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Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung 3
2. Hauptteil. 2-13
2.1. Das Wappen in „dy heyling varb“ 4-11
2.1.1. Darstellung der Trinität: Der Gnadenstuhl. 4-6
2.1.2. Die Evangelistensymbole. 6-8
2.1.3. Farb- und Zahlensymbolik. 8-11
2.1.3.1. Die Farben der Trinität 9-10
2.1.3.2. Die Farben der Evangelisten. 10-11
2.2. Weitere Darstellungen in bezug auf Christus. 11-15
2.2.1. Arma Christi. 12-13
2.2.2. Die Herz-Jesu-Verehrung. 13-14
2.2.3. Wappen eines wahren bußfertigen Menschen. 14-15
3. Resumé. 16
4. Anhang. 17-18
4.1. Dies ist Schild und Wappen eines wahren bußfertigen und
reuigen Menschen und es ist dreigeteilt: weiß, schwarz und blau. 17
4.2. „dy heyling varb“ Vers 380 - 420. 18
5. Bibliographie 19
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1. EINLEITUNG
In dem Seminar „Mittelalterliche Farbsymbolik“ konnte festgestellt werden, dass in dem Text „dy heyling varb“ 1 (V.380-420) nicht, wie zunächst angenommen, die Farben die Hauptrolle spielen, sondern, dass es sich hier um einen sogenannten Bl ason 2 handelt, ein Gedicht zu Ehren von Christus 3 . Es hebt an mit einer Selbstdemütigung des Dichters, mündet in eine Klage, geht über in eine Lobrede, beschreibt dann das eigentliche Wappen und endet in einer Fürbitte.
Thema dieser Arbeit ist nun die durch den christlichen Glauben geprägte Alleg orie dieses Wappens und weiterer religiöser Bilder und Wappendarstellu ngen. „Vorläufer“ dessen, was wir uns heute unter Wappen vorstellen, finden wir zum Beispiel schon im alten Rom, im bekannten Feldzeichen 4 , einer Lanze mit aufgesetzter Adlerikone. Noch älter sind allerdings die allegorischen Auslegungen der in solchen Signa verwendeten Bilder, deren Deutung sich im Laufe der Zeit wandelte oder erweiterte, besonders mit Anbruch des Christentums, als man begann, jene Bi lder bei der Interpretation auf Christus zu beziehen. Man „schuf“ sogar Darstellungen, die eigens für die Verehrung Christi gedacht waren, wie die auch in der Arbeit vorgestel lten Arma Christi oder das Herz Jesu.
Die folgende Abhandlung konzentriert sich im ersten Teil auf die Wappenschild erung in der Dichtung „dy heyling varb“. Hierbei wird zunächst auf die Illustration der einzelnen Bestandteile, deren Ursprung und Deutung eingegangen. Daran schließt die Erläuterung der Besonderheiten der in dem Text vorkommenden Farb - und Zahlensymbolik. Untersucht wird insgesamt der Bezug zu Christus und die dabei auftretenden Probleme hinsichtlich der Auslegung und eindeutigen Zuweisung. Im zweiten Teil beschäftigen wir uns mit weiteren Allegorien, die sich durch den christlichen Glauben entwickelten und sich ihren Weg in die Wappenkunst bahnten.
1 In: Wickede 1909, S. S.33-44
2 vgl. Galbreath 1978, S.60.
3 vgl. Wickede 1909, S.62.
4 vgl. Galbreath 1978, S.26.
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2. Hauptteil
2.1. Das Wappen in „dy heyling varb“
Die Wappenbeschreibung in „dy heyling varb“ beginnt mit der Aufzählung der Fig uren der Trinität, die höchstwahrscheinlich in die Mitte des Schildes gesetzt ist, da sie zuerst genannt wird, und den dazugehörigen Farben (V.380-396). Gott, repräsentiert durch Grau, hält seinen Sohn, dargestellt in Violett, am Kreuz in seinen Armen, zw ischen den beiden schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer weißen Taube. Anschließend folgt die Schilderung der vier Ecken des Wappenschilds, in denen sich ein Löwe in blau (V.403-405), ein Kalb in grün (V.407), ein Mensch in rot (V.409-411) und ein goldener Adler befinden (V.414). Um den Farben mehr Ausdruckskraft zu verleihen, bedient sich der Dichter des Vergleichs mit Edelsteinen in den entsprechenden Färbungen.
Laut den Regeln der Blasonierung fängt man mit der Beschreibung grundsät zlich in der rechten oberen Ecke (vom Wappenträger aus gesehen) an, geht weiter zur rechten unteren, um dann zur linken unteren, und abschließend zur linken oberen Ecke zu kommen. Wir dürfen uns demzufolge den Löwen rechts oben, das Kalb rechts unten, den Menschen links unten und den Adler links oben vorstellen. Am E nde der Wappenbeschreibung wird der Leser darauf aufmerksam gemacht, dass die Symbole in den vier Ecken die Evangelisten darstellen sollen (V.415-417). Angemerkt sei an dieser Stelle, dass es sich nicht um eine Beschreibung im Sinne einer fachsprachlichen Wappencharakterisierung handelt, sondern mehr Wert auf die Sinngebung der angeführten Bilder und Farben gelegt wird.
2.1.1. Darstellungen der Trinität: Der Gnadenstuhl
Als Grundlage für bildliche Darstellungen der Heiligen Dreifaltigkeit dient die Vorstellung, dass sich Gott durch die Sendung des Menschensohn es aufspaltete, in ein menschliches und ein göttliches Wesen, ferner den Heiligen Geist; und dennoch sind diese drei Teile ein Wesen, sie verkörpern eine Macht 5 .
5 vgl. Kern 1971, S.139.
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Die Auffassung der Dreieinigkeit Gottes existiert im übrigen nicht nur im christlichen Glauben, sondern unter anderem auch im Hinduismus 6 . In der Kunst versuchte man nun, die Einheit in der Dreiheit auf verschiedenste Weisen darzustellen, so zum Beispiel durch geometrische Zeichen, wie ein gleichse itiges Dreieck oder drei sich schneidende, gleichg roße Kreise 7 , durch Symbole, wie die Hand oder das allsehende Auge für Gott, die Taube anstelle des Heiligen Geist und das Lamm als Bild für Christus 8 . Anthropomorphische Formen, in denen die Dreieinigkeit mit Hilfe von beispielsweise drei gleichaltrigen Männern repräsentiert wird - wobei Christus nur anhand seiner Wundmale erkennbar ist - entstanden etwa ab dem 10.Jahrhundert 9 . Hierzu gehört auch die in dem Gedicht „dy heyling varb“ geschilderte Versinnbildlichung der Trinität, welche der Dichter an den Beginn der Wappenbeschreibung (V.380-420) setzt. Er verwendet hierfür eine im Mittelalter besonders populäre Form, den sogenannten Gnadenstuhl. Der Begriff „Gnadenstuhl“ taucht zum ersten Mal in Luthers Bibelübersetzung auf; er bezeichnet damit den Deckel der Bundeslade, über welchem Gott seinen Gläubigen erscheint (2.Mos.25,7-22). Bei Sühneritualen sollte auf diesem ein Opfertier dargebracht we rden (3.Mos14). Luther verstand also den Deckel als christlichen Altar und das Blut des Opfertieres als das Blut Christi. Die Bedeutsamkeit des Begriffs „Gn adenstuhl“ wird deutlich, wenn wir untersuchen, wo Luther ihn in der Bibel einsetzte. An einer Stelle in der Vulgata findet sich der Ausdruck „thronum gratiae“ (Hebr.4,16), an einer anderen „propitiatorium“. Ersteres heißt wörtlich übersetzt „Gnadenstuhl“, Letzteres bedeutet „Sühnemittel“. Beide bezeichnen in der Vulgata den Deckel der Bundeslade und beides Mal benutzt Luther zu deren Wiedergabe dasselbe Wort. In der Kunst versteht man unter „Gnadenstuhl“ die Illustration von Gott wie er, sitzend oder stehend, Christus am Kreuz oder als Schmerzensmann in den Armen trägt, der Heilige Geist schwebt in Gestalt einer Taube zwischen den beiden. Diese Verbildl ichung tritt in endgültiger Form, wie oben beschrieben, ab dem 12.Jahrhundert, auf. Allerdings war sie ursprünglich nicht primär dafür gedacht, die Trinität an sich darz ustellen, sondern um zu zeigen, wie Gott das Opfer, also Christus am Kreuz, annimmt und es gleic hzeitig der Menschheit als Sühnemittel reicht. Der Gnadenstuhl ist demnach ein überaus gelungener Versuch, künstlerisch die Komplexität des Sühneg eschehens,
6 vgl. Lurker 1979, S.121.
7 vgl. Molsdorf 1968, S.5f.
8 vgl. Kriss-Rettenbeck 1971, S.79.
9 vgl. Molsdorf 1968, S.1.
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welches Luther zur Vereinfachung und treffend durch das Wort „Gnadenstuhl“ wi edergibt, darzustellen. Früher noch schlicht mit „Dreifaltigkeit“ oder „Trinität“ bezeichnet, erhält die Komposition jetzt ebenfalls die Benennung Gn adenstuhl 10 .
2.1.2. Die Evangelistensymbole
Die Evangelisten in den vier Ecken des Wappens in den heiligen Farben sind anhand von vier Symbolen -Löwe, Kalb (Stier), Mensch (Engel) und Adl er- dargestellt. Sie gehen auf eine Vision des Propheten Hesekiel zurück (Hes.1, 4ff.) 11 . Hesekiel beschreibt die Erscheinung von vier Lebewesen mit je vier Gesichtern und vier Flügeln, die uns als Cherubim vorgestellt werden (Hes.10, 8-17). Das Menschengesicht blickt bei jedem nach vorne, das Löwengesicht nach rechts, das Stiergesicht nach links und das Adlergesicht nach hinten. In der Fachsprache werden diese Wesen als Te t-ramorphe bezeichnet. Eine sehr ähnliche Beschreibung finden wir auch in der Offenbarung des Johannes 12 , in der ebenfalls vier Wesen, allerdings mit jeweils nur einem Kopf, angeführt werden. Sie sind als Wächter um den Gottesthron platziert; das erste hat das Aussehen eines Löwen, das zweite das eines Stiers, das dritte die Gestalt eines Menschen und das letzte die eines Adlers (Off.4, 6ff.). Die Reihenfolge der in der Offenbarung genannten Wesen lässt Vermutungen darüber zu, dass der Dichter der heiligen Farben sich eben dieser Stelle des Neuen Testaments als Vorlage bedient haben könnte, da er in seiner Aufzählung dieselbe Reihenfolge wählte. Formal gesehen dürften wir den Ursprung der Bilder im Orient suchen 13 . Der Löwe ist allgemein angesehen als der König der Tiere, er bedeutet, wie in China oder Japan, generell achtunggebietende Stärke. In Ägypten gilt er außerdem als Sonnensymbol: es werden zwei mit dem Rücken zueinanderstehende Löwen, jeweils in Richtung Osten und Westen blickend, dargestellt. Sie bezeichnen den Auf - und Untergang der Sonne, die Erneuerung des Lebens und der Kraft. Auch in der abendländischen Kultur spielt der Löwe als Sonnensymbol eine Rolle, nämlich in der Astrol ogie. So ist er das Tierkreiszeichen des Hochsommermonats Juli und ihm wird die Sonne als Planet zugeschrieben. Beliebt wurde der Löwe auch als Wappentier in der
10 vgl. Braunfels 1954, S.XXXV-XLII.
11 vgl. Molsdorf 1968, S.158.
12 vgl. Molsdorf 1968, S.158.
13 vgl. Molsdorf 1968, S.158.
Arbeit zitieren:
Nadine Scherny, 2003, Christliche Wappenallegorie: am Beispiel der Wappenschilderung in "dy heyling varb", München, GRIN Verlag GmbH
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