns...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 19 Seiten
Bildung beginnt mit der Geburt! Neueste Erkenntnisse aus der frühkindl...
Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung
Seminararbeit, 20 Seiten
Der Weimarer Grundschulkompromiss: Entstehung und Umsetzung
Pädagogik - Geschichte der Päd.
Examensarbeit, 65 Seiten
MOLIERE - Die Entwicklung von Le Misanthrope bis zu Le malade imaginai...
Romanistik - Französisch - Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Die Minnekonzeption bei Walther von der Vogelweide
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 29 Seiten
Jean-Paul Sartre: Les Mouches - faire d'une pierre deux coups
Romanistik - Französisch - Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Thomas Jacob hat den Text Erläutern Sie C. G. Salzmanns Erziehungskonzept am Bsp. einer seiner Schriften veröffentlicht
Thomas Jacob hat einen neuen Text hochgeladen
Schriften zur praktischen Philosophie am Beispiel der Türkei
Rassismus, Assimilation, Ehren...
Sinan Özbek
Outlines & Highlights for Language, Culture, and Society: An Introduct...
Cram101 Textbook Reviews
Nachgelassene Schriften: Band 1 Bemerkungen Zur Mohammedverehrung
Fritz Meier, Bernd Radtke, Gudrun Schubert
Selected Papers / Ausgewählte Schriften
K. Goldstein, R. W. Haudek, E. M. Goldstein-Haudek, Aron Gurwitsch
0 Kommentare