Gliederung
A. Vorwort
B. Hauptteil
1. Einige historische Aspekte/Herleitung der Komponentialsemantik
2. Aufgabe der Semantik/Idee der Komponentialsemantik
3. Methode der Komponentialsemantik
4. Eigenschaften der semantischen Merkmale
5. Anwendung der Komponentenanalyse auf diverse Wortschatzbereiche
6. Exkurs: Besonderheiten bei der Komponentenanalyse von Verben
7. Interpretation der semantischen Merkmale
C Nachwort
3
A. Vorwort
Das Thema der vorliegenden Arbeit ist identisch mit dem Thema des ebenfalls vom Verfasser gehaltenen Referats vom 09.11.2000. Naturgemäß ist die Hausarbeit wesentlich umfangreicher ausgefallen; auch sind die Schwerpunkte aufgrund der im Vergleich zum Referat längeren Reflexionszeit bei der Hausarbeit anders gewichtet worden. Letzteres gilt insbesondere für die breiter angelegte Darstellung der komponentenanalytischen Methode unter B. 3.. Dagegen sind bei beiden Prüfungsteilen im wesentlichen dieselben Quellen verwendet worden. Der Verfasser wünscht dem Leser viel Vergnügen bei der Lektüre.
B. Hauptteil
1. Einige historische Aspekte; Herleitung der Komponentialsemantik
Ursprünglich, das heißt im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, war für die Sprachwissenschaft allein die Bedeutungsentwicklung einzelner Wörter - die Etymologie - interessant. 1 Der für die Semantik zentrale Begriff des „Wortfelds“ wurde zum Beispiel erst 1931 entwickelt: Hiernach ist die Bedeutung eines Wortes aus dessen Abgrenzung zu bedeutungsverwandten Wörtern zu ermitteln. 2 Es sind also bei der Bedeutungsanalyse eines einzelnen Wortes auch dessen Nachbarbegriffe zu berücksichtigen. 3 In einem späteren Versuch 4 wurde beispielsweise die Bedeutung der Wörter mit der Struktur ihrer Anwendungsbedingungen erklärt. 5
Die Komponentialsemantik beruht dem Grunde nach auf Theorien vom Begriff, welche die Logik im antiken Griechenland entwickelt hat; daher wird die Komponentialsemantik auch als Aristotelische Semantik bezeichnet. 6 Neu ist dagegen der strukturalistische Charakter ihrer methodischen Vorgehensweise: Einerseits wird die Darstellung eines Wortfeldes als eines auf bestimmte Art strukturierten semantischen Verbandes als strukturalistisch bewertet, andererseits gilt die Komponentialsemantik wegen ihrer im Vergleich zu früheren sprachwissenschaftlichen Theorien größeren methodischen Strenge und wegen ihres Versuchs, eine innere Ordnung sprachlicher Bereiche zu ermitteln, als strukturalistisch. 7
2. Aufgabe der Semantik; Idee der Komponentialsemantik
Die Semantik im allgemeinen hat die Aufgabe zu erläutern, wie die Sätze einer Sprache verstanden und interpretiert sowie auf Vorstellungen und Sachverhalte der Umwelt bezogen werden. Dies geschieht sowohl durch Analyse der Wortbedeutungen als auch durch die Feststellung, wie sich die einzelnen Wörter eines Satzes aufeinander beziehen. Die Art dieser Beziehung steht weiterhin im unmittelbaren Zusammenhang mit der syntaktischen Struktur eines Satzes. 8
1 vgl. Bierwisch S. 657
2 vgl.Trier S. 3
3 vgl.Trier aaO
4 vgl. Zusammenfassung bei Leisi auf S. 16
5 weitere Nachweise bei Bierwisch S. 657 f.
6 vgl.Linke S. 147
7 vgl.Linke aaO mit weiteren strukturalistischen Charakteristika
8 vgl. zu diesem Abschnitt Bierwisch S. 658
4
Die Komponential- oder Merkmalsemantik 9 beruht auf dem sog. Kompositionalitätsprinzip: Danach ergibt sich die Bedeutung eines komplexen Ausdrucks aus der Bedeutung seiner einzelnen Teile und der Art, wie dieser Ausdruck daraus ge-formt ist. 10 Das Kompositionalitätsprinzip gilt nicht nur für die Semantik von Wörtern sondern auch für die Bedeutung von ganzen Sätzen. 11 Für die vorliege nde Arbeit ist jedoch einzig seine Relevanz für die Analyse von Wortbedeutungen von weitergehendem Interesse. Ausgangspunkt der Komponentialsemantik ist die Betrachtung von Wortbedeutungen oder Morphemen (=kleinste bedeutungstragende Einheiten) als Grundeinheiten der Sprache: Sie werden nicht als etwas (unzerteilbar) Atomares sondern als etwas Zusammengesetztes (sog. Merkmalkomplexe) angesehen. 12
3. Methode der Komponentenanalyse
Die Erkenntnis von Wortbedeutungen als Komplexen von semantischen Merkmalen bildet die Grundlage für die komponentialsemantische Methode. Demnach lässt sich die Bedeutung eines Wortes in eine Reihe von Teilbedeutungen aufspalten. Beispielsweise kann die Bedeutung von ‚Mann’ aufgeteilt werden in (LEBENDIG, MENSCHLICH, MÄNNLICH, ERWACHSEN). Hierdurch wird eine innere Struktur der Bedeutungen von Wörtern offenbar; diese Struktur kann als Merkmalbündel dargestellt werden. Zugleich wird deutlich, dass die Verknüpfung bestimmter Merkmale für die Bedeutung eines Wortes konstitutiv ist. Die semantischen Merkmale grenzen folglich Wortbedeutungen voneinander ab. Auf das obige Beispiel angewendet ergibt sich: Das Merkmal (LEBENDIG) grenzt die Bedeutung von ‚Mann’ unter anderem von der Bedeutung von ‚Männerleiche’ ab; durch das Merkmal (MENSCHLICH) erfolgt die Abgrenzung der Bedeutung von ‚Mann’ von der Bedeutung von ‚Hengst’ oder ‚Eber’; mit dem Merkmal (MAENNLICH) wird die Bedeutung von ‚Mann’ von der Bedeutung von ‚Frau’ abgegrenzt; schließlich wird mit dem Merkmal (ERWAC HSEN) die Abgrenzung der Bedeutung von ‚Mann’ von der Bedeutung von ‚Knabe’ vorgenommen. Wegen ihrer abgrenzenden Funktion werden die semantischen Merkmale auch als distinktive Merkmale oder „Seme“ bezeichnet. Aus dem folgenden Schema, welches auf die Aristotelische Einteilung zurückgeht, erhellt sich die binäre (=zweiteilige) Konzeption der Merkmale:
9 Bierwisch S. 657 ff. verwendet noch den Begriff „Strukturelle Semantik“
10 vgl. Linke S. 139
11 vgl. hierzu Schwarz/Chur S. 117
12 vgl. Linke S. 146
Arbeit zitieren:
Dr. phil. Ass. iur. M.A. Reiner Scheel, 2001, Komponentialsemantik / Strukturelle Semantik, München, GRIN Verlag GmbH
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