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Gliederung
A. Vorwort 2
B. Vorstellung der Interpretation 3
C. Nachwort 6
A. Vorwort
Die Wahl des Themas der vorliegenden Hausarbeit resultierte aus der Neugier, welche
die erstmalige Bekanntschaft mit einem mittelhochdeutschen Text beim Bearbeiter
hervorrief. Diese Neugier betraf vor allem das rätselhaft anmutende Verhalten der
Protagonisten sowie die Motive und historischen Hintergründe der Erzählung. Zur
Beseitigung der Verständnisschwierigkeiten bot sich die Lektüre von Interpretationen
des „Mauricius von Craûn“ 1 an bis zur Entscheidung, eine solche Interpretation auch
zum Gegenstand der Seminarhausarbeit zu machen, war es dann nur noch ein kleiner
Schritt. Die Wahl des Artikels von Willms et al. 2 statt der gleichfalls vorliegenden
Aufs ätze von Thomas 3 , Tomasek 4 und Classen 5 erfolgte aufgrund der großen Textnähe
und des chronologischen Vorgehens der Autoren. Zudem erschien beispielsweise die
Thomas -Interpretation für den Zweck einer Vorstellung als zu lang, da bereits dem Stil
des Prüfungskandidaten eine Tendenz zur Langatmigkeit innewohnt. Auch enthalten die
drei anderen Artikel eine Vielzahl von Bezugnahmen auf andere, dem Bearbeiter noch
unbekannte mittelhochdeutsche Texte, was einer jeweiligen Vorstellung der
Interpretationen zumindest nicht förderlich gewesen wäre.
Eine weitere Ursache für die Themenwahl ist eher pragmatischer Natur: Die Aufgabe
der Vorstellung einer bestimmten Interpretation macht eine langwierige Li-
teraturrecherche gegenstandslos allgemeiner gehaltene Themen bergen schließlich die
Gefahr in sich, Fehlentscheidungen bei der Prüfung der Relevanz der recherchierten
Informationen für das jeweilige Thema zu treffen.
Die Präsentation des Artikels orientiert sich im wesentlichen am chronologischen Aufbau
desselben. Der Bearbeiter wünscht dem Leser viel Vergnügen bei der Lektüre.
1 Textgrundlage dieser Bearbeitung ist die Ausgabe des „Mauricius von Craûn“ von Edward
Schr öder, übersetzt und kommentiert von Dorothea Klein, Stuttgart 1999. Im folgenden wird der
Titel des Werkes mit MvC’ abgekürzt.
2 Willms, Eva u. a. : Der Moriz von Craûn’ als politische Satire. Eine alte These - neu begründet.
In: GRM 44 (1994) S. 129-153.
3 Thomas, Heinz: Zur Datierung, zum Verfasser und zur Interpretation des Moriz von Craûn’ In:
ZfdPh 103 (1984) S. 321-365.
4 Tomasek, Tomas: Die mittelhochdeutsche Verserzählung Moriz von Craûn’ Eine Werkdeutung
mit Blick auf die Vorgeschichte. In: ZfdA 115 (1986) S. 254-283.
5 Classen, Albrecht: Das Spiel mit der Liebe - Leben als Spiel. Versuch einer Neuinterpretation des
Moriz von Craûn’ In: GRM 40 (1990) 369-398
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B. Vorstellung des Artikels
Die Verfasser verweisen zunächst auf mangelhafte Informationen über die Verserzählung: So sind Person und Absichten des Erzählers ebenso unbekannt wie die französische Vorlage des Textes; dies führte zur Ungewissheit über den Einfluss des deutschen Bearbeiters sowie über die Beziehung der Kernerzählung zu ihrem umfangreichen und interpretationsbedürftigen Prolog. Diese Aspekte spiegeln sich in der Interpretationsgeschichte des MvC wieder. Insbesondere wurden verschiedene Datierungen und Sinndeutungen vorgenommen; ebenso wurde nach einem Autor und nach einem passenden literarischen Genre gesucht. Dagegen herrscht Konsens bei der Annahme einer seriösen, erzieherischen Absicht des deutschen Bearbeiters, welche wiederum im einzelnen ganz verschieden bestimmt wurde. Gleichfalls unterschiedlich behandelt die Sekundärliteratur Qualität und Quantität der Komik im MvC, wobei als Interpretationsgrundlage vor allem der Auftritt des Mauricius 6 im Schlafzimmer der Gräfin herangezogen wurde. Demgegenüber lenken die Verfasser des Artikels die Aufmerksamkeit des MvC-Lesers auf den ersten Dialog zwischen Gräfin und Mauricius in den Versen 524-558. Hier erscheint der bislang mit durchgehend positiven Attributen charakterisierte Mauricius als bis zur zeitweisen Sprachlosigkeit verschüchtert, während die Gräfin wenig sensibel und ohne Rücksicht Gleichgültigkeit gegenüber seiner Person demonstriert. Mit der ironischen Darstellung der psychosomatischen Erscheinungen des Mauricius wird dessen Glaubwürdigkeit als selbstbewusster Ritter bereits frühzeitig erschüttert. Im Vergleich zu anderen zeitgenössischen Dichtungen gleichfalls auffällig ist der Verzicht des Erzählers auf eine positive Beschreibung der umworbenen Gräfin als schön und begehrenswert.
Daraufhin befassen sich die Interpreten anhand der Verse 627 f. und 691-694 mit dem Schiff des Mauricius sowie den Reaktionen der Betrachter auf diese Konstruktion. Hiernach präsentiert der MvC-Erzähler das wie ein Amphibienfahrzeug funktionierende Schiff als technische Merkwürdigkeit und im Verhältnis zu seinem Zweck der Brautwerbung im Minnedienst als maßlos überteuert. Dem entspricht auch die Wirkung der Erscheinung des Schiffes auf die Zeitzeugen, welche unter ironischem Hinweis auf die fehlende Gefahr einer erneuten Sintflut die Absurdität dieses Fahrzeugs feststellen. Eine ähnliche Reaktion zeigt später (Verse 884-888) die Gräfin, die bei Wahrnehmung des Schiffes ebenfalls ironisch das Eintreffen des Antichristen und St. Brandans Höllenfahrt assoziiert. Die vergeblichen Ruderversuche der Seeleute in den Versen 750 ff. sind ein weiteres Indiz für die Absicht des Erzählers, die Unangemessenheit der Leistungen des Mauricius bei Bau und Ausrüstung des Schiffes herauszustellen. Dagegen wird die Beauftragung nur eines Schneiders mit der Herstellung sämtlicher Kleider des Gefolges in den Versen 702-704 als Hinweis auf unangebrachte weil übertriebene Sparsamkeit gewertet. Der Eindruck der Maßlosigkeit im Verhalten des Protagonisten verstärkt sich noch in den Versen 708-722, wonach Mauricius die im Verhältnis zu seinem Zweck eines Turnierkampfes übertrieben hohe Anzahl von 300 Speeren auf sein Schiff laden lässt.
Zwei verschiedene Interpretationsmöglichkeiten werden für die Verse 747 f. in Erwägung gezogen. Wenn der Erzähler mit der Formulierung „als einer briute“ die
6 Zur Verwendung des Namens ‘Mauricius’ statt des Namens ‘Moriz’ vgl. die Begründung von Klein, Dorothea auf S. 18 der Einleitung zur o. g. (Fn. 1) Werkausgabe.
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Aufmerksamkeit, die das Schiff auf seiner Reise bei den Passanten erregte, mit der typischen Reaktion des Volkes auf zeitgenössische Brautzüge vergleichen wollte, dann würde der Ausdruck eine Anspielung auf eine erneute Zweckverfehlung des Mauricius beinhalten, da das für eine bloße Turnierfahrt ungewöhnlich große Aufsehen des Zuges seiner Werbung um eine verheiratete Dame abträglich sein musste. Sollte aber nach dem Wortlaut der Textstelle die Fahrt selbst als Brautzug zu verstehen sein, nähme Mauricius die Rolle der Braut ein und würde somit wieder der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Weiterhin werden die Verse 790-794 hinsichtlich der Verwendung von „kumpf“ 7 oder „kopf“ 8 und „maser“ bei Tisch problematisiert. Die Interpreten weisen wegen der geringen Größe von Becher oder Humpen als denkbaren Bedeutungen für „kopf“ auf die Möglichkeit eines Übersetzungsfehlers hin, lassen diesen Aspekt aber schließlich dahinstehen, da bereits die Benutzung nur eines Bechers - noch dazu aus ordinärem Maserholz statt des in der höfischen Epik gebräuchlichen Edelmetalls - sowie der Zwang der Gäste zur Selbstbedienung ausreichende Indizien für den wenig höfischen Charakter des Gelages darstellen. Dieser Eindruck wird durch den Vergleich des angebotenen Weines mit Wasser, wodurch der Verdacht einer Verdünnung des Weines nahegelegt wird, noch unterstrichen. Auch Vers 818 gibt Anlass, an den Qualitäten des Mauricius als Gastgeber zu zweifeln: Die Zubereitung nur eines Brathuhns für je zwei Gäste steht im krassen Gegensatz zu der üblichen Opulenz der Feste in der höfischen Epik.
Einen anderen Wesenszug des Protagonisten ergibt die Interpretation der Verse 829-831; das in der mittelalterlichen Literatur einzigartige Einwickeln der Knie mit Filz demontiert unterschwellig das Image des Mauricius als heldenhafter Ritter. Denselben Effekt erreicht der Erzähler mit der Schilderung des Gesichtsschutzes in den Versen 843 f..
Auch Vers 837 ist Gegenstand der Untersuchung. Die Bedeutung dieser Textstelle ist unterschiedlich: Während sich Mauricius nach der Handschrift „in stricken“ wie ein gefesseltes Tier gebärdet, springt er in den Ausgaben Schröders und Pretzels „in schricken“ gleich einem - möglicherweise sogar erschreckten - Tier auf und ab. Beiden Varianten ist jedoch gemeinsam, dass sie dem Mauricius eine einem Ritter unwürdige Körperhaltung attestieren und ihn mithin als komische Figur präsentieren. Das gemeinsame Musizieren der Schiffsmannschaft in den Versen 867-872 ist zwar im Zusammenhang mit den bevorstehenden Reiterspielen eine für das Mittelalter typische Erscheinung, jedoch erweckt dieses Verhalten durch den Vergleich der Musikanten mit Seeräubern auf Beutejagd den Eindruck einer auf Einschüchterung abzielenden, gewaltbereiten Ansammlung von Soziopathen.
Unmittelbar vor Turnierbeginn unterlaufen Mauricius zwei folgenschwere Fehler: In den Versen 891-934 navigiert er zunächst das Schiff derart ungeschickt, dass der daraus entstandene Platzmangel auf dem Turnierplatz den Unfalltod eines Ritters erst ermöglicht. Darüber hinaus ignoriert er mit seiner Bitte zur Turnierfortsetzung den ritterlichen Ehrenkodex, wonach der Tod eines Teilnehmers regelmäßig den Abbruch des Turniers nach sich zieht.
Als weiteren Hinweis auf die Maßlosigkeit des Mauricius werten die Interpreten die Anzahl seiner Pferde sowie deren häufiges Wechseln gemäß den Versen 959-964 und
7 Vgl. den Text der Werkausgabe von Edward Schröder.
8 Vgl. den Text der Handschrift im Ambraser Heldenbuch.
Arbeit zitieren:
Dr. phil. Ass. iur. M.A. Reiner Scheel, 2001, Die Interpretation "Der Moriz von Craun als politische Satire" von Eva Willms u. a., München, GRIN Verlag GmbH
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